Ehrlicher, Werner
Strukturelle Fehlentwicklungen in der Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland
Brunner, Karl
Problems Of Post-Keynesian Monetary Analysis - A Contribution to the Debate Opened by Professor Thomas Mayer
Laidler, David
Mayer on Monetarism: Comments from a British Point of View
Hentschel, Norbert
The Microfoundations of Monetary Theory
Claassen, Emil-Maria
Die optimale Transaktionskasse vom Typ M1 und M2
Zwass, Adam
Das Kreditsystem der Planwirtschaften im Wandel
Geiger, Helmut
Bankpolitik (Helmut Lipfert)
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut des Deutschen Gewerkschaftsbundes GmbH: WSI-Studien zur Wirtschafts- und Sozialforschung Nr. 27 (Hermann Quester)
Berndt, Lothar
Strukturen und Funktionen des Marktes für Investmentzertifikate in der Bundesrepublik Deutschland (Gerd Wassenberg)
Ehrlicher, Werner
"Strukturelle Fehlentwicklungen in der Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland"
Die aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland wird im vorliegenden Beitrag auf dem Hintergrund der längerfristigen Entwicklung betrachtet. Dabei wird die Rezession der Jahre 1966/67 als Zäsur der Nachkriegsentwicklung bezeichnet.
Fehlentwicklungen in der Einkommensverteilung, in der Produktionsstruktur und in den öffentlichen Finanzen erschweren den Wiederaufstieg aus der jüngsten Rezession und verhindern einen schnelleren Rückgang der Arbeitslosigkeit. In der Entwicklung der Einkommensverteilung wird das Ansteigen der Lohnquote hervorgehoben und dargelegt, daß dadurch sowohl die Wiederbeschäftigung der nicht ausgelasteten Kapazitäten als auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze behindert wird. Die Fehlentwicklung in der Produktionsstruktur wird darin gesehen, daß in der Bundesrepublik noch Produktionszweige und Fertigungsverfahren infolge des falschen DM-Wechselkurses aufrecht erhalten wurden, die angesichts der im Inland erreichten Lohnhöhe international nicht mehr konkurrenzfähig sind. Die hohe Kreditaufnahme des Staates war konjunktur- und kapitalmarktpolitisch im vergangenen Jahr und - vielleicht auch noch im laufenden Jahr - vertretbar und erwünscht, da die private Kreditnachfrage angesichts der geringen Investitionstätigkeit in der Wirtschaft und im Wohnungsbau sehr niedrig war. Es werden jedoch zunehmende Schwierigkeiten auftreten, wenn der private Kreditbedarf mit Beschleunigung des Wirtschaftsaufstiegs wieder steigt und der Kreditbedarf des Staates - da nur der geringere Teil konjunkturbedingt ist - nicht entsprechend zurückgeht. Damit besteht die Gefahr, daß ein künftiger Aufstieg frühzeitig durch Zinssteigerungen gebremst oder abgebrochen wird.
hoch
Brunner, Karl
"Probleme der nach-keynesianischen monetären Analyse: Ein Beitrag zu der von Professor Thomas Mayer eröffneten Diskussion"
Zu dem in dieser Zeitschrift erschienenen Übersichtsartikel von Professor Mayer (8/1975) zur monetären Analyse werden im vorliegenden Beitrag folgende korrigierende bzw. differenzierende Feststellungen gemacht:
(1) In der Hicks'schen Version der IS/LM-Analyse steht Geld nur mit Bonds in einer Substitutionsbeziehung. Weder Geld noch Bonds substituieren gegen Realaktiva. In der Metzlerschen Analyse substituiert Geld mit allen Aktiva in allen Richtungen; jedoch werden Finanz- und Realaktiva als perfekte Substitute behandelt. In der Monetären Analyse von Brunner/Meltzer werden hingegen allgemeine und nicht-perfekte Substitutionsbeziehungen zwischen allen Aktiva in allen Richtungen postuliert. Dies führt u. a. zur Einbeziehung des Kreditmarktes neben einem Geldmarkt.
