KREDIT und KAPITAL - Heft 2/1983


Inhalt


Abhandlungen

Tobin, James
Financial Structure and Monetary Rules

Machlup, Fritz
The Rationality of "Rational Expectations"

Schmidt, Hartmut
Marktorganisationsbestimmte Kosten und Transaktionskosten als börsenpolitische Kategorien - Grundsätzliche Überlegungen zur Weiterentwicklung des Anlegerschutzes aus ökonomischer Sicht

Langfeldt, Enno
Kann eine monetäre Schätzgleichung zur Verbesserung der Geldpolitik beitragen?

Roberts, Charles C.
Kann eine monetäre Schätzgleichung zur Verbesserung der Geldpolitik beitragen? - Kommentar zum Beitrag von Enno Langfeldt

Lang, Peter und Ohr, Renate
Wechselkurssystem und Philips-Kurve - Neue ökonometrisch fundierte Thesen zur aktuellen Diskussion um die "beste" Währungsordnung

Holtfrerich, Carl-Ludwig
Wechselkurssystem und Philips-Kurve: Erwiderung und Kommentar

Himarios, Daniel
Inflationary Expectations and the Demand for Money: "The Greek Experience" - A Comment and Some Different Results

Brissimis, Sophocles N. und Leventakis, John A.
“Inflationary Expectations and the Demand for Money: The Greek Experience, A Comment and Some Different Results” – A Reply


Berichte

Fuhrmann, Wilfried
Zum Kapitalverkehr zwischen deutschen und ausländischen Kreditinstituten


Buchbesprechungen


HWS Handwörterbuch der Sparkassen
(Werner Ehrlicher)

Priewasser, Erich
Bankbetriebslehre
(Oswald Hahn)

Frisch, Helmut und Schwödiauer, Gerhard (Hrsg.)
The Economics of Flexible Exchange Rates
(Lydia Tute)

Fronia, Joachim
Ein ökonometrisches Modell zur Produktions- und Preiserklärung in der deutschen Industrie
(Manfred Piel)


Zusammenfassungen

Tobin, James
„Finanzstruktur und geldpolitische Regeln“

Die Struktur des amerikanischen Bankwesens und Finanzsystems ist wegen neuer Technologien, institutioneller Innovationen und Deregulierungen einem schnellen und grundlegenden Wandel unterworfen. Insbesondere werden gesetzlich verordnete Zinsobergrenzen für Bankeinlagen, auch für Girokonten, aufgehoben. Es stehen Vorschläge im Raum, auf Bankreserven einen Zins zu bezahlen, der an den Diskontsatz der Zentralbank gebunden ist und den Diskontsatz seinerseits an die Marktzinsen zu koppeln. Solche Regelungen verändern die Eigenschaften des monetären Sektors, im Hinblick auf dessen Reaktion sowohl auf zentralbankpolitische Maßnahmen als auch auf Schocks, die nicht von der Wirtschaftspolitik ausgelöst werden. Kurz zusammengefaßt laufen die genannten Regelungen darauf hinaus, die Hicks'sche "LM"-Kurve sehr steil zu machen. Unterschiedliche geldpolitische Regeln verteilen die Wirkungen verschiedener Arten von Schocks unterschiedlich auf Zinssätze, Output und Preise. Die Aufteilung der Wirkung ändert sich, wenn die Struktur des finanziellen Sektors verändert wird. Diese Variationen der Eigenschaften der Funktionsweise des monetären Sektors sind zu berücksichtigen, wenn abgewogen wird, ob strukturelle Reformen erwünscht sein können. Ferner haben sie auch Konsequenzen für die Eignung bestimmter Verfahrensregeln der Geldpolitik.

