KREDIT und KAPITAL - Heft 3/2003


Inhalt


Abhandlungen

Spiwoks, Markus
Qualität der Zinsprognose deutscher Banken - Eine empirische Analyse

Rehm, Hannes
Die Zinsbesteuerung in der Europäischen Union

Gischer, Horst und Jüttner, D. Johannes
Global Competition, Fee Income and Interest Rate Margins of Banks

Krämer, Walter
Die Bewertung und der Vergleich von Kreditausfall- Prognosen


Berichte

Klos, Alexander
Die Risikoprämie am deutschen Kapitalmarkt



Buchbesprechungen

Spiwoks, Markus
Vermögensverwaltung und Kapitalmarktprognose. Überprüfung der Prognosekompetenz ausgewählter deutscher Vermögensverwalter (Peter Andres)


Zusammenfassungen

Spiwoks, Markus
"Qualität der Zinsprognosen deutscher Banken - Eine empirische Analyse"

Zinsprognosen spielen eine bedeutende Rolle für verschiedene Bereiche des Bankgeschäftes. Die Ausweitung von historischen Prognosezeitreihen von 19 prominenten deutschen Bankhäusern nährt allerdings erhebliche Zweifel daran, dass die Anstrengungen der künftigen Zinsentwicklung erfolgreich sind. Es werden Prognosen der Rendite von DM- Staatsanleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit im Zeitraum von Oktober 1989 bis Dezember 1999 untersucht . Als Prognosegütemaß wir die Prognosequalitätsmatrix herangezogen, die ihrerseits auf dem Theilschen Ungleichheitskoeffizienten "neuer Art" (U2) und dem GOVA- Koeffizienten beruht. Es zeigt sich, dass sowohl alle 19 Prognosezeitreihen mit zwölfmonatigem als auch alle 19 Prognosezeitreihen mit dreimonatigem Prognosehorizont in die Kategorie der quasi-naiven Prognosen fallen und somit als Entscheidungsgrundlage ungeeignet sind. (JEL E 47, G 21, G 12)

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Rehm, Hannes
"Die Zinsbesteuerung in der Europäischen Union"

In dem Maße, in dem die Integration des Europäischen Kapitalmarktes voranschreitet, gewinnt die Harmonisierung der Besteuerung der Zinseinkommen an Bedeutung. Die effiziente Allokation von Kapital darf nicht durch zwischenstaatliche Steuergefälle belastet werden.

Nach einer mehr als vierzigjährigen Diskussion zeichnet sich nunmehr ein Ansatz ab, bei dem das Wohnsitzland- Prinzip durch ein System des Informationsaustausches und Quellensteuern verwirklicht wird. Das Informationsmodell soll im Wohnsitzstaat des Steuerpflichtigen die Deklaration der im Ausland erzielten Zinseinkommen sicherstellen. Jene EU- Staaten, in denen das Bankgeheimnis einen hohen Stellenwert besitzt, sollen für einen Übergangszeitraum bis Ende 2011 Quellensteuern auf die dort erzielten Zinseinnahmen erheben können. Deren Sätze müssen in dieser Zeitspanne von

15 % auf 35 % angehoben werden , um auch in diesen Staaten den Übergang auf den Informationsaustausch zu stimulieren. Ein besonderes steuerpolitisches Problem sind in diesem Zusammenhang die Schweiz sowie andere Drittstaaten, die ihren Status als Steueroase aufgeben und in diesen Ansatz übernehmen sollen.

Der deutsche Steuergesetzgeber könnte mit dem Satz für einen Zinsabschlag von 25 %, der ab 2005 auf die in Deutschland erzielten Zinseinkommen von Steuerinländern erhoben werden soll, einen Ansatz wählen, der mit der europäischen Lösung vereinbar wäre, sofern er in Umsetzung des europäischen Ansatzes auch die Weitergabe von Informationen über die in Deutschland erzielten Zinseinkünfte von Steuerausländern ermöglicht.

Sowohl die Eckwerte der EU- Richtlinien zur Zinsbesteuerung als auch der deutsche Ansatz sind unvollkommen, da erhebliche Lücken in der Erfassung der sachlichen und persönlichen Steuerpflicht bleiben. Das für die EU gewählte Modell ist insoweit eine pragmatische Konzession, als es die Eingriffsintensität in das nationale Steuerrecht relativ gering hält.

