KREDIT und KAPITAL - Heft 1/2002


Inhalt


Abhandlungen

Chu, Kam Hon
Do Free Banks Overexpand in Unison? Time Series Evidence from Hong Kong 1954-1966

Buch, Claudia M. und Golder, Stefan M
Domestic and Foreign Banks in Germany: Do they Differ?

Borchert, Manfred
Will West European Banks Affect Monetary Control?

Schirmeister, Raimund und Nadler, Michael
Effiziente Wohnungsfinanzierungssysteme für Entwicklungs- und Transformationsländer - Ein Transfer der Globalstrategien und Resolutionen der Vereinten Nationen auf die Ebene der Finanzdienstleistungen


Berichte

Schäfer, Henry und Stederoth, Ralf
Portfolioselektion und Anlagepolitik mittels Ethik-Filtern ein Überblick zum Stand der empirischen Kapitalmarktforschung



Buchbesprechungen

Oehler, Andreas und Unser, Matthias
Finanzwirtschaftliches Risikomanagement (Christian Pohnke)

Binswanger, Mathias
Stock Markets, Speculative Bubbles and Economic Growth. New Dimensions in the Co-evolution of Real and Financial Markets (Wolfgang Filc)


Zusammenfassungen

Chu, Kam Hon
"Konzertierte Überexpansion in einem freien Bankensystem? Beweis in Form von Zeitreihen für Hongkong, 1954-1966"

Dieser Beitrag bedient sich der Integrationsanalyse nach Engle- Granger, um die Stichhaltigkeit der Hypothese einer konzertierten Überexpansion in einem freien Bankensystem zu testen. Es wird das im Zeitraum 1954- 1966 in höchstem Maße unregulierte Bankensystem Hongkongs einer Prüfung unterzogen. Die Ergebnisse deuten auf die Existenz einer langfristigen Beziehung zwischen den aggregierten realen Bankdarlehen und dem realen Bruttoinlandsprodukt hin. Ferner zeigt das Fehlerkorrekturmodell, daß sich bei Bankdarlehen langfristige Abweichungen in dem Sinne "selber korrigiert haben", daß die in einem Jahr über das langfristige Gleichgewichtsniveau hinausgehenden realen Ausleihungen im darauffolgenden Jahr von einer Kontraktion abgelöst worden sind und umgekehrt. Die Zeitreihenergebnisse werden durch weitere Untersuchungen der Zuwachsraten für die Darlehensgewährung individueller Banken untermauert. Insgesamt weisen die Ergebnisse die Hypothese einer konzertierten Überexpansion als nicht haltbar zurück.

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Buch, Claudia M. und Golder, Stefan M
"In- und ausländische Banken in Deutschland: Gibt es Unterschiede?"

Der deutsche Bankenmarkt ist durch einen geringen Marktanteil von Auslandsbanken charakterisiert, was darauf hindeutet, daß in- und ausländische Banken in unterschiedlichen Marktsegmenten tätig sind. In diesem Beitrag wird eine Reihe von Tests angewandt, mit denen gezeigt werden soll, inwieweit die Tätigkeiten von In- und Auslandsbanken verbunden sind. Auf der Grundlage von Daten für die Jahre 1986- 1999 finden wir keine Evidenz dafür, daß die Tätigkeiten in- und ausländischer Banken von denselben Determinanten bestimmt werden. Dies gilt sowohl für die verschiedenen Typen inländischer Banken (Sparkassen und Großbanken) als auch für die unterschiedlichen Geschäftsfelder (Kredite und Einlagen jeweils von Banken und Nichtbanken), die wir berücksichtigen.

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Borchert, Manfred
"Werden westeuropäische Banken eine Geldmengenkontrolle umsetzen?"

