KREDIT und KAPITAL - Heft 3/1991


Inhalt


Abhandlungen

Bieta, Volker
Wirtschaftspolitiken bei asymmetrischer Information als Resultat der "incentive" Struktur einer Politikinstanz; eine Steuerung der Ökonomie durch trennende oder nicht trennende Gleichgewichte

De Haan, Jakob und Zelhorst, Dick
Financial Deregulation and the Stability of the Demand for Money in Australia

Fischer, Andreas M. und Maurer, Martin
Are Preliminary Monetary Announcements in Switzerland Rational?

Schempp, Ulrich
Gestaltungsmerkmale einer erfolgsversprechenden Devisenmarktspaltung

Büchel, Helmut
Eine exakte und geschlossene Bewertungsformel für geometrische Average-Rate Optionen

Stehle, Richard und Hartmond, Anette
Durchschnittsrenditen deutscher Aktien 1954 -1988


Berichte

Bomhoff, Eduard J.
Currency Convertibility: When and How? A Contribution to the Bulgarian Debate


Buchbesprechungen

Raffelhüschen, Bernd
Anreizwirkungen des Systems der sozialen Alterssicherung. Eine dynamische Simulationsanalyse (Jochen Michaelis)


Zusammenfassungen

Bieta, Volker
"Wirtschaftspolitiken bei asymmetrischer Information als Resultat der "incentive" Struktur einer Politikinstanz; eine Steuerung der Ökonomie durch trennende oder nicht trennende Gleichgewichte"

Spieltheoretische Methodik fand in den letzten Jahren verstärkt Eingang in der wirtschaftstheoretischen Analyse. Besondere Aufmerksamkeit fand dabei die Evaluierung von Wirtschaftspolitiken in einer Barro-Gordon Ökonomie unter Verwendung sowohl von einfachen wie wiederholten Spielen als auch der Betrachtung verschiedener Informationsstrukturen. In der vorliegenden Variante des Barro-Gordon Modells wird unter Zugrundelegung einer asymmetrischen Informationsstruktur bei in einer Spielsituation stehenden Zentralbank an einem zentralisierten Privatsektor gezeigt, inwieweit die "incentive" Struktur der wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger eine Steuerung der Ökonomie über spezielle Ausprägungen von Gleichgewichten in "signalling games" zulässt.

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De Haan, Jakob und Zelhorst, Dick
"Finanzderegulierung und Geldnachfragestabilität in Australien"

Ein gemeinsames Merkmal der meisten Untersuchungen zum Thema Geldnachfrage besteht darin, dass von vornherein eine Gleichgewichtsfunktion für die Geldnachfrage zugrundegelegt wird. Seit kurzem unterstellt man jedoch nicht mehr die Existenz einer solchen Beziehung, sondern man sucht nach einer solchen Beziehung, indem man prüft, ob monetäre Aggregate mit in die makroökonomischen Grundvariablen wie das BIP und den Zinssatz integriert werden. In diesem Beitrag wird für Australien untersucht, ob M1 und M3 in diese makroökonomischen Grundvariablen integriert werden. Es erweist sich, dass für den Stichprobenzeitraum von 1960.1 bis 1989.2 weder M1 noch M2 in die makroökonomischen Grundvariablen integriert werden. Für den Zeitraum von 1960.1 bis 1983.4, d.h. vor dem Inkrafttreten diverser Deregulierungsmaßnahmen, liegen jedoch Beweise dafür vor, dass M3 mit in das reale BIP und den Zinssatz integriert wurde.

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Fischer, Andreas M. und Maurer, Martin
"Sind vorläufige geldpolitische Ankündigungen in der Schweiz rational?"

Es werden für die Schweiz mehrere Hypothesen bezüglich des Informationsgehalts von vorläufigen schätzwerten für die Geldmengenziele M1, M2 und M3 untersucht. Unsere Tests erlauben es uns nicht, die rationale Schätzhypothese für den vorläufigen M1-wert zu verwerfen. Die Hypothesen sowohl für die in den variablen enthaltenen Fehler als auch für rationale Prognosen werden für die vorläufigen Werte für M2 und M3 unter Hinweis darauf abgelehnt, dass diese Schätzungen ineffizient sind. Saisonale Faktoren, langfristige Zinssätze und Wechselkurse werden als Leitindikatoren für eine Revision der Geldmengenziele M2 und M3 erkannt.