(2) Die noch offene Diskussion um die Phillips-Kurve läßt sich in 3 Themen zusammenfassen:
a) Es besteht kurz- und langfristig ein trade-off zwischen Inflationsrate und Beschäftigung.
b) Dieser trade-off besteht nur langfristig.
c) Weder kurz- noch langfristig besteht ein trade-off (strenge Version der "natürlichen Arbeitslosigkeits"-These).
Diese Unterschiede reflektieren wesentliche Meinungsverschiedenheiten über die Rolle der Erwartungen und über das Angebotsverhalten auf dem Gütermarkt. Die neueren monetaristischen Arbeiten führen zur Zurückweisung der 1. These.
(3) In der Brunner/Meltzer-Analyse spielt die Fiskalpolitik im short-run und im long-run eine unterschiedliche Rolle. Steigende Staatsausgaben erhöhen bei kurzfristiger Betrachtung die private Produktion, während bei langfristiger Betrachtung neben diesem "reinen" Fiskaleffekt noch ein - dominierender - Finanzeffekt tritt, der zu einem "crowding-out"-Effekt führt.
(4) Nach keynesianischer Sicht ist der private Sektor relativ unstabil, und der Staat wird daher als "letzter Stabilisator" angesehen. Die monetaristische Position besteht genau im Gegenteil und behauptet insbesondere, daß der Private Sektor ein schock-absorbierender, sich-von-selbst-anpassender Apparat ist. Je größer der Staatliche Sektor (relativ gesehen), um so größer die von ihm ausgehende Instabilität.
(5) Die monetaristische Analyse bevorzugt kleine Modelle' und ist nicht der von vielen Ökonometrikern vertretenen Meinung, daß alle (oder möglichst viele) allokativen Details in einem Modell erfaßt werden müssen, um aggregative Phänomene analysieren zu können. Es wird vermehrt Wert gelegt auf die adäquate Berücksichtigung von sich ändernden Erwartungsreaktionen.
hoch
Laidler, David
"Mayer über Monetarismus: Anmerkungen aus britischer Sicht"
Ich habe an Mayers Aufsatz (8/1975) substantiell wenig zu bemängeln. Allerdings werden in verschiedenen Ländern unterschiedliche Seiten des Monetarismus hervorgehoben. Meine Anmerkungen beziehen sich auf den Monetarismus aus britischer Sicht.
Zunächst wird dargelegt, daß, was immer die monetaristischen Urteile über die relative Bedeutung der Arbeitslosigkeit und Inflation als soziale Probleme sein und wie sie sich auch von ihren keynesianischen Gegnern unterscheiden mögen, es keinen Unterschied zu der moralischen Einschätzung in Großbritannien gibt. Aber es gibt einen analytischen Unterschied. Die britischen Monetaristen sind der Meinung, daß Inflation durch Steuerung der Gesamtnachfrage bekämpft werden soll, insbesondere durch geldpolitische Maßnahmen, während Arbeitslosigkeit hauptsächlich durch mikroökonomische Maßnahmen angegangen werden soll mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit des Arbeitsmarktes zu verbessern. Im Gegensatz dazu verlangt der britische Keynesianismus, daß die Nachfragesteuerung sich auf die Arbeitslosigkeit richten soll, während mikroökonomische Maßnahmen in Gestalt von Lohn- und Preiskontrollen die Hauptwaffe gegen die Inflation darstellen.
Zweitens müssen britische Wissenschaftler einen Blick auf den internationalen Charakter des Inflationsproblems werfen, da Großbritannien eine offene Volkswirtschaft ist. Hierzu gibt es einen spezifischen monetaristischen Standpunkt. Er sieht die Inflation in einer Umwelt von festen Wechselkursen gewissermaßen bestimmt vom Niveau der Weltinflation und der Inflation in jeder einzelnen nationalen Volkswirtschaft, wie dies vorzüglich durch die Theorie der Übertragung der Inflation zwischen Teilen eines geschlossenen Großgebietes analysiert wird.
