KREDIT und KAPITAL - Heft 2/1990


Inhalt


Abhandlungen

Spahn, Heinz-Peter
Wechselkursinstabilität und Hartwährungsstrategie: Zur Rolle der D-Mark im künftigen EWS

Heilemann, Ullrich
Die Prognosen für 1988 im Rückblick. Der Börsenkrach vom 19. Oktober 1987 und seine gesamtwirtschaftlichen Folgen

Voridis, Hercules
A New Look at the Relationship of Real Balances to Income, Interest Rates, and Inflation in Greece. A Note

Van der Koppe, Han
The Potential Money Character of Assets

Steindl, Frank G.
The Fisher Effect in General Equilibrium Models

Hartmann-Wendels, Thomas
Zur Integration von Moral Hazard and Signalling in finanzierungstheoretischen Ansätzen


Berichte

Von Suntum, Ulrich
Finanzpolitik in der Ära Stoltenberg


Buchbesprechungen

Aretis, Philip (Hrsg.)
Contemporary Issues in Money and Banking. Festschrift zum 65. Geburtstag von Professor Stephen F. Frowen
(A. J. Fonseca, S. J.)

Bender, D.
Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik
(Michael Burchardt)

Seum, Andreas M.
Das Anlageverhalten der Sparer
(Lukas Menkhoff)

Franke, G. und Hax, H.
Finanzwirtschaft des Unternehmens und Kapitalmarkt
(Jochen Wilhelm)


Zusammenfassungen

Spahn, Heinz-Peter
„Wechselkursinstabilität und Hartwährungsstrategie: Zur Rolle der D-Mark im künftigen EWS“

Die "Wahl" zwischen alternativen Währungsordnungen zwingt in jedem Fall zur Hinnahme eines fundamentalen Problems. Bei flexiblen Wechselkursen werden insbesondere Anlagewährungen zeitweise mit dem Problem realer Kursverzerrungen konfrontiert, die aus der Dominanz der Kapitalbewegungen über die Bewegungen der nominalen Kurse folgen. Dabei wird die Instabilität der Devisenmärkte dadurch verstärkt, daß manche Länder erhebliche Leistungsbilanzungleichgewichte durch kompensierende Kapitalbewegungen aufrechtzuerhalten versuchen. Bei fixierten nominalen Wechselkursrelationen müssen binnenwirtschaftliche Ziele der Wirtschaftspolitik dem Primat des externen Gleichgewichts geopfert werden. Die währungspolitischen Harmonisierungsbestrebungen in Europa können als Versuch zur Minderung dieses Anpassungsdrucks verstanden werden, wobei das Ausland auf eine Neutralisierung der deutschen Geldpolitik setzt. Die Ursache zeitweiliger Zahlungsbilanzprobleme im EWS ist jedoch nicht die angeblich einseitige Stabilitätsorientierung der Bundesbank, sondern die Kombination von ausgeprägten DM-Präferenzen und strukturellen deutschen Exportüberschüssen. Letztere sollten nicht durch expansive Politik, sondern durch eine substantielle DM-Aufwertung abgebaut werden. Die Realisierung dieses Szenarios verlangt von der Bundesrepublik den Abschied vom Modell der Exportnation und die Hinwendung zur Position eines reifen Anlage- und Gläubigerlandes, das seine Wohlfahrt vor allem durch Terms-of-Trade-Gewinne, d.h. durch eine Hartwährungsstrategie zu mehren trachtet.

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Heilemann, Ullrich
„Die Prognosen für 1988 im Rückblick: Der Börsenkrach vom 19. Oktober 1987 und seine gesamtwirtschaftlichen Folgen“

