KREDIT und KAPITAL - Heft 1/1997


Inhalt


Abhandlungen

Schwiete, Mark und Weigand, Jürgen
Bankbeteiligungen und das Verschuldensverhalten deutscher Unternehmen

Bernholz, Peter
Paper Money Inflation, Prices, Gresham's Law and Exchange Rates in Ming China

Smant, David J. C. und Melger, Jeroen
Monetary and Non- Monetary Analyses of Inflation in a Small Open Country

Patzig, Wolfgang
Handelsfrequenz und Nichtmengenanpassung

Clostermann, Jörg und Scharnagl und Seitz, Franz
Begründung der monetaristischen Geldmengenregel mit Hilfe einer Formalisierung des Konjunkturmodells von Milton Friedman

Uhrig, Marliese und Walter, Ulrich
Ein neuer Ansatz zur Bestimmung der Zinsstruktur - Theorie und empirische Ergebnisse für den deutschen Rentenmarkt


Berichte

Kaufmann, Friedrich
Besonderheiten der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen - Ein Überblick über die Problemlage

Wesche, Katrin
Konstanz Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy 1996


Buchbesprechungen

Dowd, Kevin
Laissez- faire Banking (Manfred Neldner)


Zusammenfassungen

Schwiete, Mark und Weigand, Jürgen
"Bankbeteiligungen und das Verschuldungsverhalten deutscher Unternehmen"

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Finanzierungsverhalten deutscher Aktiengesellschaften. Ausgehend von der Agency-Theorie, die reale Abweichungen von Modigliani/ Millers Irrelevanztheorem der Finanzierungsart auf asymmetrische Information und die Existenz von Agency-Kosten zurückführt, werden empirisch überprüfbare Hypothesen über Determinanten des Verschuldungsgrades von Unternehmen abgeleitet. Besondere Berücksichtigung finden dabei Charakteristika des Finanzsystems wie die Möglichkeit von Banken, sich am Eigenkapital von Industrieunternehmen zu beteiligen. Die empirische Überprüfung der abgeleiteten Hypothesen im Rahmen einer Regressionsanalyse zeigt für die Stichprobe deutscher Unternehmen deutliche Unterschiede im Vergleich zu den Ergebnissen für US-Unternehmen. Das Finanzierungsverhalten der deutschen Aktiengesellschaften ähnelt vielmehr dem japanischer Unternehmen. Die Ergebnisse sind ein Indiz dafür, daß die Bankorientierung des deutschen und japanischen Finanzsystems zu einem anderen Finanzierungsverhalten der Unternehmen führt als in einem marktorientierten Finanzsystem wie in den USA. Diese Unterschiede sind jedoch nicht auf Bankbeteiligungen zurückzuführen, sondern auf andere Faktoren wie z.B. langfristige Beziehungen.

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Bernholz, Peter
"Papiergeldinflation, Preise, das Gresham-Gesetz und Wechselkurseim China der Mingzeit"

In diesem Artikel wird die Papiergeldinflation der Mingzeit (1368 - 1448) mit der Absicht analysiert festzustellen, ob die Theorie eines kompletten Inflationskreislaufs lediglich auf in der westlichen Geschichte aufgetretene Fälle zutrifft oder auch auf viel weiter zurückliegende Zeiträume in anderen Kulturen. Ein kompletter Inflationskreislauf beginnt mit der Einführung von Papiergeld zur Finanzierung eines Haushaltsdefizits und mit der allgemeinen Verwendung dieses Papiergelds als Zahlungsmittel neben dem Münzgeld. Ab einem späteren Zeitpunkt verdrängt das Papiergeld das Münzgeld (das Gresham-Gesetz). Danach beginnt die Inflation und nimmt an Geschwindigkeit zu. Das Münzgeld kehrt zurück und ersetzt das Papiergeld, das schließlich ganz aus dem Umlauf verschwindet. Es wird nachgewiesen, daß diese und andere qualitative Merkmale auch in der Inflation der Mingzeit festzustellen waren.

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Smant, David J. C. und Melger, Jeroen
"Monetäre und nichtmonetäre Inflationsanalysen in einem kleinen offenen Land"

Dieser Beitrag hat eine (erneute) Bewertung von monetären und nichtmonetären Inflationsmodellen für die Niederlande zum Gegenstand. Insbesondere untersuchen wir, ob ein P-sternförmiges Modell - das für eine lehrbuchmäßige makroökonomische Beziehung zwischen Geld und Preisen steht - zugunsten eines populären sozio-politischen, auf Kostendruckfaktoren beruhenden Modells abgelehnt werden sollte. Wir sind der Ansicht, daß das P-sternförmige Modell auf eine kleine Volkswirtschaft mit festen Wechselkursen angewendet werden kann, und wir sind zu der Schlußfolgerung gelangt, daß das P-sternförmige Modell aus theoretischen Gründen nicht abgelehnt zu werden braucht. Wir beweisen ebenfalls, daß nach auf der Grundlage geeigneter Stichproben sowie außerhalb der Stichprobe erstellten Prognosen das sozio-politische Modell dem monetären Modell qualitativ nicht überlegen ist. Aus empirischen Gründen ist das P-sternförmige Modell also nicht abzulehnen. Grundlegende monetäre Wirtschaftserkenntnisse legen aus unserer Sicht nahe, dem monetären Inflationsmodell den Vorzug zu geben. Abschließend stellen wir eine Reihe von Beobachtungen dar zu politisch-wirtschaftlichen Aspekten der öffentlichen Debatte über die Inflation und ihre Bestimmungsgründe.

