KREDIT und KAPITAL - Heft 3/1976


Inhalt


Abhandlungen

Woll, Artus und Faulwasser, Bernd und Ramb, Bernd-Thomas
Zur Zeitstabilität des Phillips-Theorems

Jarchow, Hans-Joachim und Möller, Herbert
Geldbasiskonzepte und Geldmenge (II)

Friedman, Benjamin M.
The Theoretical Nondebate About Monetarism

Frowen, Stephen F. und Arestis, Philip
The Dynamic Impacts of Government Expenditure and the Monetary Base of Aggregate Income: The West German Case, 1965 to 1974


Berichte

Jüttner, D. J. P und Bird, R. G.
Financing Problems on Small Firms in the Manufactoring Sector: The Australian Case.

Judt, Ewald
Public Relations der Kreditinstitute


Buchbesprechungen

Jüttner, Heinrich
Förderung und Schutz deutscher Direktinvestitionen in Entwicklungsländern (Albrecht Weber)

Kracht, Peter J.
Die Geldnachfrage der Produktionsunternehmen - Theoretische und empirische Überprüfung ausgewählter Hypothesen über die Bestimmungsfaktoren der Geldnachfrage (Hans-Hermann Francke)

Roth, Jürgen
Der internationale Konjunkturzusammenhang bei flexiblen Wechselkursen (Hartmut Rudloff)


Zusammenfassungen

Woll, Artus und Faulwasser, Bernd und Ramb, Bernd-Thomas
"Zur Zeitstabilität des Phillips-Theorems"

Die Frage, ob das Phillips-Theorem einen stabilen trade-off zwischen den wirtschaftspolitischen Zielen Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität aufweist, ist Gegenstand theoretischer und empirischer Auseinandersetzung. Vorliegende empirische Überprüfungen theoretischer Positionen liefern widersprüchliche Ergebnisse. Vor allem sind sie nicht in der Lage, systematisch die Stabilität der implizierten Beziehungen zu untersuchen. Um dem Mangel abzuhelfen, wird in diesem Aufsatz mit Hilfe der ökonometrischen Methode der "gleitenden Zeitabschnitte" die Stabilität der Phillips-Relationen getestet.

Die "Methode der gleitenden Zeitabschnitte" geht davon aus, daß die Wahl des Beobachtungszeitraumes wesentlichen Einfluß auf die Ergebnisse empirischer Tests hat. Um systematisch zu überprüfen, in welchen Unterperioden signifikante und stabile Beziehungen existieren, wird der gesamte Untersuchungszeitraum mit sich überlappenden Zeitabschnitten bedeckt, für die je einzeln der Regressionsansatz berechnet wird. Am zeitlichen Verlauf der daraus sich ergebenden Korrelationskoeffizienten kann abgelesen werden, wann der Erklärungsgehalt der Relationen signifikant und stabil ist.

Mit Hilfe dieses Verfahrens wird - auf der Grundlage von Quartalsdaten- das Phillips-Theorem für die Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum 1953 - 1974 getestet. Dabei werden als erklärende Variable der Inflationsrate verschiedene Arbeitsmarktaggregate und Preiserwartungswerte herangezogen. Aus beiden Gruppen exogener Variabler werden charakteristische Verläufe des Erklärungszusammenhangs ausgewählt und verglichen.

Die Ergebnisse zeigen, daß keine erklärende Größe in permanent stabiler und eindeutiger Beziehung zur Inflationsrate steht. Vor allem für den Zusammenhang zwischen Unterbeschäftigung und Inflation existiert im Zeitablauf kein stabiler trade-off. Dieser Zielkonflikt kann deshalb - allen Beschwörungsformeln zum Trotz - nicht als Grundlage politisch rationaler Handlungen dienen.

