KREDIT und KAPITAL - Heft 3/1977


Inhalt


Abhandlungen

Müller-Schwerin, Eberhard und Strack, Heinz
Mathematisch-Statistische Verfahren zur Formalisierung des Kreditentscheidungsprozesses

Hanssen, Rolf A. und Reiß, Wilfried
Börsenzwang und Markteffizienz. Eine empirische Untersuchung mit Hilfe von „Random-Walk-Tests“

Frisch, Helmut
Monetarism and Monetary Economics. A Delayed Comment

Roskamp, Karl W.
A Generalized Production Function and its Special Cases

Sheffrin, Steven M.
Government Equity-Bonds and Stabilization: A Proposal

Trivoli, George W.
A Modest Proposal for a Private International Monetary System

Rahmann, Bernd
Zu den Beziehungen zwischen Inflation, Arbeitslosenquote und Einkommensverteilung in der Bundesrepublik Deutschland 1960-1976


Berichte

Duwendag, Dieter
The „New Era“ of Controlling Monetary Aggregates


Buchbesprechungen

Siebke, Jürgen und Willms, Manfred
Theorie der Geldpolitik
(Dietmar Kath)

Milbradt, Georg H.
Ziele und Strategien des Debt Management. Ein Beitrag zur Theorie der optimalen Schuldenstruktur des Staates unter Einbeziehung der Notenbank

Alexander, Volbert
Geldangebot und Geldangebotskontrolle in der Bundesrepublik Deutschland
(Nikolaus K. A. Läufer)

Johnson, Harry G.
Beiträge zur Geldtheorie und Währungspolitik
(Manfred J. M. Neumann)

Röper, Burkhardt (Hrsg.)
Wettbewerbsprobleme im Kreditgewerbe
(Wolf-Dieter Becker)

Woll, Artur und Vogel, Gerald
Geldpolitik
(Wolf-Dieter Becker)

Mundell, Robert A.
Geld- und Währungstheorie
(Gerhard Zweig)

Schultz, Bruno
Kleine deutsche Geldgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
(Manfred Hartmann)

Neldner, Manfred
Die Bestimmungsgründe des volkswirtschaftlichen Geldangebots
(Hermann Remsperger)

Thorn, Richard S.
Introduction to Money and Banking
(Hartmut Rudloff)

Gerber, Beat
Stabilitätspolitik – Vollbeschäftigung, Preisniveaustabilität und Zahlungsbilanzgleichgewichte im wirtschaftspolitischen Spannungsfeld
(Klaus Wieners)

Hellmann, Rainer
Dollar, Gold und Schlange. Die letzten Jahre von Bretton Woods
(Ru.)

Tritten, Kurt
European Banks – A Comparative Analysis of the Leading European Banks
(Hans Pfisterer)

Großeschmidt, Brita
Kritik der postjeynesianischen Stabilitätspolitik – Ein Beitrag zur Phillips-Kurven-Diskussion
(Bernd Faulwasser)

Benölken, Heinz
Langfristige Personalplanung im Kreditinstitut
(Christian Kunze)


Zusammenfassungen

Müller-Schwerin, Eberhard und Strack, Heinz
„Mathematisch-statistische Verfahren zur Formalisierung des Kreditentscheidungsprozesses”

