KREDIT und KAPITAL - Heft 2/1980


Inhalt


Abhandlungen

Schmid, Alfons
Postkeynesianische Ökonomie

König, Heinz und Gaab, W. und Wolters, J.
Probleme der Modellierung der Zinsstruktur in makroökonometrischen Modellen

Zis, George
Towards a Politico-economic Analysis of Inflation

Steindl, Frank G.
Inflation and Unappreciated Interest

Tavlas, George S.
Economic Policy Effectiveness in Hicksian Analysis: An Extension


Berichte

Schulz, Heino
Zur Aussagefähigkeit der Zentralbankgeldmenge als Indikator im geldpolitischen Konzept der Deutschen Bundesbank


Buchbesprechungen

Vital, Christian
Geldnachfragegleichungen für die Schweiz
(Wim Kösters)

Spree, Reinhard
Wachstumstrends und Konjunkturzyklen in der deutschen Wirtschaft von 1820 bis 1913
(Werner Glastetter)

Dieckheuer, Gustav
Staatsverschuldung und wirtschaftliche Stabilisierung. Eine theoretische Analyse und eine ökonometrische Studie für die Bundesrepublik Deutschland
(Dieter Duwendag)

Carreau/ Flory/ Juilard
Droit International Economique
(Albrecht Weber)

Kohler, Reinhard
Grenzen der Bundesbankpolitik. Wirkungsanalyse restriktiver Zentralbankpolitik 1959-1974
(Hans-Peter Basler)


Zusammenfassungen

Schmid, Alfons
„Postkeynesianische Ökonomie“

Der Postkeynesianismus versucht, einen eigenständigen Ansatz in der Ökonomie zu begründen. Durch die Weiterentwicklung der Keynes'schen Makroökonomie und der Herausarbeitung einer "Keynesianischen Mikroökonomie" soll diese Intention erreicht werden. Den zentralen Ansatzpunkt bildet die Betonung der dominanten Stellung des Oligopolsektors. Diese impliziert die Autonomie der Investitionen und dadurch die exogene Bestimmung der Akkumulations- und Profitrate. Endogene Variable sind der Auslastungsgrad und die Lohnquote. Die Handlungsmacht des Oligopols ermöglicht über eine autonome Preispolitik die Bildung eines internen Fonds, der zur Finanzierung der Investitionen dient. Im Vordergrund steht hierbei das "mark-up-pricing". Aufgrund der Langfristorientierung des Oligopols kommt den Erwartungen eine besondere Bedeutung zu. Sie bedingen die Herausbildung von Normalvorstellungen über Auslastung, Preis etc. Dieses Normalkonzept bildet die Grundlage für die Analyse der konjunkturellen Entwicklung. Der Postkeynesianismus hat noch keine vollständig ausgearbeitete Theorie und Politik entwickelt. Er versteht sich noch als Forschungsprogramm. Daher gibt es für bestimmte Bereiche, wie z. B. die Geldtheorie, bisher nur rudimentäre Entwürfe, so daß auch für die Wirtschaftspolitik noch keine ausformulierten Konzepte vorgelegt werden können. Insgesamt gesehen stellt der Postkeynesianismus einen erfolgversprechenden Ansatz zur Analyse des realen Wirtschaftsprozesses dar.

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König, Heinz und Gaab, W. und Wolters, J.
„Probleme der Modellierung der Zinsstruktur in makroökonometrischen Modellen“

