Meltzer, Allan H.
Monetarist, Keynesian and Quantity Theories
Riechel, Klaus-Walter
Kurzfristige Kapitalbewegungen, Geldmarktgleichgewicht und die Effektivität der Geldpolitik
Oberhauser, Alois
Liquiditätstheorie des Geldes als Gegenkonzept zum Monetarismus
Rudolph, Bernd
Der Durchgriffswert von Beteiligungen
Visser, Hans
Marx on Money
Mösch, Irene und Simmert, Diethard B.
Banken-Strukturen, Macht, Reformen
(Walter Geiger)
Meltzer, Allan H.
„Monetaristische, Keynesianische und Quantitäts-Theorien”
Monetarismus ist weder eine wiederentdeckte Quantitätstheorie noch eine Neuauflage der keynesianischen Theorien. Thomas Mayer's Bilanz der monetaristischen Lehrsätze erfaßt viel sowohl von dem Charakter als auch vom
Inhalt monetaristischer Sätze über eine umfassende Politik in einer geschlossenen Volkswirtschaft. Sie arbeitet Ähnlichkeiten und Unterschiede der monetaristischen und keynesianischen Theorien gut heraus.
Die formale Ähnlichkeit von monetaristischer und keynesianischer Theorie ergibt sich aus der Entwicklung beider Theorien bis zu einem Punkt, bei dem die verbleibenden Unterschiede nur noch empirischer Natur sind. Dies ist jedenfalls die Position, die in der einen oder anderen Weise von Themas Mayer und den meisten Kommentatoren seines Aufsatzes vertreten wird.
Die vorliegende Arbeit führt viele der hauptsächlichen Unterschiede zwischen den monetaristischen, keynesianischen und Quantitäts-Theorien auf drei miteinander in Beziehung stehende Ursprünge zurück. Einer davon ist die Rolle der relativen und absoluten Preise beim Anpassungsprozeß von einer Gleichgewichtslage zur anderen. Ein zweiter ist die Auswirkung von Schwankungen des Realeinkommens, von Risikoänderungen und der Vorwegnahme von Änderungen der relativen Preise einschließlich der Preise für reale und nominale Anlagen. Der letzte schließlich ist ein wesentlicher Unterschied, der zu unterschiedlichen Politik-Empfehlungen von Keynesianern und Monetaristen führt.
Beschäftigungs- und Produktionsschwankungen werden vom monetaristischen Standpunkt ausgehend von einem Zeitpräferenzen-Modell erklärt, das im übrigen bei vielen ökonomischen Theorien eine Rolle spielt. Das Modell unterscheidet zwischen erwartetem Einkommen und laufenden Bezügen oder(in Friedman's Terminologie) zwischen dauerndem und vorübergehendem Einkommen. Es geht von einer ganz anderen Erklärung der Unterbeschäftigung aus als die keynesianische Theorie (sowohl die ältere als auch die jüngere), in der jede konjunkturelle Unterbeschäftigung "unfreiwillig" ist.
Es werden einige Folgerungen aus der Theorie des dauerhaften Einkommens gezogen und der Grund für die Annahme diskutiert, daß zwischen alternativen Theorien der Unterbeschäftigung unterschieden werden kann.
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Riechel, Klaus-Walter
„Kurzfristige Kapitalbewegungen, Geldmarktgleichgewicht und die Effektivität der Geldpolitik“
Eines der wichtigsten Ergebnisse der monetären Theorie der Zahlungsbilanz ist, daß in einem System fester Wechselkurse der Versuch eines Landes, eine vom Rest der Welt unabhängige Geldpolitik zu betreiben, scheitern muß. Versuche, diese Aussage auch für die kurze Frist empirisch zu verifizieren, haben zu teilweise entgegengesetzten Ergebnissen geführt. Die dabei verwendeten Schätzfunktionen waren allerdings oft theoretisch nicht abgesichert. Lag dagegen der ökonometrischen Untersuchung ein theoretisches Modell zugrunde, so waren die Ergebnisse wegen der Wahl einer ungeeigneten Schätzperiode und/oder Budgetbeschränkung vielfach irreführend, da die Kausalitätsbeziehung zwischen Variablen nicht eindeutig zu klären war. De vorliegende Untersuchung versucht diese beiden Mängel zu vermeiden. Zunächst wird ein theoretisches Modell erarbeitet, das sich auf das Gleichgewicht im Geldmarkt konzentriert. Anschließend werden einige Überlegungen über die Art und Reagibilität von geldpolitischen Aktionen der Zentralbank angestellt und auf ihre Relevanz für die theoretische und empirische Untersuchung von kurzfristigen Kapitalbewegungen überprüft. Schließlich wird das Modell empirisch getestet. Es zeigt sich, daß die Zentralbank einer offenen Volkswirtschaft mit quantitativen Maßnahmen eine bessere Chance hat, eine kurzfristig wirkungsvolle Geldpolitik zu betreiben, als mit qualitativen Maßnahmen.
