KREDIT und KAPITAL - Heft 1/1970


Inhalt


Abhandlungen

Brunner, Karl
Eine Neuformulierung der Quantitätstheorie des Geldes. Die Theorie der relativen Preise, des Geldes, des Outputs und der Beschäftigung

Kleinewefers, Henner
Die Politik der Deutschen Bundesbank in dem Konjunkturzyklus 1964 bis 1968

Linhardt, Hanns
Die Entstehung der europäischen Geldmärkte auf Grund der jüngsten Fugger-Forschungen von Götz von Pölnitz


Buchbesprechungen


Geldtheorie und Geldpolitik. Günter Schmölders zum 65. Geburtstag
(Ulrich Schirmer)

Uhlenbruck, Dirk
Die verfassungsmäßige Unabhängigkeit der Deutschen Bundesbank und ihre Grenzen
(Gerhard Herbst)


Zusammenfassungen

Brunner, Karl
„Eine Neuformulierung der Quantitätstheorie des Geldes. Die Theorie der relativen Preise, des Geldes, des Outputs und der Beschäftigung“

Die in diesem Beitrag erörterten Grundideen erfordern eine analytische Aufbereitung, um schließlich eine fundierte empirische Aussage zu erlauben. Es muß im einzelnen gezeigt werden, wie die Bedeutung der relativen Preise für Vermögensobjekte formalisiert werden kann, indem hinreichend spezifizierte Nachfrage- (oder Angebots-) funktionen für die Vermögensbestände erarbeitet werden, die in der Vermögensbilanz des Publikums grob aufgeführt wurden. Schließlich bedarf es eines letzten konstruktiven Schrittes, um das entwickelte System mit Hilfe einer angemessenen Transformation in ein handliches analytisches Schema der, quantitätstheoretischen Form' zu reduzieren. So entsteht eine „Quantitätstheorie“, die sich auf den Zinsmechanismus konzentriert; oder bessergesagt, auf die zentrale Rolle des Mechanismus der relativen Preise für Vermögen, für Verbindlichkeiten und den Output.

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Kleinewefers, Henner
„Die Politik der Deutschen Bundesbank in dem Konjunkturzyklus 1964 bis 1968“

Die kurze Überprüfung der Ergebnisse der isolierten Betrachtung der Bundesbankpolitik durch die Untersuchung anderer das monetäre Geschehen beeinflussenden Faktoren hat die früheren Schlußfolgerungen bestätigt, indem gezeigt werden kann, daß die der Bundesbank zugeschriebenen Effekte weitgehend auf andere Einflußgrößen zurückzuführen sind, auf die die Bundesbank selbst keinen Einfluß nehmen kann. So wurde festgestellt, daß die Liquiditätsklemme von Anfang 1966 in erster Linie wachstums- und inflationsbedingt war und nur zu einem ganzgeringen Teil auf die Mindestreserveerhöhung zurückzuführen war, die zudem noch durch den Notenbankkredit überkompensiert wurde. Hingegen war die Bundesbank an der Liquiditätsauflockerung seit Beginn des Jahres 1967 durch ihre Mindestreservesenkungen so stark beteiligt, daß man sich im Hinblick auf die künftige Handhabung der Mindestreservepolitik schon fragen kann, ob sie hiermit nicht eher des Guten zu viel getan hat; denn es kann nicht die Aufgabe der Mindestreservepolitik sein, den Liquiditätsbedarf einer wachsenden Wirtschaft zu befriedigen, hierfür müssen vielmehr andere, dauerhaftere Quellen benutzt und notfalls erschlossen werden. In Bezug auf die Entwicklung des Kreditvolumens wurde gezeigt, daß eine isolierte Betrachtung der Kredite zu falschen Resultaten führt. Es müssen zusätzlich die Geldkapitalbildung und die Entwicklung der Finanzierungssalden untersucht werden, wenn man zu einer zutreffenden Beurteilung der Bedeutung eines starken Wachstums des Kreditvolumens kommen will. Die Zunahme des Kreditvolumens auch während der stärksten Liquiditätsanspannung der Banken ist kein Zeichen für die Unwirksamkeit der Bundesbankpolitik, sondern ein Ausdruck der stark divergierenden Entwicklung innerhalb des Unternehmungssektors im besonderen und zwischen den verschiedenen volkswirtschaftlichen Bereichen im allgemeinen. Eine Gleichsetzung von zusätzlichem Kredit mit zusätzlicher Nachfrage ist vor allem für die Jahre 1966/67 keineswegs gerechtfertigt. Die Entwicklung der ZiAnssätze für kurz- und langfristiges Kapital unterlag sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite mannigfachen Einflußfaktoren, zu deren Steuerung die Bundesbank nicht in der Lage war. Hingegen war der Einfluß der Bundesbank selbst recht gering. Er beschränkte sich während der Phase der Zinssteigerung auf die Einführung der Couponsteuer und auf die von der Mindestreserveerhöhung ausgehende, vergleichsweise geringfügige Liquiditätsverknappung. In der Zeit der Zinssenkung wirkte die Bundesbank durch die erheblichen Mindestreservesenkungen liquidisierend. Sie beschleunigte auf diese Weise die Zinssenkung am Geldmarkt, konnte aber nicht erreichen, daß der Kapitalmarkt hiervon in gleichem Maß profitierte, und es ist äußerst fraglich, ob zusätzliche massive Direktinterventionen auf dem Kapitalmarkt eine dauerhafte weitere Zinssenkung für langfristiges Kapital ermöglicht hätten. Das notenbankpolitische Instrumentarium wurde also in der Zeit der Restriktion nur in sehr geringem Umfang eingesetzt, und seine Wirkungen wurden durch andere Einflußgrößen völlig überdeckt. Es erscheint daher als sehr problematisch, wenn man versucht, zwischen dem Einsatzbestimmter Instrumente und gewissen Vorgängen im monetären und realen Bereich direkte Beziehungen herzustellen und daraus auf den "Bremsweg der notenbankpolitischen Maßnahmen zu schließen". Der Schluß „post hoc, ergo propter hoc“ kann nicht erlaubt sein, wenn das angeblich auslösende Moment von derartig geringfügiger Bedeutung ist im Vergleich zu anderen gleichzeitig wirkenden Faktoren. In der Zeit der Expansion hat die Bundesbank ihr Instrumentarium recht kräftig eingesetzt. jedoch wurden auch hier gute Gründe gefunden zu vermuten, daß der konjunkturelle Wiederaufschwung weniger den monetären Erleichterungen, die zudem nicht nur von der Bundesbankpolitik, sondern vor allem auch von dem auswärtigen Zahlungsverkehr herrührten, zuzuschreiben ist als der wesentlich verbesserten politischen Lage und vor allem dem Nachlassen des Kostendrucks und der darausfolgendAen Gewinnkompression. Es scheint also so, daß bei der Analyse des letzten Konjunkturzyklus der Notenbankpolitik sowohl von ihren Gegnern als auch von ihren Befürwortern eine Bedeutung zugeschrieben wird, die sie weder absolut gesehen noch im Vergleich zu den anderen wirkenden Faktoren gehabt hat.

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