Für die Wirkungsweise geldpolitischer Maßnahmen ist in ökonometrischen Modellen die Modellierung der Zinsstruktur von besonderer Bedeutung. Hierzu gibt es im Prinzip die folgenden drei Ansätze: (i) die Marktgleichgewichtshypothese: Kurz- und langfristige Zinssätze werden über die Spezifikation der Angebots- und Nachfrageseite des jeweiligen Finanzmarktes bestimmt; (ii) die Erwartungshypothese der Zinsstruktur: Der langfristige Zinssatz ist ein gewogener Durchschnitt der Realisationen des kurzfristigen Zinssatzes in der Vergangenheit und (iii) die Hypothese effizienter Märkte: Der beste Prediktor für den langfristigen Zinssatz ist entweder dessen Realisation der Vorperiode oder der zu Beginn der Periode herrschenden kurzfristige Zinssatz zuzüglich einer Liquiditätsprämie. Da die Untersuchung der einzelnen Hypothesen ohne Berücksichtigung simultaner Zusammenhänge Nachteile aufweist, wird die jeweilige Hypothese für die Zinsstruktur explizit in einem Modell für den finanziellen Sektor der Bundesrepublik Deutschland berücksichtigt. Ziel der Untersuchung ist es, unter Berücksichtigung aller Strukturrelationen des Modells diejenige Hypothese bezüglich des langfristigen Zinssatzes zu finden, die den beobachteten dynamischen Zusammenhängen am besten entspricht. Die Auswirkungen der einzelnen Hypothesen auf die dynamische Struktur des Modells werden anhand der Eigenwerte des deterministischen Systems und mit Hilfe der Spektralanalyse beurteilt. Die methodische Vorgehensweise ist in einem Anhang beschrieben. Es zeigt sich, daß - mit einigen Vorbehalten - die Erwartungshypothese der Zinsstruktur am besten die beobachteten Zusammenhänge approximiert.

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Zis, George
„Eine wirtschaftspolitische Analyse der Inflation“

Die immer stärker werdende Akzeptierung der Behauptung, daß "money matters" und daß daher die Steuerung des Geldmengenwachstums notwendig sei, obwohl sie allein zur Kontrolle der Inflationsrate nicht ausreicht, ging mit einem immer stärker werdenden Interesse an den Determinanten nationaler Geldpolitik einher. Dieser Beitrag untersucht eine Anzahl von Studien, die versucht haben, die Determinanten der Inflation unter weitangelegten wirtschaftspolitischen Bedingungen zu analysieren. In diesen Studien wird die Inflation als ein hauptsächlich nationales Phänomen dargestellt. Deshalb können sie keine hinreichende Grundlage für eine Erläuterung der Konvergenz und, seit 1973 Divergenz der Inflationsraten der großen westlichen Industriestaaten liefern. Es wird in diesem Beitrag der Versuch unternommen, Gordons Studie so zu modifizieren, daß sie für eine offene Volkswirtschaft angewandt werden kann. Deshalb wird gefordert, daß eine wirtschaftspolitische Theorie der Inflation erklären sollte, warum Länder den internationalen Währungsabkommen beigetreten sind, (die seit 1945 vorgeherrscht haben) und warum feste Wechselkurse in Verbindung mit dem Gebrauch eines internationalen Zahlungsmittels wie etwa der SDR oder ECU, einen Erfolg der Bemühungen der Regierungen erleichtern würde, die Inflationsrate zu stabilisieren oder zu reduzieren.

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Steindl, Frank G.
„Inflation und unangemessener Zins“

Dieser Beitrag entwickelt ein Mehr-Perioden-Fisher-Modell, in dem der Nominalzinssatz weniger steigt als die gegenwärtig zu erwartende Inflationsrate bei gleichzeitiger vollständiger und unmittelbarer Anpassung der Zinsen am Kreditmarkt. Zugrunde liegt diesem Modell die Beachtung verschiedener zeitlicher Steigerungsraten der zu erwartenden Inflation. Als zentrales Problem gilt das Verhalten des Nominalzinssatzes, wenn die Preiserwartungen in verschiedenen Perioden verschiedenartig ausfallen. In solch einem Fall ist der analytische Ausdruck für die nominale Rate komplexer als Fisher's berühmte Gleichung: (Nicht abgebildet !). Die Beziehung zwischen dem nominalen und realen Zinssatz hängt davon ab, ob sich die Preiserwartungen verbessern, gleich bleiben oder verschlechtern. Insbesondere bestätigt das Modell, daß der Nominalzinssatz weniger als die gegenwärtig vorweggenommene Inflationsrate steigt, wenn die künftigen Inflationsraten voraussichtlich zurückgehen. Für den speziellen Fall, daß eine konstante Inflationsrate vorweggenommen wird, reduziert sich die Formel für den Nominalzinssatz auf die berühmte Fisher-Gleichung. Darüber hinaus legt der Beitrag die Ergebnisse eines Versuchs dar, mit dem der Verlauf von Inflationserwartungen gemessen und eingeschätzt werden kann, wie plausibel das Modell ist. Dabei werden die impliziten Terminsätze in der beobachteten zeitlichen Struktur angewandt. Fallende Terminsätze bedeuten dabei die Erwartung von fallenden Inflationsraten. Für über einen Konjunkturzyklus ermittelte monatliche Terminstrukturdaten deutet der Beweis darauf hin, daß die Inflationserwartungen sich abschwächen.

