KREDIT und KAPITAL - Heft 4/1990


Inhalt


Abhandlungen

Brunner, Karl
Mephistopheles and Inflation

Berthold, Norbert
Internationale währungspolitische Arrangements - Ökonomische und polit-ökonomische Aspekte

Kirchgässner, Gebhard und Wolters, Jürgen
Sind die Realzinsen stationär? Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse

Bhandari, Jagdeep und Genberg, Hans
Exchange Rate Movements and International Interdependence of Stock Markets

Hof, Franz Xaver
Staatsverschuldung als Quelle der Nicht-Neutralität. Ein Beispiel zum Ricardischen Äquivalenztheorem: Eine Verallgemeinerung

Gleske, Leonard
Auszüge aus der Gedankenrede für den 6. Februar 1989 verstorbenen Prof. Dr. Otto Pfleiderer


Berichte

Menkhoff, Lukas und Sell, Friedrich L.
Treibende Kräfte und Synthesen in der Währungspolitik

Schmidt, Roland
Konstanzer Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy


Buchbesprechungen

Filc, Wolfgang und Köhler, Claus (Hrsg.)
Kooperation, Autonomie und Devisenmarkt
(Stefan W. Nuck)

Rösinger, Andrea
Geldangebot und monetäre Kontrolle in einem Entwicklungsland. Ein systemdynamisch-ökonometrisches Computersimulationsmodell für die Republik Kamerun
(Manfred Piel)

Jacob, Adolf-Friedrich und Förster, Gerhard
Die Wahl strategischer Standorte im internationalen Bankgeschäft – Absätze einer Theorie der Finanzplätze
(Jochen Michaelis)

Reisen, Helmut
Über das Transferproblem hochverschuldeter Entwicklungsländer
(Dieter Duwendag)


Zusammenfassungen

Berthold, Norbert
„Internationale währungspolitische Arrangements - Ökonomische und polit-ökonomische Aspekte“

Die gegenwärtig zu beobachtende währungspolitische Umkehr hin zu nominell stabileren Wechselkursen fügt sich in ein allgemeines historisches Muster, bei dem zwei Dinge auffallen: (1) Die meisten Volkswirtschaften waren zumeist über eine Form fester Wechselkurse miteinander verbunden. (2) Nur temporär wählte man flexible Wechselkurse, kehrte aber immer wieder zu Währungssystemen mit nominell festeren Währungsrelationen zurück. Wenn institutioneller währungspolitischer Wandel aber immer dann eintritt, wenn die Akteure auf den ökonomischen und politischen Märkten ungenutzte Gewinnmöglichkeiten ausbeuten, ist es denkbar, daß sich währungspolitische Arrangements aus ökonomischen und/oder politischen Gründen wandeln. Damit sind aber Antworten auf zwei Fragen notwendig: (1) Kann die ökonomische Theorie den zu beobachtenden Wandel von Währungssystemen erklären oder anders gefragt, welches Währungssystem ist unter ökonomischen Gesichtspunkten optimal? (2) Wenn es ein ökonomisch effizientes währungspolitisches Arrangement gibt, setzt es sich im nationalen und internationalen politischen Prozeß auch durch oder bestimmen ganz andere Faktoren darüber, welche Währungsordnung gewählt wird?

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Kirchgässner, Gebhard und Wolters, Jürgen
„Sind die Realzinsen stationär? Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse“

Im Rahmen dieser Arbeit wurden zum einen Nominalzinssätze und Inflationsraten und zum anderen ex post-Realzinssätze auf Stationarität untersucht. Dabei wurden inländische und Euromarkt 3-Monats-Zinssätze für die Vereinigten Staaten, die Schweiz und die Bundesrepublik Deutschland für die Periode flexibler Wechselkurse ab 1974 untersucht. Für alle drei Größen ergab sich dabei Nicht-Stationarität. Auch konnte nur wenig Evidenz für Kointegration von Nominalzinsen und Inflationsraten gefunden werden. Dies alles läßt sich kaum mit der Gültigkeit der Fisher-Hypothese vereinbaren. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß die im theoretischen Modell verwendeten Inflationserwartungen durch die tatsächliche Inflationsentwicklung möglicherweise nur sehr unvollkommen, d.h. mit relativ großem (Prognose-)Fehler, abgebildet werden und daß diese Fehler auch die Varianz der Realzinssätze aufblähen'. ,Bessere' Ergebnisse sind nur dann zu erwarten, wenn man die Inflationserwartungen ,besser' erfassen kann.

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Bhandari, Jagdeep und Genberg, Hans
„Devisenkursbewegungen und internationale Inderdependenz von Aktienmärkten“

