KREDIT und KAPITAL - Heft 3/1996


Inhalt


Abhandlungen

Krämer, Jörg W.
Lassen sich zinsgewichtete Geldmengen steuern als herkömmliche Geldmengen?

Fehn, Rainer und Modery, Wolfgang
Können fixe Wechselkurse das Glaubwürdigkeitsproblem der Geldpolitik bei persistenter Arbeitslosigkeit lösen?

Schmid, Frank A.
Banken, Aktionärsstruktur und Unternehmenssteuerung (Teil I)

Neus, Werner
Börseneinführungen, Underpricing und die Haftung von Emissionsbanken


Berichte

Bofinger, Peter
What Monetary Policy for the European Central Bank?


Buchbesprechungen

Hansmeyer, Karl-Heinrich
Finanzierungsprobleme der deutschen Einheit II. Aufbau und Finanzierung der sozialen Sicherung (Alexander Spermann)

Lang, Franz Peter und Ohr, Renate
International Economic Integration. Studies in Contemporary Economics (Gudrun Peschutter)


Zusammenfassungen

Krämer, Jörg W.
"Lassen sich zinsgewichtete Geldmengen besser steuern als herkömmliche Geldmengen?"

Die von verschiedenen Geldmengenkomponenten ausgehenden Liquiditätsdienste werden in dieser Arbeit durch Nutzungspreise gemessen, also durch jene Zinserträge, die einem Wirtschaftssubjekt zufließen, wenn anstelle der Geldmengenkomponenten nicht-monetäre Vermögensgegenstände gehalten werden. Um die Geldmengenkomponenten mit Hilfe von Cobb-Douglas- und CES-Funktionen zu aggregieren, werden deren im Zeitablauf konstante Parameter mit Hilfe von Daten für die Geldmengenkomponenten und für die Nutzungspreise geschätzt. Die dabei auftretenden Schätzprobleme lassen sich vermeiden, indem Törnqvist-Geldmengenindizes mit zeitvariablen Gewichten direkt aus den Mengen- und Preisdaten ermittelt werden. Unter Steuerbarkeit wird die Genauigkeit verstanden, mit der die Notenbank die künftige Geldmengenentwicklung prognostizieren kann. Zunächst werden die auf Basis verschiedener zinsgewichteter und summarischer Geldmengen berechneten Geldmengenmultiplikatoren mit Hilfe univariater ARIMA-Modelle erklärt. Anschließend werden durch Transferfunktionsmodelle zusätzlich die Informationen ausgenutzt, die in der Geldbasis oder den Geldmarktzinsen enthalten sind. Die Ergebnisse für die drei Prognosevarianten sind nicht einheitlich. Unterstellt man jedoch realistischerweise, die Bundesbank versuche, statt der Geldbasis die Geldmarktzinsen zu steuern, erweisen sich die Summenaggregate als besser steuerbar. Von den zinsgewichteten Geldmengen sind die auf Cobb-Douglas-Funktionen basierenden für alle untersuchten Varianten am besten prognostizierbar.

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Fehn, Rainer und Modery, Wolfgang
"Können fixe Wechselkurse das Glaubwürdigkeitsproblem der Geldpolitik bei persistenter Arbeitslosigkeit lösen?"

Es ist eine der Schlüsselfragen der stabilitätspolitischen Diskussion, wie man das Glaubwürdigkeitsproblem der Geldpolitik adäquat in den Griff bekommen kann. Ein wichtiger und sehr kontrovers diskutierter Vorschlag sieht vor, daß Länder mit höherer Inflation den nominalen Wechselkurs gegenüber einem Leitwährungsland mit niedrigerer Inflation fixieren sollten. Die Verfechter dieses Vorschlags argumentieren, daß es dadurch gelingt, den inflationären Bias mit einem nur geringen Anstieg der Arbeitslosigkeit abzubauen. Der vorliegende Beitrag zeigt, daß dies zwar im Modell der natürlichen Arbeitslosigkeit zutrifft. Geht man jedoch vom zumindest für Europa realistischeren Fall persistenter Arbeitslosigkeit aus, dann trägt eine rigide geldpolitische Regel wie die der Wechselkursfixierung durchaus nicht unbedingt dazu bei, das Glaubwürdigkeitsproblem der Geldpolitik zu senken. In einem solchen Umfeld sind vielmehr flexiblere institutionelle Arrangements vorzuziehen, wie etwa die Ernennung einer politisch unabhängigen, konservativen Zentralbank, die nur unter Inkaufnahme hoher Kosten von der Regierung überstimmt werden kann. Aber auch deren geldpolitische Glaubwürdigkeit hängt in erheblichem Umfang von der Funktionsfähigkeit des Arbeitsmarktes ab.

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Schmidt, Frank A.
"Banken, Aktionärsstruktur und Unternehmenssteuerung (Teil I)"

Anhand zweier Samples für große deutsche Aktiengesellschaften wird die Hypothese überprüft, daß die Aktionärsstruktur einen intangiblen Vermögenswert des Unternehmens darstellen kann. Für das 1974er Sample zeigen die Resultate einen positiven Einfluß des Anteilsbesitzes von Banken auf die Performance der Unternehmen. Für das 1985er Sample dagegen geht die Wirkung von Banken bei der Unternehmenssteuerung nicht über den positiven Einfluß nichtbanklicher Großaktionäre hinaus. Ein statistischer Test zeigt, daß die Hypothese, es liege zwischen den beiden Analysezeitpunkten keine Strukturveränderung vor, verworfen werden muß. Eine Analyse zur Aufsichtsratspräsenz von Banken widerspricht der von Edwards und Fischer (1994) vertretenen Position, daß deutsche Banken die Stimmrechtsvertretung nicht zur Durchsetzung von Mandaten einsetzen.

In Teil I dieser in zwei Teilen publizierten Arbeit wird die theoretische Argumentation vorgestellt. Es werden die Variablen für die empirische Analyse definiert und der Datensatz beschrieben. In Teil II werden die empirischen Ergebnisse vorgestellt.

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Neus, Werner
"Börseneinführungen, Underpricing und die Haftung von Emissionsbanken"

Das Underpricing bei Börseneinführungen läßt sich unter anderem zurückführen auf einen Informationsvorsprung eines Teils der Anleger, wobei schlechter informierte Anleger einem Winner's Curse unterliegen. Dieses Underpricing kann verringert werden, wenn der Informationsstand der schlecht informierten Anlegergruppe verbessert wird. Informationsbeschaffungs- und Zertifikationsaktivitäten der Emissionsbank sind dazu grundsätzlich geeignet. Die Prospekthaftung der Banken signalisiert den Anlegern, daß die Bank Anreize zu diesen Aktivitäten hat. Es wird gezeigt, daß dies tatsächlich das Underpricing (gegebenenfalls nach Haftung) verringert. Bei konsequenter Argumentation erkennt man ferner, daß eine unbedingte Versicherung der Anleger jedes Underpricing beseitigen kann: eine Lösung, die mit vorherrschenden Praktikervorstellungen überhaupt nicht vereinbar ist.

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