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Jarchow, Hans-Joachim und Möller, Herbert
"Geldbasiskonzepte und Geldmenge (II)"

Im Mittelpunkt des zweiten Teils unserer Untersuchungen stand die ökonometrische Überprüfung der Hypothesen, zu denen wir auf Grund der theoretischen Zusammenhänge im ersten Teil gelangt waren. Verwendet wurde ein Zwei-Gleichungs-Modell, wobei Monats- und Quartalsdaten für die Bundesrepublik von Januar 1965 bis Januar 1973 benutzt wurden. Abgesehen davon, daß sich - gleichsam als Nebenprodukt - plausible Werte für die Einkommens- und Zinselastizität der Geldnachfrage ergaben, konnten wir einige wesentliche theoretische Unterschiede für alternative Geldangebotsfunktionen aufzeigen, je nachdem, ob das Konzept der monetären Basis (B-), der bereinigten Basis (B') oder der erweiterten Basis (Be) als exogen bestimmt angesehen wird. So konnten wir zeigen, daß die Geldangebotsmultiplikatoren beim Be-Ansatz relativ unempfindlich und beim B'-Ansatz relativ empfindlich auf Änderungen des Sollzinssatzes und des Diskontsatzes reagieren. Hiermit ist auch z. T. das Ergebnis zu erklären, daß Änderungen von Be vergleichsweise stark auf die Geldmengenentwicklung einwirken und hier auf einen dominierenden Einfluß ausüben. Dagegen fanden' wir beim B'- und Bm-Ansatz einen starken über den Zinssatz wirkenden Absorptionseffekt, der bewirkt, daß die Änderungsrate der Geldmenge nach Ablauf des Anpassungsprozesses signifikant kleiner bleibt als die Änderungsrate der Geldbasis. Insofern überrascht es auch nicht, daß der über die Geldnachfrage wirksame Einfluß der Einkommensentwicklung im Rahmen des B'- und Bm-Ansatzes wesentlich stärker auf die Geldmengenentwicklung durchschlägt als in dem Fall, wo Be als exogen kontrollierte Größe angesehen wird. Schließlich ergab sich auf Grund der Schätzungen, daß die Anpassungsprozesse bei allen drei Basiskonzepten im Durchschnitt nach etwa 12 Monaten abgeschlossen sind, in ihrem Verlauf aber unterschiedliche Zeitprofile aufweisen. Während die Hauptwirkung einer Änderung der erweiterten Basis Be innerhalb eines Dreivierteljahres liegt, ist sie bei der bereinigten Basis B' früher abgeschlossen. Beim B'-Ansatz läßt sich dabei ein anfänglicher Monetisierungseffekt deutlich von einem zeitlich nachgelagerten Kreditgewährungseffekt unterscheiden.

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Friedman, Benjamin M.
"Die theoretische "Nicht-Auseinandersetzung" über den Monetarismus"

Bei einer Beurteilung der monetaristischen Diskussion ist es besonders wichtig, zwischen empirischen und theoretischen Thesen zu unterscheiden. Als Schlüssel hierzu haben die Diskussionsteilnehmer immer deutlicher ihre Auffassung zu einzelnen Fragen herausgearbeitet; es ist zunehmend klar geworden, daß der charakteristische Inhalt des Monetarismus eine Reihe von empirischen Behauptungen ist. Alle Lektionen über Monetarismus, die die Volkswirte insoweit erhalten und angenommen haben, aber auch jene Fragen, die noch umstritten sind, betreffen in erster Linie empirische Punkte.

Von den zwölf charakteristischen monetaristischen Thesen, die Thomas Mayer aufzählt, haben elf als typischen Inhalt entweder empirische oder vorzugsweise empirische Gegenstände. Die zwölfte "Das monetaristische Modell des Transmissionsprozesses" verbindet im wesentlichen umstrittene empirische Aussagen (die Stabilität des Verhältnisses der Geldnachfrage und die relativen Schwierigkeiten, die mit der Messung von Veränderungsraten von Geldvolumen versus Zinsniveau verbunden sind) sowie theoretische Punkte, die bei näherer Betrachtung unumstritten sind (die Rangskala von Anlagen, bei denen überschüssige Netto-Nachfrage den Änderungen der Geldanlagegewohnheiten des Publikums entspricht, und das Vertrauen auf Effekte beim Vermögensbestand und bei den relativen Preisen). In der Tat ist der Transmissionsmechanismus oder das Strukturmodell wie es in Brunner's und Meltzer's "monetaristischem Modell' umrissen wird, im wesentlichen nicht von jedem Modell zu unterscheiden, das von Tobin "keynesianisches Modell" genannt wird.

