KREDIT und KAPITAL - Heft 1/1985


Inhalt


Abhandlungen

Guth, Wilfried
International Liquidity Reconsidered

Kaufmann, Hugo M.
The Deutsche Mark between the Dollar and the European Monetary System

Wagner, Helmut
Zum Zusammenhang zwischen Mengen- und Preisänderungen – Betrachtungen zu einer auffallenden Trade-off-Beziehung

Scheele, Erwin
Langfristige Stabilität und Wachstum in einem IS/LM-Modell mit Finanzierungsfunktion der Investitionen und Bilanzrestriktion der Unternehmen

Ramb, Bernd-Thomas
Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei „rationalen Erwartungen“? Erwiderung zu einem Kommentar


Berichte

Wall, Larry D.
Die Reform der Einlagenversicherung aus der Sicht von Versicherungsträgern


Buchbesprechungen

Sawyer, Malcolm C.
Macroeconomics in Question – The Keynesian-Monetarist Orthodoxies and the Kaleckian Alternative
(Werner Lachmann)

Hemmerich, Friedhelm
Die Beschäftigungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland 1974 – 1978
(Bernd Rohwer)

Roberts, Ch. C. und Stiepelmann, H.
Überprüfung der verschiedenen Schätzungen der Vermögensverteilung in der Bundesrepublik Deutschland
(Hans Giese)


Zusammenfassungen

Guth, Wilfried
„Fragen der internationalen Liquidität - aus heutiger Sicht“

Hauptgründe für die aktuelle Auseinandersetzung mit Fragen der internationalen Liquiditätsversorgung sind die allgemeine Sorge über die internationale Schuldenkrise, das Unbehagen über die unstete und unvorhersehbare Entwicklung der Weltwährungsreserven in Abhängigkeit von der Stärke oder Schwäche des US-Dollar sowie schließlich die negativen Erfahrungen mit den starken und oft erratischen Wechselkursausschlägen. Auch im Rahmen der Diskussion um eine von manchen geforderte generelle Reform des derzeitigen Währungs- "Systems" wird das Liquiditätsthema relevant. Nach einigen definitorischen Ausführungen zum Begriff der internationalen Liquidität, der heute wegen der maßgeblichen Rolle der internationalen Kreditmärkte sehr viel weiter als früher gefaßt werden muß, werden vier Problemkreise behandelt: Erstens wird untersucht, was die Herausbildung eines Multireservewährungssystems und die wachsenden Rückgriffsmöglichkeiten auf die internationalen Finanzmärkte für die Entwicklung des Angebots an internationaler Liquidität bedeutet haben. Dabei wird die große Flexibilität der Liquiditätsversorgung herausgestellt. Zweitens werden die Ergebnisse der Diskussion über eine "angemessene" Ausstattung der Welt mit internationaler Liquidität analysiert. Es wird betont, daß es sich bei den derzeitigen Mängeln nicht um Fragen der globalen Versorgung, sondern um Verteilungsprobleme handelt. Drittens werden die Möglichkeiten einer verbesserten Steuerung der internationalen Liquidität erörtert. Vor allem wird die Notwendigkeit, aber auch die Problematik einer Kontrolle der Euromärkte beleuchtet; die "surveillance"- Aufgabe des IWF wird unterstrichen. Schließlich werden die Liquiditätsprobleme der hoch verschuldeten Entwicklungsländer und Möglichkeiten einer Abhilfe behandelt. Die einzig sinnvolle Lösung wird in einer Fortsetzung des eingeschlagenen Weges der Anpassung und überbrückender auflagengebundener Liquiditätshilfen mit dem Ziel einer Rückgewinnung der Kreditwürdigkeit der Länder an den Märkten gesehen. Um erneute Liquiditätsanspannungen zu vermeiden, muß die Investitions- und Außenfinanzierung der Entwicklungsländer künftig stärker auf die Zufuhr von langfristigem Kapital abgestellt werden.

