KREDIT und KAPITAL - Heft 1/1995


Inhalt


Abhandlungen

Wittrock, Carsten und Steiner, Manfred
Performance-Messung ohne Rückgriff auf kapitalmarkttheoretische Renditeerwartungsmodelle

Crockett, Andrew
Financial Innovation: Macro-economic and Macro-prudential Consequences

Fratianni, Michele und Huang, Haizhou
New Growth Theory: A Survey from a Policy Perspective

Jarchow, Hans-Joachim
Zum Einfluß von Auslandstransaktionen auf Bankenliquidität, Geldmenge und Bankkredite

Lütkepohl, Helmut und Moryson, Martin und Wolters, Jürgen
Stabilitätsanalyse der bundesdeutschen Geldnachfrage anhand alternativer Ansätze zur Modellierung variierender Regressionskoeffizienten


Berichte

Müller, Horst
Zur Risikobereitschaft privater Geldanleger

Wesche, Katrin
Konstanz Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy 1994


Buchbesprechungen

Hansmeyer, Karl-Heinrich
Finanzierungsprobleme der deutschen Einheit I - Staatsverschuldung, EG-Regionalfonds, Treuhandanstalt (Jochen Michaelis)


Zusammenfassungen

Wittrock, Carsten und Steiner, Manfred
"Performance- Messung ohne Rückgriff auf kapitalmarkttheoretische Renditeerwartungsmodelle - Eine Analyse des Anlageerfolges deutscher Aktieninvestmentfonds"

In diesem Beitrag wird die Performance von 21 deutschen Aktieninvestmentfonds in der Zeit von 1974 - 1991 unter Verwendung ihrer Renditezeitreihen als alleiniger Informationsquelle analysiert. Unter anderem wird dabei die von Grinblatt/Titman entwickelte Positive Period Weighting Measure eingesetzt. Auf deren Überlegungen zurückgreifend, wird gezeigt, daß ein expliziter Zusammenhang zwischen der Performance-Messung und einer Theorie der Wertpapierbewertung nicht erforderlich ist. Eine korrekte Zuweisung von Performance wird durch ein relativ m /s -effizientes Portfolio, welches lediglich Wertpapiere enthält, die aus der Sicht des Investors als handelbar angesehen werden, ermöglicht. Die Ergebnisse bei der Anwendung dieses auch Timingfähigkeiten berücksichtigenden Maßes sind nahezu identisch mit jenen, die mit dem Jensen-Maß erzielt werden. Insgesamt werden die Resultate durch die mit Hilfe der stochastischen Dominanz erzielten Ergebnisse weitgehend untermauert. Die stochastischen Dominanzkriterien berücksichtigen nicht nur die ersten beiden Momente der Verteilung der Renditen, sondern greifen auf die gesamte Wahrscheinlichkeitsverteilung der Renditen zurück. Im Durchschnitt konnten wir in den untersuchten Perioden keine superiore Performance der Fonds gegenüber einem breit diversifizierten Aktienindex identifizieren. (JEL B 21, D 80)

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Crockett, Andrew
"Finanzinnovation: makroökonomisch und vorsorgerelevante Konsequenzen"

Die letzten zwei oder drei Jahrzehnte waren Zeugen von sich beschleunigenden Veränderungen auf den Finanzmärkten als Ergebnis eines Zusammenwirkens von Deregulierung und Innovation. Die jüngsten Innovationsserien sind auf dem Markt für derivative Finanzinstrumente zu beobachten.

Diese Entwicklungen werfen für die Währungsbehörden Fragen auf, die sowohl für eine umfassende Vorsorge als auch makroökonomisch relevant sind. Bei umfassenden Vorsorge- oder systemischen Risiken handelt es sich darum, daß einzelne Störungen (durch ein Unternehmen, in einem Marktsegment oder in einem Abstimmungssystem) zu weiterreichenden Schwierigkeiten führen können. Die Vermeidung systemischer Risiken erfordert eine Stärkung der Risikomanagementpraktiken in einzelnen Unternehmen sowie Maßnahmen für eine größere Reaktionsflexibilität der Märkte auf Störungen von außen.

Makroökonomische Fragen können sich daraus ergeben, daß das durch derivative Finanzinstrumente begünstigte Beziehen von Positionen die Aufgabe komplizierter macht, Geldpolitik zu konzipieren und durchzuführen. Derivative Instrumente könnten das Verhalten von einzelnen Marktteilnehmern oder dynamischen Marktkräften beeinflussen. Darüber hinaus könnten sie Folgewirkungen für die Zuverlässigkeit von Wirtschaftsindikatoren und -instrumenten haben.

Man weiß nur relativ wenig über die genauen Wege, auf denen derivative Finanzinstrumente für die Wirksamkeit der Geldpolitik schädliche Folgen haben können. Auch wenn keine Behinderungen durch derivative Finanzinstrumente zu vermuten sind, ist zusätzliche Forschung zu diesem Thema dennoch wünschenswert.