Das schließliche Ergebnis einer jahrelangen theoretischen Debatte auf beiden Seiten des monetaristischen Forums ist darin zu sehen, daß die Thesen hinreichend geklärt wurden, um zu zeigen, daß gegenwärtig nur noch ein geringer Widerspruch besteht. Der Inhalt der Auseinandersetzung ist stets empirisch gewesen und bleibt empirisch.

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Frowen, Stephen F. und Arestis, Philip
"Die dynamische Einwirkung von Staatsausgaben und Geldbasis auf das Volkseinkommen: Der Fall Westdeutschland"

Der Aufsatz beschäftigt sich mit der dynamischen Einwirkung von Staatsausgaben und der Geldbasis auf das Volkseinkommen; er gibt Einsicht in die dynamischen Prozesse, durch die diese wirtschaftspolitischen Instrumente auf kurze Sicht die Volkswirtschaft beeinflussen.

Es wird ein einfaches makroökonomisches Modell entwickelt, bei dem das Geldangebot endogen durch den kurzfristigen Zins, den Diskontsatz und die Geldbasis bestimmt wird. Der kurzfristige Zins wird bestimmt durch Geldangebot und -nachfrage, wobei die Geldnachfrage eine Funktion der Einkommenshöhe, des kurzfristigen Zinses und des Geldvolumens früherer Perioden ist. Es wird angenommen, daß der kurzfristige Zinssatz den langfristigen über eine stabile Zeit-Struktur der Zinssätze beeinflußt. Im Modell wird ferner angenommen, daß sowohl Bauinvestitionen als auch die Bildung von Anlagevermögen vom langfristigen Zinssatz beeinflußt werden, während Verbrauchsausgaben eine Funktion des Geldvolumens sind.

Die empirischen Ergebnisse dieses Modells sind hinreichend zufriedenstellend, um eine grundlegende dynamische Gleichung zu gewinnen, die sich als stabil erweist, von der die zeitlichen Pfade der Auswirkungen von Veränderungen bei den Staatsausgaben und bei der Geldbasis auf das Bruttosozialprodukt abgeleitet werden. Mit Ausnahme der ersten beiden Vierteljahre ist die Wirkung von Änderungen der Geldbasis auf das Bruttosozialprodukt stärker als die von Änderungen der Staatsausgaben. Die letzteren haben allerdings eine unmittelbarere Wirkung, die jedoch viel schneller versickert als die durch eine Änderung der monetären Basis hervorgerufene Wirkung.

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Berichte

Jüttner, D. J. P und Bird, R. G.
"Finanzierungsfragen der mittelständischen Industrie: Der Fall Australien"

Die weitgespannte Aufgabe des Aufsatzes ist es, die wichtigsten Finanzierungsquellen der mittelständischen Industrie Australiens darzulegen sowie die Probleme zu schildern, denen diese Unternehmen gegenüberstehen, wenn sie ihr Finanzierungsvolumen intern oder über den Kapitalmarkt vergrößern wollen. Obwohl natürlich bekannt ist, daß hier besondere Schwierigkeiten bestehen, so ist dennoch die Finanzstruktur kleiner Unternehmen weithin unbekannt. Unter diesen Umständen ist es für amtliche Stellen wie das Small Business Bureau schwierig, zum Beispiel Finanzierungshilfen an mittlere Unternehmen zu gewähren. In dem Artikel wird der Versuch unternommen, empirische Erkenntnis aber die Finanzierungssituation kleiner Unternehmen in Australien zu gewinnen. Hauptsächliche Informationsquelle ist eine Untersuchung, bei der ein Fragebogen an eine große Zahl kleiner Industrieunternehmen verschickt wurde. Sie erbrachte hauptsächlich folgende Ergebnisse:

1. Der Hauptteil des Startkapitals besteht aus Eigenkapital. Für diejenigen Unternehmen, die auf fremdes Kapital, insbesondere auf Verschuldung, angewiesen waren, war die Firmengründung schwierig.

