Lipfert, Helmut
Die Erfindungskraft des Bankiers im Dienste des internationalen Kapitalmarktes
Tiegel, Dieter
Zu den Wandlungen der Marx'schen Geldlehre in der sowjetischen Ökonomie
Jüttner, D. J. und Tuckwell, R. H.
Partial Adjustment, Multiple Expectations, and the Demand for Money in Australia
Caesar, Rolf
Das Zahlungsbilanzgleichgewicht im Konjunkturverlauf
Faßbender, Heino
Die Bedeutung der Preiserwartungen für die Fristigkeitsstruktur der Zinssätze
Neldner, Manfred
Die Kursbildung auf dem Devisenmarkt und die Devisenterminpolitik
(Manfred Willms)
Röper, Burckhardt
Die Wettbewerbsfunktion der deutschen Sparkassen und das Subsidiaritätsprinzip
(Wolf-Dieter Becker)
Brunner, Karl (Hrsg.)
Proceedings of the First Konstanzer Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy
(Eberhard Ketzel)
Lipfert, Helmut
„Die Erfindungskraft des Bankiers im Dienste des internationalen Kapitalmarktes“
Der internationale Kapitalmarkt erbringt um so größere Leistungen sowohl für das Gemeinwohl als auch für das Individualinteresse, je vollkommener er ist. Dazu ist es erforderlich, bei allen Beteiligten die Aktivmotivationen zu fördern und die Passivmotivationen abzubauen. Die Beteiligten sind einerseits die Marktteilnehmer, also die Kapitalgeber und die Kapitalnehmer, und andererseits diejenigen, die die Rahmenbedingungen setzen, also die nationalen Regierungen und Zentralbanken sowie die inter- und supranationalen Institutionen. Beim Einsatz ihrer Erfindungskraft im Dienst des internationalen Kapitalmarktes haben die Bankiers eine Anzahl von Aktionsparametern zu beobachten. Neben den Parametern Liquidität, Schuldnerbonität sowie Kurs- und Zinssatzveränderungsrisiko spielt insbesondere der Aktionsparameter des Standings eine entscheidende Rolle. Aktionsparameter von besonderer Eigenart sind die Präferenzen mit den Subparametern Präferenzschaffung und Präferenzerhaltung einerseits und Präferenzbeseitigung oder Präferenzabbau andererseits. Hinsichtlich der Ansatzpunkte für die Erfindungskraft der Bankiers gilt es, bekannte Passivitätsgründe der Beteiligten weniger virulent zu gestalten, bekannte Aktivitätsgründe der Beteiligten zu betonen, neue Aktivitätsgründe zu finden und virulent zu machen sowie neue potentielle Aktivitätsträger für den internationalen Kapitalmarkt zu interessieren. Vor allem aber gilt es, Erwartungen zu antizipieren und sich darauf einzustellen sowie schließlich die Institution banking entrepreneur in Anpassung der Aufgabenkombination fortzuentwickeln. Bei den möglichen Verhaltensweisen der Bankiers sind drei Aktionsfelder im Auge zu behalten: Erstens sollten die Bankiers bei der Schaffung optimaler Rahmenbedingungen für die internationalen Kapitalmärkte mitwirken. Zweitens sind alle Möglichkeiten einer Optimierung der Organisation des einzelnen Bankierbetriebs als auch der banking industry als ganzer auszuschöpfen. Die Vielfalt der Formen von Universalbank und Spezialbanken wirkt dabei förderAlich für die Vollkommenheit des Marktes. Im dritten Aktionsfeld geht es um die bestmögliche Minimierung der Risiken der Marktpartner. Bei den Risiken, die die Kosten- und Ertragskalkulationen beeinflussen können, müssen die Bankiers bemüht sein, zwischen den Interessen der Kapitelanleger und Kapitalnachfrager Kompromißlösungen zu finden. Bei den Risiken dagegen, die den Bestand der Kapitalmarkttransaktion gefährden, geht es darum, durch Bonitäts- und Liquiditätsrisikopolitik die Existenz der Geschäfte zu sichern. Besondere Bedeutung besitzen das Kursänderungsrisiko und das Zinsänderungsrisiko. Trotz der unterschiedlichsten Konstruktionen und Verhaltensweisen am internationalen Kapitalmarkt verbleiben jedoch insbesondere an den non-resident-currency-Märkten stets beträchtliche Risiken, denen nur mit ausreichender betriebswirtschaftlicher Vernunft begegnet werden kann.
