Ehrlicher, Werner
Monetarismus und Keynesianismus in der „Neuen Geldpolitik“
Brunner, Karl
Hat der Monetarismus versagt?
Bockelmann, Horst
Orientierungspunkte der Geldpolitik
Carlberg, Michael
Kreditfinanzierung versus Steuerfinanzierung der Staatsausgaben – ein langfristiger Vergleich
Frey, Bruno S.
Schattenwirtschaft und Wirtschaftspolitik
Barth, Herbert
Financial Futures: Neue Risiken für die Kreditinstitute?
Krümmel, Hans-Jacob
Bankenaufsichtsziele und Eigenkapitalbegriff
(Erich Priewasser)
Zehn bankbetriebliche Bücher
(Ramona Budde)
Scharrer, Hans-Eckart und Wessels, Wolfgang (Hrsg.)
Das Europäische Währungssystem – Bilanz und Perspektiven eines Experiments
(Bernd Kubista)
Gallagher, John Desmond
German-English Translation. Deutsch-englische Übersetzungsübungen – Lehrbuch mit Texten über Politik und Wirtschaft
(Manfred Borchert)
Lancaster, Kelvin
Moderne Mikroökonomie
(Michael Burchardt)
Rübel, Gerhard
Devisenmarktoperationen bei flexiblen Wechselkursen
(Peter Lang)
Ehrlicher, Werner
„Monetarismus und Keynesianismus in der "Neuen Geldpolitik"“
Entgegen der verbreiteten Meinung, daß die seit Mitte der 70er Jahre mit der Bekanntgabe und Verfolgung von Geldmengenzielen eingeleitete "Neue Geldpolitik" als Durchsetzung monetaristischer Vorstellungen anzusehen sei, wird in diesem Beitrag die Auffassung vertreten, daß die neue Politik in wesentlichen Bereichen noch keynesianische Züge trägt. Der Verfasser versucht, dies über die Analyse der zugrundeliegenden geldtheoretischen und geldpolitischen Vorstellungen sowie der technischen Ausgestaltung der Geldmengensteuerung zu belegen. Im ersten Teil werden in komprimierter Form die Thesen der Monetaristen und Keynesianer zur Geldwertlehre, im zweiten Teil zu den Bestimmungsgründen des Beschäftigungsgrades dargestellt und mit der neuen Geldpolitik konfrontiert. Die keynesianischen geldwerttheoretischen Vorstellungen werden darin gesehen, daß die Notenbanken einerseits dem Ankündigungseffekt des Geldmengenzieles größere Bedeutung als dem Steuerungseffekt der Geldmengenveränderung zumessen und andererseits die Entwicklung wichtiger Einzelpreise für die Determination des Geldwertes als wichtig erachten. In wirtschaftspolitischer Hinsicht erkennt der Verfasser keynesianische Elemente darin, daß sich die Notenbanken keineswegs ausschließlich an der Entwicklung des Geldwertes orientieren, sondern sich bei ihren Entscheidungen weiterhin in das Spannungsfeld von Geldwert-, Beschäftigungs- und Wechselkursentwicklung gestellt sehen. Im dritten Teil wird für die Erörterung der technischen Ausgestaltung der Geldmengenpolitik das Beispiel der von der Bundesbank konzipierten "Zentralbankgeldmenge" gewählt. Die Tatsache, daß die "Zentralbankgeldmenge" eine verwendungsorientierte Größe ist, weist darauf hin, daß die Geldpolitik Reaktionen und Verhaltensweisen der Geschäftsbanken und der Nichtbanken berücksichtigen und gegebenenfalls kompensieren will. Damit wird deutlich, daß die Vertreter dieses Konzepts - entgegen der monetaristischen Vorstellung von der tendenziellen Stabilität des Wirtschaftsablaufs - mit einer gewissen Instabilität rechnen und die Geldpolitik als eine permanente diskretionäre Aufgabe betrachten.
