Ehrlicher, Werner
Zur Monetarismus-Diskussion in "Kredit und Kapital"
Haffner, Friedrich
Die Einflüsse der zentralen Geldumlaufplanung auf Planerfüllung und monetäre Stabilität
Lachmann, Werner
Eine keynesianische Erklärung für Friedmans "monetaristische" Beobachtungen
Issing, Otmar
Zur Rolle der Interbankbeziehungen
Teusch, Friedhelm
Die Entwicklung der Euro-Geld- und Kapitalmärkte seit 1973
Martiensen, Jörn
Ein ökonometrisches Vierteljahresmodell des Geld- und Kreditsektors für die Bundesrepublik Deutschland
(Gerhard Zweig)
Kleinmann, Werner und Bechthold, Rainer
Kommentar zur Fusionskontrolle, nach deutschem und EWG-Kartellrecht
(Eberhard Wolff)
Werner, Horst
Die Kontrolle internationaler Kapitalbewegungen und
Schmidt, Susanne
Kapitalverkehrskontrollen und ihre Wirkung. Eine Analyse der Maßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland
(Jorg-Günther Grunwald)
Grunwald, Jorg-Günther
Erfolgskontrolle finanzpolitischer Stabilisierungsmaßnahmen
(Thies Thormählen)
Schoof, Dieter
Geld und Vermögen in makroökonomischen Modellen
(Wolfgang Schröder)
Ehrlicher, Werner
„Zur Monetarismus-Diskussion in "Kredit und Kapital""
Ich habe im vorliegenden Beitrag versucht, einen gewissen Überblick über die Monetarismus-Diskussion zu geben, die sich in "Kredit und Kapital" im Anschluß an den Aufsatz von Thomas Mayer "The Structure of Monetarism" entwickelt hat. Dabei bin ich davon ausgegangen, daß die Monetarismus-Debatte wie alle großen Debatten in der Geschichte der Nationalökonomie - und zu diesen kann man die Monetarismus-Debatte m. E. heute schon rechnen - nicht nur einen theoretisch-analytischen, sondern auch einen praktisch-politischen Aspekt hat. Dementsprechend habe ich die Ergebnisse der Debatte zum einen aus theoretisch-analytischer, zum anderen aus praktisch-politischer Fragestellung systematisiert.
Bei der Zusammenfassung der theoretischen Debatte ging es mir zunächst darum, den von Thomas Mayer etwas lose dargestellten Zusammenhang zwischen seinen ersten vier theoretischen Hauptthesen etwas enger zu knüpfen. Zu diesem Zweck habe ich gezeigt, daß man der Geldmenge nur dann ein stärkeres Gewicht auf die Preisentwicklung zumessen kann, wenn man - im Sinne der 2., 3. und 4. Mayer'schen These - der Geldnachfrage und der Güternachfrage der privaten Wirtschaftssubjekte ein relativ hohes Maß an Stabilität zumißt und eine hohe Diffusionsfähigkeit des Systems für exogene Impulse unterstellt. Da die keynesianische Gegenposition in der bisherigen Debatte relativ unzusammenhängend dargestellt wurde, habe ich die wesentlichen theoretischen Aussagen der Keynesianer in ähnlicher Form, wie es Mayer für die Monetaristen getan hat, in vier Hauptthesen zusammengefaßt.
Die wirtschaftspolitischen Thesen der Monetaristen stellt Mayer - wenn auch in relativ loser Form - als Konsequenz ihrer theoretischen Vorstellungen dar. Er ordnet dementsprechend die stärker auf Werturteilen basierenden Thesen am Schluß seines Kataloges ein. Demgegenüber bin ich der Auffassung, daß grundlegende wirtschaftspolitische Thesen immer in bestimmten Werthaltungen angelegt sind; dementsprechend habe ich versucht, die wirtschaftspolitischen Konzepte der Monetaristen und Fiskalisten in genau umgekehrter Anordnung von den ordnungspolitischen Grundvorstellungen über ihre divergierenden Einstellungen zu Geldwert und Arbeitslosigkeit zu den geldpolitischen Regelungen fortschreitend zu umreißen.
hoch
Neldner, Manfred
“Der Einfluß der Nicht-Banken auf das gesamtwirtschaftliche Geldangebot”
Geldangebotsmodelle der Brunner-Meltzer-Kategorie erfreuen sich seit einigen Jahren stetig wachsender Wertschätzung. Dennoch ist die sogenannte lineare Version dieses Modelltyps weitgehend unbeachtet geblieben, wohl
vor allem deshalb, weil es bislang an Versuchen gefehlt hat, die von Brunner und Meltzer entwickelte Grundhypothese in eine für Test- und Prognosezwecke brauchbare Struktur umzuformen.
