Issing, Otmar
Auslandsvermögen und Kapitalertragsbilanz der Bundesrepublik
Neumann, Manfred J. M.
Zwischenziele und Indikatoren der Geldpolitik
Büschgen, Hans E.
Struktur des Bankensystems und Geldpolitik
Grebler, Leo
Amerikanische Wohnungsfinanzierung - Versuch einer vergleichende Studie
Schirmer, Ulrich
Der Einfluß der paramonetären Institutionen auf die Vermögensbildung, das Kreditangebot und die Geldpolitik
(Manfred Willms)
Neumann, Manfred J. M.
„Zwischenziele und Indikatoren der Geldpolitik“
Zusammenfassend können wir aus der vorgeführten Indikatoranalyse folgern: Die Einwirkung der von geldpolitischen Instanzen emittierten Impulse auf die Wirtschaftsaktivität wird relativ am besten von der erweiterten Geldbasis indiziert. Einen weniger geeigneten, jedoch allen anderen in der Literatur diskutierten Variablen des monetären Sektors überlegenen Indikator für diesen Zweck gibt die Geldmenge ab. Allerdings, wenn es darum geht, statt des geldpolitischen Impulses die Wirkungsrichtung des monetären Gesamtimpulses zu indizieren - ein Aspekt, der hier nicht diskutiert worden ist, der aber gleichfalls für die Geldpolitik von erheblicher Bedeutung ist -, dann stellt die Geldmenge den relativ besten ordinalen Indikator dar, weil sie außer dem geldpolitischen Impuls auch die aus der Interaktion von Publikum und Banken resultierenden Impulse erfaßt. Wie sehr sich die Geldmenge als Indikator des monetären Gesamtimpulses eignet, zeigt das von Friedman/Schwartz in ihrer voluminösen Monetary History of the United States, 1867 - 1960, vorgelegte empirische Material zur Genüge.
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Büschgen, Hans E.
„Struktur des Bankensystems und Geldpolitik“
Durch das große Ausmaß der Fristentransformation ist die Universalbank in der Lage, einerseits Geldsubstitute anzubieten, die die Liquidität der Anleger in dem Maße kürzen, wie sie durch die Eröffnung von Finanzierungspotenzen Liquidität verleiht. Dieser hohe Grad der Fristentransformation macht sie aber andererseits empfindlich für die Liquiditätspolitik der Notenbank. Diese Empfindlichkeit ist im Spezialbankensystem mit zahlreichen von der Notenbank nicht belasteten Finanzierungsinstitutionen ("financial intermediaries") und geldnahen Geldsubstituten ("near-moneys") nicht in dem Maße gegeben.
Die Durchsetzbarkeit der Geldpolitik, die den Zins als strategischen Faktor begreift, ist bei der Universalbank und der Depositenbank im Trennsystem in dem Maße sichergestellt, wie diese Institute kürzerfristig überlassene Gelder längerfristig ausleihen, jederzeit auf rechtzeitigen Geldanschluß bedacht sein müssen und Kursverluste zu vermeiden suchen.
Die notenbankpolitische Effizienz liquiditätsbeeinflussender Zinsvariationen ist in einem Universalbankensystem, bei dem die Forderungs- und Schuldenketten der anderen Sektoren der Wirtschaft - als Überschußeinheiten oder als Defiziteinheiten - zusammenlaufen, größer als in einem Trennsystem, in dem "nur" die Depositenbanken Fristen transformieren und die übrigen Institute kongruente Finanzierung betreiben. Wenn aber auch Depositenbanken sich kongruent refinanzieren, Reservepositionen eine hohe, verlustfreie Mobilisierbarkeit immanent ist, so reagiert ein solches System weniger auf Zinsänderungen. Ebenso wenig reagieren die Wirtschaftssubjekte, die solche Positionen "ewig" (bis zur Fälligkeit) halten, auf Zinsänderungen.
Die Liquidität der Wirtschaft, die quantitative und qualitative Finanzierungspotenz, liegen insoweit in den Händen der Banken, wie diese das Risiko der Transformation tragen; denn sind sie selber in der Verleihung von Liquidität eingeschränkt oder wenn sie die Risiken überwälzen, nimmt der Wert ihrer Verbindlichkeiten ab (Kursverluste) und lässt den ??Finanzierungsspielraum der Halter solcher Positionen geringer werden.