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Tiegel, Dieter
„Zu den Wandlungen der Marx'schen Geldlehre in der sowjetischen Ökonomie“
In den Jahrzehnten seit der Errichtung einer sozialistischen Ordnung in Rußland wandelte sich das Verhältnis der sowjetischen Ökonomie zum Gelde grundlegend. Das Geld galt zunächst entsprechend der Orientierung am Marxschen ökonomischen System als eine kapitalistische Kategorie, die in einer sozialistisch geordneten Wirtschaft nur noch übergangsweise existieren könne. Schon bald aber (1920) erklärte Lenin das Geld zu einer unter den gegebenen sozioökonomischen Bedingungen notwendigen Erscheinung und förderte die Ausdehnung der Ware-Geld-Beziehungen. Stalin hat diese Linie nicht nur fortgeführt, sondern darüber hinaus der Rehabilitierung des Geldes vom Standpunkt der sowjetischen politischen Ökonomie den entscheidenden Anstoß gegeben. Die Frage des Absterbens des Geldes steht seitdem nicht mehr zur Debatte, vielmehr wird die Notwendigkeit seiner Existenz in einer sozialistischen Wirtschaft sowjetischen Typs stark betont. Dennoch ist keine Theorie des Sowjetgeldes für die spezifischen Bedingungen einer sozialistischen Übergangswirtschaft, über deren Gestalt weder Marx noch Engels hinreichende Aussagen machten, konzipiert worden. Stattdessen wurde die Marxsche Geldlehre zur Interpretation monetärer Erscheinungen sowjetsozialistischer Wirtschaften herangezogen; dieses Vorgehen hat zu einer bedeutenden Wandlung dieser Geldlehre geführt, erhebliche theoretische Probleme aufgeworfen und eine lebhafte Diskussion um Wesen und Aufgaben des Geldes im Sozialismus hervorgebracht. In den letzten Jahren ist diese Diskussion nahezu völlig zum Erliegen gekommen. Neuanstöße für eine geldtheoretische Diskussion können aber vor allem von den reformerischen Konzeptionen ausgehen, die in den sozialistischen Ländern Osteuropas vertreten werden, denn in ihnen wird die Frage nach dem Geld dem Sozialismus über den Ware-Geld-Beziehungen, abweichend von den überkommenen Betrachtungen in der sowjetischen politischen Ökonomie, neugestellt.
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Jüttner, D. J. und Tuckwell, R. H.
“Partielle Anpassung, multiple Erwartungen und die Geldnachfrage in Australien”
Die Studie beschäftigt sich hauptsächlich mit den Beziehungen zwischen der Nachfrage nach Geldanlagen, verzögerten Portfolio-Veränderungen und Erwartungen auf Veränderungen des Realeinkommens, des Zinssatzes und des Preisniveaus. Die Ergebnisse legen nahe, daß Einkommenserwartungen, Zins- und Preiserwartungen von maßgeblichem Einfluß für die Nachfrage nach realer Geldanlage sind. Die Anwendung des Almon-Verfahrens zeigt, daß sich die Einkommens- und Zinserwartungen auf der Grundlage der Werte der entsprechenden Variablen im gegenwärtigen und in den sechs früheren Quartalen bilden. Andererseits scheint es so, daß die Vorweg-Berücksichtigung inflationärer Entwicklungen auf den aktuellen Preisveränderungen und auf den Preisveränderungen nur in den vergangenen vier Vierteljahren beruhen. Die Tatsache, daß Preiserwartungen einen so bedeutenden Einfluß auf die Geldnachfrage in Australien haben (wobei es dahingestellt bleibt, ob die letzten zwei oder drei Jahre beschleunigter Inflation in Betracht gezogen werden), hat bestimmte Folgen für die künftige Wirksamkeit der Geldpolitik.