Es wird noch weiterer steuerpolitischer Anstrengungen bedürfen, um die verbliebenen Defizite der Zinsbesteuerung zu beseitigen und auch eine ökonomisch sinnvolle Abstimmung der Belastung der Zinseinkommen mit der ebenfalls notwendigen Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung herbeizuführen. (JEL F 36, H 21, G 15)

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Gischer, Horst und Jüttner, D. Johannes
"Globaler Wettbewerb, Provisionseinkommen und Zinsmargen der Banken"

In einer Panel- Untersuchung auf der Grundlage von OECD- Daten weisen wir einen Einfluss des globalen Wettbewerbs auf die Zinsmargen und die Profitabilität der Banken nach. Bisherige Wettbewerbsstudien beschränken sich vornehmlich auf nationale Marktstrukturmerkmale. Für unseren Schätzansatz greifen wir auf die Dealership- Modelle von Stoll (1978) bzw. Ho und Saunders (1981) zurück. Die bereits vorliegenden Studien fokussieren auf einen auf einzelne Länder beschränkten Monopolgrad oder sie untersuchen einseitig die Auswirkungen des Zuganges ausländischer Banken in einzelnen Ländern (Claessens et al., 2001). Alle Arbeiten ignorieren indes die länderübergreifenden Auswirkungen des globalen Wettbewerbs, der von internationalen Finanzmärkten auf die heimische Bankenbranche einwirkt. Unser Modellansatz erlaubt es uns, den Einfluss des globalen Wettbewerbs durch Berücksichtigung einer speziellen Variablen auf das Geschehen in den jeweiligen nationalen Bankenmärkten einzufangen. Die vorgeschlagene Kennziffer misst die Offenheit nationaler Finanzmärkte für internationale Konkurrenten. Unsere empirischen Ergebnisse belegen, dass unter dem Einfluss des internationalen Wettbewerbs die Zinsmargen sowie die durchschnittliche Profitabilität zurückgehen. Weiterhin unterstützt der empirische Befund die These einer negativen Beziehung zwischen dem Verhältnis Provisions- zu Zinseinkommen einerseits sowie Zinsmargen und Profitabilität andererseits. Der Quotient aus Provisions- zu Zinseinkommen spiegelt (relative) Wettbewerbsunterschiede auf Finanzmärkten wider; er schlägt sich in einer stärker differenzierten Produktpalette nieder und erfasst Diversifikationsvorteile. Darüber hinaus beeinflusst ein neu entwickeltes Risikomaß (Volatilität des Bruttoeinkommens) positiv die Ertragsrate und die Nettozinsmarge der Banken, unabhängig von der Modellspezifizierung oder der angewandten Schätzmethode.

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Krämer, Walter
"Die Bewertung und der Vergleich von Kreditausfall- Prognosen"

Der Aufsatz zeigt, dass Kreditausfallprognosen im Sinne von Wahrscheinlichkeitsprognosen in vielfacher Hinsicht in eine Qualitätsreihenfolge überbracht werden können. Insbesondere macht er deutlich, dass die Übereinstimmung von vorhergesagter Ausfallwahrscheinlichkeit und der relativen Häufigkeit der tatsächlich ausgefallenen Kredite für sich alleine noch keine Qualität verbürgt. Letztere tritt erst durch die "Spreizung" der vorhergesagten Ausfallwahrscheinlichkeiten in Richtung 0 % und 100 % ein. Darüber hinaus werden auch verschieden skalarwertige Maße für Prognosequalitäten diskutiert. (JEL C 11, C 52, G 33)

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Berichte

Klos, Alexander
"Die Risikoprämie am deutschen Kapitalmarkt"

In diesem Beitrag wird die Höhe der Risikoprämie am deutschen Kapitalmarkt thematisiert. Hierbei wird zunächst auf Probleme bei der Berechnung von historischen Prämien eingegangen. Die Diskussion nationaler Faktore, die die Kalkulation erschweren, steht im Vordergrund. Das konsumbasierte Standardbewertungsmodell von Mehra und Prescott (1985) ist Ausgangspunkt der Diskussion des Equity Premium Puzzles. Eines der Ziele der Studie ist die Berechnung der vom Modell vorhergesagten Risikoprämie. Die Kalkulation bedingt die Existenz geeigneter Konsumdaten, die in der benötigten Form in Deutschland nicht in ausreichendem Maße vorliegen. In einer Sensitivitätsanalyse wird daher ausgehend von Schätzwerten die Risikoprämie für verschiedene Konsumparameterkombinationen berechnet. (JEL G 12)

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