KREDIT und KAPITAL - Heft 3/1997


Inhalt


Abhandlungen

Sell, Friedrich L.
Zu den langfristigen Bestimmungsgründen der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes: Ein sektoraler Ansatz

Arnold, Ivo J. M.
Monetary Targeting in the EMU: Lessons from the United States

Schmidt, Hartmut und Oesterhelweg, Olaf und Treske, Kai
Der Strukturwandel im Börsenwesen: Wettbewerbstheoretische Überlegungen und Trends im Ausland als Leitbilder für den Finanzplan Deutschland

Bruhn, Manfred
Messung und Sicherstellung der Dienstleistungsqualität im Kreditgewerbe. Ansatzpunkte eines umfassenden Qualitätsmanagements im Finanzdienstleistungssektor (Teil I)


Berichte

Reischle, Julian
Divisa- Geldmengenindex: Ein Vorschlag zur theoretisch korrekten Erfassung des Geldes


Buchbesprechungen

Glaß, Stefan
Für ein direktes Preisniveauziel in der Geldpolitik (Jürgen Ehlgen)

Fischer, Bernhard und Reszat, Beate
Internationale Integration der Devisen-, Finanz- und Kapitalmärkte (Ulrich Dickel)


Zusammenfassungen

Sell, Friedrich L.
"Zu den langfristigen Bestimmungsgründen der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes: Ein sektoraler Ansatz"

Bei der Erforschung u. a. von Bordo/Jonung festgestellten Trendwenden in der Umlaufgeschwindigkeit sowie der beobachteten Schwankungen der Geldnachfrage standen bisher monetäre Erklärungen im Vordergrund. In diesem Beitrag wird der Versuch gemacht zu zeigen, dass es gute Argumente auch für realwirtschaftlich fundierte Schwankungen/ Trendwenden in der Umlaufgeschwindigkeit gibt. Diese liegen vor allem in den signifikant-unterschiedlichen Kassenhaltungsgewohnheiten in der formellen Ökonomie einerseits sowie in der formellen Ökonomie andererseits. Bei gegebenen Interdependenzen zwischen diesen beiden Sektoren führen wirtschaftspolitische Maßnahmen - gerade solche der (De-) Regulierung - zu Größenverschiebungen, welche die Variabilität der Umlaufgeschwindigkeit erklären können. Die Ergebnisse werden innerhalb eines allgemeinen Gleichgewichtsansatzes abgeleitet.

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Arnold, Ivo J. M.
"Geldmengensteuerung in der EWU: Lehren aus den Vereinigten Staaten"

Die wirtschaftlichen Argumente zugunsten einer Geldmengensteuerung zu Beginn der dritten Stute der EWU basieren auf der Annahme einer stabilen europäischen Geldnachfrage und auf den Auswirkungen von Geldmengezielen auf die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken. Regionale Daten aus den vereinigten Staaten zeigen, dass in einer Währungsunion sich die Geldmengenaggregate eng aufeinander zu bewegen. Dagegen wird die Stabilität der konstruierten europäischen Geldaggregate aufgrund des Fehlens gleichgerichteter Bewegungen der monetären Aggregate der europäischen Länder bewirkt. Dieser Vergleich deutet darauf hin, daß die derzeit vorhandenen Untersuchungen über die europäische Geldnachfrage die Stabilität derselben in der künftigen EWU um mehr als 30 % zu hoch anzusetzen. Dieser Beitrag warnt daher vor einer Hochrechnung empirischer Erkenntnisse über die europäische Geldnachfrage auf Stufe drei. In Anbetracht der die europäische Geldnachfrage umgebenden Ungewissheiten begründet sich das Argument für die Geldmengensteuerung gleich zu Beginn der EWU ausschließlich auf dem angenommenen Glaubwürdigkeitseffekt der Ankündigung von Zielen für das Geldmengenwachstum.

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Schmidt, Hartmut und Oesterhelweg, Olaf und Treske, Kai
"Der Strukturwandel im Börsenwesen: Wettbewerbstheoretische Überlegungen und Trends im Ausland als Leitbilder für den Finanzplatz Deutschland"

Der ZEUS-Bericht enthält das strategische Programm, mit dem sich die Deutsche Börse AG (DBAG) zur führenden Börsenorganisation in der europäisch Zeitzone entwickeln will. In dieser Untersuchung geht es darum, zu analysieren und zu beurteilen, wie sich die Pläne der DBAG auf die Position des Finanzplatzes Deutschland im internationalen Markt der Börsen auswirken. Als Referenzpunkt wird nicht der gegenwärtige Zustand gewählt, sondern die absehbare Entwicklung im Börsenwesen. Um sie zu erkennen, bieten sich zwei Wege an: grundlegende evolutions- und wettbewerbstheoretische Überlegungen und eine Extrapolation im Ausland beobachtbarer Trends. Deswegen wird der Strukturwandel im Börsenwesen Englands und der Vereinigten Staaten perspektivisch beleuchtet.