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Machlup, Fritz
„Die Rationalität von "Rationalen Erwartungen“

Während das Konstrukt "Gleichgewicht der Erwartungen" und die Begriffe "induzierte Änderung von Erwartungen" sowie "Annäherung von Erwartungen" nützlich für die Analyse von Regulierungsprozessen sind, hat sich die strenge Form von "rationalen Erwartungen" als unhaltbare Hypothese erwiesen. Es geht nicht darum, daß vorweggenommene Änderungen in der Wirtschaftspolitik keine Auswirkungen auf die Produktion haben, sondern die Erklärung ist nicht akzeptabel, daß man die Hypothese aufstellt, gleiche Interpretationen aller erhältlicher Informationen auf der Basis identischer Theorien würden von allen Wirtschaftssubjekten und -analytikern vertreten werden. Die Hilfsannahme, daß sowohl öffentliche als auch private Wirtschaftssubjekte rational begründete Erwartungen von statistischen Zeitreihen ableiten können und sich auf statistische Durchschnittswerte verlassen würden, ist gleichermaßen irrational.

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Schmidt, Hartmut
„Marktorganisationsbestimmte Kosten und Transaktionskosten als börsenpolitische Kategorien“

Zwischen Juristen und Ökonomen läßt sich häufig keine Einigung darüber erzielen, ob und in welcher Form der Anlegerschutz ausgebaut werden soll. Den selbstkritischen Thesen von Hopt zur Weiterentwicklung des Anlegerschutzes aus juristischer Sicht stellt der Autor zwei ökonomische Ansätze gegenüber: Erstens den aus der Theorie der Property Rights abgeleiteten allgemeinen organisationstheoretischen Grundsatz, Regelungen stets so zu treffen, daß die Transaktionskosten minimiert werden, und zweitens ein für die Kommission der Europäischen Gemeinschaften entwickeltes börsenpolitisches Konzept, nach dem die marktorganisationsbestimmten Kosten zu minimieren sind. Der zweite Ansatz erweist sich als geeignet, den ersten zu konkretisieren und dessen Anwendbarkeitsbereich klären zu helfen. Vor allem kann, er aber die Auswirkungen von Anlegerschutzmaßnahmen auf die marktorganisationsbestimmten Kosten systematisch darstellen und somit die Diskussion mit Juristen erleichtern. Der börsenpolitische Ansatz führt zu einer zurückhaltenden Beurteilung von spezifischen Anlegerschutzvorschriften, die Anleger direkt gegen ein ganz bestimmtes Risiko schützen sollen, und verlangt einen Ausbau indirekter Anlegerschutzregelungen, die, wie im einzelnen gezeigt wird, in der Börsenorganisation und in einzelnen Effektenhandelsbetrieben seit langem ihren festen Platz haben.

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Langfeldt, Enno
“Kann eine monetäre Schätzgleichung zur Verbesserung der Konjunkturprognosen beitragend?”

Das Eingleichungsmodell, in dem Veränderungen der Geldmenge Ml und des Preisniveaus als Erklärende für Veränderungen der realen Inlandsausgaben verwendet werden, erweist sich in seiner Prognosefähigkeit im Zeitraum 1975 - 1981 anderen Prognosen gegenüber als überlegen. Insbesondere in Phasen ausgeprägter zyklischer Ausschläge sind die Prognosefehler des Modells geringer. Die Prognosegüte des Modells kann durch die indirekte Berücksichtigung von Witterungs- und Arbeitseffekten noch zusätzlich verbessert werden. Trotz beträchtlicher Veränderungen der ökonomischen Rahmenbedingungen und trotz der Revisionen des statistischen Basismaterials läßt sich die Annahme, daß die Parameter der Schätzgleichung im Zeitablauf relativ stabil sind, nicht widerlegen.