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Brunner, Karl
„Hat der Monetarismus versagt?“
Die makroökonomische Debatte ist durch die Erfahrungen der letzten vier Jahre erneut belebt worden. Sowohl die Medien als auch das akademische Establishment beteiligten sich an der Diskussion. Die zentrale Frage war dabei, ob der "Monetarismus versagt habe". Dieses besondere Problem wird hier behandelt. Zur Einschätzung des Problems werden die grundlegenden Gedanken monetaristischer Analyse zusammengefaßt. Sie betreffen den Transmissionsmechanismus, die innere Stabilität des Systems, das Impulsproblem, den Geldangebotsprozeß und die Geldpolitik sowie letztlich auch entscheidende Aspekte der politischen Ökonomie. Diese fünf Gebiete umfassen die zentralen Behauptungen monetaristischer Analyse, und daher ist die Kritik an ihnen zu messen. Die untere Ebene der Kritik kam aus der öffentlichen Arena und den Medien. Das in diesem Zusammenhang unterstellte Versagen scheint sich kaum auf die entscheidenden monetaristischen Behauptungen zu beziehen. Drei die Diskussion beherrschende Themen werden hier untersucht: die Rezession von 1981/82, das hohe Niveau und die Unbeständigkeit der Zinssätze sowie die Definierbarkeit oder Kontrollierbarkeit des Geldes. Die obere Ebene der Kritik kam aus dem akademischen Establishment und wurde vor allem durch James Tobin vorgetragen. Der Aufsatz behandelt zuerst die enge Betrachtungsweise von "Monetarismus", die zu der Reichweite der von der monetaristischen Analyse entwickelten Aussagen in keinem Verhältnis steht. Es werden auch Tobins Behauptungen mit den Aussagen verglichen, die den charakteristischen Kern monetaristischer Analyse begründen. Außerdem wird eine alte Vorhersage diskutiert, die Harry Johnson vor mehr als zehn Jahren aufstellte. Der Aufsatz kommt zu dem Ergebnis, daß Johnsons Vorhersage eines endgültigen politischen Versagens des Monetarismus wahrscheinlich richtig war, jedoch aus völlig anderen Gründen als sie von Johnson genannt wurden.
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Bockelmann, Horst
„Orientierungspunkte der Geldpolitik“
Die Diskussion über die Geldpolitik ist über die spektakulären Erfolge bei der Inflationsbekämpfung in wichtigen Ländern rasch hinweggegangen. Das neue Schwerpunktthema sind die "zu hohen Realzinsen" und das, was die Geldpolitik zu ihrer Senkung beitragen könne. Der Aufsatz versucht angesichts solcher Stimmungsschwankungen festen Boden für die Orientierung der Geldpolitik zu finden, also abzuschätzen, was als einigermaßen gesicherte Erkenntnis für die praktische Geldpolitik Bestand hat und was nicht. Die Schwierigkeiten mit bestimmten Zwischenzielen, so wird argumentiert, lassen sich nicht dadurch ausräumen, daß man stattdessen ein "Endziel", etwa das nominale Sozialprodukt, zum Orientierungspunkt der Geldpolitik macht. Als Zwischenziel habe die Geldmenge keine wirkliche Konkurrenz; reden ließe sich höchstens darüber, inwieweit andere Zwischenziele daneben (dem Geldmengenziel untergeordnet) mit anvisiert werden könnten. Jedoch habe sich gezeigt, daß der Spielraum dafür meistens sehr eng sei. Innovationen an den Finanzmärkten werden, jedenfalls für die Bundesrepublik, nicht als Hindernis für eine Geldmengenorientierung gesehen, die als defensive Strategie primär versucht, Fehler zu vermeiden, und sich nicht zutraut, die Wirtschaft ideal zu steuern. In diesem Zusammenhang werden Zweifel an dem Nutzen der gängigen Geldnachfragefunktionen geäußert und begründet. Schließlich werden auch die praktischen Probleme der Geldmengensteuerung und der Zielgenauigkeit behandelt. Im Vordergrund steht dabei das Thema "monetary base control", das vor allem in den USA und von Zeit zu Zeit in England heiß diskutiert wird, aber auch bei uns bisher nicht wirklich geistig verarbeitet worden ist.
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Carlberg, Michael
„Kreditfinanzierung versus Steuerfinanzierung der Staatsausgaben - ein langfristiger Vergleich“
Beim langfristigen Vergleich zwischen Kreditfinanzierung und Steuerfinanzierung der Staatsausgaben werden drei Indikatoren geprüft: 1. Wiegt die Last der Zinssteuer bei Kreditfinanzierung schwerer als die Last bei Einkommenssteuer bei Steuerfinanzierung? 2. Wird die Kreditaufnahme von den Schuldzinsen aufgezehrt? 3. Welche Finanzierungsform verspricht das höhere Wohlfahrtsniveau? Wie die theoretische Untersuchung zeigt, ist es sinnvoll, bei der Beantwortung dieser Fragen drei Situationen zu unterscheiden.
1.Die private Sparneigung, der öffentliche Kreditaufnahmesatz (bei Kreditfinanzierung) und der Einkommenssteuersatz (bei Steuerfinanzierung) sind beliebig gegeben. In dieser Situation liefern alle drei Indikatoren tendenziell die gleiche Empfehlung: Ist die private Sparneigung groß (klein), dann ist die Kreditfinanzierung (Steuerfinanzierung) überlegen. Dieses Ergebnis beruht darauf, dass Kreditfinanzierung die private Ersparnis belastet, während Steuerfinanzierung vor allem den privaten Konsum belastet. Abweichende Empfehlungen sind allerdings denkbar, da die kritischen Sparneigungen voneinander verschieden sind.
2.Die private Sparneigung, der öffentliche Kreditaufnahmesatz (bei Kreditfinanzierung) und der Einkommenssteuersatz (bei Steuerfinanzierung) sind optimal. In dieser Situation sind Kreditfinanzierung und Steuerfinanzierung äquivalent, unabhängig davon, welcher Indikator betrachtet wird. Der Grund dafür ist, daß die optimale Sparneigung bei Kreditfinanzierung entsprechend größer ist als bei Steuerfinanzierung. Es gibt indes kein zwingendes Argument, warum die privaten Haushalte die optimale Sparneigung wählen sollten.