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Fratianni, Michele und Huang, Haizhou
"Neue Wachstumstheorie: Überblick aus politischer Perspektive"

Die Hauptbotschaft der neuen Wachstumstheorie besteht darin, daß Wachstum nicht einfach durch die Ansammlung von Kapital erklärt werden kann. Technische Verbesserungen, neue Erzeugnisse und Humankapital sind endogene Kräfte, die von diesem Artikel betont werden. Die Politik der Regierung spielt für das Wirtschaftswachstum eine große Rolle. Die am stärksten wachstumsorientierte Politik ist die, die die Ansammlung von greifbarem Kapital und Humankapital nicht behindert. Dennoch gibt es Regierungen, die dem Konsum Vorrang gewähren auf Kosten von Sparen und Investitionen. Die Politik der Regierung kann das Wachstum auch durch Offenheit fördern.

Bildung, Ausbildung, Innovation und Nachahmung erhöhen das Humankapital. Ein gutes Beispiel dafür, wie diese Faktoren zusammenwirken, ist das Silicon Valley in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo eine Kernindustrie Menschen mit hohem Humankapitalfaktor anlockt. Diese Arbeitskraftreserven werden zu einem positiven externen Faktor für andere Industrien, die sich neben der Kernindustrie ansiedeln wollen. Der Hochtechnologie-Industriepark belohnt Neulinge genauso wie diejenigen, die in zusätzliches Humankapital investieren.

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Jarchow, Hans-Joachim
"Zum Einfluß von Auslandstransaktionen auf Bankenliquidität, Geldmenge und Bankkredite"

Ausgangspunkt des Beitrags ist ein in den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank Anfang 1993 erschienener Aufsatz, in dem die monetären Auswirkungen von Devisenzuflüssen in die Bundesrepublik untersucht werden. Die dort geschilderten Ergebnisse - u. a. eine Zunahme der Geldmenge, eine Abnahme der Kreditmenge und gewisse Probleme bei der geldpolitischen Liquiditätsabschöpfung werden als Implikationen eines vereinfachten Geldangebots/Geldnachfrage-Modells hergeleitet, wobei von einem System grundsätzlich fester, aber fallweise änderbarer Wechselkurse ausgegangen wird. Das Modell berücksichtigt neben den Nettoauslandsforderungen der Zentralbank Nettoauslandsforderungen von Geschäfts- und Nichtbanken und bezieht Wertpapierpensionsgeschäfte in Form eines Zinstenders in die theoretische Analyse ein.

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Lütkepohl, Helmut und Moryson, Martin und Wolters, Jürgen
"Stabilitätsanalyse der bundesdeutschen Geldnachfrage anhand alternativen Ansätze zur Modellierung variierender Regressionskoeffizienten"

Eine Reihe von Möglichkeiten zur Modellierung von Koeffizientenvariation im Regressionsmodell werden dargestellt und im Rahmen einer Geldnachfrageanalyse für die Geldmenge M1 in der Bundesrepublik Deutschland für den Zeitraum von 1960 bis 1990 verglichen. Diese Verfahren gewinnen vor dem Hintergrund der Umwälzungen in Osteuropa besondere Relevanz. Es zeigt sich, daß die verschiedenen Modellierungsmöglichkeiten zu sehr verschiedenen Ergebnissen bezüglich möglicher Instabilitäten von Regressionsbeziehungen gelangen können, dass allerdings durch den Einsatz verschiedener Verfahren die Diagnosemöglichkeiten verbessert werden können, da alle Verfahren bestimmte Schwächen aufweisen. Insbesondere wird deutlich, daß Verfahren, die nur einen Teil der Stichprobeninformation nutzen, nicht notwendigerweise denjenigen Ansätzen unterlegen sind, die die gesamte Information in jedem Zeitpunkt der Schätzung einbeziehen.

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Berichte

Müller, Horst
"Zur Risikobereitschaft privater Geldanleger"

Die Risikobereitschaft deutscher Geldanleger ist gering: Geringer, als nach rationalen Kriterien zu erwarten wäre, und geringer, als aus volkswirtschaftlicher Perspektive zu wünschen wäre. Dieser Beitrag analysiert daher anhand einer annähernd repräsentativen Stichprobe von 518 Geldanlegern die Determinanten risikobereiter Geldanlage. Nach einer Beschreibung risikobereiter Anleger anhand demographischer Variablen wird die Erklärungskraft von fünf hierarchisch strukturierten Variablengruppen überprüft: (1) die finanzielle Situation, (2) wirtschaftliche Erwartungen, (3) die allgemeine Sparmentalität, (4) spezifische Motivationen der Geldanlage sowie (5) Kompetenz und Kontrollüberzeugung im Finanzbereich.

Die Ergebnisse zeigen, daß psychologische Konzepte einen weit höheren Erklärungsbeitrag leisten als demographische oder ökonomische Faktoren. Vor allem die Anlagemotivation ist entscheidend: Renditestreben, Leistungsmotivation, Risikosuche sowie Interesse fördern den Aktienbesitz, während Bequemlichkeit ein wichtiger Hemmfaktor ist. Förderlich ist auch die objektive und die subjektive Kompetenz. Dagegen sind wirtschaftliche Erwartungen eher unbedeutend. Ebenso steht eine ausgeprägte Sparneigung nur in geringem Widerspruch zu einer "unsicheren" Anlage der so geschaffenen Ersparnisse.

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