Ausgangspunkt für den Gebrauch mathematisch-statistischer Verfahren in der Kreditentscheidung (Credit Scoring-Systeme) ist der Wunsch,
- die schwachen Stellen der auf subjektiven Wertmaßstäben basierenden traditionellen Kreditbewertung zu eliminieren und
- die Rentabilität durch formalisierte Bonitätsbeurteilungen zu erhöhen, indem schnellere aber dennoch sichere Kreditentscheidungen möglich werden.
Credit Scoring-Systeme arbeiten fast ausschließlich mit der Diskriminanzanalyse, einem Verfahren, das es ermöglicht, Kredite aufgrund eindeutig identifizierbarer Merkmale der Kreditnehmer in "gute" und "schlechte" Fälle zu trennen. Neben der Darstellung der Diskriminanzanalyse widmet sich dieser Beitrag der wichtigen Frage, welche Kreditnehmermerkmale für ein Credit Scoring-System auszuwählen sind. Die Qualität der Kreditentscheidungen mit Hilfe eines Credit Scoring-Systems hängt davon ab, inwieweit die dem Verfahren zugrunde gelegten Kreditfälle die Voraussetzungen zur Anwendung statistischer Wahrscheinlichkeiten erfüllen. Die sogenannte Prognoseproblematik verliert erst dann an Bedeutung, wenn eine hinreichend große Zahl annähernd gleichartiger Kreditfälle vorliegt. Dies erklärt die praktische Bedeutung der Credit Scoring-Systeme für Konsumentenkredite. Nach Implementierung eines Credit Scoring-Systems worden die in das System einbezogenen Kreditbewertungsfaktoren eines jeden Kreditnehmers quantifizierbar und können zu einer Kennzahl, die die Bonität wiedergibt, additiv verknüpft werden. Durch Vergleich dieser Kennzahl mit einer zu bestimmenden gewinnoptimalen Ausscheidungsgrenze wird die Kreditentscheidung gefällt. Dabei wird der sogenannte kritische Fall zur individuellen Bearbeitung aussortiert.

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Hanssen, Rolf A. und Reiß, Winfried
„Börsenzwang und Markteffizienz“

Im Rahmen der Börsenreform wurde vom 1. 7.1968 an durch Selbstverpflichtung der Banken der sogenannte Börsenzwang eingeführt: Seit diesem Zeitpunkt müssen Aktienkauf- und Verkaufsaufträge bis zu 100 000,- DM über die Börse abgewickelt und können nicht mehr von den Banken jeweils gegeneinander kompensiert oder durch Selbsteintritt erfüllt werden. Dieser Artikel untersucht, inwieweit die durch den Börsenzwang gewollte und hervorgerufene Marktverbreiterung die Aktienkursbildung objektiver, d. h. weniger manipulierbar gemacht wurde. Dabei wurde von der Überlegung ausgegangen, daß eine Verringerung der Möglichkeit, zu manipulieren, die Markteffizienz erhöhen muß. Effiziente Märkte sind aber dadurch ausgezeichnet, daß die Preisreihenänderungen auf diesen Märkten unabhängig über die Zeit sind, d. h. daß sie der "Random-Walk-Hypothese" genügen. Mit zwei der bekanntesten Random-Walk-Tests - der Schätzung von Autokorrelationskoeffizienten und dem Run Test - haben wir die Kurse von 50 häufig gehandelten deutschen Aktiengesellschaften vor und nach der Börsenreform untersucht und dabei festgestellt, daß bei signifikant vielen Preisreihen tatsächlich eine Verringerung der Abweichung vom Random Walk festzustellen war. Hieraus glauben wir schließen zu können, daß der Börsenzwang zwar nicht- wie andere Untersuchungen festgestellt haben - zu einer Stabilisierung der Kursentwicklung, wohl aber zu einer Effizienzverbesserung des deutschen Effektenmarktes geführt hat.

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Frisch, Helmut
“Monetarismus und monetäre ökonomische Theorie”

Prof. Mayer hat in seinem Essay "The Structure of Monetarism" den gegenwärtigen "Monetarismus" 12 Propositionen charakterisiert. Der vorliegende Beitrag befaßt sich im wesentlichen mit der Neuformulierung der Quantitätstheorie (Proposition I in Prof. Mayers Darstellung), sowie mit dem "Stabilitätspostulat" der Monetaristen. Die Neo-Quantitätstheorie kommt in dem Akzelerationstheorem zum Ausdruck, wonach eine Beschleunigung im Wachstum der Geldmenge reale Effekte erzeugt, während im steady state die Rate des Geldmengenwachstums nur die Inflationsrate bestimmt. Es wird gezeigt, daß das Akzelerationstheorem adaptive Erwartungen impliziert; rationale Erwartungen würden reale Effekte bei einer Änderung des Geldangebots von vornherein ausschalten. Empirische Untersuchungen in den USA zeigen, daß nach dem II. Weltkrieg die Akzeleration oder Dezeleration der Geldmenge regelmäßig nicht antizipiert wurde, so daß das Akzelerationstheorem eher mit der empirischen Evidenz kompatibel erscheint als rationale Erwartungen. Der fundamentale Unterschied zwischen Monetarismus und monetärer Ökonomie liegt in der Annahme oder Ablehnung des "Stabilitätspostulates", wonach die Marktwirtschaft inhärent stabil sei. Monetarismus wird definiert als monetäre ökonomische Theorie mit der zusätzlichen Annahme des "Stabilitätspostulates". Dieses Konzept hat keinen operationalen Charakter und gehört eher zur "Weltanschauung" der monetaristischen Richtung. Altere "Monetaristen" wie X. Wicksell und F. A. Hayek verwendeten anstatt des Stabilitätspostulates das Konzept des Kumulativen Prozesses, welcher impliziert, daß der monetäre Sektor inhärent instabil sei.