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Oberhauser, Alois
“Liquiditätstheorie des Geldes als Gegenkonzept zum Monetarismus”
Die Liquiditätstheorie des Geldes versucht, aufbauend auf empirischen Beobachtungen die große Bedeutung der Sekundärliquidität in der Geldtheorie zu berücksichtigen und daraus Schlußfolgerungen für die Geldpolitik abzuleiten. Die folgenden Aspekte erscheinen besonders bedeutsam:
Es erweist sich als notwendig, zwischen Geld in der Abgrenzung von M1 und der Sekundärliquidität strikt zu unterscheiden. Unter Sekundärliquidität sind dabei die Aktiva und Kreditaufnahmemöglichkeiten zusammengefaßt, die kurzfristig und ohne wesentliche Kosten (Verluste) zu Verfügbarkeit über Geld führen.
Die Geldmenge wird - wenigstens unter institutionellen Voraussetzungen, wie sie in der Bundesrepublik und in anderen europäischen Ländern gegeben sind - in der Regel nicht durch das Geldangebot, sondern durch die Geldnachfrage bestimmt. Hieraus folgt, daß die Geldmenge nicht, wie von monetaristischer Seite behauptet wird, der das Preisniveau und die Nachfrage determinierende Faktor ist. Das schließt nicht aus, daß durch eine Begrenzung des Geldangebotes über eine weitgehende Beseitigung der Sekundärliquidität auch der Nachfrageanstieg begrenzt werden kann. Die Geldangebotstheorie muß zu einer Liquiditätstheorie in dem Sinne ausgebaut werden, daß neben dem Geld die Sekundärliquidität als zentraler Bestimmungsfaktor berücksichtigt wird.
Die Sekundärliquiditätssätze bilden die Zinsuntergrenze. Die Verfügbarkeit von Sekundärliquidität gibt den Banken jedoch die Möglichkeit, die Geldmenge an die Geldnachfrage elastisch anzupassen, soweit die Geldnachfrager bereit sind, die entsprechenden Zinssätze zu zahlen.
Die Geldnachfrage läßt sich nicht zureichend mit den traditionellen keynesschen Motiven erklären. Da in modernen Volkswirtschaften eine breite Skala von kurzfristigen, zinsertragbringenden Geldanlageformen zur Verfügung steht, die kein Kursrisiko einschließen und elastisch dem individuellen Geldbedarf angepaßt werden können, besitzt das Spekulationsmotiv für die Geldnachfrage faktisch keine Bedeutung. Es erscheint angebracht, neben dem Transaktionsmotiv ein weiteres Motiv zu berücksichtigen, das den Zuwachs der Geldnachfrage aus der beabsichtigten meist realwirtschaftlich bedingten Erhöhung der Nachfrage auf den Güter- und Faktormärkten ableitet. Es wird als Finanzierungsmotiv bezeichnet.
An die Stelle der keynesschen tritt eine neue Art von Liquiditätsfalle. Nach unten paßt sich die Geldmenge über das Ausweichen der Banken in Sekundärliquidität und die Tilgung von Krediten durch die Nicht-Banken an den Geldbedarf an.
Für die Geldpolitik ergibt sich, daß sie über die Geldmengenpolitik hinaus Liquiditätspolitik sein muß.
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Rudolph, Bernd
„Der Durchgriffswert von Beteiligungen”
Es wird das Modell einer Kapitalverflechtungsrechnung an Hand einiger einfacher Verflechtungsbeispiele entwickelt und diskutiert und zur Untersuchung der Beteiligungsverhältnisse bei den inländischen Aktiengesellschaften herangezogen.
