Ramb, Bernd-Thomas
Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei „rationalen Erwartungen“?
Klausinger, Hansjörg
Fristigkeitsaspekte in der Theorie der Stabilisierungspolitik
Khan, Waseem und Willett, Thomas D.
The Monetary Approach to Exchange Rates: A Review of Recent Empirical Studies
Heri, Erwin E.
Wechselkursbewegungen – Einige Ergebnisse einer Analyse der kurzen Frist
Knoester, Anthonie
Theoretical Principals of the Buffer Mechanism, Monetary Quasi-Equilibrium and ist Spillover Effects
Gupta, Sanjeev
Causal Relationship between Domestic Credit and International Reserves: The Experience of Developing Countries
Panayotopoulos, Dimitris
Inflationary Expectations and the Demand for Money: The Greek Experience „A Comment and Some Different Results“ – A Rejoinder
Schmidt, Hartmut
Venture-Capital-Märkte in Europa
Kock, Heinz
Kumulative Wirkungen des Ausgaben- und Transfersystems
Wilhelm, Jochen
Finanztitelmärkte und Unternehmensfinanzierung
(Otto Loistl)
Flechsig, Rolf
Kundenkalkulation in Kreditinstituten
(Werner Gladen)
Schmidtberger, Wolf-Dieter
Fiskalpolitik in kleinen offenen Volkswirtschaften
(Peter Lang)
Süchting, Joachim
Bankmanagement
(Bernd Rudolph)
Ramb, Bernd-Thomas
„Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei "rationalen Erwartungen"?“
Die "Rationalen Erwartungshypothesen", makroökonomische Theorien unter Zugrundelegung der von John F. Muth konzipierten Rationalen Erwartungstheorie, haben im letzten Jahrzehnt, beginnend mit den Arbeiten von Lucas, Sargent und Wallace einen enormen Zulauf gefunden. Die aus ihnen gezogene Schlußfolgerung der Ineffektivität der Wirtschaftspolitik - wirtschaftspolitische Eingriffe, insbesondere die Geldmengenpolitik, besitzen keine Auswirkungen auf die reale Güterproduktion, sondern führen allein zur Erhöhung des Preisniveaus, solange die wirtschaftspolitischen Aktionen rational antizipiert werden und nicht schockartig erfolgen - ist sicherlich aus der Sicht einer liberalen Wirtschaftspolitik attraktiv, jedoch über die Rationalen Erwartungshypothesen nur modellspezifisch begründet und daher angreifbar. Zudem enthält die Argumentation der "Rationalisten" die wirtschaftspolitische Möglichkeit einer scheinbar gefahrlosen Inflationsbekämpfung.
Am Basismodell der Rationalen Erwartungshypothesen läßt sich verdeutlichen, daß jede Form des wirtschaftspolitischen Eingriffs - ob pro- oder antizyklisch, ob monetär oder fiskalistisch - allein durch die Modellgestaltung zur Wirkungslosigkeit bezüglich realer Effekte verurteilt ist. In der entgegengesetzten Richtung enthält die Logik des Basismodells die Möglichkeiten, durch wirtschaftspolitische Aktionen das Preisniveau nahezu beliebig festzulegen, ohne daß dabei reale Auswirkungen auf die Güterproduktion in Kauf genommen werden müssen. Es läßt sich abschließend zeigen, daß diese modellspezifischen Ergebnisse hauptsächlich durch die Eigenarten der Lucas-Angebotsfunktion begründet sind. Eine vereinfachte, aber durchaus plausible Abänderung der Angebotsfunktion führt auch unter Beibehaltung des nicht unstrittigen Konzepts der rationalen Erwartungen zu realen Effekten der Wirtschaftspolitik, so daß die These der Ineffektivität letztlich auf eine spezielle Annahme reduziert ist.
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Klausinger, Hansjörg
„Fristigkeitsaspekte in der Theorie der Stabilisierungspolitik“
Die gegenwärtige Diskussion in der Theorie der Stabilisierungspolitik ist vor allem durch die unterschiedlichen Sichtweisen und daraus folgenden wirtschaftspolitischen Konzeptionen von keynesianischen und monetaristischen Ansätzen, insbesondere jenen der Neuen Klassischen Makroökonomik geprägt.