In diesem Beitrag werden Verbindungen zwischen Aktien- und Devisenkursbewegungen untersucht. Im ersten Teil zeigt eine empirische Untersuchung für sieben Industrieländer auf der Grundlage von Daten ab 1974 eine Reihe von Regelmäßigkeiten auf. Danach scheint sich der Nennwert der Aktien in diesen Ländern in bedeutendem Maße zu entsprechen. Auf ähnliche Weise korrelieren darüber hinaus auch die Effektivwerte der Aktien. Gleichzeitig scheint jedoch keine stabile Relation zwischen dem Nennwert der Aktien und dem der Devisen zu bestehen. In der zweiten Hälfte des Beitrags wird ein theoretisches Modell konstruiert und untersucht, mit dem Muster für Effektiv- und Nennwertanpassungen bei Aktien und Devisen geschaffen werden können, welche den bei den Daten festgestellten ähnlich sind. Die Tatsache, dass - wie empirisch festgestellt - kurzfristige Bewegungen bei den Aktienkursen über Ländergrenzen hinweg positiv korrelieren, kann entweder für eine Restriktion der Parameter des theoretischen Modells oder für den Beweis der Existenz von gegensätzlichen grundlegenden Störungen herangezogen werden. Bei unserem Modell lassen zum Beispiel über Ländergrenzen hinweg positiv korrelierende Störungen ähnliche Bewegungen bei den endogenen Variablen wie den Aktienkursen entstehen. Umgekehrt können positiv korrelierende Störungen das Ergebnis entweder aktiver Politikkoordinierung oder von gewöhnlichen Störungen, wie zum Beispiel weltweiten Produktivitätsstörungen, sein. Gewöhnliche Aktienkursbewegungen könnten sich auch aus länderspezifischen Störungen ergeben, sofern der Transmissionsmechanismus auf geeignete Weise spezifiziert wird. Schließlich ist das Modell auch in der Lage, die empirische Erkenntnis zu berücksichtigen, daß eine stabile Relation von Aktienwerten und nominellen Devisenkursen fehlt. Der Beitrag schließt mit Beobachtungen zu den weiteren Forschungsarbeiten in diesem Bereich.

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Hof, Franz Xaver
„Staatsverschuldung als Quelle der Nicht-Neutralität - Ein Beitrag zum Ricardianischen Äquivalenztheorem: Eine Verallgemeinerung“

Barro (1974) hat gezeigt, daß ein wirksames Vererbungsmotiv ("operative request motive") die Gültigkeit des Ricardianischen Äquivalenztheorems in Modellen mit überlappenden Generationen impliziert. Michaelis (1989) hat nachgewiesen, daß der Staat mit Hilfe der Finanzpolitik das Wirksamwerden des Vererbungsmotivs beeinflussen kann. Außerdem hat der Staat trotz Vererbungsmotiv die Möglichkeit, durch geeignete Budgetdefizite oder -überschüsse die" Goldene Regel" der Kapitalakkumulation anzusteuern. Bei seiner Beweisführung hat Michaelis der Einfachheit halber unterstellt, daß sowohl die Nutzenfunktion der Konsumenten als auch die Produktionsfunktion der Unternehmen vom Cobb-Douglas-Typ sind. In der vorliegenden Arbeit wird gezeigt, daß die qualitativen Ergebnisse von Michaelis erhalten bleiben, wenn man eine relativ allgemeine, strikt konkave Nutzenfunktion sowie eine beliebige linear homogene Produktionsfunktion unterstellt. Im Unterschied zum Beitrag von Michaelis und anderen Arbeiten werden die Resultate nicht nur analytisch, sondern auch graphisch abgeleitet. Es wird ein einfaches Diagramm entwickelt, welches die Steady-State-Werte des Zinssatzes und der Pro-Kopf-Vererbung anhand von zwei Kurven bestimmt. Aus diesem Diagramm kann mit einem Blick abgelesen werden, (a) unter welchen Voraussetzungen das Vererbungsmotiv wirksam ist, (b) wie seine Wirksamkeit durch die Wahl der staatlichen Politikparameter beeinflußt wird und (c) wie der Staat seine Finanzpolitik gestalten muß, um die Goldene Regel der Kapitalakkumulation anzusteuern.

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Berichte

Menkhoff, Lukas und Sell, Friedrich L.
„Treibende Kräfte und Synthesen in der Währungspolitik“

In diesem Beitrag werden frühere und mögliche zukünftige Ausgestaltungen des Weltwährungssystems als Ergebnis von treibenden Kräften der Währungspolitik interpretiert: Zu diesen Kräften zählen volkswirtschaftliche Theorien, historische Erfahrungen sowie Markteinflüsse. Die jeweils herrschende Ordnung der Währungen ist eine Synthese der verschiedenen Kräfte, die, wenn sie auseinanderdriften, auch für die Zerstörung dieser Ordnung verantwortlich sind. Allen denkbaren Währungsordnungen ist gemeinsam, daß ihre Funktionsweise sich entweder auf die Einhaltung fester Regeln ("rules") oder aber auf die Befolgung flexibler Regeln ("discretion") stützt. Auch sind alle Währungssysteme an der Erfüllung bestimmter Anforderungen zu messen und damit vergleichbar: Zahlungsbilanzgleichgewichte, freie Konvertibilität der Währungen, Stabilität der Wechselkurse und eine hinreichende konjunkturpolitische Autonomie der beteiligten Länder sind unstrittige Zielsetzungen. Bei der Diskussion der wichtigsten vier seit Mitte der 80er Jahre veröffentlichten Reformideen (Weltgeldmengensteuerung, Rohstoffpreisstandard, Indikatoren, Zielzonen) zeigt sich, daß keiner der Vorschläge allen genannten Anforderungen genügt. Im Vergleich schneidet nach Auffassung der Autoren der sogenannte Zielzonenvorschlag noch am besten ab. Als Beiträge der volkswirtschaftlichen Theorien zu den "treibenden Kräften" sind aber im Grunde genommen alle Vorschläge den Herausforderungen der Währungspolitik in den späten 80er Jahren insoweit gerecht geworden, als sie den stärkeren Willen der Wirtschaftspolitiker zur Kooperation sowohl aufgegriffen als auch begründet haben.

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