Der Grundgedanke der Kapitalverflechtungsrechnung besteht darin, die charakteristische Kennzahl einer Aktiengesellschaft oder einer Gruppe von Aktiengesellschaften, etwa deren Grundkapital oder Umsatz, im Verhältnis der Beteiligungsquoten den Anteilseignern zuzurechnen. Da die Anteilseigner selbst wieder abhängige Wirtschaftseinheiten (Aktiengesellschaften) sein können, deren Kapital von Dritten gehalten wird, ist bei einer stark verflochtenen Wirtschaft ein Durchrechnen der Beteiligungsquoten über eine Vielzahl von Beteiligungsstufen auch unter Beachtung möglicher Rückverflechtungen notwendig. Der auf eine autonome Wirtschaftseinheit durchgerechnete Anteil an einer Aktiengesellschaft ist der Durchgriffswert des Anteilsbesitzes der autonomen Wirtschaftseinheit an einer beliebigen abhängigen Wirtschaftseinheit bezüglich des Beteiligungseinflusses bei der abhängigen Aktiengesellschaft.
In der empirischen Untersuchung werden die öffentliche Hand, das Ausland, die Banken und die Privaten als autonome Wirtschaftseinheiten behandelt. Abhängige Wirtschaftseinheiten sind die inländischen Aktiengesellschaften (Nichtbanken). Die Durchgriffswerte der Beteiligungen der autonomen Wirtschaftseinheiten bezüglich des Beteiligungseinflusses bei den inländischen Aktiengesellschaften werden für die Aktiengesellschaften von 15 Branchen getrennt errechnet. Die Addition der Lösungen ergibt den Beteiligungseinfluß der autonomen Wirtschaftseinheiten bei allen inländischen Aktiengesellschaften.
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Visser, Hans
„Marx über Geld“
Marxens Beitrag zur Geldtheorie ist allgemein etwas vernachlässigt worden. Sofern ihm überhaupt Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wurde er ziemlich heftig kritisiert, gerade auch von marxistischen Ökonomen. Es muß indessen betont werden, daß seine Überlegungen zur Geldtheorie für Marxens Analyse der Arbeitsweise Güter produzierender (d. h. marktwirtschaftlicher) Volkswirtschaften von zentraler Bedeutung und in diesem Sinne mit seiner Werttheorie unlösbar verbunden sind.
Ausgehend von Marx's Analyse der Wirkungsweise von Geld und Kredit und von seinen Überlegungen zur Zinsrate wird dargelegt, daß er wegen seiner Arbeitswerttheorie zwangsläufig zu einer starken Annäherung an die Banking-Schule kommen mußte. Seine Geldtheorie offenbart die ganze Schwäche der Banking-Schule. Ferner werden einige Eigenarten der Arbeitswerttheorie behandelt; zum Beispiel Marx's Behauptung, daß in einem Geldsystem mit vollwertigen Münzen die Preise für die Geldmenge ursächlich seien. Auf der anderen Seite kann er keine befriedigende mikroökonomische Erklärung für ein Geldsystem mit nicht einlösbarem Papiergeld geben. Seine Theorie läßt keinen Einfluß der Geldpolitik auf die Gesamtausgaben zu. Darüber hinaus verschließt die Arbeitswerttheorie Marx den Zugang zu einer Zinstheorie. Man fragt sich, warum er nicht die Folgen des Transformationsproblems für das Gebrauchsgut Geld in Betracht zieht, wenn er schon Geld als das "universale Äquivalent" analysiert. Um aber gerecht zu bleiben: Marx hat sehr klar erkannt, weshalb das Say'sche Marktgesetz in der Form von Say's Identitätsregel in einer Geldwirtschaft nicht gültig ist.
Im ganzen jedoch stellt sich Marxens Geldtheorie als ein schwaches Gebilde dar, zumal sie mit irgendwelchen vertretbaren Annahmen über mikro-ökonomische Entscheidungen nicht in Einklang gebracht werden kann. Indessen ist die Ablehnung durch Blaug mit der Begründung, Marx's Geldtheorie sei eine blasse Wiederholung der Ansichten von Ricardo und Mill, nicht gerechtfertigt.
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