Die vorliegende Untersuchung interpretiert diese Gegensätze als Ausdruck unterschiedlicher Fristigkeitsperspektiven der Analyse, wobei als Kriterium der Fristigkeit die vollständige Anpassung des privaten Verhaltens an die Umwelt, welche die Wirtschaftspolitik einschließt, verwendet wird. Geht man davon aus, daß auch bei vollständiger Anpassung eine "rationale Erklärung" für die Existenz von Friktionen(Informationsasymmetrien, langfristige Kontrakte etc.) möglich ist, so weist das auf potentielle Strukturwirkungen der Wirtschaftspolitik auch in langfristiger Betrachtung, im Widerspruch zur sog. "Ineffektivitätshypothese" bei rationalen Erwartungen. Schließlich wird das Problem der Konsistenz kurz- bzw. langfristig orientierter wirtschaftspolitischer Maßnahmen erörtert; hierfür scheint eine Unterscheidung nach nachfrage- und angebotsseitigen Schocks wesentlich.
Der Betonung des Koordinationsaspekts und von strukturellen Wirkungen der Wirtschaftspolitik käme daher für eine Synthese der existierenden Ansätze in der Makroökonomik paradigmatische Bedeutung zu.
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Khan, Waseem und Willett, Thomas D.
„Der monetäre Ansatz der Wechselkurse: Ein Überblick über neuere empirische Untersuchungen“
Während des vergangenen Jahrzehnts hat sich ein sehr starkes Interesse für den monetären Ansatz der Erklärung von Zahlungsbilanz und Wechselkursen entwickelt. Seit der Einführung flexibler Wechselkurse sind eine Reihe empirischer Untersuchungen über die monetäre Erklärung der Wechselkurse erarbeitet worden. Die meisten Untersuchungen der ersten Generation berichteten Ergebnisse, die den monetären Ansatz mit seiner "neuen" Hypothese begünstigten, daß hohe Zinssätze eher mit schwachen als mit starken Währungen zusammengehen und daß schnelles Wirtschaftswachstum häufiger mit Aufwertung als mit Abwertung verbunden ist. Neuere Forschung liefert allerdings weniger günstige Evidenz. Dieser Aufsatz bespricht kritisch empirische Arbeiten, die den monetären Ansatz verwenden und legt außerdem neue empirische Evidenz vor. Wir kommen zu dem Ergebnis, daß, obwohl das einfache Modell des monetären Ansatzes die Daten einiger Länder für einige Perioden ganz gut beschreibt, diese Beziehungen nicht systematisch gelten, weder für alle Länder noch für alle Perioden. Abgesehen von einigen technischen Fragen ökonometrischer Schätzung und der Modellspezifikation betonen wir, daß bei der Anwendung des monetären Ansatzes zwischen der kurzen und der langen Frist unterschieden werden muß. Wie bei makroökonomischen Modellen für geschlossene Volkswirtschaften scheinen die monetären Wechselkursmodelle große Aussagekraft im Hinblick auf längerfristige Trends zu haben, aber das Wirken realer Faktoren verringert ihre Aussagekraft für die kürzerfristige Analyse erheblich.
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Heri, Erwin E.
„Wechselkursbewegungen - Einige Ergebnisse einer Analyse der kurzen Frist“
Im vorliegenden Aufsatz wurde der Frage nachgegangen, ob die Theorie effizienter Märkte, die im allgemeinen bei der Analyse der Preisbildung auf Finanzmärkten Verwendung findet, auch zur Erklärung der kurzfristigen Preisbewegungen an den Devisenmärkten herangezogen werden kann.
Als effizient bezeichnet man in der Theorie der Finanzmärkte einen Markt dann, wenn die ausgehandelten Preise bzw. Kurse in jedem Moment sämtliche verfügbaren Informationen über vergangene, sowie auch über die zukünftig zu erwartenden Preise und deren Bestimmungsgründe vollständig widerspiegeln. Für empirische Untersuchungen von Effizienzhypothesen impliziert dies im allgemeinen Restriktionen bezüglich der Bedeutung vergangener Informationen. Wir sprechen im vorliegenden Aufsatz von schwacher Effizienz, wenn vergangene Wechselkursänderungen nichts zur Erklärung aktueller bzw. zur Prognose künftiger Wechselkursänderungen beitragen können. Ferner sprechen wir von mittelstrenger Effizienz, wenn nicht nur die Geschichte der Ursprungsreihe selber, sondern wenn jegliche wechselkursrelevante Information bereits im entsprechenden Kurs verarbeitet ist.
