KREDIT und KAPITAL - Heft 4/2002


Inhalt


Abhandlungen

Jarchow, Hans-Joachim
Feste oder flexible Wechselkurse? – Erfahrungen vom Goldstandard bis zur Gegenwart

Läufer, Nikolaus K. A.
Seignorage-Pool der EWU, Pool-Verzerrung und Seignorage-Veränderungen durch den Euro

Conrad, Christian A. und Stahl, Markus
Parallels with the 1920s Stock Market Boom and the Monetary Policy

Theissen, Erik
Internalisierung und Marktqualität: Was bringt Xetra Best?

Schäfer, Dorothea
Restructuring Know-how and Collateral


Berichte

Heilemann, Ullrich
Good Policies and Good Luck – What the U.S. "Fabulous Decade" teaches us and what it does not


Buchbesprechungen

Löffler, Andreas
Ein Paradox der Portfoliotheorie und vermögensabhängige Nutzenfunktionen. Mikroökonomische Fundierung (Wolfgang Breuer)


Zusammenfassungen

Jarchow, Hans-Joachim
"Feste oder flexible Wechselkurse? - Erfahrungen vom Goldstandard bis zur Gegenwart"

Der vorliegende Beitrag greift im Hinblick auf das Thema währungspolitische Erfahrungen aus einem Zeitraum von mehr als 120 Jahren auf. Sie beziehen sich auf den klassischen Goldstandard, das Bretton-Woods-System, die europäische Währungsintegration, den Transformationsprozess osteuropäischer Länder und jüngere Finanz- und Währungskrisen. Bei der Auswertung werden zwei Hypothesen besonders hervorgehoben und durch währungspolitische Erfahrungen belegt: 1. Bei liberalisiertem internationalen Kapitalverkehr und festen Wechselkursen verliert ein Land seine geldpolitische Autonomie in der Stabilisierungspolitik. 2. Eine Wechselkursanbindung an eine als Stabilitätsanker fungierende Währung kann sich bei der Rückführung hoher Inflationsraten als hilfreich erweisen, führt aber u.U. auf längere Sicht zu einer Gefährdung der internationale Wettbewerbsfähigkeit des betreffenden Landes. Unter Einbeziehung auch von Erfahrungen mit der größeren Wechselkursflexibilität nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems lautet die Antwort auf die im Thema gestellte Wechselkursfrage als Fazit aus den währungspolitische Erfahrungen folgendermaßen: Flexibel oder wenn fest, dann glaubwürdig fest.(JEL F 31, F 33)

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Läufer, Nikolaus K. A.
"Seignorage- Pool der EWU, Pool- Verzerrung und Seignorage- Veränderungen durch den Euro"

Zur Bestimmung der Seignorage- Veränderung durch die EWU wird der bisher noch immer fehlende kapitaltheoretische Rahmen entwickelt. Dabei wird auch die Rolle des Seignorage- Pooling der EWU geklärt. Es wird gezeigt, dass das Pooling aus zwei Komponenten besteht, einer dynamischen und einer statischen Komponente. Die dynamische Komponente sorgt dafür, dass der Pool als Versicherung der Seignorage gegen Schwankungen der nationalen Marktanteile am europäischen Geldbasismarkt wirkt. Die statische Komponente misst dagegen eine problematische Pool- Verzerrung. Das Seignorage- Modell wird schließlich in einer Simulation mit zwei Szenarien zur Bestimmung der Seignorage- Veränderung durch die EWU angewandt. Dabei klärt sich die Relevanz bisheriger, in der Literatur vorfindbarer Schätzungen der Seignorage- Veränderungen. Schließlich wird die Bedeutung der Zentralbankbeschlüsse (vom 6.Dezember 2001) zum Seignorage- Pooling untersucht. Außerdem werden alternative Konzepte und Ansätze diskutiert und die Rolle der Inflation analysiert. (JEL E 59,F 33,F 36)

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Conrad, Christian A. und Stahl, Markus
"Parallelen des amerikanischen Börsenbooms der 20er und 90er Jahre vor dem Hintergrund geldpolitischer Einflußfaktoren"