Die Arbeit geht den Ursachen der Fehler der westdeutschen Konjunkturprognosen für das Jahr 1988 nach. Basis der Untersuchung bildet eine entsprechende Prognose mit dem RWI-Konjunkturmodell, einem mittelgroßen ökonometrischen Modell für die Bundesrepublik, das sich seit mehr als zehn Jahren in der ständigen Anwendung für Prognose- und Simulationszwecke befindet. Methodische Grundlage bilden vor allem eine Reihe von Simulationsrechnungen. Dabei zeigt sich, daß die wichtigste Fehlerursache in den Annahmen der Modellprognose bezüglich der staatlichen Bauinvestitionen, insbesondere aber des Welthandels zu sehen ist - eine Einschätzung, die wohl auch für die nicht-ökonometrischen Prognosen zutreffen dürfte. Als wichtigste endogene Fehlerquelle muß neben der Lager-Schätzung vor allem das offenbar geänderte Gewinnentnahmeverhalten angesehen werden. Letzteres hatte beachtliche Konsequenzen für die Treffsicherheit der Konsumerklärung. Mit den vorgelegten Ergebnissen wird indirekt die Hypothese, die unerwartet positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Jahre 1988 sei Indiz für das Greifen der angebotspolitischen Verbesserung der vorangegangenen Jahre, abgelehnt. Ausschlaggebend für das gute Ergebnis dürfte vielmehr die nach wie vor starke außenwirtschaftliche Orientierung der Wirtschaft der Bundesrepublik gewesen sein.

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Voridis, Hercules
„Eine neue Überprüfung der Beziehung von Realkasse zu Einkommen, Zinssätzen und Inflation in Griechenland - Ein Kurzbeitrag“

Der Aufsatz deckt eine positive Relation zwischen dem Volumen weit abgegrenzter monetärer Aggregate und dem realen Einlagenzins auf (Griechenland 1961 - 1985). Auf diese Weise kann ein wichtiger Zusammenhang in der griechischen Makroökonomie verfolgt werden: Deflation und/oder die Erhöhung staatlich festgesetzter Zinssätze vergrößern die Ressourcen der Banken und ermöglichen daher eine Expansion kreditbestimmter Investitionsausgaben.

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Van der Koppe, Han
„Der potentielle Geldcharakter von Aktiva“

Der Begriff des Geldes ist immer noch nicht eindeutig definiert- weitgefaßte Definitionen basieren auf den Liquiditätseigenschaften der zugrundeliegenden Aktiva. Allerdings unterscheiden diese Definitionen nicht zwischen mikro- und makroökonomischer Liquidität. Ein Aktivum, das die Eigenschaft der Makroliquidität besitzt, ist potentiell Geld. Dieser Aufsatz untersucht die Voraussetzungen, für die Existenz potentiellen Geldes und bietet zwei Erklärungen für sein Entstehen.

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Steindl, Frank G.
„Der Fisher-Effekt in allgemeinen Gleichgewichtsmodellen“

Der Fisher-Effekt hat viel theoretisches und empirisches Interesse hervorgerufen, Di/d ? =1. Es wird üblicherweise als das Resultat rationalen Verhaltens am Kreditmarkt dargestellt, wobei die Kreditnehmer und die Kreditgeber alle Arbitragemöglichkeiten ausgeschöpft haben. Im allgemeinen zeigen empirische Studien, dass der Nominalzins nicht um die Zunahmen der Inflationserwartungen steigt. Folgt daraus, dass der Fisher-Effekt nicht gilt, oder bedeutet es, dass andere durch Inflationserwartungen beeinflusste Variable Rückwirkungen auf die Kreditmärkte haben, indem sie den Nominalzins senken, obwohl der Fisher-Effekt gilt? Dieser Artikel untersucht das Verhalten des Realzinses in allgemeinen Gleichgewichtsmodellen, wobei der Fisher-Effekt darauf beschränkt ist, im Kreditmarkt zu gelten. Zunächst wird ein modifiziertes Patinkin- Modell mit seinen feinstrukturierten Kreditmärkten untersucht, um das Verhalten des Realzinses zu bestimmen. Die (exogene) Zunahme der Inflationserwartungen erhöht den Realzins, und zwar durch das Überschussangebot (am Anleihemarkt), das aus der von der Inflation induzierten Ökonomisierung der Realkassenhaltung resultiert. Wenn der Anleihemarkt in ein Wachstumsmodell verallgemeinert wird, indem das Realeinkommen und die Kapitalintensität berücksichtigt werden, muß entweder das Realeinkommen dramatisch sinken, oder das Model ist instabil, sofern der Realzins bei steigenden Inflationserwartungen fällt. Ob der Fisher-Effekt als Ausdruck rationalen Verhaltens gelten muß, wird auch betrachtet. Zwei wichtige Gründe, die dagegen sprechen, sind Lebenszyklusüberlegungen und allgemeine Gleichgewichtsanpassungen zwischen Märkten. Beide bewirken eine Verringerung des Realzinses.