Im ersten Teil des empirischen Abschnittes ging es um die Untersuchung der schwachen Effizienz. Mit Hilfe von Autokorrelationsanalysen und von nicht-parametrischen sogenannten Run- oder Iterationsverfahren wurde die Hypothese getestet, ob aus der Kenntnis der vergangenen Wechselkursentwicklung Schlüsse über die künftige Entwicklung gezogen werden können. Auch wenn in einzelnen Tests eine gewisse Gegenevidenz auftauchte, konnte ein systematischer Zusammenhang zwischen aktuellen und vergangenen Wechselkursänderungen nicht festgestellt, die Hypothese der schwachen Effizienz somit nicht abgelehnt werden.
Im zweiten Teil des empirischen Abschnittes wurde weitergehendere Information auf ihre "effiziente Verarbeitung" hin untersucht. Es ging hier um diejenige Information, die sich auf Makro-Variablen bezieht, die üblicherweise als wechselkursbestimmend angesehen werden. Auch wenn bei einzelnen Tests wiederum eine gewisse Gegenevidenz auftauchte, konnte auch diese Form von Effizienz nicht systematisch abgelehnt werden.
Diese Ergebnisse werden als Evidenz für die Hypothese angesehen, nach welcher der größte Teil der kurzfristigen Veränderungen von Wechselkursen auf unerwartete Veränderungen der bestimmenden Makrovariablen zurückzuführen ist.
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Knoester, Anthonie
„Theoretische Grundsätze des Puffermechanismus, monetären Quasigleichgewichts und seiner Übertragungswirkungen“
In diesem Aufsatz argumentieren wir, daß die derzeitige Geldtheorie - wie etwa der Portfolio-Ansatz und die Theorie der Vermögensanpassung - die Einsichten der modernen Ungleichgewichtstheorie zu Unrecht vernachlässigt. Dieses Versäumnis kann jedoch für unsere Beurteilung makroökonomischer Politik von grundlegender Bedeutung sein. Wir versuchen daher, einen theoretischen Ansatz zu entwickeln, um diese Lücke zu schließen. Dazu diskutieren wir den Puffermechanismus. Seine charakteristische Grundeigenschaft besteht darin, daß ein Geldüberhang reine Mengenanpassungen bei Finanzaktiva hervorruft, ohne die Preise zu ändern. Durch diesen Ausgleichsmechanismus entstehen Tendenzen zu einem neuen ex-post Gleichgewicht. Zusammen mit dem klassischen Preismechanismus führt das zu einem Zustand, den wir als "monetäres Quasigleichgewicht" bezeichnen. Dieses monetäre Quasigleichgewicht impliziert eine darauffolgende Transmission monetärer Impulse in den realen Sektor, nämlich die Übertragung des Geldüberhangs.
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Gupta, Sanjeev
„Der Kausalzusammenhang zwischen inländischem Kredit und internationalen Reserven: die Erfahrungen von Entwicklungsländern“
Drei Kausalitätstests und zwar die von Haugh, Granger und Sims werden herangezogen, um die Art der kausalen Beziehungen zwischen den Komponenten der Geldbasis für Indien, Malaysia, Mexico und Taiwan festzustellen. Die gewonnene Schlußfolgerung lautet, daß eine wechselseitige Kausalität zwischen den Änderungen des inländischen Kredites und den Änderungen der internationalen Reserven besteht.
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Panayotopoulos, Dimitris
„"Ein Kommentar und einige abweichende Ergebnisse" zu "lnflationserwartungen und Geldnachfrage: die Erfahrungen Griechenlands" - Eine Erwiderung „
Beide Autoren, B-L und Himarios, haben die Nachfrage für die M1 -Funktion nicht
korrekt geschätzt. Die Nachfrage nach M1 ist in Griechenland sehr instabil. Wenn
man das Jahr 1973 als Schnittstelle nimmt, dann zeigt die Schätzung, daß sich die Parameter der Nachfragefunktion für M1 seit 1973 signifikant verändert haben.