Vor dem Hintergrund der starken Aufwärtsbewegungen an der amerikanischen Börse in den 20er und 90er Jahren untersucht der vorliegende Aufsatz, inwiefern die Geldpolitik die Börsenentwicklung in den zwei Dekaden beeinflusst hat. Die Geldpolitik reagierte in den 90er Jahren ähnlich wie in den 20er Jahren. Nachdem der Börsenaufschwung zunächst von niedrigen Zinsen unterstützt wurde, versuchte die amerikanische Notenbank, den Boom ab einem gewissen Ausmaß durch Zinserhöhungen zu stoppen. Später, als sich ein möglicher Crash mit negativen Entwicklungen auf die realwirtschaftliche Entwicklung abzeichnete, versuchte die US-Notenbank, anders als 1929, einen starken Kurseinbruch durch massive Zinssenkungen aufzufangen. Bezogen auf den Zeitraum war dies die heftigste Zinssenkungsaktion in der Geschichte der amerikanischen Notenbank. Wie der vorliegende Aufsatz zeigt, gibt es einige Faktoren, die auf eine spekulative Blase sowohl in den 20er Jahren als auch in den 90er Jahren und auch auf einen starken Einfluß der Geldpolitik hinweisen.

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Theissen, Erik
"Internalisierung und Marktqualität: Was bringt Xetra Best?"

Die Deutsche Börse AG plant, im September 2002 ein als Xetra Best bezeichnetes System einzuführen, das es Banken und Brokern erlaubt, Aufträge von Privatanlegern zu internalisieren, also selbst als Gegenpartei dem Kunden gegenüber aufzutreten. Zudem soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass Institute Aufträge ihrer Kunden (unter Umständen gegen Entgelt) an andere Institute weitergeben, die sie dann intern ausführen. Sowohl die Internalisierung als auch die Weiterleitung bzw. der Verkauf von Aufträgen können negative Auswirkungen auf die Marktqualität haben. Der vorliegende Beitrag untersucht die vor- und Nachteile derartiger Praktiken. Dabei wird auf Erkenntnisse aus den USA zurückgegriffen, wo man bereits seit längerem Erfahrungen damit gemacht hat. Es werden Gestaltungsempfehlungen abgeleitet, die insbesondere die Forderung nach höherer Transparenz und eine strengere Interpretation des Begriffs "best execution" umfassen. (JEL G 10)

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Schäfer, Dorothea
"Restrukturierungsexpertise und Kreditsicherheit"

Hausbanken sind oft in die Restrukturierung und Sanierung ihrer notleidenden Firmenkunden involviert. Dieses Papier analysiert den Anreiz von Banken zum Aufbau von Restrukturierungsexpertise. Insbesondere untersuchen wir, wie diese Anreize durch Kreditsicherheiten beeinflusst werden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Banken einen starken Anreiz haben, Restrukturierungsexpertise aufzubauen, wenn ihre Marktmacht groß ist oder wenn sie Großkredite gewähren. Private Kreditsicherheiten und Restrukturierungsexpertise sind Substitute. Da Restrukturierungsexpertise unternehmensinterne Kreditsicherheiten vor dem Werteverfall bewahrt, ist davon auszugehen, dass zuverlässige empirische Resultate zur ökonomischen Wirkung von Kreditsicherheiten zwingend eine klare Trennung zwischen Unternehmensinternen und externen Sicherheiten voraussetzen.

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Reports

Heilemann, Ullrich
"Gute Politik und Glück - Was uns die fabelhaften 90er Jahre der USA lehren und was nicht"

Die Arbeit von Blinder/Yellen ist eine der ersten, die sich mit dem makroökonomischen Hintergrund des langen Aufschwungs der USA in den 90er Jahren auseinandersetzt. Sie arbeitet eindrucksvoll das gute Zusammenspiel von Geld- und Finanzpolitik und die Rolle einer Reihe ,,glücklicher Umstände" heraus, die den USA auch in der Boomphase 1996 bis 2000 ein kräftiges, inflationsfreies Wachstum ermöglichen. Die Darstellung leidet allerdings darunter, daß aus dieser kurzen spannungsfreien Periode bereits sehr weitgehende Schlußfolgerungen bezüglich der Stabilisierungsmöglichkeiten der Geldpolitik gezogen werden. Hinzu kommt, daß das Erbe der Clinton-Jahre – Außenhandelsdefizit, Verschuldung, niedrige Sparquote bzw. Überinvestition und -konsumtion – praktisch orientiert wird. Auch insofern ist das von Blinder/Yellen gezeichnete Bild erheblich zu relativieren.

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