KREDIT und KAPITAL - Heft 3/1987


Inhalt


Abhandlungen

Mayer, Thomas
The Debate About Monetarist Policy Recommendations

Dewald, William G. und Lai, Tsung-Hui
Factors Affecting Monetary Growth: ARIMA Forecasts of Monetary Base and Multiplier

Reither, Franco
Realzins, Inflation und makroökonomisches Gleichgewicht

Moosa, Suleman, A.
Stock Market Growth Expectations, Risk Perceptions, and Ex-Ante Returns Under Uncertain Stagflation

Gröschel, Ulrich
Auswahl- und Kontrollprobleme bei Venture-Finanzierungen


Berichte

Hartwig, Karl-Hans
Die Geldnachfrage in sozialistischen Planwirtschaften: Polen 1950 - 1984


Buchbesprechungen

Schierenbeck, Henner
Ertragsorientiertes Bankmanagement – ein Lehrbuch zum Controlling in Kreditinstituten
(Hans J. Krümmel)


Monopolkommission: Gesamtwirtschaftliche Chancen und Risiken wachsender Unternehmensgrößen – Hauptgutachten VI
(Wolf-Dieter Becker)

Schmidt, Paul-Günther
Internationale Währungspolitik im sozialistischen Staat. Theoretische Grundlegung und empirische Überprüfung am Beispiel der Deutschen Demokratischen Republik
(Georg J. Dobrovolny)

Runge, Harry
Haushaltsfinanzierung durch Notendruck
(Klaus Dieter Diller)

McKenzie, Richard und Tullock, Gordon
Homo oeconomicus. Ökonomische Dimensionen des Alltags
(Michael Burchardt)


Zusammenfassungen

Mayer, Thomas
„Die Debatte über die Politikempfehlungen der Monetaristen“

Der geldpolitische Streit zwischen Keynesianern und Monetaristen hat sich nicht auf eine zentrale Frage zu konzentrieren vermocht, nämlich die politische Annahme der Keynesianer, daß der Zentralbank in dem Sinne vertraut werden kann, daß sie effizient und im öffentlichen Interesse handelt. Dies ist der Grund für Auseinandersetzungen über die Verwendung nur einer einzigen Zielvariablen, die Verwendung von Geldmengenwachstumsraten als solche Zielvariablen und die Wünschbarkeit einer stabilen Geldmengenwachstumsrate. Wenn man dem politischen Ansatz der Keynesianer folgt, dann sind ihre Politikempfehlungen höchst plausibel. Lehnt man sie ab, dann sind es die der Monetaristen. Während die Monetaristen wiederholt ihr Mißtrauen gegenüber der Zentralbank zum Ausdruck gebracht haben, haben die Keynesianer die Argumente der Monetaristen ignoriert. Dies wäre nur dann gerechtfertigt, wenn die politischen Annahmen der Keynesianer augenfällig richtig wären. Dies ist jedoch nicht der Fall aus Gründen politischer Pressionen, des Eigeninteresses der Zentralbanken und des Potentials an X-Ineffizienz. Folglich sollte mehr Energie auf die Prüfung der politischen Annahmen aufgewendet werden.

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Dewald, William G. und Lai, Tsung-Hui
„Faktoren, die das Geldmengenwachstum beeinflussen: ARIMA-Vorhersagen zur monetären Basis und deren Multiplikatoren“

In dieser Untersuchung wird die Methode der autoregressiven, integrierten gleitenden Mittelwerte auf Vorhersagen der Geldmengenmultiplikatoren und unkontrollierten, die monetäre Basis der Vereinigten Staaten betreffenden Faktoren angewandt. Diese Vorhersagen wiederum werden für Prognosen der Geldmenge M1 verwendet. In früheren so erstellten Analysen wurde davon ausgegangen, daß die monetäre Basis autonom sei. Diese Untersuchung zeigt, daß unter der Voraussetzung, daß die Federal Reserve sowohl die monetären Multiplikatoren als auch unkontrollierte Abweichungen von der monetären Basis vorhersagt, das Geldmengenwachstumsziel M1der Federal Reserve mit einer Fehlerquote von unter eins hätte erreicht werden können. Daraus folgt, daß das beobachtete Unvermögen, das Geldmengenwachstum im Sinne der in den USA geltenden Zielvorgaben zu kontrollieren, Ausdruck von Nichtwollen, jedoch nicht von Unvermögen ist. Auch wenn in dieser Untersuchung lediglich das Aggregat M1 untersucht wird, so ist diese Schlußfolgerung auf breitere Aggregate, deren addierte Komponenten im allgemeinen stabiler und zuverlässiger sind als die Komponenten von M1, um so zutreffender.

