KREDIT und KAPITAL - Heft 3/2002


Inhalt


Abhandlungen

Smant, David J. C.
Has the European Central Bank Followed a Bundesbank Policy? Evidence from the Early years

Bikker, Jacob A.
Efficiency and Cost Differences Across Countries in a Unified European Banking Market

Masciandaro, Donato
Why Shylock Can be Efficient - A Theory of Usury Contracts

Grunert, Jens und Schiereck, Dirk
Marktreaktionen und Bilanzstruktur bei Kapitalerhöhungen am Neuen Markt

Bruinshoofd, Allard und Diederen, Bert und Letterie, Wilko
Internal Capital Markets in Dutch Firms


Berichte

Vaubel, Roland
Geschichtsforschungen zu dem Buch von Kenneth Dyson und Kevin Featherstone "The Road to Maastricht"


Buchbesprechungen

Graff, Michael
Finanzielle Entwicklung und reales Wirtschaftswachstum (Jürgen Ehlgen)


Zusammenfassungen

Smant, David J. C.
"Hat die Europäische Zentralbank eine Bundesbankpolitik verfolgt?

Beweise aus den ersten Jahren"

Dieser Beitrag vergleicht die tatsächlichen Geldmarktzinssätze im Währungsgebiet des Euro mit einem hypothetischen Satz, der aus der Reaktionsfunktion der Bundesbank in der Zeit vor 1999 abgeleitet worden ist. Daraus ergibt sich, dass nach einem anfänglichen Zeitraum mit Zinssätzen, die niedriger als erwartet waren, die EZB mindestens ab Mitte 2000 den Zins auf einem mit der alten politischen Regel der Bundesbank konsistenten Niveau festgesetzt hat.

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Bikker, Jacob A.
"Effizienz und Kostendifferenzen im Ländervergleich auf einem geeigneten europäischen Bankenmarkt"

In diesem Beitrag werden Niveau und Streuung der Effizienz von Banken in der EU untersucht. Bankeffizienz ist im Lichte des derzeitigen sowie des zu erwartenden stärkeren Wettbewerbs in Europa für eine auf das Sozialleistungssystem bezogene staatliche Politik auf dem Weg zu marktwirtschaftlich geprägten Strukturen und Verhaltensweisen von besonderer Bedeutung. Die vorliegende Untersuchung vergleicht insbesondere Länder, unterschiedlich dimensionierte Banken (die Ausdruck bestehender unterschiedlicher Marktsegmente sind), verschiedene Bankenkategorien und deren Entwicklung über die Zeit. Es werden zwei Effizienzen geprüft, die zwar aufeinander bezogen sind, jedoch unterschiedliche Dimensionen haben: (i) X- Effizienz sowie Managementfähigkeiten und (ii) Unterschiede im Kostenniveau. Letztere spiegeln die volkswirtschaftlichen und institutionellen Regeln wider, die für die staatliche Aufsicht, die Einflussnahme des Staates, für Kundenvorlieben und für das Entwicklungsniveau gelten. Im Durchschnitt scheint das Kostenniveau der luxemburgischen Banken 20 % unter dem europäischen Durchschnitt zu liegen und das Kostenniveau in Spanien und Griechenland 30 % darüber. Die X- Ineffizienzergebnisse sind ähnlich, möglicherweise auf Grund der ein wenig geringeren Streuung. Große Banken sind doppelt so ineffizient wie kleine. Offenbar manifestieren sich Defizite in Managementfähigkeiten bei großen Finanzinstituten schneller. Die Ineffizienzen im Jahre 1997 waren fast 45 % geringer als im Jahr 1990. Offenbar haben Deregulierung, Liberalisierung und kontinuierliche finanzielle und monetäre Integration in der EU den Wettbewerbsdruck im Zeitablauf erhöht und die europäischen Banken dazugezwungen, wirtschaftlicher zu arbeiten. Diese Untersuchung liefert Beweise dafür, dass Schätzungen der X- Effizienz in auf ein einziges Land bezogenen Studien, die man häufig in der Fachliteratur antrifft, sehr leicht irreführend sein können. Die breite Streuung bei den Ineffizienzen und Kostenhöhen lässt erkennen, dass der Prozess von Scaling- Up und Rationalisierung mit dem Ziel, ausländischem Wettbewerb zu begegnen, für zumindest einen Teil der Banken gerade erst begonnen hat.