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Roberts, Charles C.
“Kann eine monetäre Schätzgleichung zur Verbesserung der Geldpolitik beitragen? Kommentar zum Aufsatz von E. Langfeldt”

Langfeldt ermittelt eine Schätzfunktion, die die Veränderung der letzten inländischen Verwendung von Gütern und Dienstleistungen (preisbereinigt) aus der Veränderung der Geldmenge und dem Preisauftrieb erklärt. Zwar besteht die Schätzfunktion alle gängigen ökonometrischen Tests, aber da die Veränderung der Zielgröße sehr stark von der Entwicklung der erklärenden Variablen in der selben Periode abhängt, kann die prognostische Leistung des Modells nicht viel besser sein als die prognostische Treffsicherheit für diese zwei Variablen (wobei freilich die eine [M 1] als eine bis zu einem gewissen Grade wirtschaftspolitisch beeinflußbare Größe aufgefaßt werden kann). Im Lichte des dem Modell zugrundegelegten theoretischen Ansatzes und angesichts einer langfristig eher abnehmenden Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist Langfeldts Modellspezifikation mit konstantem Glied schwer interpretierbar: Er ermittelt für den Niveaukoeffizienten einen Wert, der signifikant von Null abweicht und ein autonomes Wachstum von 31/2 % impliziert. Für die achtziger Jahre würde kaum jemand die autonomen Wachstumskräfte der westdeutschen Wirtschaft so hoch ansetzen; somit scheint der Schluß unausweichlich zu sein, daß das Modell die wachstumsbremsende Wirkung restriktiver geldpolitischer Maßnahmen eher unterschätzen müßte. Aber auch Langfeldts Spezifikation führt eindringlich genug vor Augen, daß die Wiederherstellung der Preisstabilität durch monetäre Restriktion drastisch negative und langanhaltende Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung hat. In diesem Sinne ist Langfeldts Schätzgleichung als ein Beitrag zur Verbesserung der Geldpolitik anzusehen: als eine Warnung vor monetaristischen Experimenten.

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Lang, Peter und Ohr, Renate
„Wechselkurssystem und Philipps-Kurve - Neue ökonometrisch fundierte Thesen zur aktuellen Diskussion um die "beste" Währungsordnung“

Ausgangspunkt unserer Untersuchung ist die ökonometrische Analyse Carl-Ludwig Holtfrerichs in Kredit und Kapital, Heft 1/1982. Holtfrerich kommt zu dem Resultat, daß für die Bundesrepublik Deutschland feste Wechselkurse für eine stabilitätswahrende Beschäftigungspolitik bessere Rahmenbedingungen setzen als flexible Kurse. Dabei gründet seine Folgerung auf einen Regressionsansatz, der unserer Ansicht nach einige Inkonsistenzen aufweist. Insbesondere die Fixierung der Untersuchungszeiträume von 1955 bis 1969 für feste Wechselkurse und von 1970 bis 1979 für flexible Wechselkurse ist nicht ökonomisch plausibel und verzerrt die Aussagekraft der Datenbasis, da sie der historischen Entwicklung der Weltwährungsordnung nicht gerecht wird. Sinnvoller erscheint uns der Zeitraum von 1966 bis 1973 (Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems) als Repräsentant für feste Kurse und der Zeitraum von 1974 bis 1981 als Repräsentant für flexible Kurse. Für das Festkurssystem stellen wir einen ausgeprägten Trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit fest, während für das System flexibler Kurse kein signifikanter Zusammenhang nachweisbar ist. Ein Abbau der Arbeitslosigkeit ist daher bei fixen Paritäten mit höheren Inflationsraten verbunden als im Floating. Unsere zusätzliche Analyse des "originären" Philipps-Zusammenhangs zeigt, daß in der Phase fixer Wechselkurse Lohnsteigerungen mit geringeren Inflationsimpulsen einhergingen als in der jüngsten Zeit der flexiblen Kurse. Doch wird dieser Effekt überkompensiert durch den extrem starken Trade-off zwischen Lohnkostenentwicklung und Arbeitslosenquote bei fixen Paritäten und der vollkommenen Abwesenheit eines solchen Trade-offs bei floatenden Kursen. Im Gegensatz zu Holtfrerich schließen wir daher, daß für die BRD die Bedingungen für eine preisstabilitätswahrende Beschäftigungspolitik unter dem Regime flexibler Kurse besser sind als bei festen Kursen.