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Reither, Franco
„Realzins, Inflation und makroökonomisches Gleichgewicht“

Die Frage nach der Verteilung der Wirkung eines anhaltend inflationären Impulses auf Realzins- und Nominalzinsniveau ist in der Geldtheorie ein umstrittenes Thema. Im Rahmen zweier gängiger makroökonomischer Gleichgewichtsansätze läßt sich sowohl die Prognose der Superneutralität des Geldes begründen - der Realzins bleibt in diesem Fall unverändert - als auch die Prognose eines expansiven Wachstumsimpulses - der Realzins sinkt in diesem Fall. Steindl (1985) versuchte in dieser Zeitschrift nachzuweisen, daß beide Standardansätze einer fundamentalen gleichgewichtstheoretischen Prüfung nicht standhalten, weil sie dem walrasianischen Gesetz zu widersprechen scheinen. Demgegenüber zeigt dieser Beitrag, daß beide Standardansätze mit dem Gesetz von Walras vereinbar sind, wenn sie als spezielle Grenzfälle desselben interpretiert werden. Weiter wird Steindls Lösungsvorschlag, der auf dem statischen Pigou-Effekt basiert, als transmissionstheoretisch unhaltbar abgelehnt: Bei perfekter Preisflexibilität gibt es keinen Transmissionsbedarf und daher auch keinen Vermögenseffekt. Statt dessen wird eine Variante des makroökonomischen Systems vorgestellt, die in allgemeiner Weise das walrasianische Gesetz beachtet und die zwei herkömmlichen Resultate als spezielle Grenzfälle mit abdeckt. Im Ergebnis resultiert Superneutralität der Inflation nur dann, wenn es keinen Bestand verzinslicher Staatsschuldtitel gibt. Existiert hingegen ein positiver Bestand an staatlichen Wertpapieren, so verteilt sich der inflationäre Impuls in einen Anstieg des Nominalzinses und in eine Senkung des Realzinses. Dieses Ergebnis ist allerdings seinerseits relativierungsfähig, weil hierbei die Rückwirkungen der realen Inflationssteuer auf die staatliche Budgetdynamik unberücksichtigt bleiben.

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Moosa, Suleman, A.
„Wachstumserwartungen für den Aktienmarkt, wahrgenommene Risiken und ex ante-Rendite unter ungewissen Stagflationsbedingungen“

Die in dieser Studie untersuchten empirischen Fragen sind im Umfeld einer geschätzten, starken negativen Beziehung zwischen Inflation und Aktienrenditeerwartungen und eines geschätzten negativen Koeffizienten von Effektivverzinsung und Aktienrenditeerwartung - beide statistisch bedeutend - von unter eins angesiedelt. Der Koeffizient impliziert, daß diese erhöhten nichtinflationsneutralen Wachstumserwartungen zu Bruchteilerhöhungen der Eigenkapitalausstattungsfaktoren geführt und somit wachstumsinduzierte Schwankungen der Stammaktienkurse tendenziell gedämpft haben. Eine gleichzeitige Untersuchung der Art von empirischer Beziehung zwischen Geldmengenwachstum, Inflation und Gewinnwachstum einerseits und der stochastischen Art ihrer jeweiligen Zeitreihen andererseits gewährt uns gewisse Einblicke in die wahrscheinliche Art des Prozesses, der Inflation, Zinssatz und höhere Renditeerwartungen beeinflußt, sowie desjenigen Prozesses, der für wahrgenommene Risiken und die Kapitalausstattungsfaktoren verantwortlich ist. Wenn der Eindruck besteht, daß ein verstärktes monetäres Wachstum mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung höheres Renditewachstum sowie - mit einer weiteren zeitlichen Verzögerung eine höhere Inflationsrate erzeugt, dann impliziert der Fisher-Effekt eine Erhöhung der Marktzinssätze und der Eigenkapitalausstattungsfaktoren. Die Kombination unserer Erkenntnisse der inflationsbezogenen Rückgänge des realen Renditezuwachses und der wachstumsbezogenen Bruchteilrückgänge der realen Eigenkapitalverzinsung liefert uns eine rationale Erklärung für den gedruckten Aktienmarkt während der Zeit nach 1955 mit einer sich allgemein beschleunigenden Inflation. Die sich aus unserer Analyse ergebende politische Implikation ist, daß nichtinflationäre Wirtschaftspolitiken auch stabiler sein müssen. Es ist davon auszugehen, daß solche Politiken die inflationsinduzierten Änderungen bei den Risikozuschlägen und die damit einhergehenden negativen realen Auswirkungen verringern und dadurch den Eigenkapitalwert erhöhen und die Kapitalbildung anregen.

