KREDIT und KAPITAL - Heft 1/1986


Inhalt


Abhandlungen

Jarchow, Hans-Joachim
Ein Geldangebots-/Geldnachfrage-Modell für flexible Wechselkurse und Zentralbankpolitik

Svindland, Eirik
Über Konjunkturprognosen auf der Grundlage einer monetären Schätzgleichung. Eine Fallstudie

Horn, Gustav-Adolf
Preisstabilisierende Geldpolitik

Schierenbeck, Henner
Zur Integration von Betriebsergebnis- und Effektivzinsrechnung bei Disagiokrediten mit Festzinsvereinbarung

Kruschwitz, Lutz
Bezugsrechtsemissionen in optionstheoretischer Sicht


Berichte

Fischer, Bernhard und Trapp, Peter
Geld- und Finanzpolitik in Argentinien: Der Weg in die finanzielle Repression


Buchbesprechungen

Canaris, Claus-Wilhelm
Bankvertragsrecht
(Werner Terpitz)

Lachmann, Werner
Wirtschaftspolitik im Ungleichgewicht. Eine Analyse fiskalischer und monetärer Maßnahmen des Staates in einem mikroökonomisch fundierten Makroungleichsgewichtsmodell
(Wilfried Fuhrmann)

Frowen, Stephen F. (Hrsg.)
Controlling Industrial Economies, Essays in Honour of Christopher Thomas Saunders
(Manfred Borchert)

Krayenbühl, Thomas E.
Country Risk, Assessment and Monitoring
(J. G. Dobrovolny)

Wolf, Bernhard
Zur Bedeutung der finanziellen Infrastruktur in Entwicklungsländern
(Heiko Körner)


Zusammenfassungen

Jarchow, Hans-Joachim
„Ein Geldangebots/Geldnachfrage-Modell für flexible Wechselkurse und Zentralbankpolitik“

Mit dem vorliegenden Beitrag wird versucht, die Geldangebots/Geldnachfrage-Analyse mit dem kurzfristigen Finanzmarktansatz der Wechselkurstheorie zu verbinden. Dieser durch die Einbeziehung des Geschäftsbankensektors erweiterte Finanzmarktansatz bietet die Möglichkeit, die Gleichgewichtswerte von Geldmenge, Zinssatz und Wechselkurs simultan in einem Modell zu bestimmen und ihre Änderungen auf Grund der Zentralbankpolitik (geldpolitische Maßnahmen und Devisenmarktinterventionen) abzuleiten. Bei geldpolitischen Maßnahmen wie einer Ausweitung der bereinigten Geldbasis und einer Senkung des Diskontsatzes oder des Mindestreservesatzes ergibt sich eine Geldmengenerhöhung, verbunden mit einer Zinssenkung (also ein qualitativ gleiches Ergebnis wie bei der üblichen Geldangebots/Geldnachfrage-Analyse) sowie eine Abwertung der heimischen Währung. Die traditionellen Anpassungsvorgänge auf dem Geldmarkt werden dabei durch wechselkursinduzierte Nachfrage- und Angebotsveränderungen überlagert und in ihrer Wirkung auf Geldmenge und Zins quantitativ modifiziert. Dabei wird auch deutlich, daß eine durch expansive Geldpolitik ausgelöste Zinssenkung bei Wechselkursflexibilität im Vergleich zu Wechselkursstabilität in der Regel gedämpft wird (stabilisierende Wechselkursspekulation vorausgesetzt). Devisenmarktinterventionen, die in einem traditionellen Geldangebots/Geldnachfragemodell nicht angemessen behandelt werden können, weil dort der Devisenmarkt fehlt, werden unter der Annahme analysiert, daß die Wirkungen der Interventionspolitik auf die bereinigte Geldbasis (z. B. durch Offenmarktoperationen der Zentralbank mit Staatstiteln) sterilisiert werden. Dabei zeigt sich, daß auch unter dieser Annahme mit Geldmengenänderungen zu rechnen ist. Ferner ergibt sich, daß z.B. sterilisierte Interventionskäufe von Devisen erwartungsgemäß eine Abwertung bewirken (solange inländische Kredittitel und Auslandstitel nicht als vollkommene Substitute angesehen werden) und zudem in der Regel ein Zinsanstieg eintritt, wenn auch eine Zinssenkung von Avornherein nicht ausgeschlossen werden kann.