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Masciandaro, Donato
"Warum Shylock effizient sein kann - Eine Theorie über Wucherverträge"

In diesem Beitrag demonstrieren wir die Besonderheit von Wucherverträgen in bezug auf Bankdarlehen. Wucher ist gewöhnlich ein ineffizientes Ergebnis versagender Kreditmärkte. In unserem dynamischen Mikromodell dagegen kann Wucher effizienter sein als mit Banken geschlossene Darlehensverträge, weil in Anbetracht spezifischer Kenndaten für ungesetzliche Wuchermethoden und für eine auf seiten des Unternehmens festzustellende abnehmende Risikoaversion Neuverhandlungen wahrscheinlicher sind. Es wird ebenfalls bewiesen, dass ein hohes Zinsniveau weder eine notwendige noch eine ausreichende Bedingung für das Vorliegen von Wucherverträgen darstellt.

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Grunert, Jens und Schiereck, Dirk
"Marktreaktionen und Bilanzstruktur bei Kapitalerhöhungen am Neuen Markt"

Das Börsensegment Neuer Markt wird durch Aktien geprägt, die sich durch besonders dynamische Wachstumsaussichten auszeichnen sollen. Schnell wachsende Unternehmen benötigen zur Finanzierung ihrer Geschäftstätigkeit vergleichsweise häufig auch zusätzliches Eigenkapital. Dementsprechend ist für dieses Marktsegment von einer hohen Anzahl von Kapitalerhöhungen auszugehen, und in der Tat gibt es entsprechende empirische Evidenz.

Die vorliegende Untersuchung zeigt zum einen, welche Kursreaktionen zu beobachten sind, wenn Unternehmen des Neuen Marktes Kapitalerhöhungen ankündigen, und wie die Performance dieser Aktien im Vorfeld und nach Durchführung der Kapitalmaßnahme aussieht. Zum zweiten wird die Bilanzstruktur im zeitlichen Umfeld der Kapitalerhöhungen betrachtet und dabei u. a. der Frage nachgegangen, inwieweit gezielt von bilanzpolitischen Instrumenten Gebrauch gemacht wird, um ein für die Kapitalerhöhung möglichst attraktives Unternehmensbild zu kommunizieren.(JEL G 14)

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Bruinshoofd, Allard und Diederen, Bert und Letterie, Wilko
"Interne Kapitalmärkte in niederländischen Unternehmen"

Unter Verwendung von Daten auf Segmentebene für den Zeitraum 1995- 1998 untersuchen wir die Präsenz von internen Kapitalmärkten. Wir gelangen zu folgenden Schlussfolgerungen: Erstens haben wir für diversifizierte Unternehmensgruppen wenig Beweise für die Existenz von internen Kapitalmärkten gefunden. Zweitens zeugen die Investitionen eines Unternehmenssegments, das eine Financial Holding oder ein mit einem Finanzinstitut in Beziehung stehendes Segment beinhaltet, von beachtlicher Sensitivität gegenüber den Geldströmen der anderen Unternehmenssegmente, nicht jedoch gegenüber den eigenen Geldströmen. Diese Erkenntnis deutet auf die Existenz eines internen Kapitalmarktes hin. Drittens und letztens zeugen Investitionen von Segmenten stark verschuldeter Unternehmen von einer beachtlichen Sensitivität lediglich gegenüber den eigenen Geldströmen, und die Investitionen von Segmenten leicht verschuldeter Unternehmen werden ausschließlich zu den Investitionsmöglichkeiten der betreffenden Segmente in eine Beziehung gesetzt.

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