Wer sich an den international absehbaren Entwicklungen orientiert, der wird eher nicht damit rechnen, daß allein die Verwirklichung der Pläne der DBAG den Finanzplatz Deutschland im internationalen Wettbewerb um einen großen Sprung nach vorn führt. Entscheidend ist, was die Börsenmitglieder im Wettbewerb untereinander aus der Umstellung machen. Sollte das Frankfurter EHS der Anstoß einem Wettbewerb deutscher Institute und Institutsgruppen im Bereich der Ergänzungssysteme sein, würde es inländische Rivalitäten auslösen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Deutschland rasch verbessern.

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Bruhn, Manfred
"Messung und Sicherstellung der Dienstleistungsqualität im Kreditgewerbe - Ansatzpunkte eines umfassenden Qualitätsmanagements im Finanzdienstleistungssektor (Teil I)"

Die Diskussion der Themenbereiche Dienstleistungsqualität (aus Unternehmensperspektive) bzw. Kundenzufriedenheit (aus Kundenperspektive) hat im Finanzdienstleistungssektor in den vergangenen Jahren beträchtlich an Intensität gewonnen. Eine in weiten Bereichen zu beobachtende Neudefinition der Wettbewerbsregeln führt zu der Notwendigkeit der Entwicklung und Umsetzung eines kundenorientierten Qualitätsmanagementsystems, in das alle Unternehmenseinheiten und auch die Kunden einbezogen werden müssen.

Der erste Teil des Beitrages thematisiert die Bedeutung des Qualitätsmanagements für den Dienstleistungssektor, wobei vor allem auf die aktuellen Entwicklungen der Finanzdienstleistungsmärkte Bezug genommen wird. Aus der Mehrstufigkeit des Dienstleistungserstellungsprozesses resultiert die Notwendigkeit einer multiperspektivischen Betrachtung, die die involvierten Unternehmenseinheiten einbezieht. Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, werden im Rahmen des FINSERV-GAP-Modells sechs zentrale "Lücken" diskutiert, die die Realisierung der Dienstleistungsqualität beeinträchtigen können und somit für das Qualitätsmanagement von besonderer Bedeutung sind.

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Berichte

Reischle, Julian
"Divisa- Geldmengenindex: Ein Vorschlag zur theoretisch korrekten Erfassung des Geldes"

Der vorliegende Beitrag analysiert den Vorschlag, "Geld" nicht durch ungewichtete Summenaggregate, sondern durch einen Divisia-Geldmengenindex zu definieren. Die zwei tragenden Säulen dieses Vorschlags sind die (mikroökonomische Aggregationstheorie und die statistische Indexzahlentheorie. Ausgangspunkt für die aggregationstheoretischen Überlegungen ist das Optimierungsverhalten eines Wirtschaftssubjektes, in dem "Geld" Nutzen stiftet, weil es die Zahlungsmitteleigenschaft besitzt. Jedes sinnstiftende Aggregat muß "konsistent" mit dem Maximierungsverhalten sein. Die entscheidende Bedingung für die Klassifikation in "Geld" ist dabei die schwache Separierbarkeit der Geldkomponenten. Diese läßt sich sowohl mit Hilfe parametrischer als auch nichtparametrischer Tests überprüfen. Auf eine Spezifizierung der Aggregationsfunktion kann auch deshalb verzichtet werden, da sich jede beliebige Funktion durch eine Gruppe besonders geeigneter (,,superlativischer") Indexzahlen approximieren läßt. Zu der Klasse superlativischer Indexzahlen gehört unter anderem der (zeitstetige) Divisia- Index und seine zeitdiskrete Approximation (Törnqvist-Theil-Index). Problematisch am Divisa- Ansatz sind neben einer Kritik an den mikroökonomischen Grundlagen (z. B. am Modell eines repräsentativen nutzenmaximierenden Akteurs oder am direkten Geldnutzen) insbesondere die empirischen Umsetzungsprobleme in bezug auf den Preis der Geldkomponenten ("User-costs"). In der Praxis erweist sich die notwendig werdende Modifikation der anhand von beobachtbaren Marktzinsen ermittelten User- costs als schwierig, so daß diese die Zahlungsmitteleigenschaft der Geldkomponenten kaum korrekt widerspiegeln und zu einer Verzerrung der Gewichte im Divisia- Index führen.

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