KREDIT und KAPITAL - Heft 2/1972


Inhalt


Abhandlungen

Fand, David J.
Geldtheorie und ökonometrische Großmodelle

Möller, Walter und Vogl, Gerald und Woll, Artur
Moderne Quantitäts- versus Liquiditätstheorie: Ein Test konkurrierender Hypothesen

Siebke, Jürgen und Willms, Manfred
Zinsniveau, Geldpolitik und Inflation

Wittstock, Jan
„Window-dressing“ in Bankbilanzen


Berichte

Dumitrescu, Stefan
Kreditorganisation in der Sozialistischen Republik Rumänien


Buchbesprechungen

Stein, Eckhart
Die Fusion der Girozentralen in Nordrhein-Westfalen
(Lutz R. Raettig)

Schmidt, Hartmut
Börsenorganisation zum Schutze der Anleger
(Manfred Steyer)


Zusammenfassungen

Fand, David J.
„Geldtheorie und ökonometrische Großmodelle“

Im vergangenen Jahrzehnt ist in den USA eine größere Anzahl gesamtwirtschaftlicher ökonometrischer Großmodelle konzipiert worden, die auf die Analyse der ökonomischen Entwicklung und die Gestaltung der Wirtschaftspolitik erheblichen Einfluß gehabt haben. Besonderes Interesse ist dabei in letzter Zeit der Frage entgegengebracht worden, welche Hypothesen über die Transmission monetärer Impulse auf realwirtschaftliche Größen Eingang in diese Modelle gefunden haben. Dieses Interesse resultierte vor allem daraus, daß die mit Hilfe der Großmodelle gewonnenen Prognosen zum Teil recht mangelhaft waren bzw. die daraus abgeleiteten wirtschaftspolitischen Strategien sich vor allem in bezug auf die Inflationsbekämpfung als wenig erfolgreich erwiesen haben. Die These des Verfassers geht dahin, daß die unbefriedigende Effizienz der Großmodelle maßgeblich darauf zurückzuführen ist, daß bei ihrer Konstruktion neuere geldtheoretische Erkenntnisse unzureichend berücksichtigt wurden. Im ersten Teil der Untersuchung werden wesentliche theoretische Charakteristika von neun ökonometrischen Großmodellen dargestellt. Alle Modelle sind stark aus der Sicht der keynesianischen Einkommen-Ausgaben-Theorie konzipiert, d. h. den Nominalzinssätzen wird eine zentrale Transmissionsfunktion zuerkannt, während quantitätstheoretische Vorstellungen kaum Eingang gefunden haben. Das äußert sich bei einem Teil der Modelle vor allem darin, daß die Geldbasis, der Bargeldumlauf, Sicht- und Termindepositen entweder gar nicht in die Modelle aufgenommen oder als endogene Variable behandelt werden, d. h. eine geldpolitische Funktion wird ihnen nicht zuerkannt. Andere Modelle arbeiten mit unzureichend spezifizierten Vermögensrechnungen, oder bestimmen Preisniveau und Nominallöhne exogen. Im zweiten Teil setzt sich der Verfasser mit der Methodik der verwendeten ökonometrischen Schätzverfahren auseinander. Er nimmt dabei bezug auf die Auseinandersetzung zwischen denjenigen, die die Schätzung von den Großmodellen zugrundeliegenden Strukturgleichungen befürworten, und den Monetaristen, die direkte Schätzungen über Gleichungen der reduzierten Form bevorzugen. Dabei wird auf die besonderen Probleme hingewiesen, die auftreten, wenn mit Hilfe einer der beiden Methoden die relative Effizienz geld- oder fiskalpolitischer Maßnahmen ermittelt werden soll. Entscheidend für die unterschiedliche Beurteilung dieser Frage ist nach Ansicht des Verfassers die richtige Bestimmung von exogenen und endogenen Variablen, sowie die adäquate Berücksichtigung der wichtigen Wirkungskanäle der Geld- und Fiskalpolitik. Im dritten Teil wird gezeigt, daß Fehlprognosen und wirtschaftspolitische Irrtümer der letzten Zeit vor allem darauf beruhen, daß mangelhafte geldtheoretische Vorstellungen maßgeblichen Einfluß auf die Konstruktion der Großmodelle hatten. So ist die Bedeutung von Veränderungen des Geldmengenwachstums auf die Inflationsrate nicht erkannt und der Einfluß von Inflationserwartungen auf die Höhe der Nominalzinssätze nicht beachtet worden. Wichtig ist auch die fehlende Unterscheidung von Nominal- und Realgrößen, sowie die von Geld- und Kreditvolumen. So erscheint eine Berücksichtigung dieser Probleme für die Verbesserung der prognostischen Effizienz von Großmodellen als unbedingt notwendig.

