KREDIT und KAPITAL - Heft 3/1984


Inhalt


Abhandlungen

Cohen, Jacob
The Money Supply Process: How Much Progress Since C. A. Philips‘ Bank Credit?

Prodromidis, Kyprianos P.
Determinants of Money Demand in Greece, 1966 I – 1977 IV

Von Natzmer, Wulfheinrich und Reim, O.
Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem modifizierten ISLM-Modell

Smeets, Heinz-Dieter
Wechselkurssystem und Phillips-Kurve

Lopez, Franklin
The Effect of Various Credit Controls on the Level of International Reserves


Berichte

Hasche-Preuße, Christine
ECU – Von der Insider- zur Parallelwährung? Entwicklung, Bestandsaufnahme und Perspektiven


Buchbesprechungen

Hansmeyer, Karl-Heinrich (Hrsg.)
Staatsfinanzierung im Wandel
(Uwe E. Plachetka)

Stein, Jerome L..
Monetarist, Keynesian and New Classical Economies
(Werner Lachmann)

Institut für Bankhistorische Forschung (Hrsg.)
Deutsche Bankengeschichte
(Jürgen Mura)

Schäfer, Wilhelm
Wirtschaftswörterbuch
(Armin Schwolgin)


Zusammenfassungen

Cohen, Jacob
„Der Geldangebotsprozeß: Welche Fortschritte wurden seit C. A. Phillips' Bankkredit erzielt?“

Der Geldangebotsprozeß wird am besten in einem allgemeinen Gleichgewichtsmodell mit in zweifacherweise begrenzten Markttransaktionen analysiert. Historisch gesehen liegt der Schwerpunkt unter Einbeziehung der "Neuen Sicht" bzw. der traditionellen Multiplikatoranalyse auf den Bankreserven und Geldmärkten. Eine verallgemeinernde Analyse würde weitere Märkte umfassen, insbesondere den Bankkredit. Schon vor mehr als 60 Jahren legte C. A. Phillips die Bedeutung auf den Bankkredit (Geld- und Kreditschöpfung). Dieser Tatsache wird in der neuerlichen Modellgestaltung Rechnung getragen. In diesen Modellen sind Störungen in dem Einlagenzuwachs in Verbindung mit Veränderungen im Bankkredit für das Ungleichgewicht des Geldes verantwortlich. Das von Phillips dargestellte Paradox des Bankensystems und der einzelnen Bank kann dadurch gelöst werden, daß man die Zahlungsmittel eher als output denn als input der Banken behandelt. Als Verkäufer von Sichteinlagen wird die einzelne Bank zu einem Mikroteilchen des Bankensystems.

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Prodromidis, Kyprianos P.
„Determinanten der Geldnachfrage in Griechenland,1966 I - 1977 IV“

In diesem Aufsatz, der aus einem theoretischen und einem empirischen Teil besteht, untersuchten wir die Determinanten für die Geldnachfrage in Griechenland. Im theoretischen Teil unterschieden wir zwischen kurzfristigen und langfristigen Geldnachfragefunktionen und führten einen Anpassungsmechanismus ein, der diese beiden Konzepte verbindet. Diesem Mechanismus zufolge wurde die beobachtbare Änderung der Geldmenge durch zwei Terme erklärt: der Differenz zwischen tatsächlicher und gewünschter Kassenhaltung während der Periode t - 1 und der Änderung der gewünschten realen Kassenhaltung zwischen Periode t - 1 und Periode t. In den langfristigen wie in den kurzfristigen Geldnachfragefunktionen wurden folgende Argumente verwendet: das permanente Einkommen, der Zinssatz und die Änderungsrate des allgemeinen Preisniveaus. Die empirische Analyse basierte auf einer Untersuchungsperiode mit 48 vierteljährlichen Beobachtungen für die Periode 1966 I - 1977 IV. Vorangehende vierteljährliche Daten von 1958 II an wurden für die notwendige Bildung von Werten der permanenten Variablen verwendet. Jeder Wert einer permanenten Variablen wurde aus 32 Beobachtungen einer gemessenen Variablen gebildet. Im empirischen Teil des Aufsatzes testeten wir sowohl die Stabilität als auch die Homogenität der langfristigen Geldnachfragefunktion hinsichtlich ihrer Beziehung zu den Preisen. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, daß in Griechenland die Nachfrage nach nominaler Kasse homogen vom Grade eins in bezug auf die Preise (permanente oder gemessene Werte) war. Demgegenüber war die langfristige Nachfragefunktion der realen permanenten (gewünschten) Kassenhaltung für die Periode 1972 II - 1974 II instabil. Die Schätzungen der langfristigen Elastizitäten der realen permanenten Kasse in bezug auf das reale permanente Einkommen, den Zinssatz und die Änderungsrate der permanenten Preise betrugen etwa 1.8 bis 1.9 beziehungsweise - 0.15 bis - 0.11. Darüber hinaus betrugen die geschätzten Koeffizienten des verwendeten Anpassungsmechanismus etwa 0.9 beziehungsweise 0.25. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, daß in Griechenland für den Zeitraum 1966 I - 1977 IV die relative Änderung der beobachtbaren realen Geldmenge hauptsächlich durch die relative Änderung der gewünschten realen Kassenhaltung und nur teilweise durch die relative Änderung der Differenz zwischen gewünschter und gemessener realer Geldmenge des vorhergesehenen Quartals erklärt wurde. Schließlich erwiesen sich auch Voraussagen für die ersten beiden Quartale außerhalb des Beobachtungszeitraumes als zufriedenstellend. Die Wurzeln der mittleren quadratischen Prognosefehler lagen unter einem Prozent.