Soweit sich im englischen Bankensystem Finanzierungsinstitute institutionalisieren, durch deren Arbeits- und Funktionsweise permanent Titel an den Markt gebracht werden, erhöhen diese die Liquidität in der Wirtschaft. Indem diese Papiere die Liquiditätsnachfrage befriedigen können und die effektive Nachfrage nicht durch die tatsächlichen Auszahlungen bestimmt wird - dazu ist Nachfrage nach Bargeld als Zahlungsmittel erforderlich -, sondern durch die Ausgabeentscheidungen der Wirtschaftssubjekte, beeinflussen diese Institutionen, die solche liquiden Positionen anbieten, ebenfalls die konjunkturelle Lage. Sie unterliegen direkt nicht der Geldpolitik, obwohl die Ausgabeentscheidungen nicht oder nicht nur von (Geld-)Kassenbeständen abhängen, sondern von Höhe, Verteilung und Struktur der liquiden Schiddtitel. Die Wirtschaftssubjekte werden also unter Umständen auf eine Veränderung der umlaufenden Geldmenge nicht in dem gewünschten Ausmaß mit einer Änderung ihrer effektiven Nachfrage reagieren, wenn und solange sie erwarten, Teile ihrer liquiden Forderungen jederzeit ohne größere Kursverluste in Geld (im Sinne von Zahlungsmitteln) umtauschen zu können.
Je mehr Institute sich neben den unter geld- und kreditpolitischen Kontrollen stehenden Kreditschöpfungsinstituten institutionalisieren, um so größer wird die Liquidität der Wirtschaft, d. h. der die Ausgabeneignungen und Ausgabeentscheidungen beeinflussende Liquiditätsspielraum der Wirtschaftssubjekte. Den in die quantitative und qualitative Finanzierungspotenz einbezogenen Forderungs- und Schuldenpositionen von Spezialbanken ist dann der Charakter von Geldsubstituten zuzuordnen, wenn den Titeln solcher Spezialinstitute ein hoher Liquiditätsgrad beigemessen wird und diese die Liquiditätsnachfrage des Gläubigers decken können. Werden z. B. Kreditnachfrager von Universalbanken, die der Restriktionspolitik der Notenbank unterliegen, abgewiesen und wenden sie sich an Kreditvermittler - Finanzierungs??institutionen eines spezialisierten Bankensystems, wie sie sich im englischen und amerikanischen Bankensystem in einer Vielfalt entwickelt haben -, so sind diese einerseits in der Lage, die Finanzierungspotenz der vom Geldschöpfungsinstitut abgewiesenen Ausgabenträger zu erhöhen, und andererseits ihren eigenen Verbindlichkeiten geldsubstitutiven Charakter, also hohe Liquiditätseigenschaft zu verleihen.
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Grebler, Leo
„Amerikanische Wohnungsfinanzierung - Versuch einer vergleichenden Studie“
Die amerikanische Wohnungsfinanzierung hat sich innerhalb einer Generation stark gewandelt. Unter den besonders bemerkenswerten Änderungen ist die Regierungsversicherung von Wohnungshypotheken, die allgemeine Tendenz zu hohen langfristigen ersten Hypotheken, und die Gründung übergeordneter, gemischt wirtschaftlicher Institute, die dem Wohnungssektor Zugang zum Wertpapiermarkt eröffnet haben. Die Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus ist gleichfalls im Wandel. Obwohl der Begriff der "sozialen Marktwirtschaft" in Amerika nicht bekannt ist, hat sich das System der Wohnungsfinanzierung, wie fast in allen anderen fortschrittlichen Staaten, zweifellos in dieser Richtung entwickelt. In einem Land, das ideologisch noch an den freien Wettbewerb gekettet zu sein scheint, ist das eine revolutionäre Wandlung. Die umfassende Sozialversicherung und die Pläne für ein garantiertes Mindesteinkommen sind weitere Beispiele einer Realität, die schon lange nicht mehr der traditionellen Ideologie entspricht.