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Gröschel, Ulrich
„Auswahl- und Kontrollprobleme bei Venture-Finanzierungen“

Die Finanzierung junger Unternehmen erfordert in weit stärkerem Umfang als ein Engagement bei einem bereits erfolgreich am Markt tätigen Unternehmen ein Urteil, inwieweit das Gesamtunternehmenskonzept tragfähig ist. Bei innovativen Vorhaben sind häufig auch Risikoeinschätzungen erforderlich, zu denen etwa Kreditinstitute aufgrund mangelnden Analysepotentials und fehlenden know hows bisher nicht in der Lage sind. Unterschiedliche Informationen, die Investoren und Kapitalgeber über die Ertragsaussichten und Risiken von geplanten Investitionen im Venture-Bereich besitzen, können zur Rationierung von Finanzierungsmitteln - über den Preis oder auch unabhängig vom Preis - führen. Zu welcher Form der Finanzierungsmittelrationierung es kommt, hängt von den Risikostrukturen am Markt für Venture-Finanzierungen ab. Risikoaversion der Kapitalgeber spielt dagegen eine untergeordnete Rolle für eine Beschränkung der Engagements in Venture-Projekten. Verfügen Investoren und Financiers jeweils über denselben Informationsstand, so werden alle Investitionen zu risikoadäquaten Konditionen finanziert und realisiert, obwohl die Financiers in hohem Maße risikoavers sind. Ist die Entscheidung zur Finanzierung eines Venture-Vorhabens getroffen, so muß der Kapitalgeber sicherstellen, daß die Projektentwicklung tatsächlich so erfolgt, wie bei Abschluß des Finanzierungsvertrags vorgesehen, und nicht zu seinen Lasten risikoreicher gestaltet wird. Kreditsicherheiten, die dies gewährleisten, können junge, im Venture-Bereich tätige Unternehmen in der Regel nicht in ausreichendem Umfang stellen. Um eine seinen Interessen zuwiderlaufende Geschäftspolitik des finanzierten Unternehmens zu verhindern, benötigt der Kapitalgeber deshalb weitgehende Informations- und Zustimmungsrechte im Rahmen eines Finanzierungsvertrages, der möglichst wenig Anreize zu solchem Verhalten bietet. Verträge dieser Art finden typischerweise bei Kapitalbeteiligungen Anwendung. Beteiligungskapital erweist sich in den Fällen als zweckmäßiges Instrument zur Finanzierung von Venture-Vorhaben, in denen Kapitalgeber nachträgliche, ihre Position verschlechternde Entscheidungen des Investors in Rechnung stellen müssen, ausreichende Sicherheiten aber nicht bestellt werden können.

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Berichte

Hartwig, Karl-Hans
„Die Geldnachfrage in sozialistischen Planwirtschaften: Polen 1950 – 1984“

Die wenigen bislang vorliegenden Analysen zur Geldnachfrage in sozialistischen Planwirtschaften beziehen sich größtenteils auf weit zurückliegende Zeiträume. Ver­schiedentlich enthalten sie zudem Spezifikationen, die nur bedingt den faktischen Gegebenheiten in diesen Wirtschaftssystemen entsprechen. In der vorliegenden Untersuchung wird versucht, beiden Aspekten Rechnung zu tragen. Im Anschluß an die Formulierung einer allgemeinen Geldnachfragefunktion für den privaten Sektor und ihre theoretische Begründung erfolgt die empirische Spezifikation; denn im Ver­gleich zu marktwirtschaftlichen Systemen bedürfen die verfügbaren statistischen Daten aus den sozialistischen Planwirtschaften einer noch umfassenderen Interpreta­tion und Aufbereitung. Die abschließende empirische Untersuchung zeigt am Beispiel Polens, daß das Instrumentarium der modernen Geldtheorie - nach entsprechender institutioneller Anpassung - die Möglichkeit für eine systemindifferente Anwendung bietet. Die Ergebnisse bestätigen das unterstellte Bestandsanpassungsmodell, das neben den üblichen Variablen staatliche Mengenrationierung als Einflußgröße ent­hält, und deuten auf eine stabile Geldnachfragefunktion hin.

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