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Von Natzmer, Wulfheinrich und Reim, O.
„Wirtschaftspolitik und Konjunktur in einem modifizierten ISLM-Modell“

Das vorgelegte Modell erweitert die traditionelle ISLM-Analyse um einen nichtlinear vom Einkommen abhängigen Investitionseffekt. Die Folge ist eine sigmoide, im Bereich mittlerer Einkommen positiv ansteigende IS-Funktion. Bei einer stringenten Geldpolitik, steile LM-Kurve, ist das ISLM-Gleichgewicht trotz der induzierten Investition eindeutig. Mehrfache Gleichgewichte treten dagegen bei geringen monetären Beschränkungen auf. In einem solchen Fall, wenn in der Ausgangslage ein ISLM-Gleichgewicht bei niedrigem Einkommen besteht, bewirken einmalige und befristete finanz- und geldpolitische Maßnahmen ein bleibendes höheres Einkommen. Werden zusätzlich noch Preisniveaueffekte berücksichtigt, ist es in dem vorliegenden Modell von entscheidender Bedeutung, welchen Wert bzw. welche Werte das preisniveauneutrale Einkommen hat. Ein Gesamtgleichgewicht, ISLM-Gleichgewicht bei Preisniveaukonstanz, kann unter Umständen instabil oder nur bei niedrigem Einkommen möglich sein. Die Folge ist, daß eine aktive Finanz- und/oder Geldpolitik lediglich für eine begrenzte Zeit ein höheres Einkommen bewirken kann, da die durch die nichtlineare Einkommensabhängigkeit ausgelösten Inflationseffekte die Beschäftigungswirkung wieder aufheben. Unter diesen Umständen kann das höhere Einkommen nur bei einer ständigen Finanzierung eines steigenden Preisniveaus durch die Geldpolitik aufrechterhalten werden. Anderenfalls entsteht ein durch die Wirtschaftspolitik hervorgerufener Konjunkturzyklus.

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Smeets, Heinz-Dieter
„Wechselkurssystem und Phillips-Kurve“

Im Anschluß an einen Beitrag von Holtfrerich (Kredit und Kapital, 1982) kam es zu einer lebhaften Kontroverse (siehe die Beiträge von M. J. M. Neumann, Lang und Ohr sowie Holtfrerich in Kredit und Kapital, 1982 und 1983) darüber, ob flexible Wechselkurse die wirtschaftspolitischen Instanzen der Bundesrepublik Deutschland eher in die Lage versetzen, eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik zu betreiben, als dies bei festen Wechselkursen der Fall wäre. Für die in diesem Zusammenhang präsentierte empirische Evidenz ist insbesondere die Periodenabgrenzung von entscheidender Bedeutung. Im vorliegenden Beitrag wird daher vorgeschlagen, daß sich eine sinnvolle Periodenabgrenzung an den außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu orientieren hat. Man gelangt dann für den betrachteten Gesamtzeitraum von 1955 bis 1982 zu drei Teilperioden: 1955 bis 1958, gekennzeichnet durch begrenzte Konvertibilität und Devisenbewirtschaftung; 1959 bis 1972, gekennzeichnet durch grundsätzlich feste Wechselkurse; 1973 bis 1982, gekennzeichnet durch (begrenzt) flexible Wechselkurse. Während der ersten und dritten Teilperiode ließ sich die Geldversorgung und damit auch die Inflationsrate der deutschen Volkswirtschaft weitgehend durch die wirtschaftspolitischen Instanzen kontrollieren, bei festen Wechselkursen hingegen war eine solche Kontrolle über einen längeren Zeitraum unmöglich. Auf der Grundlage einer solchen, an den außenwirtschaftlichen Rahmendaten orientierten Periodenabgrenzung zeigt die empirische Evidenz eindeutig, daß flexible Wechselkurse besser geeignet sind, Preisniveaustabilität bei einem Minimum an Arbeitslosigkeit zu gewährleisten.

