KREDIT und KAPITAL - Heft 3/1971


Inhalt


Abhandlungen

Teigen, Ronald L.
Some Observations on Monetarist Analysis

Cassel, Dieter und Thieme, H. Jörg
Die US-Inflationsbekämpfung 1966 bis 1970: Einige Konsequenzen für die Bundesrepublik Deutschland

Schmidt, Hartmut
Zur Habenszinsbindung in den Vereinigten Staaten

Schmölders, Günter
Zur Diskussion um die Olympia-Goldmünze


Berichte

Páramo, J. M. G.
Soziologische und ökonomische Probleme der Klein- und Mittelbetriebe in Spanien


Buchbesprechungen

Scharrer, Hans-Eckart
Portfolio-Kapitalexport und Zahlungsbilanz
(Lutz R. Raettig)

Zahrnt, Hans-Christoph
Die Sicherheit der Scheckeinlösung
(Oswald Hahn)

Tomuschat, Christian
Die Aufwertung der Deutschen Mark, staats- und völkerrechtliche Überlegungen zur Neufestsetzung der Währungsparität im Jahre 1969
(Johannes Bärmann)


Zusammenfassungen

Teigen, Ronald L.
„Einige Bemerkungen zur monetaristischen Analyse“

Dieser Beitrag versucht, die Hauptlinien des monetären Ansatzes zu skizzieren. Es wurde dargelegt, daß das Keynesianische Modell, gegen das sich das monetaristische Modell richtet, eine veraltete, unzulängliche und - um mit Harry G. Johnson zu sprechen - "vulgäre" Version des gegenwärtigen postkeynesianischen Denkens ist. Korrigiert man die falschen Behauptungen der Monetaristen über den modernen Keynesianismus, stellen sich die beiden Modelle als sehr ähnlich heraus. Der Unterschied liegt nicht darin, daß eine Version (die Keynesianische) auf einer theoretisch unbefriedigenden Deus ex machina- Annahme beruht, während die andere Version eine große Anzahl unspezifizierter ökonomischer Verhaltensweisen impliziert, sondern er beruht hauptsächlich auf dem Realitätsgehalt und der Relevanz der jeweiligen Prämissen. Dabei erscheint die typisch Keynesianische Annahme inflexibler Geldlöhne für die kurzfristige (d. h. stabilitätspolitische) Analyse geeigneter, während die typisch monetaristische Annahme flexibler Preise und Löhne resp. die Vorstellung, daß der Zinssatz durch andere Faktoren als Gesamtangebot und -nachfrage bestimmt wird, für die Analyse säkularer Veränderungen angemessener zu sein scheinen. Es hat weiter den Anschein, daß die monetaristische Betörtheit von der Geldmenge der monetaristischen Logik nicht entspricht, nach der Portfolioungleichgewichten großes Gewicht als treibendem Faktor der wirtschaftlichen Aktivität beigemessen wird. Rein logisch läßt sich aus dieser Sicht nicht ableiten, daß beobachtete Veränderungen der Geldmenge irgendeine besondere Bedeutung als verursachender Faktor haben. Wie in diesem Beitrag gezeigt wurde, bedarf es weiterer Annahmen über Elastizitäten, Preisflexibilität usw., um monetären Veränderungen einen Ehrenplatz einzuräumen. Als positiver Beitrag zur Entwicklung makroökonomischen Denkens ist der monetaristische Einwand zu bewerten, daß die Verknüpfungen zwischen den monetären und realen Sektoren, auf die sich die meisten Keynesianer stützen, nicht denen entsprechen, die Keynes im Sinn hatte, und daß die wichtigen Substitutions- und Vermögenseffekte, die Begleiterscheinungen von Portfolioanpassungen sind, völlig übersehen werden. Außerdem haben die Monetaristen die offenbar zuerst von Irving Fisher vorgenommene Unterscheidung zwischen Markt- und Realzinssätzen in den Blickpunkt gerückt und damit auf die unter Umständen wichtige Rolle der Preiserwartungen in dynamischen Makromodellen aufmerksam gemacht. Diese Phänomene lassen sich in empirischen Modellen nur sehr schwer fassen, doch wird daran gearbeitet. Es ist zu hoffen, daß sie in den nächsten Jahren zu Grundzügen keynesianischer theoretischer und empirischer Modelle werden und daß verlässliche empirische Untersuchungen vorliegen, so daß die verbleibenden Fragen, die uns trennen, geschlichtet werden können. Insbesondere geht es um die Frage, ob wir, wie Brunner es ausdrückt, die Möglichkeit verwerfen können, daß "... umfänglich erfaßte Allokationsstrukturen einen wesentlichen Einfluß auf das Gesamtniveau der wirtschaftlichen Aktivität haben...", und auf der Basis weiterarbeiten können, daß "...Niveaufaktoren und Strukturfaktoren annähernd unabhängig voneinander sind" (vgl. K. Brunner, "The Monetarist Revolution" in Monetary Theory, WWA/Bd. 105, S. 14). Dieser Standpunkt, der den größten Teil der Detailbetrachtungen, die gegenwärtig in die großen ökonometrischen Modelle wie das Federal Reserve Board-MIT-Modell eingebettet sind, als irrelevant und sogar irreführend entwertet, scheint den meisten ökonometrischen Untersuchungen der Monetaristen zugrunde zu liegen. Es erscheint dem Autor als eine verallgemeinernde Neuformulierung der alten quantitätstheoretischen Position, daß die Geldnachfragefunktion äußerst stabil ist in dem Sinne, daß sie wenige Determinanten hat (und insbesondere auf wenige, wenn überhaupt auf irgendwelche Erträge anderer Aktiva reagiert). Wird die Geldnachfrage beispielsweise als nur vom Einkommen (oder Vermögen) abhängig gesehen, brauchen wir für die Niveauprobleme nichts über die Bestimmungsgründe der Preise (Erträge) und Mengen wissen, die auf den verschiedenen Finanzmärkten angeboten und nachgefragt werden. Aber das ist, wie Brunner herausstellt, eine empirische Frage, die außerhalb der Problemstellung dieses Beitrags liegt.