Die Besonderheit des linearen Modellansatzes besteht darin, daß er die geldangebotsrelevanten Portfolio-Dispositionen der Banken und Nicht-Banken durch Verhaltensfunktionen erfaßt, die sich durchweg am Vorbild der keynesianischen Konsumfunktion orientieren. So wird etwa die Nachfrage der Nicht-Banken nach Bargeld und befristeten Bankeinlagen jeweils in eine autonome und eine (durch Geldmengenänderungen) induzierte Komponente aufgespalten und zugleich angenommen, daß die Relation zwischen den Veränderungen der Geldmenge und denen der geplanten Bargeld- bzw. Termin- oder Sparguthabenhaltung im Zeitablauf etwa konstant ist.
Geht man von den Verhältnissen in der Bundesrepublik Deutschland aus, so scheinen die Verhaltensfunktionen des Brunner-Meltzer-Typs die Anlage-Entscheidungen der Nicht-Banken in einer akzeptablen Form zu beschreiben. Zwar ist die autonome Nachfrage sowohl nach Bargeld als auch nach Termin- und Spareinlagen beträchtlichen Schwankungen unterworfen, aber es läßt sich zeigen, daß diese durch die Veränderungen des Volkseinkommens, des Vermögens, der Marktzinssätze und des gesamtwirtschaftlichen Preisgefüges hinreichend erklärt werden können. Mithin vermag das lineare Geldangebotsmodell einen zugleich originellen und empirisch bedeutsamen Beitrag zur Lösung der Geldangebotsproblematik zu leisten.
hoch
Haffner, Friedrich
“Die Einflüsse der zentralen Geldumlaufplanung auf Planerfüllung und monetäre Stabilität”
Das monetäre System der sozialistischen Länder Ost-Europas wird häufig als ein relativ passiver, von der Mengenplanung abhängiger Planungsbereich verstanden, von dem nur in geringem Umfang eigenständige Einflüsse ausgehen. Seitdem aber sozialistische Wirtschaft als ein System verstanden wird, in dem "Ware-Geld-Beziehungen" als ordnungsgemäße Bestandteile (vorläufig) bestehen bleiben und die Betriebe als "sozialistische Warenproduzenten" neben den dominierenden Planzielen auch Entscheidungsspielräume besitzen, die sie in Orientierung an eigenen Zielen ausfüllen, ist auch theoretisch offenkundig, daß das Geldsystem und die monetären Instrumente Einflüsse auf die Wirtschaft ausüben, die vor allem in der Förderung oder Behinderung der Planerfüllung und der monetären Stabilität zutage treten.
Die Wirksamkeit des monetären Systems ist durch eine Reihe von institutionellen Besonderheiten geprägt, die im Hinblick auf die Geldumlaufplanung untersucht werden. Die theoretischen Grundlagen für eine zentrale Geldumlaufplanung sind relativ schwach entwickelt. Erst allmählich wird die Vorstellung überwunden, daß das Kreditvolumen durch die Einlagen beschränkt sei - obwohl in der Praxis eine solche Beschränkung kaum je wirksam geworden ist. Bis heute gibt es eine Geldpolitik mit dem Ziel makroökonomischer Steuerung nicht; allein im Mikrobereich sollen die Banken ihre Kontroll- und Einwirkungsmöglichkeiten im Dienste der Planerfüllung und Effizienzsteigerung einsetzen.