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Möller, Walter und Vogl, Gerald und Woll, Artur
„Moderne Quantitäts- versus Liquiditätstheorie: Ein Test konkurrierender Hypothesen“

In der vorhergehenden Studie wurde der Versuch unternommen, den Aussagegehalt des monetaristischen und liquiditätstheoretischen Konzepts für die Bundesrepublik Deutschland zu beurteilen. Für beide Konzepte wurden konkurrierende Hypothesen getestet, die von Köhler übernommen wurden. Der Berechnung lagen saisonbereinigte Quartalswerte für den Zeitraum I/1960 bis IV/1968 zugrunde. Die Testfunktionen der Thesen und Gegenthesen lieferten keine befriedigenden Ergebnisse, wenn man Korrelations-Koeffizienten als Maß des Zusammenhangs zwischen den Variablen sowie Durbin-Watson-Koeffizienten für die Autokorrelation benutzt. Demgegenüber läßt ein Vergleich der Ergebnisse für die konkurrierenden Hypothesen auf die Überlegenheit des monetaristischen Konzepts schließen. Im einzelnen kann man als grobe Tendenz die Aussagen machen:
- der Geldmenge und nicht dem Liquiditätssaldo kommt die größere Bedeutung als geldpolitische Variable zu;
- die Einflußrichtung verläuft von der Geldmenge zur monetären Gesamtnachfrage und nicht umgekehrt;
- die Deutsche Bundesbank konnte relativ erfolgreich den Geldangebotsprozeß kontrollieren.

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Siebke, Jürgen und Willms, Manfred
„Zinsniveau, Geldpolitik und Inflation“

1. Die Bedeutung der Untersuchung liegt darin, daß das Zinsniveau neben der Bankenliquidität einen wichtigen Indikator für die Beurteilung der monetären Entwicklung und der Auswirkungen geldpolitischer Entscheidungen darstellt. Ein hohes Zinsniveau wird als restriktive Phase und ein niedriges Zinsniveau als expansive Phase angesehen.
2. Der von dieser Interpretation des Zinsniveaus als Indikator vorausgesetzte Zusammenhang stellt sich nur ein, wenn geldpolitische Maßnahmen die Entwicklung des Zinsniveaus dominierend beeinflussen. Er gilt nicht mehr, wenn die Entwicklung der Kreditnachfrage die Entwicklung des Zinsniveaus dominierend bestimmt.
3. Der Einfluß geldpolitischer Maßnahmen und der Entwicklung der Kreditnachfrage auf das Zinsniveau wird überlagert von den Erwartungen der Wirtschaftseinheiten über die zukünftige Preisentwicklung. Die Wirtschaftssubjekte leiten ihre Erwartungen aus ihren Erfahrungen mit der eingetretenen Preisentwicklung, d. h. für die jüngere Vergangenheit aus der Inflationsrate, ab.
4. Die empirischen Untersuchungen bestätigen das Vorhandensein der drei genannten Effekte. Mittelfristig ist die Höhe des Zinsniveaus in erster Linie von den Preiserwartungen abhängig. Diese Ergebnisse stützen sich auf die Anwendung des Almon-Verfahrens.
5. In der Bundesrepublik erhöht sich der langfristige Zinssatz im Zeitablauf um 80 bis 85 % der erwarteten Inflationsrate. Beispielsweise hebt eine erwartete Preissteigerungsrate von 5 % das Zinsniveau absolut um 4 bis 4 1/4 % an.
6. Die Hälfte des Preiserwartungseffektes überträgt sich bereits in 6 bis 7 Monaten. Insgesamt hat er sich in etwa 2 Jahren durchgesetzt.
7. Der Realzins entspricht der Differenz zwischen dem beobachteten Nominalzins und der erwarteten Inflationsrate. Der Realzins hat in der Bundesrepublik eine Höhe von 5 %, um die er nur in engen Grenzen schwankt.