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Lopez, Franklin
„Die Wirkung verschiedenartiger Kreditkontrollen auf das Niveau der internationalen Reserven“

In diesem Aufsatz werden die Wirkungen unterschiedlicher Arten der Geld- und Kreditpolitik auf das Niveau internationaler Reserven analysiert und bewertet. Als Instrumente zur Kontrolle und Stabilisierung ihrer Zahlungsbilanz verwenden die meisten weniger entwickelten Länder Plafonds für die vom Bankensystem gewährten Kredite sowie Vorauszahlungen für Importe. Dieser Aufsatz zeigt, daß für die Kontrolle der internationalen Reserven inländische Kreditkontrolle seitens der Zentralbank (einschließlich des Instruments der Vorauszahlungen für Importe) wirksamer ist als das Plafondieren der Kreditgewährung privater Geschäftsbanken.

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Berichte

Hasche-Preuße, Christine
“ECU – Von der Insider- zur Parallelwährung? Entwicklung, Bestandsaufnahme und Perspektiven“

Die Europäische Währungseinheit ECU, deren Kurzform sich aus der englischen Bezeichnung European Currency Unit ableitet, wurde mit der Gründung des Europäischen Währungssystems (EWS) 1979 geschaffen. Neben der offiziellen ECU-Verwendung, die zur Zeit auf spezielle Bereiche des EWS begrenzt ist, hat sich die private ECU-Verwendung in den letzten Jahren bemerkenswert beschleunigt. Der ECU-Markt ist trotz einiger devisenrechtlicher Probleme ein wachsendes Spezialsegment auf den internationalen Finanzmärkten. Mit der fortgeschrittenen ECU-Verbreitung werden die klassischen (Feldfunktionen zwar bislang nur unvollständig und vom quantitativen Volumen in bescheidenem Umfang erfüllt. Doch die Ausübung von Geldfunktionen hat sich in den letzten Jahren deutlich intensiviert. Die ECU ist ein im Außenhandel zunehmend genutztes, allerdings in Hartwährungsländern nur begrenzt akzeptiertes Zahlungsmittel geworden. Obgleich ihre Eignung als Wertaufbewahrungsmittel durch den Weichwährungsanteil und die mangelnde Definitionskonstanz des Währungskorbes beeinträchtigt wird, konnte sich die ECU als Emissionswährung mit beeindruckenden Erfolgen an den Anleihemärkten etablieren. Als Recheneinheit hat die ECU über die EG-Institutionen hinaus im Bankensektor eine gewisse Bedeutung erlangt. Doch eine stärkere Nutzung der privaten ECU stößt an ihre Grenzen, so lange der devisenrechtliche Status dieser Korbwährung vor allem in der Bundesrepublik noch ungeklärt ist. Die Bundesbank nimmt unter den europäischen Zentralbanken eine Sonderstellung ein, indem sie gegen eine Anerkennung der ECU als Devise in erster Linie rechtliche Bedenken erhebt. Das Prinzip der Freiheit des Kapitalverkehrs spricht jedoch aus ordnungspolitischer Sicht für eine vollständige Zulassung von ECU-Transaktionen. Auch hat die gegenwärtige Behandlung von ECU-Transaktionen negative Konsequenzen für den Bankenwettbewerb. Da die alleinige Anerkennung der ECU als Devise mit keinen stabilitätspolitischen Kosten verbunden wäre, der geldpolitische Spielraum der Bundesbank nicht beeinträchtigt würde, und sich darüber hinaus auch noch Vorteile für die Bankenaufsicht ergeben könnten, sollte man auch in der Bundesrepublik der ECU den Status einer Devise zukommen lassen.

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