KREDIT und KAPITAL - Heft 1/1990


Inhalt


Abhandlungen

Sander, Harald
"Anpassung mit Wachstum" oder Schuldenerleichterung? Die theoretischen Grundlagen einer verstärkten Kooperation von IWF und Weltbank

Willms, Manfred
Der Delors-Plan und die Anforderungen an eine gemeinsame Europäische Geldpolitik

Sell, Friedrich L.
Beharrungsinflation und "heterodoxe" Stabilisierungspolitik: Erfahrungen aus Argentinien, Brasilien und Israel

König, Peter und Möller, Joachim
Abweichungen von der Ungedeckten Zinsparität. Ein Kalman-Filter Ansatz für den DM/ Dollar- und SFr/ Dollar-Wechselkurs

Asche, Henner
Anmerkungen zum Beitrag "Widersprüche in der Geldmengenpolitik der Deutschen Bundesbank" von H. Ribhegge

Atesoglu, H. Sonmez
A Rational Expectations Model of Inflation for West Germany: Evidence from Quarterly Data

Issing, Otmar und Masuch, Klaus
Leistungsbilanzsalden und Wirtschaftspolitik. Eine Replik


Berichte

Arize, Augustine und Ndubizu, Gordian
Impact of the Terms of Trade on the Trade Balance of Malaysia: An Empirical Examination


Buchbesprechungen

Sell, Friedrich L.
Geld- und Währungspolitik in Schwellenländern, am Beispiel der ASEAN-Staaten. Ein Beitrag zu der Kontroverse zwischen „Liberalisierungsökonomen“ und „Neostrukturalisten“
(Manfred Piel)

Galbraith, John K.
Die Entmythologisierung der Wirtschaft. Grundvoraussetzungen ökonomischen Denkens
(Michael Burchardt)

Bombach, Gottfried und Gahlen, Bernhard und Ott, Alfred E. (Hrsg.)
Geldtheorie und Geldpolitik
(Theresia Theurl)

Michaelis, Jochen
Optimale Finanzpolitik im Modell überlappender Generationen
(Hans-Hermann Francke)


Zusammenfassungen

Sander, Harald
„"Anpassung mit Wachstum" oder Schuldenerleichterungen? Die theoretischen Grundlagen einer verstärkten Kooperation von IWF und Weitbank“

Der Baker-Plan und die neuen Strukturanpassungsfazilitäten des Internationalen Währungsfonds betonen - für jeweils unterschiedliche Ländergruppen - die Bedeutung der externen Finanzierung für eine "wachstumsorientierte Anpassungsstrategie" der hochverschuldeten Entwicklungsländer. Damit zielt das Konzept auch auf eine intensivere Kooperation von IWF und Weltbank und eine Koordination der Auflagenpolitik beider Institutionen ab. Dieser Aufsatz stellt die theoretischen Grundlagen einer verstärkten IWF-Weltbank-Kooperation vor. Ausgehend von der Darstellung der wenig bekannten Programmierungsmodelle der beiden Institutionen (finanzielle Programmierung und Wachstumsprogrammierung), die die Grundlage ihrer Auflagenpolitik bilden, wird ein Synthesemodell diskutiert, das von Mitarbeitern dieser Organisationen entwickelt wurde und die Basis für einen gemeinsamen Politikansatz von IWF und Weltbank bilden soll. Anschließend wird gezeigt, welche Rolle der sogenannte "Ressourcentransfer" von den Entwicklungs- zu den Industrieländern in den hochverschuldeten Ländern für deren Wachstums- und Stabilisierungspolitik spielt und wie das Synthesemodell für eine Schuldenerleichterungsprogrammierung genutzt werden könnte. Eine kritische Würdigung dieser theoretischen Ansätze schließt die Ausführungen ab.

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Willms, Manfred
„Der Delors-Plan und die Anforderungen an eine gemeinsame Europäische Geldpolitik“

In dem vorliegenden Beitrag wird versucht, den Delors-Bericht und die weiterführenden Vorschläge von Kommissionsmitgliedern zur Ausgestaltung einer gemeinsamen europäischen Geldpolitik einer kritischen Betrachtung vor allem aus deutscher Sicht zu unterziehen. Hierbei konnte zunächst festgestellt werden, daß die von der Delors-Kommission geforderte politische Unabhängigkeit des EZBS nur unzureichend gesichert sein dürfte. Im Gegensatz zum Kommissionsansatz wird für die Besetzung der geldpolitischen Entscheidungsgremien statt Ernennungen durch die Politiker eine stärkere Berücksichtigung von Wahlprozessen aus den Zentralbanksystemen heraus vorgeschlagen. Zur Gewährleistung des Ziels der Geldwertstabilität wird die Vorgabe von engen Bandbreiten für Veränderungsraten von genau spezifizierten Preisindizes und die Einführung von Anreizmechanismen zu ihrer Einhaltung als notwendig angesehen. Als Zwischenziel der Geldpolitik sollten nach Errichtung des EZBS Geldmengenaggregate sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene dienen. Zur Vermeidung einer Finanzierung von Budgetdefiziten durch Geldschöpfung sollte die Refinanzierung von Staatsschuldtiteln bei den Zentralbanken und beim EZBS völlig eingestellt werden. In bezug auf die Ausgestaltung des monetären Steuerungsprozesses wird aufgezeigt, daß ein auf ECU-Zwangsreserven basierendes EZBS, wie es bereits für die Phase 2 geplant ist, keinen Freiraum mehr für eine nationale Geldpolitik läßt. Bei der Gewinnverwendung des EZBS wird eine Übertragung an den EG-Haushalt unter Verrechnung der Erträge aus den nationalen Aktiva mit den übrigen Finanzierungsbeiträgen der einzelnen Länder vorgeschlagen. In der zum Schluß erfolgenden Auseinandersetzung mit dem von der Delors-Kommission zur Absicherung einer gemeinsamen europäischen Geldpolitik geforderten Ausbau der Struktur- und Regionalpolitik sowie der Koordinierung der Fiskalpolitik wird argumentativ nachgewiesen, daß für diese Maßnahmen keine Notwendigkeit besteht.