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Wittstock, Jan
„"Window-dressing" in Bankbilanzen“

Mit "window-dressing" bezeichnet man die seit langem bekannte Übung der Banken, die Höhe bestimmter Positionen ihrer Bilanzen durch eigens zur "Bilanzverschönerung" betriebene und daher stichtagsbezogene Maßnahmen zu beeinflussen. Im engeren Sinne bedeutet "window-dressing" die bilanzpolitisch motivierte Manipulation des Zentralbankguthabenbestands. Ursache dieses "window-dressing" ist das Bestreben der Banken, der an ihren Bilanzen interessierten Öffentlichkeit ein möglichst günstiges Bild ihrer Liquidität darzulegen. Außerdem kann das "window-dressing" eine Erhöhung der Bilanzsumme und damit "Wachstum" bewirken sowie einen Beitrag zur Stabilisierung der über einen Zeitraum von mehreren Jahren hin ausgewiesenen Entwicklung der Zentralbankguthaben und der Bilanzsumme leisten. Unmittelbar abzuleiten ist das "window-dressing" aus dem geschäftspolitischen Ziel der Standingpflege. In dem vorliegenden Artikel wurde die Hypothese vom "window-dressing" empirisch überprüft und zwar am Beispiel der Jahresabschlüsse der Banken in der Bundesrepublik seit 1963. Für diese Untersuchung wurden nicht nur die im Monatsverlauf praktizierten Strategien der Banken zur Erfüllung ihrer Mindestreserveverpflichtungen analysiert, sondern auch die auf dem Geldmarkt am Bilanzstichtag gezahlten Zinssätze. Betrachtet man die Banken insgesamt, so zeigt sich, daß sie am Jahresultimo über vergleichsweise sehr hohe Bestände an Zentralbankguthaben verfügen, die nur mit Hilfe der "window-dressing" Hypothese erklärt werden können. Eine Untersuchung der bedeutendsten 5 Bankengruppen ergab außerdem, daß 4 von ihnen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes "window-dressing" betreiben. Lediglich die Sparkassen verzichten auf "window-dressing".

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Berichte

Dumitrescu, Stefan
„Kreditorganisation in der Sozialistischen Republik Rumänien“

Das Ende des Krieges im August 1944 hatte für Rumänien tiefgreifende Änderungen auf wirtschaftlichem, finanziellem und politischem Gebiet mit sich gebracht, unter anderem die Verstaatlichung der Nationalbank, der Kreditinstitute, der Unternehmen und des Grundeigentums. Nach verschiedenen Reformen erhielt 1955 die Nationalbank ein neues Statut. Eine der ersten Bankgründungen nach der Nationalbank war die Rumänische Investitionsbank (Banca romana de Investitie). Der Finanzierung der Landwirtschaft und der Ernährungsindustrie dient die Bank für Landwirtschaft. Für alle privaten Spar- und Hinterlegungsgeschäfte gibt es eine zentrale Sparkasse (Casa de Economie si Consemnatinuie). Zur Abwicklung der Zahlungs- und Wechseloperationen mit dem Ausland und zur Devisenkontrolle wurde die Bank für Außenhandel (Banca romina de Comert exterior) gegründet.

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