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Roskamp, Karl W.
„Eine verallgemeinerte Produktionsfunktion und ihre Sonderfälle”

Vor etwa sechzehn Jahren leiteten Arrow, Chenery, Minhas und Solow eine Produktionsfunktion mit konstanter Faktorsubstitutionselastizität ab (CES production function). Die Ableitung erfolgte in zwei Schritten. Zunächst wurde in einer stochastischen Gleichung die Arbeitsproduktivität durch den Lohnsatz erklärt. In dem zweiten Schritt wurde dann eine Verbindung zwischen dieser empirischen Gleichung und der traditionellen neoklassischen Theorie hergestellt: Es wurde angenommen, daß der Lohnsatz das Ergebnis einer vollkommenen Konkurrenz und eine Funktion der capital-Iabor-ratio ist. In diesem Aufsatz wurde das obige Ableitungsverfahren modifiziert. Es wurde zunächst angenommen, daß die Arbeitsproduktivität vorn Lohnsatz und der capital-Iabor-ratio bestimmt wird. Ferner wurde angenommen, daß der Lohnsatz unter Bedingungen einer unvollkommenen Konkurrenz zustande kommt. Mit diesen Änderungen erhält man eine viel allgemeinere Klasse von linear homogenen Produktionsfunktionen. Diese schließt als Sonderfälle die "Variable Substitutionselastizitäts-Produktionsfunktion (VES production function) und die CES Funktion ein. Es ist wohlbekannt, daß die letztere wiederum als Sonderfälle (a) die perfekte Substitutionselastizitäts-Produktionsfunktion, (b) die Cobb-Douglas-Produktionsfunktion und (e) die Leontief (fixed proportion) Produktionsfunktion hat.

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Sheffrin, Steven M.
“Öffentliche Beteiligungs-Anleihen und Stabilisierung: Ein Vorschlag“

Die geläufige Geldpolitik wird durch Offenmarktoperationen geprägt, mit deren Hilfe Geld in Anleihen umgewandelt wird. Dieses Verfahren ist nicht geeignet, das Verhältnis des Marktwortes des Nominalkapitals zu seinem Wiederverkaufswert (oder "q" in James Tobin's System) zu beurteilen. Es wird ein Vorschlag gemacht, zur Deckung eines Teiles der Staatsverschuldung eine Anleihe zu begeben, die mit dem Wert von Beteiligungskapital oder mit dem Aktienmarkt indiziert ist. Wenn Offenmarktoperationen mit diesem Wertpapier getätigt werden, wäre die Regierung in der Lage, die "Beteiligungspreise" der Anleihen und damit auch q ziemlich genau zu bestimmen. Es wird dargelegt, welche Rolle die Beteiligungspreise für die Bestimmung des Volkseinkommens spielen, und angenommen, daß ein Verfahren zur genaueren Bestimmung der Beteiligungspreise nötig ist. Die Praktikabilität der öffentlichen Beteiligungs-Anleihe wird im Detail erläutert. Das Ergebnis ist, daß ein solcher Anleihetyp durchaus marktfähig wäre, sein Preis ziemlich leicht von den Anlegern festgestellt werden könnte, und daß er eine wichtige Diversifikation für viele Anleger eröffnen würde. Stabilisierungspolitik mit solchen Anleihen würde grundsätzlich Offenmarktoperationen sowohl mit regulären als auch mit Beteiligungstiteln einschließen. Die politischen Antriebskräfte für die Geldpolitik, die sich aus der Einführung derartiger Anleihen ergeben, dürften sich von den derzeitigen beträchtlich unterscheiden.