Die Punkte, die bei der Übertragung der Inflation zwischen Volkswirtschaften bedeutsam zu sein scheinen, sind Inflationserwartungen, die sich in dem Verhalten des Weltpreisniveaus ausdrücken, und natürlich auch Geldströme, die durch die Zahlungsbilanzen übertragen werden. Darüber hinaus sehen die Monetaristen den Schlüssel, um Wechselkursstabilität zu erreichen, eher in der Koordinierung der verschiedenen heimischen geldpolitischen Maßnahmen als in den institutionellen Bedingungen des Devisenmarktes.
hoch
Hentschel, Norbert
"Die mikroökonomischen Grundlagen der Geldtheorie"
Nachdem in der Einleitung zunächst einige grundlegende Probleme der mikroökonomischen Geldtheorie angesprochen werden, wird im weiteren gezeigt, wie rudimentär die Gleichgewichtsmodelle vom Arrow/Debreu-Typ unter transaktionstheoretischem Gesichtspunkt sind.
Die traditionelle Gleichgewichtstheorie erklärt nicht, warum es in realen Volkswirtschaften Objekte gibt, die die Funktion eines Tauschmittels ausüben. Sie erklärt daher auch nicht, warum einige wenige Güter als dominante Tauschmittel verwendet werden. Außerdem ist es völlig unklar, wie die ökonomische Interaktion der Individuen bei der Transformation der Anfangs- in die Gleichgewichtsallokation bewältigt wird. Die Theorie geht zwar implizit davon aus, daß dieser Vorgang informationsmäßig dezentral abgewickelt wird, jedoch nur auf Kosten der Annahme einer nicht spezifizierten, perfekten Tauschorganisation, was zur Folge hat, daß alle aus der Interdependenz der individuellen Tauschaktivitäten resultierenden Informations- und Koordinationsprobleme wegdefiniert werden. Die traditionelle Gleichgewichtstheorie erklärt ferner nicht, warum die Individuen mit einer Einheit eines stoffwertlosen Gutes (Papiergeld) einen positiven Beitrag eines "nützlichen" Gutes erwerben können. Die Funktion des Geldes als allgemeines Tauschmittel ist in der Modellstruktur nicht ausreichend fundiert. Da ferner dieselbe Gleichgewichtsallokation sowohl mit als auch ohne die Hilfe von intermediären Transaktionen erreichbar ist, liegt es nahe, alle positiven intermediären Transaktionen als funktionslos zu betrachten. Die Theorie gibt schließlich keine Antwort auf die Frage, warum sich die in der Realität zu beobachtende Tauschorganisation gebildet hat, da der Tausch in diesem Ansatz nicht als eine Ressourcen beanspruchende ökonomische Aktivität konzipiert ist, das heißt, es gibt keine Wahl zwischen verschiedenen Tauschorganisationen (Transaktionstechnologien).
Ausgehend von diesen Überlegungen wurden in der Abhandlung Ansätze diskutiert, die das transaktionstheoretisch unbefriedigende Ausgangsmodell zumodifizieren suchen: Durch die Berücksichtigung von Transaktionskosten läßt sich der Tausch als eine ökonomische Aktivität konzipieren, bei der die Wahl zwischen verschiedenen Tauschwegen zu einem ökonomisch relevanten Entscheidungsproblem wird. Transaktionskosten können alternativ durch folgende Vorgangsweisen berücksichtigt werden. Einerseits kann man jedem Individuum die Doppelfunktion des Konsumierens und Tauschens zuordnen; andererseits kann man aber auch die beiden ökonomischen Aktivitäten des Konsums und des Tausches analytisch isoliert behandeln, indem einem aus Nur-Haushalten bestehenden Haushaltssektor ein nur aus Tauschintermediären bestehender Sektor gegenübergestellt wird. Doch scheint dieser Ansatz wenig Möglichkeiten zu bieten, in der Frage der Tauschmittelverwendung wesentlich über das Ausgangsmodell hinauszugehen. Die Grundlagen dafür bietet einweiterer Ansatz, in dem (unter Vernachlässigung von Transaktionskosten) durch die Konzeption des Tausches als bilaterale Interaktion die Tauschmittelfunktion des Geldes modellmäßig fundiert und erklärt werden kann.
hoch
Claassen, Emil-Maria
"Die optimale Transaktionskasse vom Typ M1 und M2"
Seit langer Zeit haben sich die Geldmengenkonzepte M1 und M2 sowohl in der Geldmengenstatistik der Zentralbanken als auch in der Geldangebotstheorie eingebürgert. Die Geldnachfragetheorie ist jedoch in dieser Beziehung kaum entwickelt worden. Das Anliegen des Aufsatzes ist, einen speziellen Bereich der Geldnachfragetheorie, und zwar den der Transaktionskasse, unter dem Aspekt der beiden Geldmengenkonzepte zu untersuchen und die Geldnachfragefunktionen zu Transaktionszwecken sowohl für M1 als auch M2 abzuleiten.