Ziel dieser Studie ist es, die Geschäftsausrichtung der größten europäischen Banken zu analysieren, um daraus Erkenntnisse in bezug auf die mögliche Wirksamkeit einer Geldmengenkontrolle zu gewinnen. In einer Querschnittanalyse werden (unter Verwendung von Daten der 51 größten europäischen Banken) die auf die Darlehensgewährung der Banken einen Einfluß ausübenden Variablen miteinander in Beziehung gesetzt; hierauf erfolgt eine Analyse von Faktoren in bezug auf (a) Bilanzpositionen, um die Bedeutung von Aktiva bei der Kreditvergabe herauszukristallisieren, und (b) Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung, um die Bedeutung von Einflußfaktoren außerhalb der Bilanz bei der Kreditbeschaffung zu ermitteln. Es erweist sich, daß Kredite zunehmend durch Komponenten refinanziert werden, die nicht der Geldmengenkontrolle unterliegen.

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Schirmeister, Raimund und Nadler, Michael
"Effiziente Wohnungsfinanzierungssysteme für Entwicklungs- und Transformationsländer - Ein Transfer der Globalstrategien und Resolutionen der Vereinten Nationen auf die Ebene der Finanzdienstleistungen -"

Dem Wohnungssektor kommt aus Sicht der Vereinten Nationen und der Weltbank eine Schlüsselstellung für Wachstum und Entwicklung einer Volkswirtschaft zu. Zur Realisierung privater Wohnungsinvestitionen werden aus ihrer Sicht inländische Finanzintermediäre benötigt. Die vorliegende Studie empfiehlt zur Umsetzung dieser Strategie die Einführung kollektiver Zwecksparinstitutionen. In Verbindung mit entwicklungspolitisch später zu etablierenden Hypothekenbanken resultiert hieraus ein effizientes Wohnungsfinanzierungssystem im Sinne des "Sustainable Development of Human Settlement". Unter der Prämisse, daß für Entwicklungs- und Transformationsländer preisindexierte Finanzdienstleistungen adäquat sind, die Wohnungsprobleme der jeweiligen Bevölkerung abzuschwächen, zeigt diese Systemkombination auch deutliche Vorzüge gegenüber anderen Wohnungsfinanzierungsalternativen, die insbesondere durch die angloamerikanische Denkweise geprägt sind. (JEL G 2, F 3, O 0, R 0)

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Berichte

Schäfer, Henry und Stederoth, Ralf
"Portfolioselektion und Anlagepolitik mittels Ethik-Filtern - ein Überblick zum Stand der empirischen Kapitalmarktforschung"

Nach Ethik-Kriterien ausgerichtete Portfolios und Strategien in der Anlagepolitik haben in den vergangenen Jahren insbesondere auf angelsächsischen Finanzmärkten eine zunehmende Verbreitung erfahren und ,,Ethical Stock Picking" wird in den USA seit den 70er Jahren kontinuierlich wissenschaftlich analysiert. Ethisch strukturierte Portfolios unterliegen grundsätzlich einer aktiven Anlagepolitik, die nach Prinzipien des Style Investing erfolgt. Im kapitalmarkttheoretischen Kontext stellen solche Portfolios a priori ineffiziente Lösungen dar, die Investoren Kosten mangelnder Diversifikation und unvollständiger Kompensation für das unsystematische Risiko aufbürden. Die meisten empirischen Studien zur Analyse des ,,Ethical Stock Picking" operieren im CAPM oder Modellen der APT. Eine weitere Gruppe legt methodisch Ereignis-Studien zugrunde. Nach Auswertung der bisher vorliegenden empirischen Arbeiten kann für ethisch-ökologisch ethisch-sozial gefilterte Portfolios insgesamt keine eindeutige Underperformance nachgewiesen werden, wie es aufgrund der kapitalmarkttheoretischen Indikation zu erwarten wäre. In zahlreichen Studien wurde darüber hinaus eine Outperformance ethisch gefilterter Portfolios gegenüber der Benchmark festgestellt. Insgesamt zeichnen sich die Studien durch eine hohe Heterogenität in den endeten Methoden aus. Der vorliegende Beitrag versteht sich als Überblick Stand der empirischen Forschung. Auch werden mit den Erkenntnissen aus einzelnen empirischen Studien weitere Indizien für die derzeit in Gang befindliche kritische Auseinandersetzung mit den gängigen Kapitalmarktmodellen und Ansatzpunkte zu deren Weiterentwicklung geliefert. (JEL G 11)

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