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Schmidt, Hartmut
“Venture-Capital-Märkte in Europa“
Besonders aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sind Venture-Capital-Aktivitäten gegenwärtig sehr erwünscht. Gemeinhin denkt man dabei an eine Portefeuillelösung, d.h. jeweils eine größere Zahl von Minderheitsbeteiligungen an vielversprechenden, aber hochriskanten jungen Unternehmen wird von spezialisierten Gesellschaften übernommen und betreut, die sich ihrerseits durch Aktienemission am offenen Markt finanzieren können. Eine weniger beachtete Alternativlösung ist die öffentliche Direktemission von Anteilen junger Unternehmen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in ihrer Entwicklung, verbunden mit der Aufnahme des Handels der Anteile auf einem geeigneten Sekundärmarkt. Der Autor stellt diese zweite Lösung, die direkte Eigenfinanzierung über den offenen Markt, in den Vordergrund. Wie er im einzelnen ausführt, ist diese Marktlösung nicht nur eine Alternative, sondern auch eine notwendige Ergänzung der Portefeuillelösung, die Ausstiegsproblem, Einflußproblem und Bewertungsproblem entschärft.
Grundsätzliche Erwägungen und ein Überblick über die börslichen und außerbörslichen Märkte für Anteile an kleinen Unternehmen in Europa führen zu dem Ergebnis, daß junge Unternehmen zwei Marktsegmente brauchen: ein Grundsegment und ein Aufsteigersegment. Aufsteigersegmente dienen solchen jungen Gesellschaften, die bereits rentabel arbeiten und durch ihre Zulassung signalisieren möchten, daß sie auf dem Weg zu den oberen Börsensegmenten bereits eine gehobene Qualitätsstufe erreicht haben. Dagegen stehen Grundsegmente den Unternehmen offen, die unter diesem Standard liegen. Wie das Entstehen neuer Aufsteigersegmente in verschiedenen Ländern zeigt, besteht gegenwärtig ein Trend zur Öffnung der europäischen Börsen für junge Unternehmen. Selbst Anlegerschutzerwägungen sprechen keineswegs dagegen, diesen Trend zu fördern und Grundsegmente zu aktivieren oder zu schaffen. Schließlich skizziert der Autor einige Vorschläge zur Förderung der direkten Eigenfinanzierung über Venture-Capital-Märkte. Er bezieht sich dabei auf eine Untersuchung, die er kürzlich der Kommission der Europäischen Gemeinschaften vorgelegt hat.
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Kock, Heinz
„Kumulative Wirkungen des Ausgaben- und Transfersystems“
Modellanalysen bestätigen, was in der politischen und wissenschaftlichen Diskussion schon seit längerem behauptet wird: Durch die unvollkommene Koordination von Abgaben- und Transfersystem, insbesondere durch die Vielfalt der verwendeten Einkommensbegriffe, Einkommensgrenzen und relevanten Einkommensperioden im Abgaben- und Transferrecht kann es zu extremen Grenzbelastungen der Einkommen kommen, in Einzelfällen dürften echte Umkippeffekte nicht auszuschließen sein.
Der eigentliche Problembereich ist aber der mittlere Einkommensbereich, in den immer mehr Arbeitnehmer hineinwachsen. Er zeichnet sich aus durch ein Zusammentreffen von progressiver Einkommensteuer und degressiv verlaufenden Transferansprüchen mit der Konsequenz, daß die kumulierten Wirkungen von Steuer- und Transfersystem in nicht wenigen Fällen zu bedenklich hohen Grenzbelastungen führen.
Bei einer Neugestaltung des Einkommensteuertarifs wird das Augenmerk darauf zu richten sein, diesem Zusammentreffen von Belastungen gerade im mittleren Einkommensbereich entgegenzuwirken.
Eine totale Koordination von Abgaben- und Transfersystem, wie sie gelegentlich im wissenschaftlichen Bereich gefordert wird, erscheint dagegen nicht machbar und auch nicht sinnvoll. Der Nettosaldo bzw. der Verlauf der Grenzbelastung ist nur ein Beurteilungskriterium für die Leistungsfähigkeit des Abgaben- und Transfersystems. Dieses Maß verabsolutieren zu wollen würde bedeuten, die zahlreichen eigenständigen Ziele der einzelnen Transfers und des Abgabenrechts zu verkennen. Es wird bei unserem vielschichtigen Transfer- und Abgabensystem auch in Zukunft immer wieder ein Kompromiß zwischen sachgerechten Lösungen und einfachen Regelungen zu suchen sein. Dabei wird man immer wieder anstreben müssen, daß im einzelnen durchaus sinnvolle Regelungen auch in ihrem Zusammenspiel nicht zu unplausiblen Ergebnissen führen.
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