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Tavlas, George S.
„Die Wirksamkeit der Wirtschaftspolitik der Hickschen Analyse - Eine Vertiefung“

Die Schnelligkeit, mit der die Makropolitik Einfluß auf die Konjunktur ausübt, ist eine Schlüsselbetrachtung in gegenwärtigen politischen Diskussionen. Bliner und Solow argumentieren: "Die Hauptstreitpunkte der (makro-)ökonomischen Debatte dürften bald überholt sein." (1, 88) Diese vorliegende Studie betrachtet die politischen Konsequenzen von zwei ansteigenden IS-Kurven-Modellen, die in der Literatur diskutiert werden. Insbesondere wird gezeigt, daß die Zinselastizität der Geldnachfrage - oder das Ansteigen der LM-Kurve - unterschiedliche Konsequenzen für den Zeitaspekt eines jeden Modells und auf die jeweilige Fähigkeit der Modelle, exogene Stöße zu absorbieren, zur Folge hat. Das empirische Beweismaterial vermittelt den Eindruck, daß in der Realität die IS-Kurve ansteigt; deswegen ist es wichtig, die zugrundeliegenden Mechanismen zu identifizieren. Schließlich wird gezeigt, daß die Rolle der Geldpolitik in einem Modell vom "Cebula-Typ" darauf beschränkt ist, das Geldangebot auf eine Weise zu regulieren, die den Zinssatz auf einem bestimmten Niveau hält.

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Berichte

Schulz, Heino
„Zur Aussagefähigkeit der Zentralbankgeldmenge als Indikator im geldpolitischen Konzept der Deutschen Bundesbank“

Seit 1973 verwendet die Deutsche Bundesbank mit der Zentralbankgeldmenge (ZBGM) ein neues monetäres Aggregat als Zwischenziel- und Indikatorgröße. Hier wird die bislang vernachlässigte Frage untersucht, ob diese Größe beide Aufgaben gleichzeitig erfüllen kann oder ob nicht vielmehr die Verwendung der ZBGM als Zwischenziel, wie sie im geldpolitischen Steuerungskonzept der Bundesbank zum Ausdruck kommt, ihre Eignung als Indikator entscheidend beeinträchtigt. Da die Zwischenzielgröße ZBGM auch Einflüssen aus dem Nichtbankenbereich unterliegt, kann sie nach Ansicht der Bundesbank von ihr nicht direkt gesteuert werden, sondern nur indirekt über zinspolitische Maßnahmen. Die Zinspolitik setzt aber Signale und ruft Erwartungen über die Höhe der Zukünftigen Zinssätze hervor. Anhand einiger Beispiele wird gezeigt, wie als Folge derartiger Erwartungen in bestimmten Situationen eine Zinssenkungspolitik zu Strukturverschiebungen innerhalb der Geldmenge M3 oder auch zu einer allein zinsinduzierten Ausweitung von M3 und damit c. p. jeweils zu einem Anstieg der ZBGM führen kann. Diese Expansion der ZBGM muß aber nicht zwangsläufig von einer entsprechenden Expansion der Buchgeldschöpfung der Banken und somit der kaufkraftwirksamen Nachfrage begleitet sein. Wegen des im Konjunkturablauf unterschiedlich engen Zusammenhangs zwischen der Bankengeldschöpfung und der Zentralbankgeldschöpfung kann somit die ZBGM als Indikator die monetäre Entwicklung stark verzeichnen. Je besser also die ZBGM mit Hilfe der Zinspolitik als Zwischenziel gesteuert werden kann, desto größer ist die Gefahr, daß sie als Indikator versagt.

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