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Svindland, Eirik
„Über Konjunkturprognosen auf der Grundlage einer monetären Schätzgleichung. Eine Fallstudie“

Die getestete Kieler-Schätzgleichung ist falsch spezifiziert, wenn sie als dynamische Version der einfachen Quantitätstheorie verstanden wird. Ihre alternative monetaristische Begründung als die reduzierte Form eines Impulsmodells enthält keine Aussage über die reale Entwicklung in Verbindung mit einem bestimmten gleichmäßigen Wachstum der Geldmenge. Diese Begründung beruht auf einer schwachen Hypothese über Strukturkonstanz - die numerischen Werte der Parameter dürfen mit gleichbleibenden Vorzeichen variieren. Schätzungen und Verwendungen für kurzfristige Prognosen sollten dieser Variabilität Rechung tragen. Die Informationen über geldpolitische Wirkungsverzögerungen implizieren, daß die angenommenen Lagbeziehungen innerhalb eines Jahres liegen. Folglich wurden Schätzungen auch auf der Grundlage von Quartalsdaten durchgeführt. Im Vorquartalsvergleich ergab sich eine gute Anpassung der Schätzgleichung an saisonalen Jahreszyklen. Die Quartalsdaten im Vorjahresvergleich zeigen dagegen eine Mischung der saisonalen mit konjunkturellen Schwankungen, die mit der Schätzgleichung nicht erfaßt wird. Konjunkturelle Schwankungen der Jahresdaten werden wiederum gut approximiert. In allen drei Fällen ist sowohl die rückblickende Anpassung der Gleichung an den Daten als auch das Ergebnis der Prognoseexperimente wesentlich besser, wenn neu hinzukommende Daten für eine Verschiebung, anstatt für eine Verlängerung des Schätzintervalls verwendet werden. Da die Änderungen des Schätzintervalls außerdem viele Vorzeichenwechsel der Parameter bedingten, ist die Korrespondenz der Daten mit der gegebenen monetaristischen Begründung der Gleichung sehr fraglich. Für die Jahresdatengleichung wurden besonders interessante, anscheinend systematische Zusammenhänge zwischen Parameteränderungen und Wandlungen der gesamtwirtschaftlichen Problematik ermittelt. Als zeitreihenanalytisches Prognoseinstrument ist die Gleichung mit derselben Vorsicht zu verwenden, wie alle anderen Fortschreibungen von Zeitreihenmustern.

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Horn, Gustav-Adolf
„Preisstabilisierende Geldpolitik“

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, ob eine Regelpolitik der Zentralbank, die Preisstabilisierung zum Ziel hat, erfolgreich sein kann, wenn die Wirtschaftssubjekte rationale Erwartungen haben. Ferner wird untersucht, inwieweit sich die Resultate ändern, wenn die Preisbewegungen träge, d. h. nicht ausschließlich an der Markträumung ausgerichtet sind. Als ein Ergebnis läßt sich festhalten, daß die preisstabilisierende Geldpolitik unabhängig von der Trägheit der Preisbewegungen erfolgreich ist. Geldpolitik zeigt jedoch nur dann reale Auswirkungen, wenn das Preissystem markträumend ist. Die Annahme ständig geräumter Märkte erweist sich somit als essentiell für die Neutralität von Politikregeln. Die reale Wirksamkeit der Geldpolitik basiert zudem in diesem Umfeld im Gegensatz zu manchen monetaristischen Vorstellungen wegen der rationalen Erwartungen nicht auf der Täuschung der Wirtschaftssubjekte. Allein die Ungleichgewichte verursachende Trägheit der Preisbewegungen ist somit Grundlage für die Nicht-Neutralität der Politik der Zentralbank.

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Schierenbeck, Henner
“Zur Integration von Betriebsergebnis- und Effektivzinsrechnung bei Disagiokrediten mit Festzinsvereinbarung”

