KREDIT und KAPITAL - Heft 3/1993


Inhalt


Abhandlungen

Von Furstenberg, George M.
External Dept Buyback: Second Too Much

Clausen, Volker
Fiskalpolitik und Wechselkursovershooting

Hackl, Franz
Finanzinnovationen und die LM-Kurve

Bitz, Michael und Oehler, Andreas
Überlegungen zu einer verhaltenswissenschaftlich fundierten Kapitalmarktforschung - Ein Erklärungsansatz zum Anlegerverhalten (Teil II)

Breuer, Ralf und Skaruppe, Martin
Bankkalkulation als Marktproblem (Teil II)


Berichte

Duijm, Bernhard
Die Bindung des Wechselkurses an das Sonderziehungsrecht - Ein Rückblick


Buchbesprechungen

Über den Versuch, den wissenschaftlichen Tenor eines Buches zu ignorieren und es dennoch zu (re)zensieren. Ein Kommentar zu Wilhelms Rezensionen (Otto Loistl)

Klump, Rainer
Geld, Währungssysteme und optimales Wachstum (Jochen Michaelis)

Peschutter, Gudrun
Geldpolitik bei multipler Zielsetzung (Thomas Lord)


Zusammenfassungen

Von Furstenberg, George M.
"Ist der Rückkauf von Auslandsschulden zu sehr in Mißkredit geraten"

Hochverschuldeten Entwicklungsländern, die in den 80er Jahren den Zugang zu privaten internationalen Finanzquellen verloren hatten, ist auf unterschiedliche Weise Schuldenerlass gewährt worden, wobei auch ein Rückkauf ihrer Auslandsschulden mit einem beträchtlichen Abschlag in Erwägung gezogen und zum Teil auch praktiziert worden ist. Es trifft zwar zu, daß ein Schuldenerlass oder Zuschüsse zum Rückkauf von Auslandsschulden diese Abschläge mindern, jedoch braucht ein Schuldenrückkauf diese Wirkung nicht unbedingt zu haben. Der Grund dafür ist der, daß, wenn Devisenreserven, die als Deckungsmasse für die Auslandsschulden eines Landes gelten, für den Schuldenrückkauf eingesetzt werden, der Gläubigern des Landes verbleibenden Reserven höchstwahrscheinlich gemindert wird. Daraus ergibt sich, daß der bei den ihnen verbleibenden Forderungen vom Markt bewirkte Abschlag höher oder geringer ausfällt, je nachdem wie eng die Deckungsbeziehungen zwischen den liquiden amtlichen Devisenreserven und den weniger liquiden Auslandsschulden sind. Diese Feststellung weist die in dem weit verbreiteten Lehrbuch von Krugman und Obstfeld enthaltene und mit Nachdruck verfochtene Forderung zurück, daß ein eigenfinanzierter Schuldenrückkauf dem Schuldnerland abträglich und seinen Gläubigern im allgemeinen zuträglich ist. Dies wäre das Ergebnis Kurstreibens, d. h. eines Absenkens des Abschlags unterhalb der Parität, bei den noch offenen Schulden. Da unter den in diesem Beitrag definierten Bedingungen das Gegenteil geschehen kann, ist der kategorisch erteilte politische Rat an die Schuldnerländer, sich eines Schuldenrückkaufs zu enthalten, unbegründet.

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Clausen, Volker
"Fiskalpolitik und Wechselkursovershooting"

Auf der Grundlage eines modifizierten Modells von Dornbusch (1976) mit kurzfristig nachfragbestimmten Realeinkommen und einer vom Konsumentenpreisindex abhängigen nominalen Geldnachfrage wird gezeigt, daß durch fiskalpolitische Impulse kurzfristig wie langfristig erhebliche Wechselkursschwankungen hervorgerufen werden können. Kurzfristig kommt es immer zu einer überschießenden Wechselkursreaktion, wenn eine Normalreaktion der Zinsen auftritt, d. h. wenn nach einer expansiven Fiskalpolitik das Zinsniveau im Inland steigt. Hierbei wird gezeigt, daß die langfristigen Wechselkurseffekte einer expansiven Fiskalpolitik in starkem Maße von der jeweiligen Konstellation der Strukturparameter abhängen. Diese Effekte blieben in bisherigen Analysen, die ausschließlich die kurzfristigen Schwankungen um einen nicht näher untersuchten Gleichgewichtswert betrachten, ausgeklammert. Darüber hinaus wird gezeigt, daß unter bestimmten Umständen ein tradeoff zwischen der kurz- und der langfristigen Wechselkursvariabilität besteht.