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Schempp, Ulrich
"Gestaltungsmerkmale einer erfolgsversprechenden Devisenmarktspaltung"

Gespaltene Devisenmärkte wurden in der deutschsprachigen Literatur bislang mehr als Kontrollsystem dann als Wechselkursarrangement verstanden. Duale Devisenkurse geben indes interessante Perspektiven ab, wenn sie richtig organisiert und gemanagt werden. Der Kontrollaufwand kann in überschaubaren Grenzen gehalten und gerade dadurch eine Schwarzmarktgefahr gebannt werden. Zurückhaltende Kontrollen setzen allerdings voraus, dass die Interventionspolitik der Notenbank die Chancen nutzt, die aus der Existenz zweier Devisenmärkte resultieren. Das monetäre System kann dann gegen spekulative Übergriffe abgesichert werden, und die geldpolitische Autonomie steigt.

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Büchel, Helmut
"Eine exakte und geschlossene Bewertungsformel für geometrische Average-Rate Optionen"

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Bewertung geometrischen Average-Rate Optionen. Es wird eine geschlossene und leicht programmierbare Bewertungsformel hergeleitet, die sich wesentlich von der 1990 von Kemna und Vorst publizierten Formel unterscheidet. So zeigt sich unter anderem, dass - eine konstante Varianzrate für den Kurs des Underlyings unterstellt - die Varianz des geometrischen Mittels quadratisch von der Restlaufzeit abhängt. Wenn man den Mitteilungszeitraum auf einen Tag zusammenschrumpfen lässt, ergeben sich als Spezialfälle die klassischen Formeln für europäische Optionen.

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Stehle, Richard und Hartmond, Anette
"Durchschnittsrenditen deutscher Aktien 1954 -1988"

Im Zeitraum 1954 bis Ende 1988 waren passive Kapitalanlagen in deutschen Aktien mit merklich höheren Durchschnittsrenditen verbunden als Kapitalanlagen in festverzinslichen Wertpapieren, insbesondere bei Einbeziehung von Steuern und der Inflation. Von einer "Renditenparadoxie" kann also in keinster Weise gesprochen werden. Für die USA liegen ähnliche Ergebnisse für einen wesentlich längeren Zeitraum vor. Bei Vergleich der Anlagen im genannten Zeitraum von 1954 bis 1988 schnitten deutsche Aktien besser ab als US- amerikanische.

Die Untersuchung zeigt, dass die Ergebnisse stark variieren, je nachdem, wie die Auswahl der Aktien erfolgt, welche Anlagestrategie zugrundegelegt und für welchen Anlagezeitraum die Betrachtung aufgestellt wird. Die diesbezüglich möglichen Annahmen werden ausführlich diskutiert. Auch bei der Prognose zukünftiger Renditen sind die Annahmen von grundlegender Bedeutung: es ergeben sich Schätzwerte für die zukünftige langfristige Durchschnittsrendite zwischen 8 und 12 %.

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Berichte

Bomhoff, Eduard J.
"Konvertierbarkeit der Währungen: wann und wie?"

In dieser Arbeit führe ich die der Konvertierbarkeit der Währungen traditionell eigenen Vorteile unter besonderem Hinweis darauf an, daß eine Liberalisierung des internationalen Handels zur Anpassung der relativen Binnenmarktpreise an den jeweiligen realen Wert beiträgt. Dies ist für die ehemals sozialistischen Länder in Mittel- und Osteuropa besonders wichtig, da sie für die Subventionierung von Vorleistungen, Konsumgütern und Energie bekannt sind. Auch erfordert die Einführung westlicher Buchführungskonzepte aussagekräftige relative Preise: In dieser Arbeit wird argumentiert, daß politischer Druck zugunsten einer Fortführung der Subventionspraxis sich leichter überwinden lässt, wenn die Konvertierbarkeit der Währung eine Anpassung der relativen Binnenmarktpreise an das international übliche Niveau erzwingt.

Nach einer Erörterung mehrerer möglicher Szenarien für die Währungskonvertierbarkeit einschließlich Prof. Meltzers Vorschlag, dem Beispiel einer 100%igen Deckung der Inlandswährung durch Devisen wie im Falle Hongkongs zu folgen, schließe ich die Arbeit mit einem Plädoyer für die volle Konvertierbarkeit von Zahlungen aus den laufenden Transaktionen bei gleichzeitiger Zielfestsetzung für gewisse nominale Binnenwirtschaftsgrößen ab. Zu Beginn könnte das Lohnniveau des Landes sich für eine solche Mengenzielfestsetzung als die geeignetste Größe erweisen; später könnte das Lohnniveau vom Nominaleinkommen oder der Inflationsrate abgelöst werden, nachdem sich die Einkommenskreislaufgeschwindigkeit des Geldes genügend stabilisiert hat, um eine Geldmengenzielfestsetzurig zu ermöglichen.

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