KREDIT und KAPITAL - Heft 4/1991


Inhalt


Abhandlungen

Herr, Hansjörg
Zahlungsbilanzstruktur, Leitwährungsfunktion und die Zukunft des Dollars

Andersen, Torben M. und Sorensen, Jan Rose
Uncertain Exchange Rate Policies and Interest Rate Determination

Klein, Martin
Bewertung von Länderrisiken durch Optionspreismethoden

Schönfelder, Bruno
Theorien über Schalterstürme und geeignete Gegenmaßnahmen: Eine kritische Analyse

Kaiser, Helmut und Spahn, P. Bernd
Verteilungspolitische Beurteilung der Steuerreformen in der Ära Stoltenberg. Einige Klarstellungen

Van Suntum, Ulrich
Verteilungsneutralität und Leistungsfähigkeitsprinzip als Beurteilungsmaßstab für die Steuerpolitik. Antwort auf Kaiser/ Spahn


Berichte

Spudy, Jens
Die ersten vier Wochen der deutschen Terminbörse (Teil I)


Schmidt, Roland
Konstanz Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy 1991


Buchbesprechungen

Canaris, Claus-Wilhelm
Bankvertragsrecht (Werner Terpitz)


Zusammenfassungen

Herr, Hansjörg
"Zahlungsbilanzstruktur, Leitwährungsfunktion und die Zukunft des Dollars"

Die Vermögenssicherungsqualität eines Geldes kann durch die erwarteten Auf- und Abwertungen der Währung ausgedrückt werden. Sie hängt letztlich von der relativen Knappheit eines Geldes und damit der national verfolgten Geldpolitik ab. Zwischen Leistungsbilanzsalden und Vermögenssicherungsqualität eines Geldes besteht dagegen kein zwingender Zusammenhang. Leitwährungen stehen an der Spitze der Währungshierarchie und haben im Währungssystem die höchste Vermögenssicherungsqualität aller Gelder. Leistungsbilanzdefizite können bei Leitwährungsländern Ausdruck der internationalen Begehrtheit der Währung sein. Defizite des Leitwährungslandes stabilisieren ein Währungssystem, da dadurch ein merkantilistisches Nullsummenspiel von Nicht- Leitwährungsländern entschärft wird. Ein Leitwährungsland kann allerdings durch externe Verschuldung in eigener Währung und nachfolgender Abwertung seine Funktion ausbeuten. Der US-Dollar dürfte trotz Relativierung der internationalen Rolle der USA noch auf absehbare Zeit die Weitwährung Nr. 1 bleiben. Die Instabilität des Dollars ab den siebziger Jahren drückt zum geringsten Teil die Erosion der internationalen Rolle des Dollars aus sondern die Ausbeutung der Leitwährungsfunktion seitens der USA durch eine Politik des "benign neglect".

hoch


Andersen, Torben M. und Sorensen, Jan Rose
"Ungewisse Wechselkurspolitiken und Zinsfestsetzungen"

Wir untersuchen, wie ungewisse Wechselkurspolitiken die Zinsdifferenzen zwischen Ländern beeinflussen, die einem gelenkten Wechselkurssystem angehören. Es wird gezeigt, daß der Zinssatz in einer kleinen offenen Volkswirtschaft gemessen an dem Zinssatz einer großen offenen Volkswirtschaft immer einen positiven Risikozuschlag aufweist. Dieser Beitrag untersucht die komplexe Abweichung von der aufgedeckten, von positiven Risikozuschlägen implizierten Zinsparitätsbedingung. Es erweist sich insbesondere, daß der Zinssatz mit dem jeweiligen Abwertungsumfang steigt, daß die größere Wahrscheinlichkeit einer Abwertung den Zinssatz jedoch nicht unbedingt steigen läßt, da die Erwartungen und Abweichungen sich in verschiedene Richtungen bewegen können.

hoch


Klein, Martin
"Bewertung von Länderrisiken durch Optionspreismethoden"