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Kaufmann, Hugo M.
„Die Deutsche Mark zwischen Dollar und Europäischem Währungssystem“

Die Wirtschaftsverflechtung der westlichen Länder hat zugenommen und ebenso die internationale Übertragung wirtschaftlicher Störungen. Dies wiederum hat die Suche nach alternativen internationalen Wirtschaftsstrukturen belebt, die einzelnen Ländern oder Ländergruppen eine bessere Kontrolle über ihre Zukunft ermöglichen würden. Die Einführung des Europäischen Währungssystems (EWS) war ein solcher Versuch, der im März 1979 begann. Die miteinander verkoppelten Ziele des EWS bestanden darin, zum einen den Mitgliedern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wieder eine größere wirtschaftliche Unabhängigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten zu verschaffen und zum anderen die festgestellten Nachteile der flexiblen Wechselkurse durch die Gründung einer "Zone monetärer Stabilität" zu vermindern. Keines der beiden Ziele wurde erreicht. Die bloße Bildung eines Währungsblocks konnte die Abkoppelung Europas von der Geldpolitik der Vereinigten Staaten nicht bewirken. Die D-Mark und Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung bilden ein wichtiges Bindeglied in der laufenden Transmission der Wirkungen amerikanischer Geldpolitik auf die Mitgliedsländer der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Diese enge Verbindung vom US-Dollar über die D-Mark zum EWS wird in diesem Aufsatz untersucht. Da sie mal stärker, mal schwächer ist, versuche ich, die Frage zu beantworten, welche Bedingungen geeignet wären, eine gewisse europäische Abkoppelung von den Vereinigten Staaten z. B. in bezug auf die Zinsbewegungen zu erreichen sowie eine größere Stabilität innerhalb des EWS.

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Wagner, Helmut
„Zum Zusammenhang zwischen Mengen- und Preisänderungen - Betrachtungen zu einer auffallenden Trade-off-Beziehung“

Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Erscheinung einer negativen Korrelation zwischen Output- und Preisniveauwachstum, empirisch festgemacht am Beispiel der USA während der vergangenen fünfzehn Jahre. In einem ersten Teil wird der Inflations-Wachstums-"Trade-off " in den USA während der besagten Periode dargestellt. Der zweite Teil stellt verschiedene allgemeine Erklärungen einer Gegenläufigkeit von Inflations- und Outputwachstumsdynamik vor. Erklärungen, die direkte Kausalität behaupten (postkeynesianischer Ansatz, monetaristisch-neoklassische Ansätze), stehen neben Erklärungen, die dritte Faktoren (wie Preisschocks, Verteilungskampf, Wirtschaftspolitik, Antizipationsmuster) hervorheben. Im dritten Teil werden grundsätzliche Probleme solcher allgemeiner Erklärungen angesprochen, die einmal in der angenommenen, jedoch nicht gegebenen Stabilität von reduzierte-Forrn-Darstellungen, zum anderen in der Überlagerung von kurz- und langfristigen Wirkungen liegen. Insgesamt sind die einzelnen theoretischen Erklärungsmuster einer negativen Korrelation von Output- und Preisniveauwachstum als noch äußerst hypothesenhaft und vage zu bezeichnen. Erst die genaue Analyse der institutionellen, politisch-ökonomischen Besonderheit eines Landes innerhalb des betrachteten Zeitraums vermag Oberhaupt konkretere Aufschlüsse zu geben. Im fünften Teil der Arbeit werden dementsprechend die Strukturbedingungen in den USA der 70er Jahre etwas näher herausgearbeitet. Es zeigt sich dabei über den betrachteten Zeitraum hinweg ein stetig durchgehaltenes stop-and-go-Politikmuster, das in der jeweils frühzeitigen Bekämpfung von einerseits Inflations- und andererseits Arbeitslosigkeitsanstieg besteht. Es spricht vieles dafür, daß dieses wirtschaftspolitische Reaktionsmuster von den privaten Wirtschaftssubjekten, insbesondere den Unternehmern, sehr bald in ihren Entscheidungen antizipiert wurde und dies zusammen mit den wirtschaftspolitischen stop-and-go-Reaktionen zur Konstituierung des statistisch beobachteten, eindeutigen negativen Zusammenhangs zwischen Inflation und Outputwachstum in den USA geführt hat.