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Trivoli, George W.
“Ein maßvoller Vorschlag für ein privatwirtschaftliches internationales Währungssystem”

In den letzten Jahren haben Überlegungen viel Interesse gefunden, die sich mit der Möglichkeit, der Praktikabilität und auch der Notwendigkeit eines in sich konkurrierenden privatwirtschaftlichen Währungssystems beschäftigen, das von Beeinflussung durch die Regierung verhältnismäßig freibleiben sollte. Die praktischen Voraussetzungen, um gegenwärtig ein weltweites System konkurrierender privatwirtschaftlicher Währungen einzurichten, sind inzwischen dank der großen Vorteile der elektronischen Überweisungstechnik hervorragend. Der vorn Autor dargestellte Vorschlag zielt auf ein internationales, privatwirtschaftliches und in sich konkurrierendes Währungssystem, das sich auf den Gebrauch der gegenwärtig üblichen Kreditkarten stützt. Es dürfte möglich sein, die gegenwärtigen Kreditkarten (wie Carte Blanche, Visa und American Express) leicht in unabhängige, miteinander konkurrierende Geldeinheiten umzuwandeln. Diese Kreditkarten würden wie Papiergeld zirkulieren und die offizielle Regierungswährung würde nicht länger das Monopol als einzige Geldrechnungseinheit innehaben. Für die Verteilung öffentlicher Sozialleistungen wird eine "Sozialkarte" vorgeschlagen. Diese Karte wäre das einzige Regierungsgeld auf diesem Gebiet und würde unmittelbar mit privaten Geldkarten konkurrieren. Dieser Umstand würde der Regierung begrenzen, die Währung durch Budgetdefizite zu inflationieren.

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Rahmann, Bernd
„Zu den Beziehungen zwischen Inflation, Arbeitslosenquote und Einkommensverteilung in der Bundesrepublik Deutschland 1960 – 1976“

(1) Die Beziehung zwischen Inflationsrate und Unterbeschäftigung zeigt aus den Daten von 1960 bis 1976 für die Bundesrepublik Deutschland langfristig die Tendenz zur Akzeleration beider Größen mit zunehmend heftigerer Reaktion der Arbeitslosenquote. Der traditionelle, zum Koordinatenursprung konvexe Verlauf der modifizierten Phillips-Kurve läßt sich für diesen Zeitraum also nicht nachweisen; vielmehr ergibt sich kurzfristig eine mit größer werdendem Schleifendurchmesser spiralförmige Entwicklung um den langfristigen Trend.
(2) Ein Abbremsen der Inflation mit konstanten oder sinkenden Inflationsraten geht zunehmend zu Lasten des Beschäftigungsziels, bis ein entscheidender Rückgang der Lohnquote zu verzeichnen ist, der eine entgegengerichtete Entwicklung einleitet. Damit ist die Hypothese einer über einer struktur- und instrumenttypischen "natürlichen Rate der Unterbeschäftigung" senkrecht aufsteigenden Phillips-Kurve für den beobachteten Zeitraum von 17 Jahren in der Bundesrepublik falsifiziert; es läßt sich demnach auch die Behauptung der Unabhängigkeit des monetären vorn realen Sektor in diesem Zusammenhang nicht aufrecht erhalten.
(3) Die Lohnquote als intermittierende Variable zeigt signifikant hohe Korrelationen sowohl mit der Inflationsrate als auch - bei einem time-lag von einem Jahr - mit der Arbeitslosenquote. Damit ist die statistisch notwendige Bedingung erfüllt, Einkommensverteilung bzw. Verteilungskampf als wichtige Einflußgröße für die Veränderung der konjunkturellen Teilbereiche Geldwert und Beschäftigung zu analysieren. Aufgrund dieser Erkenntnis ist die neoquantitätstheoretische Hypothese eines von sich aus zur Stabilität tendierenden privaten Sektors angreifbar geworden, denn der Verteilungskampf um Lohn- und Gewinneinkommen findet überwiegend im privatwirtschaftlichen Bereich statt.
(4) Wegen des phasentypisch unterschiedlichen funktionalen Zusammenhanges zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosenquote kann die Bestimmtheit der statistischen Korrelation nicht anhand einer linearen oder hyperbolischen Beziehung getestet werden. Vielmehr ist eine dem spiralförmigen Verlauf angemessene Testfunktion zu formulieren. Aus hypothetisch angenommenen Verläufen der Inflations-Lohnquoten- und der Arbeitslosenquoten-Lohnquoten-Beziehung können alle in Betracht kommenden Zusammenhänge zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote simuliert werden.