Ziel dieses Beitrages ist die Darstellung eines Optionspreismodells zur Bestimmung von Spreads (Zinsaufschägen) bei Länderkrediten. Den Ausgangspunkt bildet ein stilisiertes Modell der Ausgestaltung von Umschuldungspaketen. In diesem Modell kann der Marktwert der Auslandsverschuldung eines Landes mit Hilfe von Methoden der Optionspreistheorie bestimmt werden. Konzeptionell liegt diesem Vorgehen die Frage zugrunde, welche Versicherungsprämie ein Kreditgeber zahlen würde, um die Möglichkeit zu haben, zum Nennwert aus einem Länderkredit auszusteigen. Diese Versicherungsprämie liefert dann eine Abschätzung für den Spread bei einem Kredit, bei dem der Kreditgeber diese Möglichkeit nicht hat oder nicht wahrnimmt. Der Beitrag schließt mit einer Diskussion der Frage, inwieweit das dargestellte Modell in der Lage ist, für die Finanzpraxis relevante und quantitative verwertbare Ergebnisse zu liefern.

hoch


Schönfelder, Bruno
"Theorien über Schalterstürme und geeignete Gegenmaßnahmen: Eine kritische Analyse"

Schalterstürme spielen für die Begründungen eine zentrale Rolle, die zugunsten der bestehenden Regulierung des Kreditwesens vorgebracht werden. Die Gegenposition nimmt Free Banking Literatur ein, die behauptet, Schalterstürme seien in erster Linie ein regulierungsbedingtes Phänomen. Unglücklicherweise lässt die formale Analyse von Modellen, die in der Lage sind, Schalterstürme zu erklären, noch sehr zu wünschen übrig. Das führende Modell ist das von Diamond und Dybvig. Es wird verdeutlicht, dass die von diesen beiden Autoren vorgelegte Analyse einen wesentlichen Fehler enthält. Die populärsten Schlußfolgerungen aus dieser Analyse, insbesondere die Optimalität einer Depositenversicherung, lassen sich nicht halten. Wallace hat den Versuch unternommen, diesen Fehler zu korrigieren, und dabei die Analyse der Struktur, die Diamond und Dybvig vorgeschlagen hatten, einen wesentlichen Schritt weiter getrieben. Die Darlegungen von Wallace laufen darauf hinaus, dass eine partielle Zahlungseinstellung, ergänzt durch die Drohung mit einer vollständigen Zahlungseinstellung, falls die Einlagenabzüge eine bestimmte Obergrenze überschreiten, genügt, um das Entstehen eines Schaltersturms zu verhindern. Dieses Ergebnis stützt eine Argumentation, die in der Free Banking Literatur wiederholt vorgebracht wurde. Der wichtigste Beitrag des Aufsatzes besteht in dem Nachweis, dass bereits eine geringfügige Veränderung des Modells, das Wallace analysiert hat, genügt, um Schalterstürme wieder möglich zu machen. Sein Ergebnis, dass die Drohung mit Zahlungseinstellungen Schalterstürme verhindert, erweist sich mithin als wenig robust. Dies entspricht den historischen Erfahrungen, die darauf hindeuten, dass häufig weder solche Drohungen noch ihre Verwirklichung ausgereicht haben.

hoch


Berichte

Spudy, Jens
"Die ersten vier Wochen der deutschen Terminbörse (Teil I)"

Der vorliegende Beitrag, dessen zweiter Teil in Heft 1/1992 erscheint, ist ein Bericht über den Verlauf der ersten vier Wochen an der Deutschen Terminbörse (DTB). Der Bericht gibt eine Antwort auf die Frage, wie sich der Umsatz in diesem Zeitraum auf die einzelnen Optionskontrakte, auf die verschiedenen Basispreise respektive Verfalltermine dieser Kontrakte und auf die Börsenteilnehmer (Market-Maker, Principals, Agents) verteilt hat. Ergebnis stellt dar, wie hoch die Spreads in den Basispreis - respektive Fälligkeitsserien der verschiedenen Underlyings waren. Und er zeigt schließlich, wie gut sich implizite Volatilität in den ersten vier Wochen als Preiswürdigkeitsindikator eignete.

hoch





Zurück zur Archivübersicht