Die traditionelle Literatur zur optimalen Bestimmung der individuellen Transaktionskasse (Baumol-Tobin) leitet zwar die optimale Aufleitung von M2 auf M1 (Bargeld und Sichtguthaben) und M2-M1 (Termineinlagen) zufriedenstellend ab, sie geht jedoch von einem gegebenen Bestand an M2 aus. Ein Ziel des Aufsatzes ist, M2 zu bestimmen, wobei M2 sowohl für Haushalte als auch für Unternehmen als Alternative zur Güterhaltung interpretiert wird. Ein wichtiges Resultat der Untersuchung ist, daß die Nachfrage nach Transaktionskasse vom Typ M2 zinsunelastisch ist und daß die Einkommenselastizitäten für M1 und M2 unterschiedlich sind.
Ein zweites Anliegen der Arbeit ist, die Beziehung zwischen der optimalen Transaktionskasse vom Typ M1 und M2 und der Inflationsrate zu untersuchen. Während im Inflationsfall die Nachfrage nach Transaktionskasse vom Typ M2 zu der erwarteten Inflationsrate in inverser Relation steht, resultiert die Abnahme der Transaktionskasse vom Typ M1 aus zwei Substitutionseffekten: die Verteuerung von M1 im Vergleich zu den Termineinlagen auf Grund des Anstiegs des Normalzinssatzes und die Verteuerung von M1 im Vergleich zur Güterhaltung in Höhe der erwarteten Inflationsrate. Dieser letzte Fall erklärt, weshalb die "Zahlungssitten" (z. B. in inflationären Wirtschaften) kein "institutionelles" Datum, sondern das Resultat ökonomischer Wahlakte darstellen.
hoch
Zwass, Adam
"Das Kreditsystem der Planwirtschaften im Wandel"
Das Kreditsystem in der RGW-Staaten (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe) hat sich seit Mitte der fünfziger Jahre wesentlich differenziert. Die Sachzwänge des Gemeineigentums an Produktionsmitteln setzen jedoch auch heute eine grundlegende Homogenität der nationalen Lenkungssysteme und der Grundprinzipien des planwirtschaftlichen Kreditwesens voraus. Auch eine weit dezentralisierte Entscheidungskompetenz des einzelnen Betriebes und der einzelnen Bankenniederlassung kann keine Vorbedingungen für die Ausbildung eines Geld- und Kapitalmarktes schaffen. Viele Aspekte des traditionellen Kreditsystems wurden jedoch wesentlich modifiziert. Dies auch in der Sowjetunion, vielmehr jedoch in denjenigen RGW-Staaten, wie z. B. in Ungarn, wo das Wirtschaftsmodell einer radikalen Reform unterworfen wurde. Der Kredit scheint hier weniger als ein Kontrollinstrument des Staates und mehr als ein ökonomischer Steuerungsfaktor zu fungieren. Aber auch in den anderen RGW-Staaten werden die administrativen Funktionen des Kredites abgeschwächt, dem banküblichen Instrumentarium wird eine größere Bedeutung beigemessen. Im RGW-Raum ist der Zins wieder hoffähig geworden.
Der Kredit wurde auf die Investitionstätigkeit, früher fast gänzlich vom Staatsbudget finanziert, ausgeweitet. In diesem Zusammenhang hat man überall mit Ausnahme der Sowjetunion und Rumäniens die Investitionsbank in die Notenbank eingegliedert. Jedoch der Versuch Bulgariens und der DDR, einen marktüblichen Bankenapparat aufzubauen, schlug fehl, da die Wirtschaftsordnung keine Voraussetzungen dafür geschaffen hatte.
hoch