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Patzig, Wolfgang
"Begründung der monetaristischen Geldmengenregel mit Hilfe einer Formalisierung des Konjunkturmodells von Milton Friedman"

Im vorliegenden Beitrag wurde das verbale Konjunkturmodell von Friedman mit Hilfe einer gemischten Differenzen-Differential-Gleichung formalisiert. Über den Ansatz von Laidler hinausgehend wird zusätzlich eine Abhängigkeit der Umlaufgeschwindigkeit von der Inflationsrate modelliert. Die mathematische Überprüfung kommt bezüglich der Aussagen Friedmans zu ähnlichen Ergebnissen. Der diskretionäre Einsatz der Geldpolitik kann - sofern die Elastizität der Umlaufgeschwindigkeit bezüglich der Inflationsrate groß genug ist - zu Schwankungen der nominalen Nachfrage führen. Den Spezialfall der Reallohnkonstanz ausgeschlossen, sind hiermit immer auch Schwankungen des Realeinkommens verbunden.

Je höher die Elastizität der Umlaufgeschwindigkeit und/oder der Nominallöhne bezüglich der Inflationsrate ist, desto wahrscheinlicher werden zunächst Schwingungslösungen und in der Folge instabile Lösungen.

Je höher also die Preisflexibilität des Marktsystems ist, desto wahrscheinlicher wird langfristige Stabilität erreicht. Dies ist besonders im Hinblick auf Preisfreigaben in Transformationsprozessen ein wichtiges Ergebnis, aber auch für die geldpolitischen Steuerungsmöglichkeiten in Ländern mit zunehmenden Preisinflexibilitäten.

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Clostermann, Jörg und Scharnagl und Seitz, Franz
"Monetäres Reinvermögen versus Geldmenge M 3 - eine Entgegnung"

In ihrem Artikel "Monetäres Reinvermögen versus Geldmenge M3" legen Neumann und Weigand der deutschen Bundesbank nahe, zukünftig bei zinspolitischen Entscheidungen stärker die konjunkturellen Wirkungen ihrer Politik zu berücksichtigen. Zur Messung des konjunkturellen Impulses der Geldpolitik raten sie der Bundesbank, auf das von ihnen vorgestellte monetäre Reinvermögen zurückzugreifen. Allerdings sind - entgegen der Behauptung von Neumann und Weigand - die Prognosequalitäten dieses Aggregats ungenügend und seine Zinsgewichte theoretisch unzureichend begründet. Zudem ist das reale monetäre Reinvermögen von der Notenbank nicht steuerbar. Angesichts dieser Ergebnisse steht eine geldpolitische Strategie a la Neumann und Weigand auf sehr unsicheren Füßen. Darüber hinaus zeigen von uns durchgeführte Analysen, daß sich im Gegensatz zu empirischen Ergebnissen von Neumann und Weigand nach wie vor eine stabile Geldnachfrage nach M 3 identifizieren läßt.

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Uhrig, Marliese und Walter, Ulrich
"Ein neuer Ansatz zur Bestimmung der Zinsstruktur - Theorie und empirische Ergebnisse für den deutschen Rentenmarkt"

Die vorliegende Arbeit stellt ein zweistufiges Verfahren zur Bestimmung der Zinsstruktur vor. Bei dieser Methode wird in einem ersten Schritt mit Hilfe der quadratischen Optimierung eine diskrete Zinsstrukturkurve geschätzt. Werden höhere Ansprüche an die Glattheit der Zinsstrukturkurven gestellt, z. B. die Forderung nach mehrmaliger stetiger Differenzierbarkeit, so erfolgt in einem zweiten Schritt eine Approximation der Zinsstrukturkurve mit Hilfe polynomialer Splines. Im Anschluß an die Diskussion des Verfahrens findet die vorgestellte Methode im Rahmen einer empirischen Untersuchung am deutschen Anleihemarkt für den Zeitraum 1980 - 1993 Anwendung. Die empirischen Ergebnisse zeigen, daß das Verfahren eine sehr gute Anpassungsgüte an die Marktpreise besitzt. Insbesondere die Ergebnisse des Out-of-the-Sample-Tests unterstreichen nachdrücklich die Qualität des vorgestellten Verfahrens.

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Berichte

Kaufmann, Friedrich
"Besonderheiten der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmer - Ein Überblick über die Problemlage"

Kleine und mittlere Unternehmen haben im Vergleich zu größeren Unternehmen Nachteile bei der Finanzierung. Die Kreditfinanzierung wird bei ihnen durch höhere Transaktionskosten pro Kapitaleinheit und ein stark verbreitetes Hausbank-Prinzip geprägt. Dies birgt Gefahren der Abhängigkeit, trägt aber dazu bei, Informationsasymmetrien zu überwinden. Ungünstiger ist die Lage bei den Finanzierungsmöglichkeiten mit echtem Risikokapital. Die mangelnde Bereitschaft zur Publikumsöffnung, große Informationsprobleme, ein ungeeigneter steuerrechtlicher Rahmen und die ausgeprägte Risikoscheu von Banken und Anlegern bilden Hemmnisse für ein vitales Börsengeschehen. Das Schlüsselproblem bei der Aufbringung von Risikokapital ist aber das Erwirtschaften einer dem höheren Risiko kleiner und mittlerer Unternehmen angemessenen Rendite.

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