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Caesar, Rolf
„Das Zahlungsbilanzgleichgewicht im Konjunkturverlauf“
Angesichts der unbefriedigenden Erfahrungen mit Paritätsänderungen im gegenwärtigen internationalen Währungssystem und der unerwünschten Konsequenzen nachhaltiger Ungleichgewichtssituationen der Zahlungsbilanz ist eine klare Definition der Zahlungsbilanzverfassung unabdingbar. Dabei werden jedoch sehr bedeutsame kurzfristige Faktoren, wie beispielsweise die aus konjunkturellen Momenten herrührenden Einflüsse, häufig vernachlässigt. Die Einbeziehung dieses Gesichtspunkts in die Zahlungsbilanztheoretische und -politische Diskussion scheint daher notwendig. Ein Versuch, den Einfluss der Konjunkturschwankungen auf die Zahlungsbilanz und die außenwirtschaftlichen, insbesondere die wechselkurspolitischen Konsequenzen zu analysieren, wird in der vorliegenden Abhandlung unternommen. Sie beschränkt sich indessen auf die prinzipiellen Aspekte und streift die empirische Seite lediglich an einigen Stellen.
Es werden zunächst die zyklischen Veränderungen der Teilsalden der Zahlungsbilanz im Konjunkturverlauf betrachtet. Die Konjunkturschwankungen wirken sich in der Zahlungsbilanz dahingehend aus, dass alle drei Teilbilanzen der laufenden Rechnung (Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz, Übertragungsbilanz) prinzipiell in gleicher Weise, allerdings in unterschiedlichem absolutem Ausmaß, in Phasen relativ schwacher gesamtwirtschaftlicher Aktivität zu einer Aktivierung tendieren, in einer relativen Hochkonjunktur dagegen zu einer Passivierung. Die Zahlungsbilanz im Sinne einer verringerten Grundbilanz neigt infolgedessen im ersteren Fall konjunkturbedingt zu Überschüssen, im letzteren dagegen zu Defiziten. Daraus ergibt sich für den Zahlungsbilanzdiagnostiker die Notwendigkeit, die konjunkturellen Wirkungen auf die Zahlungsbilanz zu isolieren und zu einer phasenbezogenen Beurteilung zu gelangen. Auf diese Weise wird es möglich, ein konjunkturneutrales Bild der außenwirtschaftlichen Situation zu erhalten und die fundamentale Verfassung der Zahlungsbilanz zu einem beliebigen Zeitpunkt zu erkennen, die ihrerseits ein entscheidendes Kriterium für eventuelle zahlungsbilanzpolitische - insbesondere wechselkurspolitische - Maßnahmen darstellt. Eine Konjunkturbereinigung der Zahlungsbilanz ist bedeutsam, damit eine sich an der aktuellen Zahlungsbilanzsituation orientierende wechselkurspolitische Entscheidung nicht hinsichtlich des Ausmaßes und Zeitpunktes einer notwendigen Korrektur verfehlt wird. Ein Beispiel für eine stark konjunkturverzerrte Zahlungsbilanz und die Gefahr einer daraus resultierenden Fehlbeurteilung stellt der Fall der Bundesrepublik im Jahre 1970 dar. Es wird deutlich, wie eine phasenbezogene Zahlungsbilanzdiagnose zu einer besseren Terminierung von Paritätsänderungen beitragen sowie auch den Umfang nationaler Störungen und internationaler Verzerrungen verringern helfen kann.
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Faßbender, Heino
„Die Bedeutung der Preiserwartungen für die Fristigkeitsstruktur der Zinssätze“
Im vorliegenden Aufsatz wird die Fristigkeitsstruktur der Zinssätze aus dem Gleichgewicht am Markt für festverzinsliche Wertpapiere erklärt.
Zunächst werden mikroökonomisch das Angebot und die Nachfrage nachlang- und kurzfristigen Wertpapieren portfoliotheoretisch erklärt. Der einzelne Marktteilnehmer trifft seine Emissionsentscheidung bezüglich der Laufzeit, indem er seine Nutzenfunktion maximiert. Deren Argumente sind Erwartungswert und Varianz der Wahrscheinlichkeitsverteilung des Portfolioertrages, die wiederum von Erwartungswert und Varianz des erwarteten zukünftigen kurzfristigen Zinssatzes abhängen. Der erwartete Zinssatz wird aus den Preiserwartungen erklärt. Die mikroökonomischen Angebots- -und Nachfragefunktionen werden dann aggregiert. Unter Berücksichtigung der Marktgleichgewichtsbedingung wird damit die Erklärung der Zinsstruktur möglich. Diese Hypothese wird anschließend empirisch an Daten für die BRD getestet. Die quantitativen Ergebnisse erlauben eine Aussage über den Grad der Geldillusion in den Jahren von 1969 bis 1971.
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