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Scheele, Erwin
„Langfristige Stabilität und Wachstum in einem IS/LM-Modell mit Finanzierungsfunktion der Investitionen und Bilanzrestriktion der Unternehmen“

Das vorliegende Modell beschreibt für eine geschlossene Volkswirtschaft ohne Staat die stock-flow-Dynamik, welche sich aus der Investitionsfinanzierung über Kredit und Aktienemission ergibt. Untersucht wird die Entwicklung von Sozialprodukt und Aktienrendite in aufeinander folgenden Periodengleichgewichten. Dabei wird einmal der Christsche Begriff des langfristigen Gleichgewichts als stationärer Zustand mit Bestandsänderungen von Null zugrundegelegt und dessen Stabilität analysiert. Die Entwicklung des Systems mündet in diesen stationären Zustand, sofern die stabilisierende Wirkung des durch die Investitionen bewirkten Kapitalstockzuwachses die destabilisierende Wirkung des ebenfalls durch die Investitionen induzierten Geldmengenwachstums überkompensiert. Hieran ändert sich auch nichts, wenn zusätzlich Ungleichgewichte auf dem Gütermarkt zugelassen werden. Der stationäre Zustand ist allerdings nur infolge des Vermögenseffektes in der Konsumfunktion mit einem positiven Sozialprodukt verbunden. Dies erscheint problematisch. Daher wird zum anderen das langfristige Gleichgewicht als evolutorisch definiert. Durch Einführung eines die Grenzproduktivität des Kapitals erhöhenden technischen Fortschritts und des Akzelerators wird das ursprüngliche Modell zu einem Wachstumsmodell erweitert. Die Gleichgewichtsbedingung der neoklassischen Wachstumstheorie (k = konstant) impliziert, daß alle Strom- und Bestandsgrößen mit der konstanten Rate des technischen Fortschritts wachsen; die Aktienrendite und die Finanzierungskosten ändern sich im Wachstumsprozeß nicht. Die "Geldseite" der Wirtschaft spielt im Gegensatz zur Bestimmung des Perioden-Gleichgewichts für das - wie gezeigt wird - stabile Wachstumsgleichgewicht keine Rolle.

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Berichte

Wall, Larry D.
“Die Reform der Einlagenversicherung aus der Sicht von Versicherungsträgern“

Dem US-Kongreß ist deutlich geworden, daß die Rolle der Einlagenversicherung trotz der wertvollen Dienste, die sie den Vereinigten Staaten geleistet hat, innerhalb eines deregulierten Finanzsystems überprüft werden sollte. Der Garn-St. Germain-Act hat von FDIC, FHLBB und NCUA eine solche Überprüfung und die Empfehlung von Verbesserungsvorschlägen verlangt. Alle drei Einlagenversicherungsbehörden sind der Auffassung, die Einlagenversicherung übe zwar nach wie vor eine wertvolle Funktion aus, einige Reformen seien jedoch wünschenswert. Die FDIC favorisiert mehrere Reformen. Sie unterstützt die Idee einer staatlichen Einlagenversicherung mit variablen Prämien, um so im Hinblick auf die Struktur der Versicherungsprämien Gleichheit zwischen den Banken zu erreichen. Sie rechnet jedoch nicht damit, daß ihr Vorschlag die Risikolage der Banken wesentlich tangieren würde. Diese Behörde befürwortet auch eine Verringerung des den großen Einlegern de facto gewährten Versicherungsschutzes, um so deren Anreiz zu erhöhen, die Risikolage der versicherten Institute zu überwachen. Die FDIC würde die Veröffentlichung bankaufsichtlicher Maßnahmen, die einzelnen Banken betreffen, begrüßen. Der FHLBB unterstützt eine Einlagenversicherung mitvariablen Prämien die Heranziehung privater Versicherungen, um die Thrifts Verringerung ihres Risikoexposures anzuhalten. Er ist weiterhin der Auffassung, daß Thrifts über eine höhere Kapitalausstattung verfügen und ihre Eigentümer und Direktoren eine aktivere Rolle hinsichtlich der Kontrolle der Risikolage ihrer Institute übernehmen sollten. Die NCUA glaubt, die Risiken der Credit Unions dadurch verringern können, daß die Credit Unions, die große Konten (über 50 000 Dollar) an sich ziehen, mehr für ihre Einlagensicherung zahlen müßten und daß der erste Geschäftsanteil eines jeden Mitglieds nicht versichert würde. Sie würde es den nach Bundesrecht zugelassenen Credit Unions überlassen, die öffentliche durch eine private Einlagenversicherung zu substituieren. Sie befürwortet eine einmalige einprozentige Umlage auf die Geschäftsanteile der Credit Unions, um so die Kapitalisierung des NCUA-Fonds zu erhöhen.

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