KREDIT und KAPITAL - Heft 2/1998


Inhalt


Abhandlungen

Nautz, Dieter
Wie brauchbar sind Multiplikatorprognosen für die Geldmengensteuerung der Bundesbank?

Schimmelpfennig, Axel
Die deutsche Vereinigung und das Leistungsbilanzdefizit

Bieta, Volker und Gelbhaar, Siegfried
Öffentliche Finanzinstitute als subventionspolitische Agenten

Freisleben, Bernd und Ripper, Klaus
Statistische Analyse des Zinsprozeßrisikos von Anleihen und zinsderivativen Wertpapieren


Berichte

Feldmann, Horst
Das geldpolitische Instrumentarium des Europäischen Systems der Zentralbanken - Eine Analyse des EWI- Vorschlags


Buchbesprechungen

Traud, Gertrud Rosa
Optimale Währungsräume und europäische Integration (Christoph Harff)

Knies, Carl
Das Geld. Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, mit einer Vorerörterung über das kapital und die Übertragung der Nutzungen. Faksimile- Nachdruck der 1873 erschienenen Erstausgabe mit einem Kommentarband mit Beiträgen von Karl Häuser, Gottfried Eisermann und Kiichiro Yagi (Dieter Fritz- Aßmus)


Zusammenfassungen

Nautz, Dieter
"Wie brauchbar sind Multiplikatorprognosen für die Geldmengensteuerung der Bundesbank?"

Die Frage nach der Steuerbarkeit der Geldmenge wird in empirischen Arbeiten üblicherweise auf die Frage nach der Vorhersagbarkeit Geldangebotsmultiplikatoren reduziert. In dieser Arbeit wird untersucht, wie sinnvoll diese Herangehensweise bei der empirischen Untersuchung des Geldangebotsprozesses in der Bundesrepublik ist. Im Rahmen einer Kointegrationsanalyse und mit Hilfe von Granger- Kausalitätstests wird gezeigt, dass keines der betrachteten Geldmengenaggregate über Veränderungen der Geldbasis gesteuert wird. Prognosen von Geldangebotsmultiplikatoren sind für die Geldmengensteuerung der Bundesbank daher bedeutungslos. (JEL E 51, E 52)

hoch


Schimmelpfennig, Axel
"Die deutsche Vereinigung und das Leistungsbilanzdefizit"

Der Saldo der deutschen Leistungsbilanz hat sich nach langjährigen Überschüssen im Zuge der Vereinigung erstmals wieder negativiert. Es wird ein theoretisches Modell spezifiziert, dass den Elastizitäten- , den monetaristischen und den Absorptionsansatz umfasst. Zusätzlich wird die private Ersparnis mit einem Lebenszyklusmodell in einem Modell sich überlappender Generationen erklärt. Das resultierende System von zwei Gleichungen wird mit Hilfe der Kointegrationsanalyse geschätzt. Die private Ersparnis und die Staatsersparnis werden als wichtigste Determinanten der Leistungsbilanz identifiziert. Die vereinigungsbedingte Erhöhung des öffentlichen Haushaltsdefizits ist folglich wesentlich für den negativen Leistungsbilanzsaldo nach 1990 verantwortlich. Mit Hilfe des Primärdefizits und der Unterscheidung von Half- und Full- Debt- Cycles wird gezeigt, dass das gegenwärtige Leistungsdefizit sich leicht von dem derzeit noch nachhaltigen Entwicklungspfad entfernen kann. (JEL C 32, F 4, H 62)

hoch


Bieta, Volker und Gelbhaar, Siegfried
"Öffentliche Finanzinstitute als subventionspolitische Agenten - Mechanismen politischer Kreditvergabe in "Pooling-/ Separating- Gleichgewichten"