Der weitgehend vom Buchgeldkreislauf getrennte Bargeldumlauf wird durch die Bilanz der Geldeinnahmen und -ausgaben sowie den Kassenplan der Staatsbank gesteuert. Nur der letztere hat direktiven Charakter, kann aber kurzfristig kaum den Stabilitätserfordernissen angepaßt werden, während die Bilanzen der Geldeinnahmen und -ausgaben, insbesondere auf der Ausgabenseite, nur Prognose-Charakter haben. Die planmäßige Auszahlung der Löhne und ihre Aufstockung durch zusätzliche Lohnfonds und Prämienzahlung ist zwar ein Mittel, die Planerfüllung zu fördern, bedroht aber die Stabilität dann, wenn die Planerfüllung gütermäßig nach Umfang und Struktur nicht der Nachfrage entspricht. Die Alimentierung des Bargeldumlaufs ist deshalb zwar in der Regel planmäßig, aber gemessen an den realen Umsatzmöglichkeiten eher zu großzügig. Daß eine Entsprechung nicht gelingt, liegt deshalb nicht bei der Geldemission, sondern bei der mengen-, sortiments- und qualitätsmäßigen Disproportion in der Produktion.
Im Bereich der Zahlungen zwischen den Betrieben untereinander und zwischen den Betrieben und dem Staat, also im Buchgeldkreislauf, erfolgt die Planung der Geldströme lediglich durch die Kreditbilanz, die - ebenso wie die Ausreichung einzelner Kredite - streng planorientiert ist. Kredite sollen die Plandurchführung unterstützen; auch bei Finanzierungsschwierigkeiten infolge von Planverstößen wird die Kreditausreichung mit dem Ziel der Plandurchsetzung elastisch und damit eher stabilitätsgefährdend gehandhabt. Praktisch ist für die Betriebe die Finanzierung ein geringes Problem, wenn auch bürokratische Hemmnisse bestehen und u. U. Sanktionen verhängt werden. Dies bedeutet, daß das Geldsystem auch hier eher weich ist, wenn auch keineswegs aktiv inflationär. Nur durch stringente Planung der Produktion und Güterverteilung kann eine offene Instabilität weitgehend - außer auf den Märkten für Neuheiten und auf den informellen Märkten - vermieden werden. Knappheiten auf vielen Sektoren des Produktionsmittelbereichs ist auch hier ein Zeichen für partiell zurückgestaute Inflation.
hoch
Lachmann, Werner
“Eine keynesianische Erklärung für Friedmans "monetaristische" Beobachtungen”
Ziel dieser Arbeit ist es, die empirischen Beobachtungen Milton Friedmans, die mit Hilfe seines Neuansatzes der Quantitätstheorie zu einer "monetaristischen Gegenrevolution" in der Makrotheorie führten, durch eine keynesianisch orientierte Theorie zu erklären. Dies geschieht mit Hilfe des vierten Geldhaltungsmotivs, des Finanzmotivs von Keynes. Betreibt die Zentralbank eine Zinsglättungspolitik, so ist es mit Hilfe des Finanzmotivs möglich, zu zeigen, daß Geldmengenveränderungen den Veränderungen der Realgrößen vorauseilen. Die Realgrößenveränderung wirft sozusagen in Form der Geldgrößenveränderung ihren Schatten voraus. Im Gegensatz zur Auffassung der Monetaristen widersprechen die empirischen Daten nicht der keynesianischen Theorie sondern untermauern sie sogar.
hoch
Issing, Otmar
“Zur Rolle der lnterbankbeziehungen”
Die Deutsche Bundesbank registrierte im Jahre 1971 einen Wandel in den Urteilsmaßstäben der Kreditinstitute über das benötigte Maß an Liquidität, nachdem nämlich die Banken anders als in der Vergangenheit trotz eines starken Rückgangs ihrer freien Liquiditätsreserven die Kreditgewährung weiter ausdehnten. In der gleichzeitigen Zunahme der Interbankgeschäfte glaubte die Bundesbank, eine Erklärung für das geänderte Bankverhalten gefunden zu haben.
