KREDIT und KAPITAL - Heft 4/1988


Inhalt


Abhandlungen

Melitz, Jaques
Monetary Discipline, Germany, and the European Monetary System

Menkhoff, Lukas
Inflationsgefahr durch Überschreiten von Geldmengenzielen

Burchardt, Michael
Vom homo oeconomicus zum homo portofolicus

Meyer zu Selhausen, Hermann
Erfassung und Steuerung des Zinsänderungsrisikos einer Bank mit Hilfe eines Modells der Aktiv-Passiv-Koordination

Bieg, Hartmut und Rübel, Markus
Ausweis und Bewertung von Devisen- und Zinstermingeschäften in Bankbilanzen - Teil III


Berichte

Schmidt, Roland
Konstanz Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy

Rieke, Wolfgang
Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank 1988 in West-Berlin


Buchbesprechungen

Karmann, Alexander J.
Die permanente Einkommenshypothese – Kritische Analyse einer monetaristischen Position mit Hilfe ökonometrischer Methoden
(Wim Kösters)


Zusammenfassungen

Melitz, Jaques
„Monetäre Disziplin - Deutschland und das Europäische Währungssystem “

Dieser Aufsatz untersucht die Hypothese, daß alle Mitgliedsländer des Europäischen Währungssystems (EWS) außer Deutschland Nutzen aus diesem System ziehen, weil es ihnen monetäre Disziplin auferlegt. Die Hypothese erklärt die führende Rolle Deutschlands im EWS und läßt sich mit der Erfahrung vereinbaren, daß die Zugehörigkeit zum EWS mehrere Länder veranlaßt hat, ihre Inflation stärker zu bekämpfen, als sie es andernfalls getan hätten. Allerdings zeigt die Analyse, daß die notwendigen Bedingungen für die Gültigkeit der Hypothese sehr streng sind. Selbst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, könnten die übrigen Mitgliedsländer die Vorteile monetärer Disziplin auch auf andere Weise erlangen.

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Menkhoff, Lukas
„Inflationsgefahr durch Überschreiten von Geldmengenzielen?“

Mit dem Überschreiten der von der Bundesbank festgelegten Geldmengenziele für 1986 und 1987 hat die Sorge um eine monetär entstehende Inflation zugenommen. Den Begründungszusammenhang dafür liefert die monetaristische Theorie, die eine klare kausale Wirkungsrichtung von der Geldmenge hin zum Preisniveau postuliert. Es soll gezeigt werden, daß diese Vorstellung zwar ein in sich geschlossenes Bild ergibt, aber einem eher keynesianischen Ansatz keinesfalls überlegen ist. Vielmehr verspricht eine Orientierung an der Norm eines "Akzeptierens der gegebenen Verhältnisse" eine relevantere Analyse als ein Festhalten an der monetaristischen Norm "vollkommener Märkte". Solch ein offener, differenzierterer Ansatz der Inflationserklärung - der monetäre Einflüsse relativiert, aber nicht leugnet - führt folgerichtig auch zu einem vielschichtigeren Entscheidungsmuster für die Geldpolitik. Für die aktuelle Diskussion ist dabei von Bedeutung, daß die Ursachen der Geldmengenexpansion im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld eben keine Inflationsgefahr anzeigen. Die Geldpolitik sollte deshalb auch nicht etwa Geldmengenziele unbedingt wieder einhalten wollen, sondern sie grundsätzlich überdenken.

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Burchardt, Michael
„Vom homo oeconomicus zum homo portofolicus“

Der Beitrag versucht zum einen, die Entwicklung nachzuzeichnen, die der Portfolioansatz seit seinen Anfängen in den 50er Jahren im Laufe der Zeit, vor allem im Zuge der monetaristischen Neuformulierung der Geldtheorie bis heute, genommen hat. Er ist während dieser Zeit zu einem der Hauptpfeiler der neoklassischen Theorie avanciert. Im einzelnen wird gezeigt, wie die den Wirtschaftssubjekten traditionell unterstellte "homo-oeconomicus-Rationalität" durch die Portfoliohypothese spezifiziert und verfeinert worden ist. Ihr Optimierungspostulat - Ausgleich der Grenzertragssätze innerhalb einer weit definierten Portfoliostruktur - hat ein einheitliches, integrierendes paradigmatisches Erklärungsmuster für die neoklassische Hermeneutik geschaffen. Zum anderen geht es um die Implikationen und Konsequenzen, die diese Metamorphose des homo oeconomicus zum höchst differenziert agierenden homo portofolicus in methodischer und kognitiver Hinsicht bedingt. Inwieweit läßt sich, wenn Oberhaupt, von einem kognitiven Fortschritt sprechen? Erfüllen die portfoliotheoretischen Erklärungsversuche bzw. Hypothesen Poppers Wissenschaftlichkeitskriterium in strengerer Weise, indem sie sich leichter an der Empirie überprüfen lassen, wenngleich auch eher an ihr scheitern können? Der Aufsatz kommt zu dem Ergebnis, daß sich mit Hilfe des Portfolioansatzes durchaus genauere Raum-Zeit-bezogene Hypothesen als mit herkömmlichen Verfahren bilden lassen. Insofern kann man ihnen zwar einen im Popperschen Sinne höheren empirischen Gehalt zubilligen. Die erforderlichen ökonometrischen Untersuchungen, die sich die Überprüfung entsprechender Hypothesen zum Gegenstand machen, stehen - und mit ihnen logischerweise auch ihre latente Bestätigung - zum überwiegenden Teil allerdings noch aus.