Speziell bei Kundenkreditgeschäften mit Festzinsvereinbarung wird häufig ein Disagio (Damnum) vereinbart, das Zinsersatzaktion hat und die Möglichkeit bietet, einen niedrigeren laufenden Nominalzins zu fixieren. In solchen Fällen ist es für die Kalkulation von Kreditmargen erforderlich, das vereinbarte Disagio zusammen mit dem Nominalzins in einen Effektivzins umzurechnen. Gleichzeitig entsteht aber das Problem, daß der Kunde den Kreditbetrag abzüglich Disagio ausgezahlt bekommt und die Bank das Disagio nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung und Bilanzierung zu vereinnahmen hat. Im Sinne eines geschlossenen Controlling-Zyklus sind beide Problemkreise, die Effektivzinsrechnung und die Vereinnahmung der Disagien in der Betriebsergebnisrechnung sinnvoll zu synchronisieren. Anders ausgedruckt, geht es darum sicherzustellen, daß die tatsächlich vereinnahmten (planmäßigen) Zinsüberschüsse einschließlich des anteiligen Disagios möglichst exakt den auf der Grundlage von Effektivzinssätzen kalkulierten Zinsüberschüssen in den einzelnen Jahren entsprechen. Denn nur, wenn das erreicht wird, sind die kalkulierten Kreditmargen nachher auch periodengerecht abgegrenzt im Betriebsergebnis enthalten. Die Suche nach Methoden der Disagioverteilung, die dieser Zielsetzung möglichst umfassend gerecht werden, erfolgt im vorliegenden Beitrag in zwei Stufen. Zunächst wird festgestellt, welche Methoden zur Effektivzinsrechnung prinzipiell zur Verfügung stehen und mit welchen Annahmen diese in Bezug auf die zeitliche Disagioverteilung arbeiten. Hierauf aufbauend werden dann sowohl die in der Praxis gebräuchlichen Verfahren der bilanziellen Disagioverteilung erörtert als auch die theoretisch vorkommenden effektivzinsorientierten Methoden vorgestellt und anhand eines durchgängigen Beispiels diskutiert. Einbezogen werden sowohl die Verfahren der statischen Effektivzinsrechnung auf Realkapital- und Nominalkapitalbasis sowie die dynamischen Verfahren des Internen und des Realen Zinsfußes. In allen Fällen wird versucht, Regeln zur zeitlichen Disagioverteilung in Abhängigkeit alternativen Tilgungsmodalitäten herzuleiten. Die Analyse verdeutlicht im Ergebnis, daß beim gegenwärtigen Erkenntnisstand keines der analysierten Verfahren in vollem Umfang in der Lage ist, eine allen Anforderungen gerecht werdende effektivzinskonstante Disagioabgrenzung sicherzustellen. Da jedes der vorgestellten Verfahren spezifische Vor- und Nachteile aufweist, muß im Einzelfall stets ein Kompromiß getroffen werden, der die Kriterien der Praktikabilität, der bilanziellen Zulässigkeit und der Steuerungsadäquanz von Verteilungsregeln bestmöglich verknüpft.

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Kruschwitz, Lutz
“Bezugsrechtsemissionen in optionspreistheoretischer Sicht”

Bezugsrechte dienen dazu, den Altaktionär vor Vermögensverlusten zu schützen. Die Höhe dieses Vermögensverlustes, d.h. der Wert des Bezugsrechts, beläuft sich nach herkömmlicher Betrachtungsweise auf die Differenz zwischen Kurs der Altaktie und "Mischkurs". Die Idee des Mischkurses ist aber nur haltbar, wenn unterstellt wird, daß die Bezugsrechte von ihren Erwerbern mit Sicherheit ausgeübt werden. Mithin beruht die klassische Bezugsrechtsformel auf der Annahme, daß die Platzierung junger Aktien keine Risiken birgt oder jedenfalls unabhängig vom Emissionspreis gelingt. In diesem Kontext haben auch Übernahmegeschäfte zwischen Emittenten und Emissionsbanken keine Existenzberechtigung. In diesem Beitrag wird versucht, die Schwächen der traditionellen Betrachtung mit Hilfe optionspreistheoretischer Ansätze zu überwinden. Die Analyse führt zu dem Resultat, daß die Emissionspreise junger Aktien auch auf perfekten Kapitalmärkten und bei homogenen Erwartungen nicht irrelevant sind.

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Berichte

Fischer, Bernhard und Trapp, Peter
„Geld- und Finanzpolitik in Argentinien: Der Weg in die finanzielle Repression“

Die wirtschaftliche Entwicklung in Argentinien in den vergangenen 15 Jahren ist durch ein sehr unstetiges Wachstum des realen Sozialprodukts und durch extrem hohe und schwankende Inflationsraten gekennzeichnet. Zu dieser Entwicklung hat vor allem eine inkonsistente Kombination der Geld- und Finanzpolitik mit der Wechselkurspolitik beitragen. Während durch eine Überbewertung der Währung Stabilität importiert werden sollte, wurde im Inland das hohe Haushaltsdefizit des Staates weitgehend durch Geldschöpfung finanziert, was zu einer starken Zunahme der Geldmengenexpansion führte. Zudem wurden die Zinsen über lange Phasen unter der Inflationsrate fixiert, um die wirtschaftliche Aktivität anzuregen. Das Ergebnis waren eine Serie von Zahlungsbilanzkrisen, die zu massiven restriktiven Maßnahmen zwangen, und eine starke Beschleunigung der Inflation. Die hohen Inflationsraten und negative Realzinsen, häufig verbunden mit Abwertungserwartungen für den Peso, haben dazu geführt, daß der Markt für mittel- und langfristiges Kapital praktisch nicht mehr existiert. Aber auch der Markt für kurzfristige Kredite und Einlagen ist erheblich geschrumpft; das reale Volumen an Bankkrediten und Depositen ist stark zurückgegangen. Ein erheblicher Teil der Banken und sonstigen Finanz­institutionen wäre ohne staatliche Unterstützung nicht mehr existenzfähig. Für eine Wiederbelebung der Finanzmärkte käme es vor allem darauf an, die Inflation durch eine Verminderung des Haushaltsdefizits zu reduzieren, den Wechselkurs freizugeben und Regulierungen auf den Finanzmärkten schrittweise abzubauen.

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