Dieser Befund gibt Anlaß, den Standort der Interbankbeziehungen im Rahmen der Geldtheorie näher zu bestimmen. Die Kontroverse zwischen der Liquiditätstheorie des Geldes und der Quantitätstheorie bietet dafür den Ausgangspunkt. So geht es einmal um die Frage, inwieweit "near monies" als Geldersatz auftreten und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes beeinflussen. Zum anderen ist zu prüfen, ob etwa die Geldmenge nicht als eine endogene Größe anzusehen ist, deren Höhe sich passiv dem "Bedarf" der Wirtschaft anpaßt.
Interbankgeschäfte können den Ausnutzungsgrad einer gegebenen Geldbasis erhöhen, indem sie einen Ausgleich von Zentralbankgelddefiziten und -überschüssen herbeiführen und damit das Ausmaß der Überschußreserven reduzieren. Eine Erhöhung der Geldschöpfungskapazität des Banksystems bei unveränderter monetärer Basis tritt ferner ein durch die Verlagerung von Zentralbankgeld per Interbankbeziehungen zwischen Kreditinstituten mit unterschiedlichen Mindestreserve- und Barabhebungssätzen.
Der Einfluß der Interbankgeschäfte auf die Höhe der Geldbasis selbst liegt einmal in ihrer Eigenschaft als Substitute von Offenmarktpapieren der Notenbank; dabei spielen insbesondere auch die Beziehungen zwischen den Filial- bzw. Mitgliedsbanken und ihren jeweiligen Zentralinstituten eine wichtige Rolle. Die Geldbasis erhöht sich, wenn die Banken Interbankforderungen als gute Substitute für Refinanzierungsmöglichkeiten bei der Notenbank ansehen und infolgedessen verstärkt Notenbankkredite in Anspruch nehmen.
Insgesamt wird man zu der Schlußfolgerung kommen müssen, daß die Zunahme der Interbankbeziehungen in der Bundesrepublik ab 1970 nicht mir eine Verbesserung der Liquiditätslage einzelner Banken, sondern auch eine Liquiditätsschöpfung aus der Sicht des gesamten Banksystems bewirkt hat. Eine Situation, in der die freien Liquiditätsreserven gegen Null gehen, setzt dieser Entwicklung einerseits eine objektive Grenze; andererseits kann dieser Zustand jedoch nicht als Beweis gegen den expansiven Einfluß der Interbankbeziehungen auf die Liquiditätslage des gesamten Bankensystems gewertet werden.
hoch
Teusch, Friedhelm
„Die Entwicklung der Euro-Geld- und Kapitalmärkte seit 1973“
Die Entwicklung der Euro-Geld- und Kapitalmärkte ist seit 1973 von der weltweiten Einführung flexibler Wechselkurse (März 1973), der weltwirtschaftlichen Rezession der Jahre 1974/75, dem Abbau von Kapitalverkehrsbeschränkungen, vor allem aber der Ölkrise und ihren Folgen für das internationale Zahlungsbilanzgefüge bestimmt worden. Das Volumen der Euromärkte stieg seitdem unablässig, wenn auch nicht mehr so rasch wie anfangs der 70er Jahre, und hat 1976 eine Größenordnung von rd. 300 Mrd. Dollar (Geldmärkte) bzw. rd. 60 Mrd. Dollar (Kapitalmarkt) erreicht.
Das Hauptproblem ist gegenwärtig darin zu sehen, ob die "private" Zahlungsbilanzfinanzierung über die Euromärkte in dem bisherigen Umfange aufrechterhalten werden kann, auch wenn dies zunächst als ein Stabilisierungsfaktor in der Weltwirtschaft gewertet wurde. Das Leistungsbilanzgefüge wird nämlich - so ist zu vermuten - noch auf längere Sicht zu großen Unausgewogenheiten zwischen OPEC- und OECD-Ländern, innerhalb der OECD-Länder und gegenüber ölimportierenden Entwicklungsländern neigen. Die "private" Zahlungsbilanzfinanzierung sollte daher, weil ohne wirtschaftspolitische Auflagen gewährt, abgelöst werden durch Finanzierungen von internationalen Organisationen (IWF). wünschenswert erscheint eine bessere Anpassung der Leistungsbilanzen selber, der freilich erhebliche Schwierigkeiten entgegenstellen.
hoch