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Berichte

Duwendag, Dieter
„Die "Neue Ära" der Kontrollen monetärer Aggregate“

Der Bericht, selbst eine Zusammenfassung eines größeren Papers, gibt einen Überblick über Gemeinsamkeiten und Hauptprobleme der seit etwa 1975 praktizierten neuen Strategien der Schweizerischen Nationalbank (SNB), der Bundesbank und der Federal Reserve (Fed).
1. Die Grundzüge der "neuen Ära", von den Notenbanken als "Experiment" bezeichnet, wurzeln in grundlegenden monetaristischen Empfehlungen: öffentliche Vorankündigung von monetären Wachstumszielen, Übergang zu breiteren monetären Aggregaten, Verstetigungsabsicht als explizite Begründung, gewisse Verlagerung der Verantwortung für inflationäre Preisschübe von der Notenbank hin zu den übrigen wirtschaftspolitisch relevanten Gruppen.
2. Für die Vorgabe von monetären Wachstumszielen ("Zwischenzielen") haben die Notenbanken unterschiedliche Aggregate gewählt: die Bundesbank ein Konstrukt der Zentralbankgeldmenge ("ZBG"), die SNB das Aggregat M1 und die Fed die Aggregate M1,2,3 (jährlich) und M1,2 (zweimonatlich). Als Kontrollvariablen und damit zugleich Indikatoren der Geldpolitik fungieren vor allem die "freien Liquiditätsreserven der Banken (FLR)" [Bundesbank], die "bereinigte Geldbasis (Ba)" [SNB] und diverse Reserveaggregate (Fed).
3. Die Technik der Geldmengensteuerung fußt auf diskretionären Veränderungen der Liquiditäts- bzw. Reserveaggregate, wodurch Zinsimpulse auf den Finanzmärkten und Anpassungszwänge ausgelöst werden, die das Wachstum der monetären Aggregate beeinflussen ("indirekter Kontrollmechanismus"). Kalkulationsunsicherheiten (Dosierung und Timing der Kontrollvariablen, time lags) erschweren die Steuerungspolitik ebenso wie schwankende Multiplikatoren und Umlaufgeschwindigkeiten des Geldes (v).
4. Hauptprobleme der neuen Bundesbankpolitik waren extrem schwankende FLR-Multiplikatoren, die willkürliche Zusammensetzung der ZGB und die Einbeziehung der vZBG, in die Kalkulation des ZBG-Wachtumsziels. Starke Fluktuationen des Ba-Multiplikators haben die Steuerungspolitik der SNB erheblich erschwert und lassen den Übergang zu breiteren Reserve- und Geldmengenaggregaten geraten erscheinen. Gravierende Mängel der neuen Fed-Strategie sind die fehlende Abstimmung der Geldmengenziele mit der Regierung und die Nichtveröffentlichung der Komponenten der monetären Wachstumsrate. Die gleichzeitige Vorgabe von mehreren Zielwerten mit großen Bandbreiten und die wechselnde Basis bei der Festlegung der längerfristigen Geldmengenziele erschweren eine Erfolgsbeurteilung der Fed-Strategie und verschärfen das Konsistenzproblem zwischen Zins- und Geldmengenzielen.

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