3. Die private Sparneigung ist beliebig gegeben, während der Kredit und der Einkommensteuersatz optimal sind. In dieser Situation gibt es -Kombination von Kreditfinanzierung und Steuerfinanzierung, die sowohl der reinen Kreditfinanzierung als auch der reinen Steuerfinanzierung überlegen ist.
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Frey, Bruno S.
„Schattenwirtschaft und Wirtschaftspolitik“
Die Schattenwirtschaft bezeichnet die von den offiziellen Statistiken nicht erfaßte produktive Tätigkeit, die sich vor allem in Form von Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung äußert. In den letzten Jahren hat sie in der breiten Bevölkerung und bei Politikern gerade auch entwickelter Industrieländer zunehmende Aufmerksamkeit gefunden. Empirische Analysen weisen in der Tat darauf hin, daß heute die Schattenwirtschaft in den OECD-Ländern eine erhebliche Größe aufweist und zugenommen hat.
Die Schattenwirtschaft wird sehr unterschiedlich bewertet. Vom Standpunkt der ökonomischen Theorie müssen die Vor- und Nachteile der Existenz und das Wachstum der Schattenwirtschaft gegeneinander abgewogen werden (gesellschaftliche Nutzen-Kosten-Analyse) und darauf aufbauend den Politikern Ratschläge erteilt werden. Die traditionelle Vorgehensweise hat jedoch wenig Aussicht auf Erfolg, weil der politische Aspekt außer Acht gelassen wird. Ein alternatives Vorgehen im Sinne einer Theorie demokratischer Wirtschaftspolitik wird vorgeschlagen.
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Barth, Herbert
“Financial Futures: Neue Risiken für die Kreditinstitute?“
Der Terminhandel mit auf Finanzinstrumente lautenden standardisierten Kontrakten ("financial futures") hat sich seit seiner Einführung 1972 - zunächst in den USA - äußerst dynamisch entwickelt. Die Eröffnung der London International Financial Futures Exchange (LIFFE) im Herbst 1982 ließ erwarten, daß sich auch deutsche Kreditinstitute mit den neuen Geschäftsmöglichkeiten verstärkt befassen würden. Es war deshalb der Frage nachzugehen, ob den Kreditinstituten bei einem Eigenengagement im Futures-Geschäft neue und möglicherweise unvertretbare Risiken drohen.
Financial futures sind in aller Regel nicht auf die Erfüllung durch Lieferung per Termin, sondern auf die Realisierung von erwarteten, gleichwohl unsicheren Zins bzw. Wechselkursdifferenzen gerichtet. Da Finanzterminkontrakte nur einen geringen Kapitaleinsatz erfordern, ist dessen Hebelwirkung (Leverage-Effekt) für Gewinn- und Verlustmöglichkeiten beachtlich. Hieraus resultiert die Verlockung, aber auch die Gefahr der financial futures. Weil auch bankaufsichtliche Vorschriften der Ausweitung des Financial Futures-Geschäfts derzeit nicht entgegenstellen, kann sich insoweit ein Verlustpotential aufbauen, dessen Größe nicht an der Risikoabsorptionsfähigkeit der Kreditinstitute orientiert ist. Auch die institutionellen Vorkehrungen an den Futures-Märkten zur Verlustbegrenzung vermeiden die Verlustgefahr letztlich nicht.
Allerdings wäre es mit einer ordnungsgemäßen Bankgeschäftsführung nicht vereinbar, Futures-Kontrakte nur im Hinblick auf erhoffte Zins- oder Kursänderungen, also zum Zwecke der Spekulation abzuschließen. Die Abgrenzungskriterien zwischen spekulativen und nicht spekulativen Kontrakten ("hedges") werden abgeleitet. Ein Finanzterminkontrakt ist nur dann nicht spekulativ, wenn in den bilanziell erfaßten Bankgeschäften ein dem Financial Futures-Risiko gegenläufiges Zins- oder Kursänderungsrisiko begründet ist. Danach zeigt sich, daß der Abschluß nicht spekulativer Eigengeschäfte am Financial Futures-Markt für deutsche Kreditinstitute allenfallA?s in geringem Umfange in Betracht kommen kann. Selbst wenn sich solche Geschäfte anbieten, verbleiben gewisse Restrisiken. Zudem tragen auch "hedges" in ihrer bilanziellen Auswirkung das gleiche Verlustrisiko wie spekulativ begründete Positionen. Im übrigen erfordert die Handhabung des Futures-Geschäfts jedenfalls die Beachtung bankaufsichtlicher Anzeige- und Berichtsvorschriften sowie gewisser Mindestanforderungen für Handel, Abwicklung und Kontrolle.
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