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Sell, Friedrich L.
„Beharrungsinflation und "heterodoxe" Stabilisierungspolitik: Erfahrungen aus Argentinien, Brasilien und Israel“

Ursächlich für Beharrungsinflation (inertial inflation) ist der Verteilungskonflikt, während vor allem Indexierungspraktiken ihre Existenz" garantieren". Dominiert die Beharrungskomponente der Inflation gegenüber den Wirkungen von Angebotsschocks und/oder einer aufgeblähten Nachfrage, so wird das Geldangebot weitgehend endogenisiert: Die Ausweitung der Geldmenge erscheint als Folge und nicht als Ursache der Inflation. Empirische Untersuchungen für Argentinien, Brasilien und Israel belegen die Relevanz der Beharrungskomponente, auch wenn das Gewicht derselben sehr unterschiedlich ausfällt und von den verantwortlichen Wirtschaftspolitikern selten richtig diagnostiziert wurde (Diagnosefehler). In diesen Ländern angewandte "heterodoxe" Stabilisierungsprogramme - die an Auslösern und Garanten der Beharrungsinflation anzuknüpfen versuchten - scheiterten aber auch (Argentinien, Brasilien) durch die Vernachlässigung wichtiger Nebenbedingungen und die unvollständige Implementierung der Programme (Therapiefehler).

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König, Peter und Möller, Joachim
„Abweichungen von der Ungedeckten Zinsparität - Ein Kalman-Filter-Ansatz für den DM/Dollar- und den SFr/Dollar-Wechselkurs“

Die vorliegende Arbeit analysiert Abweichungen von der Ungedeckten Zinsparität durch Anwendung der Kalman-Filter-Methode auf die entsprechenden Schätzgleichungen für den Mark/Dollar- und den Schweizer Franken/Dollar-Wechselkurs. Aufgrund entsprechender Testergebnisse muß in beiden Fällen auf das Vorliegen einer im Zeitablauf veränderlichen systematischen Abweichung von der Ungedeckten Zinsparität geschlossen werden. Modelle, die dieser Abweichung durch die Schätzung zeitveränderlicher Parameter Rechnung tragen, sind in ihren Prognoseeigenschaften sowohl herkömmlichen Modellen mit konstanten Koeffizienten als auch dem random walk-Ansatz überlegen. Eine Untersuchung des zeitlichen Verlaufs der systematischen Abweichungen von der Ungedeckten Zinsparität zeigt, daß starke Veränderungen dieser Abweichungen mit besonderen ökonomischen und politischen Ereignissen in Verbindung gebracht werden können.“

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Atesoglu, H. Sonmez
„Ein Modell rationaler Erwartungen zur Erklärung der Inflation in Westdeutschland: Evidenz aufgrund von Vierteljahresdaten“

Für Westdeutschland wird ein Modell rationaler Erwartungen anhand von Vierteljahresdaten aufgestellt. Dieses theoretische Modell besteht aus einer Geldnachfragefunktion und einer Lucas-Angebotsfunktion. Es ermöglicht eine zufriedenstellende Beschreibung der Inflation in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen eine positive Elastizität von nahezu eins zwischen der Inflation und dem antizipierten Geldmengenwachstum sowie eine negative Beziehung zwischen nicht-antizipiertem Geldmengenwachstum und Inflation.

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Berichte

Arize, Augustine und Ndubizu, Gordian
„Die Wirkung der Terms of Trade auf die Handelsbilanz von Malaysia. eine empirische Studie“

Dieser Artikel liefert Schätzungen darüber, wie sich Veränderungen der Terms of Trade auf die Handelsbilanz Malaysias auswirken. Für die empirischen Schätzungen werden das Almon-Verfahren, Akaikes endgültiger Prognosefehler und Theils Varianzkriterien verwendet. In der bevorzugten Funktion ist die abhängige Variable der Quotient aus In- und Exportwert, während unabhängige Variable die Terms of Trade in heimischer Währung, die Basisgeldmenge, die gewichteten Einkommen der Handelspartner und eine Trendvariable sind. Die empirischen Ergebnisse sprechen dafür, daß das Verzögerungsmuster in bezug auf die Terms of Trade nicht dem typischen J-Kurvenverlauf entspricht. Darüber hinaus erbrachte der Untersuchungszeitraum (1973: 1 bis 1985: 4) keinen Nachweis dafür, daß eine Verschlechterung der Terms of Trade die Handelsbilanz verbesserte.

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