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Hartmann-Wendels, Thomas
„Zur Integration von Moral Hazard und Signalling in finanzierungstheoretischen Ansätzen“

Untersucht wird der Einflu13 einer asymmetrischen Informationsverteilung zwischen Unternehmensleitung und Kapitalmarktanlegern auf finanzwirtschaftliche Entscheidungen. Dabei werden zwei Varianten der Informationsasymmetrie unterschieden: Hidden action bezieht sich auf die Unbeobachtbarkeit der Handlungen der Unternehmensleitung, hidden information beschreibt eine Situation, in der die Unternehmensleitung bei gegebener Investitionspolitik bessere Informationen über die Ertragslage der Unternehmung besitzt als externe Kapitalgeber. Besteht asymmetrische Informationsverteilung hinsichtlich der Varianz künftiger Zahlungsüberschüsse, so kann durch die Emission einer Kombination aus Fremdkapital und Optionen der "wahre" Wert der Varianz glaubhaft und kostenlos signalisiert werden. Die gleiche Kapitalstruktur ist in der Lage, hidden action Probleme, soweit sie Auswirkungen auf die Varianz der Zahlungsüberschüsse haben, vollständig und kostenlos zu lösen. Besteht nun ein kombiniertes hidden action - hidden information- Problem, so kann die Informationsasymmetrie zwar durch eine geeignete Finanzierungsweise aufgehoben werden, es wird aber nicht diejenige Kapitalstruktur gewählt, die den Gesamtwert der Unternehmung maximiert.

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Berichte

Von Suntum, Ulrich
„Finanzpolitik in der Ära Stoltenberg“

Der Beitrag zieht eine Bilanz der 6 ½ jährigen Amtsperiode Gerhard Stoltenbergs als Finanzminister. Es wird gezeigt, daß die Konsolidierung der Staatsfinanzen gemessen am Verhältnis der jährlichen Neuverschuldung zum Produktionspotential vorangekommen ist; 1988 betrug dieses Verhältnis nur noch etwa die Hälfte des Wertes von 1981. Entgegen einer verbreiteten Auffassung war diese Entwicklung nicht den Bundesbankgewinnen und auch nur zum Teil der guten konjunkturellen Lage zu verdanken. Sie war jedoch nur in den Jahren 1982 und 1983 mit einem deutlichen Rückgang der Staatsquote verbunden. Die Konsolidierungspolitik ist insgesamt nicht auf Kosten der sozialen Leistungen gegangen. Hier hat es vielmehr in erster Linie Umschichtungen gegeben, zu Lasten von Bereichen wie dem Gesundheitswesen, in denen erhebliche Mitnahmeeffekte und Mißbräuche vermutet wurden, und zugunsten von Familien mit Kindern sowie von Langzeitarbeitslosen. Zu kritisieren ist, daß die staatliche Investitionsquote im betrachteten Zeitraum weiter gesunken ist, während beim Subventionsabbau keine Fortschritte erzielt wurden. Positiv ist dagegen die Wiederaufnahme der Privatisierungspolitik nach 18jährigem Stillstand auf diesem Gebiet zu werten. Die dreistufige Steuerreform der Jahre 1986 - 1990 hat wachstumspolitische Impulse gebracht, wenngleich sie insbesondere auf dem Gebiet der Unternehmensbesteuerung hinter dem zurückgeblieben ist, was möglich und angezeigt gewesen wäre. Der Vorwurf einer Umverteilung von unten nach oben kann dagegen nicht mit guten Argumenten erhoben werden. Entsprechende Urteile basieren auf Bewertungsmaßstäben, die mit dem Grundsatz einer Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit nicht zu vereinbaren sind.

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