Wie effizient ist die amerikanische Wohnungsfinanzierung? Darauf gibt es keine befriedigende Antwort. Man kann annehmen, daß ein logischer Zusammenhang zwischen den Finanzierungsmöglichkeiten und dem Wohnniveau besteht. Trotz der berüchtigten Slums ist das amerikanische Niveau im allgemeinen hoch und hat sich seit dem Weltkrieg beträchtlich verbessert. Ungefähr 80 Prozent der Eigenheime und Mietwohnungen sind von akzeptabler oder besserer Qualität, und die Wohndichte (Personen je Wohnung oder je Zimmer) ist im Vergleich mit anderen Ländern außergewöhnlich gering. Daß sich 60 Prozent der Familien Eigenheime leisten können (meist auf Abzahlung) zeigt ebenfalls ein hohes Niveau an, denn Eigenheime sind im allgemeinen größer und besser ausgestattet als Mietwohnungen. Aber wie weit das hohe Niveau den Finanzierungsmethoden oder anderen Umständen, wie z. B. dem hohen Durchschnittseinkommen, zuzuschreiben ist, kann man nicht sagen. Außerdem gibt es noch andere Maßstäbe, die über die Wohnungsqualität hinausgehen. Zum Beispiel ist der?? Vorteil des Eigenheimbesitzes in vielen Fällen auf Kosten immer längerer Entfernungen zwischen Wohnung und Arbeitsstelle erkauft worden.
Internationale Vergleiche sind noch viel schwieriger. Man könnte annehmen, daß sich die Effizienz der Wohnungsfinanzierung in der Spanne zwischen dem Hypothekenzins und dem Zins für "risikolose" Anlagen ähnlicher Laufzeit, wie z. B. staatliche Schuldverschreibungen, ausdrückt. Je niedriger die Spanne, desto wirksamer ist der Hypothekenmarkt organisiert. Aber der durchschnittliche Hypothekenzins in verschiedenen Ländern hängt u. a. von der Mischung von Groß- und Kleinobjekten (Eigenheimen), vom Anteil erst- und nachstelliger Darlehen und von Beleihungsgrenzen ab - Faktoren, die entweder die Transaktionskosten oder das Risiko beeinflussen. Auch ist das Risiko aus anderen Gründen nicht überall dasselbe. Wie am Anfang erwähnt wurde, ist das Risiko in Amerika schon dadurch größer als in Europa, daß sich Stadtteile, und damit Grundstückswerte, viel schneller ändern können. Außerdem ist die Spanne zwischen Hypothekenzinsen und Zinsen für staatliche, langfristige Schuldverschreibungen nach amerikanischer Erfahrung sehr unstabil; sie hängt von den allgemeinen Kreditverhältnissen ab. Und schließlich müßten noch viele statistische Vorarbeiten für verlässliche Berichte über Hypothekenzinsen geleistet werden. Aus ähnlichen Gründen kann auch die Spanne zwischen Hypothekenzinsen und den Zinsen, die Kreditinstitute für ihre Mittel bezahlen, für internationale Vergleiche irreführend sein. Doch könnte man vielleicht mit verhältnismäßig kleinen experimentellen Studien bestimmter Institute, deren Funktionen sich wirklich stark ähneln, beginnen.
Wie die Kapitalmarktstudie der OECD ausführt, "the concept of the efficiency of a financial system is very difficult to define objectively". Nach den Maßstäben dieser Studie kann man jedoch die amerikanische Wohnungsfinanzierung als verhältnismäßig effizient ansehen. "The principal determinant of a market's efficiency seems to be its fluidity -a conc??ept comprising a whole group of characteristics ... which include active competition between financial intermediaries, a wide range of financial instruments and securities to meet the preferences of savers and users, mobility of funds between sectors, plentiful information, etc." Die Flüssigkeit des Hypothekenmarktes ist durch die zweistufigen Institute, die Hypotheken kaufen und verkaufen, verstärkt worden. Die Konkurrenz der Kreditinstitute ist im großen und ganzen aktiv, mit Ausnahme von Kleinstädten, in denen der Darlehnsnehmer nur eine beschränkte Anzahl von Darlehnsgebern findet. Der kürzlich errungene Zugang zum Wertpapiermarkt hat eine neue Finanzierungsquelle erschlossen und wird weiter zur Mobilität von Kapitalmitteln beitragen. Historisch stark ortgebunden und allein dadurch nicht optimal, hat sich die amerikanische Wohnungsfinanzierung mit Staatshilfe mehr und mehr zu einem nationalen System entwickelt.
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