KREDIT und KAPITAL - Heft 4/1994


Inhalt


Abhandlungen

Gerhards, Tilmann
Strukturelle Wechselkursbeziehungen auf den Internationalen Devisenmärkten

Jordan, Thomas J.
Reale Wechselkurse innerhalb der Schweiz und zwischen der Schweiz und ausgewählten Nachbarstaaten

Hecker, Renate
Insiderhandel am Markt für Kaufoptionen - Eine empirische Studie (Teil II)

Gubitz, Andrea und Hellmann, Thomas und Larch, Martin
Die Struktur der Renditen auf deutschen Anlagemärkten: Schätzung und Prognose mit einem Portfoliomodell

Lehrbass, Frank B.
Eine Einführung in die arbitragefreie Bewertung von Derivaten in stetiger Zeit am Beispiel europäischer Devisenoptionen


Buchbesprechungen

Candrian, Dominique
Karl Marx - Ein dialektischer Eulenspiegel in der Geldtheorie. Sein Ringen um die Erfassung des Geldwesens (Heinrich Müller-Godeffroy)


Zusammenfassungen

Gerhards, Tilmann
"Strukturelle Wechselkursbeziehungen auf den Internationalen Devisenmärkten"

Die bestehende Theorie und Empirie des Verhaltens flexibler Wechselkurse basiert vorwiegend auf der Analyse eines Zwei-Länder-Falls. In dieser Arbeit wird dagegen das gemeinsame Verhalten der wichtigsten Wechselkurse in der Phase seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems im Rahmen eines multilateralen Systems betrachtet. Dabei werden auch insbesondere Auswirkungen des Europäischen Währungssystems (EWS) auf Mitglieds- und Nichtmitgliedsländer analysiert. Auf der Grundlage von multivariaten Zeitreihenstudien werden die wichtigsten nominalen Wechselkurse auf langfristig wirksame Kointegrationsbeziehungen sowie auf ihr dynamisches Verhalten untersucht. Wie die empirischen Resultate zeigen, besteht eine relativ geringe Korrelation zwischen dem Yen/US-Dollarkurs und den übrigen europäischen Wechselkursen, während dem D-Mark/US-Dollarkurs innerhalb des betrachteten vektorautoregressiven Systems die größte Bedeutung zukommt. Seit Beginn des EWS existiert zwischen dem D-Mark/US-Dollarwechselkurs und dem britischen Pfund- sowie dem Schweizer Franken-Kurs eine Gleichgewichtsbeziehung, an der sich diese Wechselkurse langfristig orientieren. Die EWS-Währungen französischer Franc und italienische Lira haben auf die Gestalt dieser Beziehung keinen Einfluß, ihnen fällt langfristig nur eine Anpassungsfunktion zu. Auch die dynamische Analyse mit Hilfe von Vorhersagefehler-Varianz-Zerlegungen und Impulsantwortfolgen unterstreicht die besonders seit Beginn des EWS gewonnene dominierende Rolle des D-Mark/US-Dollarkurses. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen somit, daß in dem Verlauf der betrachteten Währungsrelationen Abhängigkeiten langfristiger und kurzfristiger Natur bestehen, die bei der Modellierung von Wechselkursmodellen berücksichtigt werden sollten.

hoch


Jordan, Thomas J.
"Reale Wechselkurse innerhalb der Schweiz und zwischen der Schweiz und ausgewählten Nachbarstaaten"

Nach einem geläufigen Argument sollten sich Währungsunionen durch geringe Variabilität und Persistenz in den realen Wechselkursveränderungen zwischen den beteiligten Regionen auszeichnen. Die Untersuchung betrachtet die Variabilität und die Persistenz von realen Wechselkursveränderungen innerhalb der Schweiz und zwischen der Schweiz und drei Nachbarstaaten. Die Variabilität der realen Wechselkurse zwischen den schweizerischen Regionen ist mit Ausnahme der Region Nordwestschweiz klein. Die Veränderungen weisen aber eine beachtliche Persistenz auf. Die Analyse zeigt, daß eine Währungsunion sowohl unterschiedliche Variabilitäten bei den realen Wechselkursen zwischen den beteiligten Regionen als auch persistente Veränderungen in den realen Wechselkursen vertragen kann, wobei auch beträchtliche akkumulierte Veränderungen in den realen Wechselkursen möglich sind.

hoch


Hecker, Renate
"Insiderhandel am Markt für Kaufoptionen - Eine empirische Studie (Teil 11)"

Ausgangspunkt dieser Untersuchung ist die Vermutung, daß ein Investor mit überlegenem Informationsstand insbesondere aufgrund des höheren Leverage-Effektes eines Optionsengagements seinen Informationsvorsprung bevorzugt bzw. zumindest zuerst am Options- und nicht am Aktienmarkt ausbeutet. Dies müßte sich tendenziell in einem Vorlauf der Optionspreise gegenüber den Aktienkursen niederschlagen. Mit einem statistischen Signifikanztest wird deshalb anhand von Zeitreihen für Kaufoptions- und Aktienkurse der Frankfurter Wertpapierbörse überprüft, ob die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten deutlicher relativer Überbewertungen (Unterbewertungen) von Kaufoptionen im Vorfeld einer ausgeprägten positiven (negativen) "abnormal performance" am Aktienmarkt signifikant größer ist als an den übrigen Börsentagen.