Bei der Vergabe und Abwicklung subventionspolitischer Darlehen sind die ausführenden Kreditinstitute häufig mit komplexer Unsicherheit konfrontiert: Diese besteht zum einen hinsichtlich des Schuldnerverhaltens, da dem Kreditgeber nicht immer bekannt ist, mit welchem Typ von Kreditnehmer zu verhandeln ist, und wie dieser sich nach Vertragsabschluss verhalten wird. Zum anderen werden Unsicherheiten durch politische und durch bankinterne Abstimmungs- und Koordinationsprozesse generiert. Aus Sicht der Bank ist deshalb auf der einen Seite ein geeignetes und kostengünstiges Management potentieller Unsicherheitsfaktoren erforderlich. Auf der anderen Seite sollen aber die Souveränitätsrechte potentieller Förderungsempfänger nicht übermäßig eingeschränkt werden, damit die durch die Kreditvergabe angestrebten wirtschaftspolitischen Ziele auch tatsächlich realisiert werden können. Der vorliegende Beitrag analysiert einen Kreditvertrag, in dessen Rahmen spezifische Anreizmechanismen das Verhalten eines Schuldners unter Verzicht auf ein "hartes" Kontraktdesign, d.h. ohne rigide Kontrollmaßnahmen und Verhaltensvorschriften konditionieren. Dabei erweist sich, dass ein "weiches" Kontraktdesign mit Anreizmechanismen zum Aufbau der Reputation als "gutes" Kreditrisiko Handlungen des Schuldners verhindern kann, welche anderenfalls dem Interesse des Subventions- bzw. Darlehensgebers zuwiderlaufen würden. Vor dem Hintergrund politökonomischer Erwägungen werden auf dieser Grundlage charakteristische Besonderheiten öffentlicher Kreditinstitute präzisiert, welche die politische Diskussion über "verselbständigte Verwaltungseinheiten" im Bankensektor um eine strategische Perspektive erweitern. (JEL C 7, G 2, H 3)

hoch


Freisleben, Bernd und Ripper, Klaus
"Statistische Analyse des Zinsprozessrisikos von Anleihen und zinsderivativen Wertpapieren"

In diesem Beitrag wird das Zinsprozessrisiko von festverzinslichen Anleihen und zinsderivativen Wertpapieren untersucht. Anhand der Hauptkomponentenanalyse wird für den deutschen Kapitalmarkt gezeigt, dass sich die Risikokomponente eines Rentenportfolios auf drei wesentliche Faktoren zurückführen lässt. Die Ergebnisse der Hauptkomponentenanalyse werden in Bezug zu herkömmlichen Risikokennziffern gesetzt. Hierbei wird deutlich, dass die Fisher- Weil- Duration als Risikokennziffer für die meisten Rentenportfolios ausreichend ist. Lediglich bei Portfolios, die zum Teil aus zinsderivativen Produkten bestehen, ist der Einsatz der aufwendiger zu ermittelnde Key- Ratze- Duration gerechtfertigt. (JEL G 11)

hoch


Berichte

Feldmann, Horst
"Das geldpolitische Instrumentarium des Europäischen Systems der Zentralbanken - Eine Analyse des EWI- Vorschlags"

Das Europäische Währungsinstitut (EWI) hat 1997 einen Vorschlag für das geldpolitische Instrumentarium des Europäischen Systems der Zentralbanken vorgelegt. Der Vorschlag enthält drei Arten von Instrumenten: Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten und Mindestreserven. Alle drei Arten von Instrumenten werden im vorliegenden Aufsatz näher analysiert. Dabei wird zum einen herausgearbeitet, inwiefern sich die Instrumente von den heutigen der Bundesbank unterscheiden. Zum anderen werden die vorgeschlagenen Instrumente anhand der Kriterien geldpolitische Effizienz, ordnungspolitische Konformität und Dezentralität der Anwendung beurteilt. Abschließend wird aufgezeigt, welche Fragen nach der Vorlage des EWI-Vorschlags noch geklärt werden müssen und welche geldpolitischen Risiken mit der Europäischen Währungsunion verbunden sind. (JEL E 5)

hoch





Zurück zur Archivübersicht