KREDIT und KAPITAL - Heft 2/1997


Inhalt


Abhandlungen

Guender, Alfred und Moersch, Mathias
On the Existence of a Credit Channel of Monetary Policy in Germany

Hartmann, Philipp
Capital Adequacy and Foreign Exchange Risk Regulation - Theoretical Considerations and Recent Developments in Industrial Countries

Breuer, Wolfgang
Kreditgenossenschaften, Managementsteuerung und der Markt für Unternehmenskontrolle

Hirth, Hans
Handelsfrequenz und Nichtmengenanpassung


Berichte

Werner, Richard A.
Towards a New Monetary Paradigm: A Quantity Theorem of Disaggregated Credit, with Evidence from Japan


Buchbesprechungen

Lord, Thomas
Die Performance der Europäischen Währungsordnung. Eine Analyse der Interessenstrukturen im EWS (Susanne Cassel)

Menkhoff, Lukas
Spekulative Verhaltensweisen auf Devisenmärkten (Beate Reszat)


Zusammenfassungen

Guender, Alfred und Moersch, Mathias
"Zur Existenz eines Kreditkanals in der Geldpolitik in Deutschland"

Diese Untersuchung befaßt sich mit dem Kreditkanal in der Geldpolitik in Deutschland. Sie findet kaum Anhaltspunkte für die Existenz des Kreditkanals und bestätigt gleichzeitig den bekannten Transmissionsweg der Geldpolitik über die Passiva der Banken. Die zwei Ergebnisse der Studie sind erstens, daß geldpolitische Impulse über die Passiva und nicht die Aktiva der Banken weitergeleitet werden, und zweitens, daß eine restriktivere Geldpolitik sogar zu einer kurzfristigen Erhöhung der Kreditvergabe relativ zum Bilanzvolumen führt. Die Unwirksamkeit des Kreditkanals kann mit einer starken Hausbankbeziehung erklärt werden, in welcher Banken Kreditportefeuilles gegen geldpolitische Schocks abschirmen.

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Hartmann, Philipp
"Kapitalvorschriften und die Regulierung von Wechselkursrisiken: Theoretische Betrachtungen und jüngste Entwicklungen in den Industrieländern"

Kapitaladäquanzvorschriften, wie sie vom Basel-Komitee für Bankaufsicht entwickelt wurden, sind nahezu ein internationaler Standard der prudentiellen Bank-regulierung geworden. Jüngste Entscheidungen der G-10 und der Europäischen Union erweitern diesen Ansatz auf Marktrisiken im allgemeinen und Wechselkurs-risiken im speziellen. Der vorliegende Artikel diskutiert die Limits auf Bankpositionen, wie sie aus Kapitalvorschriften resultieren, und konzentriert sich dabei im wesentlichen auf das Beispiel der Devisenmarktpositionen und des Wechselkursrisikos. Dabei werden einige theoretische Überlegungen den aktuellen und zukünftigen Regulierungen in 15 Industrieländern gegenübergestellt. Die früheren Devisenmarktlimits für Banken scheinen restriktiver zu sein, als man aus rein prudentiellen Erwägungen erwarten würde. Jedoch werden die zuletzt verabschiedeten Regulierungen für die G-1O und die EU zu einer Abschwächung diesen Limits führen. Des weiteren hat die Entscheidung des Basel-Komitees, bankinterne Risikomodelle zur Ermittlung des regulatorischen Mindestkapitals zuzulassen, ein Koordinationsproblem zwischen G-1O- und EU-Regulierungen herbeigeführt, das durch eine neue EU-Kapitaladäquanzrichtlinie (CAD II) gelöst werden muß. Es wird ebenfalls argumentiert, daß prudentielle Limits kein geeignetes Instrument zur Bekämpfung spekulativer Kapitalflüsse in entwickelten Finanzsystemen sind.

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Breuer, Wolfgang
"Kreditgenossenschaften, Managementsteuerung und der Markt für Unternehmenskontrolle"

Die Wahl der Rechtsform einer Unternehmung, hier konkret einer Bank, kann als Mittel zur glaubwürdigen Bindung an das Unterlassen oder Durchführen von Interventionen zur Management-Beeinflussung interpretiert werden. Durch die Entscheidung für die genossenschaftliche Rechtsform im speziellen verzichtet man auf die Nutzung des Marktes für Unternehmenskontrolle zur Management-Disziplinierung, wodurch sich im Vergleich zur Rechtsform der AG per Saldo ein Effizienzvorteil aus Sicht der jeweiligen Gesellschafter ergeben kann. Denn infolge einer fehlenden Übernahmebedrohung kann das Management einer Kreditgenossenschaft besser als etwa das Management einer Banken-AG Zielen wie Macht- und Wachstumsstreben nachgehen, was sich aufgrund der damit bei oligopolistischen Marktstrukturen verbundenen Verschiebung von Marktanteilen zwischen den betrachteten Kreditinstituten ex post auch für die Genossenschaftler als vorteilhaft erweisen kann. Notwendige Bedingung für das Auftreten dieses positive Effekts ist allerdings ein hinreichend großer Umfang des Nicht-Mitgliedergeschäfts durch die Genossenschaft.

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Hirth, Hans
"Handelsfrequenz und Nichtmengenanpassung"

Mit der Abkehr von einer Mengenanpassung sind nicht nur Wirkungen auf den aktuellen Kurs, sondern auch auf zukünftige Kurse zu berücksichtigen. Diese intertemporale Verbundenheit führt in Verbindung mit rationalen Erwartungen aller Marktteilnehmer dazu, dass die Handelsfrequenz den aktuellen Kurs beeinflußt. Im Ergebnis nähert sich bereits der aktuelle Kurs bei einer höheren Handelsfrequenz demjenigen Kurs an, der sich bei optimaler Risikoallokation ergeben würde. Gleichzeitig erhöht sich die Marktqualität, gemessen an der Unempfindlichkeit des Kurses gegenüber Schwankungen im Transaktionsvolumen.

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Berichte

Werner, Richard A.
"Grundlagen eines neuen monetären Ansatzes: Die Quantitätstheorie des disaggregierten Kredits, empirisch belegt am Beispiel Japans"

In mehreren Ländern, einschließlich Japans, wurden in den 1980er Jahren drei signifikante "Anomalien" beobachtet, welche den traditionellen monetären Ansatz in Frage stellen: 1. Der scheinbare Abfall der Geldumlaufgeschwindigkeit und die sich daraus ergebende Instabilität der Geldnachfrage; 2. ungewöhnlich steile Anstiege von Vermögenswerten, oft als "Bubble" oder Spekulationsblase bezeichnet; und 3. Kapitalausfuhren von Japan, die in den 1980er Jahren historisch große Proportionen annahmen, aber in den frühen 1990er Jahren plötzlich zusammenbrachen. In diesem Aufsatz wird ein einfaches Modell vorgestellt, das die traditionelle Theorie als Spezialfall beinhaltet und gleichzeitig alle drei obigen "Anomalien" erklären kann. Es basiert auf einer "Quantitätstheorie" der Kreditgeldschöpfung, welche in "Finanzzirkulation" und "reale Zirkulation" disaggregiert wird. Es wird gezeigt, daß überschüssige Geldschöpfung in der Finanzzirkulation für alle drei "Anomalien" verantwortlich ist. Das Modell wird durch empirische Tests am Beispiel Japans bestätigt. Der Aufsatz schließt mit einer Diskussion der Bedeutung dieser Resultate für monetäre Theorie, zukünftige Forschung und Wirtschaftspolitik.

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