KREDIT und KAPITAL - Heft 1/1971


Inhalt


Abhandlungen

Tichy, Gunther
Das magische Fünfeck und die Trade-off Analyse

Monissen, Hans G.
Analyse der Keynesianischen Liquiditätspräferenzfunktion

Wildhagen, Jürgen
Das Schuldnerkündigungsrecht in Anleiheverträgen


Berichte

Neumann, Manfred J. M.
Konstanzer Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy 1970

Buchbesprechungen

Kartsaklis, Georg A. B.
Theoretische Untersuchungen zum mikro- und makroökonomischen Kreditangebot
(Hermann Priester)

Hauser, Richard
Vermögensumverteilung bei schleichender Inflation
(Hans-Dieter Frey)

Scammell, W. M.
The London Discount Market
(Manfred J. M. Neumann)


Theorie und Praxis des finanzpolitischen Interventionismus
(Friedrich Dienethal)

Walters, Allan A.
Money in Boom and Slump – An Empirical Inquiry into British Experience since the 1880s
(Manfred J. M. Neumann)


Zusammenfassungen

Tichy, Gunther
„Das magische Fünfeck und die Trade-off Analyse“

Zum Unterschied von den bisher besprochenen Studien, die das Indikatorproblem zum Teil ignorieren, zum Teil Behelfslösungen verwenden, versuchte es der Autor dieser Studie bei einer Untersuchung der österreichischen Währungspolitik zu umgehen. Dabei kam ihm zu Hilfe, daß die Österreichische Nationalbank mangels eines entwickelten Geldmarktes nicht laufend interveniert, sondern diskrete Maßnahmen spezifisch expansiven oder restriktiven Charakters setzt. Das ermöglichte es, die Konstellation der Zielgrößen zu untersuchen, die zu den Maßnahmen der Währungspolitik Anlaß gab. Die Ergebnisse zeigen, daß auch die österreichische Währungspolitik sich jeweils der Ziele annimmt, die besonders gefährdet sind; es waren keine besonderen Präferenzen für das Stabilitätsziel festzustellen. Andererseits zeigte die Untersuchung aber auch, daß die Maßnahmen insbesondere in früheren Jahren häufig relativ spät getroffen wurden, so daß ihre antizyklische Wirkung darunter zumindest litt.

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Monissen, Hans G.
„Analyse der Keynesianischen Liquiditätspräferenzfunktion“

Der in der makroökonomischen Lehrbuchliteratur präsentierte Verlauf der Liquiditätspräferenzfunktion schließt einen Bereich absoluter Liquiditätspräferenz ein, der dann erreicht ist, wenn die laufende Zinsertragsrate auf eine kritische Mindestrate gefallen ist, bei der niemand mehr bereit ist, sein Vermögen in Wertpapieren anzulegen. Dieser Verlauf wird entweder ad hoc postuliert oder durch Verweis auf ein ganz spezifisches Portfolioverhalten, das sich allein am erwarteten Periodenertrag orientiert, legitimiert. Es konnte nachgewiesen werden, daß unter diesen Keynesianischen Verhaltensannahmen die gleichgewichtige Zinsertragsrate immer über der kritischen Mindestrate liegen wird, sofern die Zahl der existierenden Wertpapiere nicht gleich Null ist. Solange dies nicht der Fall ist, ist das Phänomen der Liquiditätsfalte für die makroökonomische Geldnachfragefunktion nicht ableitbar. Darüber hinaus hängen sowohl die aggregierte Geldnachfragefunktion als auch die korrespondierende Wertpapiernachfragefunktion in kritischer Weise nicht nur vom Wert des Gesamtvermögens, sondern auch von seinen Komponenten ab. Da im Gleichgewicht die gesamte Geldmenge von den Baissiers und der gesamte Wertpapierbestand von den Haussiers gehalten wird, ergibt sich eine ganz besonders starke Sensitivität der Makrorelationen in bezug auf jede Änderung der zugrundeliegenden Mikrostruktur. Eine unmittelbare Konsequenz des spezifischen Portfolioverhaltens betrifft die mathematische Formulierung der Makrorelationen: In der Gleichgewichtslösung verlaufen beide Nachfragefunktionen geknickt und sind deshalb an dieser Stelle nicht differenzierbar. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, in etwas erschwerender Weise mit zwei Randableitungen zu arbeiten. Da jedes Wirtschaftssubjekt sein gesamtes Vermögen entweder ganz in Kasse oder ganz in Wertpapieren anlegt und da diese Entscheidungen nur von einem Vergleich der laufenden Zinsertragsrate mit der erwarteten Rate abhängt, die ihrerseits unabhängig von der Vermögensposition ist, ließ sich zeigen, daAß die Mikrorelationen linear homogen in den einzelnen Vermögensaktiva sind. Eine analoge Eigenschaft liegt den abgeleiteten Makrorelationen zugrunde. Mit Hilfe eines Partialmodells des Geld- und Wertpapiermarkts konnten einige mutatis-mutandis-Relationen abgeleitet werden, die sowohl für die Ermittlung empirischer Geldnachfragefunktionen als auch für eine rationale Grundlegung geldpolitischer Maßnahmen von Bedeutung sind. Dies sind: die Zinsreaktionskurven aufgrund von Variationen der Geldmenge und die Zinsreaktionskurven aufgrund von entgegen gerichteten Variationen der Geldmenge und der Zahl der Wertpapiere (Offenmarktoperationen). Mit jeder Erhöhung der Geldmenge verschiebt sich die gesamtwirtschaftliche Geldnachfragefunktion nach rechts. Bei sukzessiver Erhöhung der Geldmenge beschreibt die Lösungsmenge die Zinsreaktionskurve, die sich asymptotisch der kritischen Mindestrate nähert. Stützt die zentrale Geldinstanz ihre geldpolitischen Maßnahmen allein auf Geldmengenerhöhungen, so kann sie die Zinsertragsrate nicht unter die kritische Mindestrate reduzieren. Diese Zinsreaktionskurve darf unter keinen Umständen mit der jeweils im Gleichgewicht konstruierten Geldnachfragefunktion verwechselt werden, denn beide Kurven basieren auf verschiedenen konzeptionellen Experimenten. Solange die Zahl der Wertpapiere nicht gleich Null ist, verläuft die Geldnachfragefunktion weiterhin asymptotisch zur Abszisse. Grundlage diskret durchgeführter Offenmarktoperationen sind die in jedem Gleichgewicht neu abzuleitenden Nachfragerelationen. Entlang dieser Kurven lassen sich die Angebotsfunktionen so verschieben, daß wir jede beliebige Zinsrate stabilisieren können. Da aufgrund unterschiedlicher Vermögenseffekte die im neuen Gleichgewicht konstruierten Nachfragerelationen mit den Ausgangsrelationen nicht mehr identisch sind, ist der Prozeß irreversibel. Der Prozeß ist reversibel, wenn wir die Offenmarktoperationen kontinuierlich durchführen. Die aus diesem Prozeß abgeleitete Zinsreaktionskurve verläuft nur bis zur kritischen Mindestrate. Um diese Rate jedoch zu erreichen, muß die zentrale Geldinstanz das gesamte Wertpapiervermögen des privaten Sektors aufkaufen.

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Berichte

Neumann, Manfred J. M..




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