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Hackl, Franz
"Finanzinnovation und die LM-Kurve"

Dieser Beitrag diskutiert Auswirkungen von Produktinnovationen auf den Geldmarkt: Im Falle von zu Geld alternativen Produktinnovationen wird die Geldnachfrage zinselastischer und somit die LM-Kurve flacher. Andererseits steigt die Zinselastizität bei Produktinnovationen in Form von verzinstem Geld, wodurch die LM-Kurve steiler wird. Die Auswirkungen auf den angebotsseitigen Teil des Geldmarktes hängen von der Form der Portfolioumstrukturierung nach Einführung der Produktinnovation ab. Falls es durch die Produktinnovation zu einer Portfolioumstrukturierung von Geld zur Finanzinnovation kommt, sinkt der Geldschöpfungsmultiplikator bei einer zu Geld alternativen Produktinnovation, während er bei Produktinnovationen im Rahmen der Portfolioumstrukturierung aus zu Geld alternativen Anlageformen erfolgt, so kann bei zu Geld alternativen Finanzinnovationen keine eindeutige Aussage über die Veränderung des Geldmengenmultiplikators gemacht werden, für den Fall von Finanzinnovationen in Form von verzinstem Geld wird der Geldschöpfungsmultiplikator steigen.

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Breuer, Ralf und Skaruppe, Martin
"Bankkalkulation als Marktproblem (Teil II)"

Im ersten Teil des Aufsatzes werden die theoretischen Grundlagen der Marktzinsmethode und die Grundkonzepte zur Formulierung von Kriterien für die Gewinnung von Vergleichsportefeuilles beleuchtet. Im zweiten Teil wird untersucht, wie sich die Verwendung der verschiedenen Ansätze für die Konstruktion von Vergleichsgeschäften auf eine konkrete Entscheidungssituation im Kundengeschäft - z.B. die vorzeitige Ablösung eines Kredites - auswirken. Hierbei zeigt sich deutlich, daß nur die konsequente Heranziehung von zahlungsstrukturkongruenten Vergleichsgeschäften für die Bestimmung des Ablösungsbetrages geeignet ist, Kreditgebern und -nehmern eine ökonomisch rationale Entscheidung für die Abgabe und Annahme einer Kündigungserklärung zu ermöglichen.

Auf der Grundlage der Untersuchungen zu den in der Literatur vorgeschlagenen Kongruenzkriterien und ihrer Auswirkung auf die Entscheidungsgrundlagen von Gläubigern und Schuldnern von Zahlungsströmen zeigt sieh, daß der von der Finanzierungstheorie verfolgte Weg, zahlungsstrukturkongruente Duplikate als Bewertungsgrundlage zu verwenden, auch für die Bankkalkulation sachgerecht erscheint. Durch Innovationen an den Finanzmärkten und die zügige Entwicklung von Bewertungsmodellen können immer komplexere Zahlungsströme dupliziert und bewertet werden. Unbeschadet der Notwendigkeit, die innerbetriebliche Kostensituation bei der Kalkulation im Zinsgeschäft zu berücksichtigen, führt der wachsende Wettbewerbsdruck dazu, daß die angebotenen Konditionen von den Kunden vermehrt an Marktalternativen gemessen werden. Die Marktzinsmethode kann dieser Tendenz voll und ganz gerecht werden, wenn sie für diesen Zweck konsequent weiterentwickelt wird.

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Berichte

Duijm, Bernhard
"Die Bindung des Wechselkurses an das Sonderziehungsrecht - Ein Rückblick"

Der Übergang zum allgemeinen Floating führte in vielen Ländern zu einer erhöhten Instabilität der gewogenen Außenwerte ihrer Währungen, vor allem wenn sie eine Einzelwährungsbindung hatten. Als wechselkurspolitische Alternative wählten viele Staaten die Anbindung an einen Währungskorb, um damit ihren effektiven Wechselkurs zu stabilisieren. Aufgrund seiner Konstruktion als Währungskorb bietet sich das Sonderziehungsrecht (SZR) des IWF als Bezugsgröße für eine solche Wechselkursfixierung an. Bis Anfang der 80er Jahre besaß das SZR als Grundlage für die Wechselkursfestlegung tatsächlich eine gewisse Bedeutung. Trotz der Bemühungen des IWF, die Geldfunktionen des SZR zu stärken, wenden sich aber immer mehr Länder von der SZR-Bindung ab und wählen andere Wechselkursregelungen.

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