2. Diejenigen Unternehmen, die seit ihrer Gründung erfolgreich arbeiteten, hatten es auch leichter, Anfangskapital zu beschaffen. Dies unterstreicht die Fähigkeit des Kapitalmarktes, zum Zeitpunkt der Gründung die mehr Erfolg versprechenden Unternehmen zu identifizieren.

3. Ein überraschend großer Teil der Unternehmen verläßt sich allein auf Eigenkapitalbildung.

4. Jüngere Unternehmen bringen zusätzlich zu vorhandenem Eigenkapital weniger Mittel auf; hauptsächlich, weil bei niedrigen Gewinnen die einbehaltenen Teile beschränkt sind.

5. Nichtsdestoweniger streben private Unternehmer sehr stark danach, Gewinne einzubehalten, besonders soweit sie von Steuern auf unverteilte Gewinne betroffen sind.

6. Kleine Unternehmen spielen bei der Kreditfinanzierung eine untergeordnete Rolle. Dies trifft besonders für sehr kleine abhängige Unternehmen zu, denen die Vielfalt der Verschuldungsmöglichkeiten unbekannt ist.

7. Die hauptsächliche Quelle für die Kreditfinanzierung bei kleinen Unternehmen sind Kontoüberziehungen, die offenbar auch für mittelfristige Investitionen dienen.

8. Die Gewährung von Warenkrediten ist die zweitbedeutende Fremdfinanzierungsquelle. Wenn man sie ins Verhältnis zur Verschuldung aus Warenkäufen setzt, so wird sie zur "negativen" Finanzierungsquelle.

9. Nimmt man Eigen- und Fremdfinanzierung zusammen, dann sind die wesentlichen Finanzierungsquellen. Kontoüberziehungen, Eigenkapitalausstattung, Warenkredite und einbehaltene Gewinne.

10. Die von den Unternehmen am meisten erwähnten Gründe zur Geldvermögensbildung sind in der Reihenfolge ihrer Bedeutung: Erwerb von Erweiterungsanlagen, verstärkte Anlagen in Geldtiteln und Vorsorge gegen Liquiditätsklemmen.

11. Die Mehrheit der Firmen sucht keinen fremden Rat in Finanzierungsangelegenheiten. Diejenigen, die es tun, besonders die kleineren Unternehmen, befragen ihren Prüfer oder ihre Bank.

12. Nur selten schlagen die Unternehmen Finanzierungsangebote aus; wenn sie es tun, dann meist wegen hoher Zinssätze. Kreditknappheit, ungenügende Sicherheiten und schlechte Risiken werden als die hauptsächlichen Gründe dafür angenommen, daß umgekehrt Finanzierungsvorhaben der Unternehmen abgelehnt werden.

13. Unter den kleinen Unternehmen ist Unzufriedenheit mit dem Kapitalmarkt weit verbreitet, besonders deutlich in den ganz kleinen Firmen und bei solchen mit geringen Gewinnen.

14. Wir konnten keinen besonderen Beifall für Staatskredite oder Subventionen feststellen. Stattdessen wurden Ratschläge für die Zielrichtung und für Veränderungen der Finanz- und Geldpolitik, für ein besseres Management und eine Verbesserung bei der Ausnutzung der bestehenden Kreditmöglichkeiten gegeben.

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Judt, Ewald
"Public Relations der Kreditinstitute (Literaturübersicht)"

Die Literaturübersicht soll einen Überblick über die wichtigsten Veröffentlichungen über Public Relations der Kreditinstitute vermitteln. Da zu dem Themenbereich eine große Zahl von Veröffentlichungen vorliegt, kann hier nur eine Auswahl, vorwiegend auch aus der deutschen Literatur, geboten werden.

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