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Holtfrerich, Carl-Ludwig
“Wechselkurssystem und Philipps-Kurve: Erwiderung und Kommentar”

Der Autor setzt sich mit den kritischen Einwänden zu seinem Aufsatz in Heft 1/1982 auseinander. Er verweist auf die hohen volkswirtschaftlichen Kosten an Arbeitslosigkeit, die Länder unter dem Einfluß monetaristischer Geldpolitik in den letzten Jahren zahlen mußten und die selbst die Erwartungen von Monetaristen überstiegen haben. Er sieht eine Schwäche der von M. J. M. Neumann bevorzugten Philipps-Kurven-Funktion monetaristischen Typs darin, daß sie im Gegensatz zu dem einfachen Philipps-Kurven-Ansatz keynesianischer Prägung Variable enthält, deren Entwicklung empirisch nicht oder nur schwer feststellbar ist: die "natürliche Arbeitslosenrate" und die Preisänderungserwartungsvariable. Im einzelnen diskutiert er drei in Neumanns Replik aufgeworfenen Fragen: 1. Wann hat auf dem Arbeitsmarkt der Bundesrepublik ein Strukturbruch stattgefunden? 2. Bei welchem numerischen Wert von b ist der Trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit am größten? 3. Wie können langfristige und kurzfristige Philipps-Kurven identifiziert werden? Sodann diskutiert der Autor den Beitrag von P. Lang und R. Ohr: 1. den "lag" zwischen Importpreissteigerung und ihrem Durchschlagen auf die inländische Inflationsrate; 2. die Frage, warum das Jahr 1970 als Beginn der Periode beweglicher Wechselkurse gewählt wurde; 3. den Einwand zu geringer Freiheitsgrade. Abschließend setzt er sich Kritisch mit den von Lang und Ohr vorgelegten alternativen Schätzungen von Philipps-Kurven auseinander.

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Himarios, Daniel
“Inflationäre Erwartungen und die Geldnachfrage: Die griechische Erfahrung - Ein Kommentar und einige abweichende Resultate”

Dieses Papier befaßt sich mit zwei Aspekten des Beitrages von Brissimis und Leventakis (1981). Zum einen kritisieren wir, daß den Autoren ein schwerwiegender theoretischer Irrtum unterlaufen ist, indem sie unwissentlich rationale Erwartungen mit vollständiger Vorausschau gleichsetzen. Wir zeigen, daß unter ihren Annahmen die Resultate statistisch unzuverlässig und widerspruchsvoll sind. Zum anderen überprüfen wir aufs neue ihre Schlußfolgerung, daß "der Markt für die Geldmenge M 1 sowohl von den Geld- als auch von den Sachvermögensmärkten segmentiert ist". Eine sorgfältige Überprüfung der Daten sowie eine richtig spezifizierte Gleichung der Geldnachfrage stützt die genau gegenteilige Hypothese mit einem hohen Wahrscheinlichkeitsgrad.

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Berichte

Fuhrmann, Wilfried
„Zum Kapitalverkehr zwischen deutschen und ausländischen Kreditinstituten“

Dieser Beitrag hebt besonders die wachsende internationale Verflechtung der verschiedenen nationalen Geld- und Kapitalmärkte hervor. Hierfür sind insbesondere Innovationen sowie neue Entwicklungen im internationalen Bankgeschäft verantwortlich. Folglich werden ein spezieller Überweisungsweg bzw. die Kapitalbewegungen zwischen inländischen und ausländischen Banken analysiert. Eine große Palette von Verhaltensweisen der institutionell aufgegliederten, disaggregierten deutschen Banken als auch der Zeitablauf der Kapitalströme wird aufgedeckt. Zum Zwecke eines stabilen nationalen Banksystems erscheinen sowohl bankrechtliche als auch bankaufsichtliche Änderungen nicht nur wünschenswert, sondern auch möglich.

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