Nachdem im ersten Teil des Beitrags insbesondere diese Untersuchungshypothese genau spezifiziert wurde, beschreibt dieser zweite Teil des Artikels das statistische Testverfahren und die unterschiedlichen Testdurchläufe. Daran schließt sich die Darstellung und Interpretation der Resultate an. Die Ergebnisse des implementierten statistischen Signifikanztests können als ein Indiz dafür gedeutet werden, daß Insider im allgemeinen dazu tendieren, positives Insiderwissen bevorzugt bzw. zumindest zuerst am Kaufoptions- und nicht am Aktienmarkt auszubeuten. Das Ergebnis stellt somit auch ein Indiz gegen die häufig aufgestellte Hypothese dar, daß die Existenz eines Optionsmarktes die "fundamental richtige" Bewertung am Aktienmarkt beeinträchtigt. Die Untersuchung endet mit einem Ausblick auf Ansatzpunkte für weiterführende Untersuchungen, die sich durch die Aufnahme des Aktienoptionshandels an der Deutschen Terminbörse ergeben haben.

hoch


Gubitz, Andrea und Hellmann, Thomas und Larch, Martin
"Die Struktur der Renditen auf deutschen Anlagemärkten: Schätzung und Prognose mit einem Portfoliomodell"

In dem vorliegenden Modell wurden die Erkenntnisse der Portfoliotheorie sowie deren ökonometrischer Umsetzung genutzt, um Prognosen für die Struktur der Renditen von verschiedenen Finanzanlagen zu erstellen. Hierbei wurde auf die Annahme, das Angebot der Anlagen sei perfekt elastisch, verzichtet. Daher müssen die Nachfrage nach verschiedenen Finanzaktiva (Portfolioanteile) und die entsprechenden Renditen simultan geschätzt werden. Unter Berücksichtigung der Bilanzrestriktion sowie zweier notwendiger, vereinfachender Annahmen entsteht ein nichtlineares Modell, das mit einem dreistufigen Kleinst-Quadrate-Schätzer unter Verwendung simulierter Instrumente geschätzt wurde. Dieses Verfahren hat sich gegenüber herkömmlichen als vorteilhaft erwiesen. Von besonderem Interesse ist das Resultat, daß es einen signifikanten Rückkoppelungseffekt von Änderungen der Portfoliostruktur auf die Renditen (Liquiditätseffekt) gibt. Im übrigen bestätigen die Modellergebnisse den relativ schwachen Einfluß der Geldpolitik auf die langfristigen Zinsen. Die Prognoseeigenschaften des Modells sind im allgemeinen zufriedenstellend. Gleichwohl reagiert es aufgrund seiner autoregressiven Struktur auf außergewöhnliche Ereignisse relativ langsam.

hoch


Lehrbass, Frank B.
"Eine Einführung in die arbitragefreie Bewertung von Derivaten in stetiger Zeit am Beispiel europäischer Devisenoptionen"

Die legendären Bewertungsformeln von Black l Scholes (1973) und Garman / Kohlhagen (1983) werden in aller Ausführlichkeit auf didaktisch motiviertem Wege hergeleitet. Zuerst werden zwei grundlegende Erkenntnisse der Optionspreistheorie in einem einfachen Binomialmodell vorgeführt: Die Unabhängigkeit der Bewertung von Optionsrechten von den Risikoneigungen der Marktteilnehmer und die damit verbundene Möglichkeit, diese in einer imaginären risikoneutralen Welt zu bewerten. Danach wird ein Modell der Kursdynamik - die Geometrische Brownsche Bewegung - eingeführt. Darauf aufbauend, wird die Garman / Kohlhagen-Differentialgleichung hergeleitet, welche als Begründung für die genannten beiden grundlegenden Erkenntnisse im Fall stetiger Zeit dient. Vermöge "risikoneutraler" Bewertung ergibt sich schließlich die Garman / Kohlhagen-Formel, welche die Black / Scholes-Formel als Spezialfall enthält. Die Lektüre dieser Einführung setzt lediglich "Das Abitur-Wissen Mathematik" (Brauner/Geiß, 1990) voraus.

hoch





Zurück zur Archivübersicht