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Berichte

Páramo, J. M. G.
“Soziologische und ökonomische Probleme der Klein- und Mittelbetriebe in Spanien“

1. Die durchschnittliche Größe der spanischen Industrieunternehmen ist ziemlich klein, nicht zuletzt als Folge der dünnen Besiedlung weiter Landflächen mit relativ niedrigem Einkommensstand. Diese Vielzahl kleiner Unternehmen ergibt sich ihrerseits wieder aus den infrastrukturellen Gegebenheiten auf dem Lande, was zur Folge hat, daß es auch in der spanischen Landwirtschaft im allgemeinen keine großen Betriebe gibt.
2. Der spanische mittelständische Unternehmer - im Industriebereich, im Fischereigewerbe, im Agrarsektor - ist meist unzulänglich ausgebildet; es fehlen qualifizierte Führungskräfte.
3. Das steuerliche und kreditpolitische System in Spanien bietet den kleinen und mittleren Unternehmen nicht die erwünschte Chancengleichheit und die gleichen Wettbewerbsbedingungen.
4. Bestimmte Finanzierungsarten und -formen sind in Spanien noch unterentwickelt.
5. Es ist notwendig, Institutionen zu schaffen, die sich der betriebswirtschaftlichen und technischen Beratung (Prognosen, Marktforschung usw.) widmen.
6. Die Vorteile, die bislang nur auf Exportunternehmen mit einer "Exporteurskarte" beschränkt sind, müssen auch auf kleinere Unternehmen ausgedehnt werden.
7. Es ist eine Mittelstandspolitik erforderlich, die im Hinblick auf den europäischen Markt wettbewerbsfähige Mittelunternehmen schafft und das Vordringen ausländischer Firmen in Spanien einschränkt, vor allem in Anbetracht der weiteren Entwicklungsanforderungen an die spanische Wirtschaft.

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