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Meyer zu Selhausen, Hermann
“Erfassung und Steuerung des Zinsänderungsrisikos einer Bank mit Hilfe eines Modells der Aktiv-Passiv-Koordination”

Für die Erfassung und Steuerung des Zinsänderungsrisikos einer Bank wird ein Modell der Aktiv-Passiv-Koordination benutzt, das in enger Zusammenarbeit mit einer großen deutschen Geschäftsbank entwickelt worden ist. Mit Hilfe dieses Modells wird die Sensitivität des Zinsüberschusses einer Bank in bezug auf plötzlich und unvorhergesehen eintretende Veränderungen des Zinsscenarios untersucht. Außerdem wird ein modellgestütztes Verfahren für die Steuerung des Zinsänderungsrisikos durch die Geschäftsleitung der Bank vorgeschlagen. Die Generierung alternativer zukünftiger Zinsseenarien erfolgt in pragmatischer Weise. Die übrigen Daten, die das Modell erfordert, stehen den Geschäftsbanken üblicherweise zur Verfügung.

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Bieg, Hartmut und Rübel, Markus
“Ausweis und Bewertung von Devisen- und Zinstermingeschäften in Bankbilanzen - Teil III”

Mit dem vorliegenden Beitrag endet eine dreiteilige Untersuchung zur Behandlung von Devisen- und Zinstermingeschäften im Jahresabschluß der Kreditinstitute. Bereits in den vorausgegangenen Heften wurden die Mängel der einschlägigen Bilanzierungskonventionen erörtert und ihnen ein Vorschlag zur Abbildung wechselkurs- und zinsrisikoabhängiger Bestände gegenübergestellt. Diese, zunächst nur für traditionelle bilanzierungspflichtige Posten dargestellte Konzeption ist nunmehr für schwebende Geschäfte, speziell die hier zur Diskussion stehenden Terminengagements, weiterzuentwickeln. Es wird gezeigt, in welcher Weise solche beiderseits unerfüllten Verträge in die vorgeschlagenen Anhang- und Erläuterungsinstrumente für Währungs- und Zinsrisiken (Fremdwährungs- und Festzinsspiegel) einzubeziehen sind. Darüber hinaus sollten Terminkontrakte und andere im engeren Sinne schwebende Geschäfte aber auch unmittelbar Eingang in die Bilanz finden. Dies ist jedoch nicht Bedingung für die Anwendbarkeit der Gesamtkonzeption. Sie kann in modifizierter, für die Bilanzleser allerdings auch weniger informativer Weise auch auf die gegenwärtige Konvention der bilanziellen Nichtbeachtung schwebender Geschäfte übertragen werden. Die Erörterung erfolgsrechnerischer Probleme, insbesondere hinsichtlich des Realisationszeitpunktes sowie der Quantifizierungs- und Ausweistechniken für unrealisierte Wechselkurs- und Zinserfolge, bildet den Abschluß der Untersuchung.

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Berichte

Schmidt, Roland
“Konstanzer Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy”

Das diesjährige 19. Konstanzer Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Geldmengensteuerung, Wechselkurserklärung und der privaten Alterssicherung. Der Bericht fasste die acht vorgetragenen Studien und die Diskussionen zusammen.

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Rieke, Wolfgang
„Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank 1988 in West-Berlin“

Auf der Ende September 1988 in West-Berlin abgehaltenen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbankgruppe standen die Probleme der hoch verschuldeten Entwicklungsländer deutlich im Vordergrund. Das Thema beschäftigte die offiziellen Teilnehmer ebenso wie die wieder zahlreich anwesenden Vertreter der internationalen Gläubigerbanken, aber auch die Diskussionen am Rande der Tagung von Gegenveranstaltungen und Straßendemonstrationen. Erstmals wurde auf einer Jahrestagung ganz offen das Für und Wider von Schuldennachlässen als Beitrag zur Überwindung der seit sechs Jahren anhaltenden Finanzierungsprobleme hoch verschuldeter Länder diskutiert. Zufriedenheit herrschte auf der Jahrestagung über die sehr viel bessere Wirtschaftslage in den Industrieländern und die davon ausgehenden positiven Wirkungen auf die Entwicklungsländer. Die damit zugleich wieder stärker in den Vordergrund tretenden Inflationsrisiken wurden deutlich angesprochen. Sorge bereitet auch, daß der Abbau der hohen außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte ins Stocken geraten könnte. Die damit verbundenen Risiken stellen an die Bereitschaft einzelner Länder, allen voran die Vereinigten Staaten, zum wirtschaftspolitischen Handeln wie auch zur internationalen Zusammenarbeit hohe Anforderungen. Der „crash“ an den Finanzmärkten im Oktober 1987 ist noch in allzu frischer Erinnerung.

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