KREDIT und KAPITAL - Heft 2/2004


Inhalt


Abhandlungen

Gerke, Wolfgang und Mager, Ferdinand und Rohde, Mark
Länder- versus Brancheneinfluss auf Aktienrenditen: 1973 bis 2002

Pösö, Mika und Stracca, Livio
What is the Role of the Monetary Base in Monetary Policy Today?

Stickel, Eberhard
An Economic Analysis of Collaboration Between Competing Firms

Albrecht, Peter und Kantar, Cemil
Random Walk oder Mean Reversion? - Eine statistische Analyse des Kurs/ Gewinn-Verhältnisses für den deutschen Aktienmarkt


Berichte

Johanning, Lutz und Werner, Sebastian
Risikomanagement auf Basis des Value-at-Risk für Investmentfonds - Stellungnahme zur Derivateverordnung - DerivateV vom 06.02.2004



Buchbesprechungen

Heidorn, Thomas
Finanzmathematik in der Bankpraxis. Vom Zins zur Option
(Heike A. Lang)

Körnert, Jan
Balanced Scorecard.
Theoretische Grundlagen und Perspektivenwahl für Kreditinstitute
(Thorsten Jöhnk)


Zusammenfassungen


"Länder- versus Brancheneinfluss auf Aktienrenditen: 1973 bis 2002"

Länderfaktoren dominierten lange Zeit Brancheneffekte bei der Erklärung von Aktienrenditen. Jüngere Untersuchungen stellen jedoch einen steigenden globalen Brancheneinfluss fest, der gegen Ende der Neunzigerjahre dem Ländereinfluss gleichkommt. Die vorliegende Studie verlängert den Untersuchungszeitraum im Vergleich zur bereits existierenden Forschung auf einen Zeitraum von 30 Jahren und geht der Frage nach, wie sich das Verhältnis von Branchen- zu Ländereinfluss nach den drastischen Kursrückgängen seit März 2000 entwickelt hat. Dabei zeigt sich ein deutlicher Bedeutungsrückgang von Branchenfaktoren. Der vorhergehende Anstieg sollte daher nicht weiter als Ausdruck der Globalisierung der Wirtschaft und der Märkte interpretiert werden. (JEL F21, G11, G15)

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Pösö, Mika und Stracca, Livio
"Welche Rolle spielt die monetäre Basis in der Geldpolitik von heute?"

Dieser Beitrag enthält eine selektive und zeitgerechte Darstellung der Literatur über die möglichen Rollen der monetären Basis in der Geldpolitik. Er unterstreicht, dass, während die monetäre Basis den Kern des Zentralbankgeschäfts bildet und letztlich das Instrument ist, das es den Zentralbanken gestattet, die Zinssätze und schließlich auch die makroökonomischen Bedingungen zu beeinflussen, die monetäre Basis selten eine signifikante Rolle bei der Formulierung und Implementierung der Geldpolitik gespielt hat. Insbesondere hat die monetäre Basis nur sehr selten als das einzige operationelle Ziel gegolten, und die Erfahrung mit der monetären Basis als ein Zwischenziel ist ebenfalls recht begrenzt. Heute scheint die monetäre Basis für die meisten Zentralbanken allenfalls eine Informationsvariable zu sein. Dennoch hat die Debatte über die monetäre Basis - in einer Zeit, in der die Zinssätze gegen Null tendieren - sowie über gewisse theoretische Fortschritte, welche die monetäre Basis zu der Zinslücke in einem "Neo-Wicksellianischen" Rahmen in eine Beziehung setzen, seit kurzer Zeit das akademische und das politische Interesse an der monetären Basis neu belebt.

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Stickel, Eberhard
"Eine ökonomische Analyse der Kooperation zwischen Wettbewerbern"

Kooperation spielt nicht zuletzt unter dem Aspekt ständig steigender Entwicklungskosten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Informationssystemen. Entscheidungsträger sollten deshalb die ökonomischen Effekte derartiger Entwicklungspartnerschaften verstehen, um rationale Entscheidungen zu fällen. Im Rahmen der Arbeit werden die ökonomischen Effekte von Entwicklungspartnerschaften zwischen Wettbewerbern detailliert analysiert. Bei der gemeinsamen Entwicklungsarbeit wird natürlich oft wertvolles Wissen an Konkurrenten weitergegeben. Dies spricht gegen Kooperation, während das Einsparen von Entwicklungskosten eher dafür spricht. Insofern ist nicht klar, ob Kooperationen zwischen Wettbewerbern sinnvoll sein können. In der Literatur werden zahlreiche Modelle diskutiert. Die wichtigsten Faktoren, die eine Kooperationsentscheidung beeinflussen, sind dabei Markt- und Produktstruktur, Art und Umfang der vorherrschenden Unsicherheit sowie die Risikopräferenzen der Entscheidungsträger. Die in der Literatur diskutierten Ergebnisse unterscheiden sich dabei je nachdem, wie man diese Faktoren kombiniert. Der aus Sicht der Praxis wichtigste Fall liegt bei oligopolistischer Marktstruktur, heterogenen Produkten und risikoaversen Entscheidungsträgern, die Nutzenmaximierung betreiben, vor. Dieser Fall wurde nicht zuletzt aufgrund seiner Komplexität bisher nicht umfassend analysiert und ist Gegenstand dieser Arbeit. Die Analyse erfolgt anhand eines formalen Optimierungsmodells, das die Bestimmung von geschlossenen Lösungen erlaubt. Das Modell kann in verschiedene Richtungen erweitert und so besser an die Realität angepasst werden.

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Albrecht, Peter und Kantar, Cemil
"Random Walk oder Mean Reversion? - Eine statistische Analyse des Kurs/ Gewinn-Verhältnisses für den deutschen Aktienmarkt"

Im Zentrum der vorliegenden Ausarbeitung steht die Frage, ob das Modell eines Random Walk oder eines AR(1)-Prozesses ("Mean Reversion") besser geeignet ist, die Entwicklung des Kurs/Gewinn-Verhältnisses des Deutschen Aktienindex (DAX) zu beschreiben. Das Vorliegen einer der beiden alternativen Modellhypothesen hat entscheidende Auswirkungen auf die Frage der Prognostizierbarkeit der Modellgröße, hier des KGV. Die Random-Walk-Hypothese impliziert, dass ein "fairer" langfristiger Modellwert nicht existieren kann. Im Unterschied hierzu weist ein AR(1)-Prozess ein langfristiges Mittel auf, zu dem der Prozess mit einer gegebenen Elastizität hingezogen wird. Sowohl im Rahmen einer mehr explorativen Datenanalyse als auch auf der Basis einer Reihe von formalen statistischen Tests zeigt sich in uniformer Weise, dass die Hypothese des AR(1)-Prozesses die analysierte KGV-Zeitreihe statistisch besser repräsentiert als der Random Walk. Neben den entsprechenden Konsequenzen dieses Ergebnisses für die Prognose des Kurs/Gewinn-Verhältnisses des DAX wird auch die Frage behandelt, wie auf dieser Basis Prognosen für die DAX-Entwicklung selbst gewonnen werden können. (JEL C52, G10)

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Berichte

Johanning, Lutz und Werner, Sebastian
"Risikomanagement auf Basis des Value-at-Risk für Investmentfonds - Stellungnahme zur Derivateverordnung - DerivateV vom 06.02.2004"

In dem vorliegenden Beitrag wird die Eignung des VaR zur Risikomessung im Kapitalanlagebereich sowie zur Regulierung des Derivateeinsatzes nach der DerivateV untersucht. Die wesentlichen Ergebnisse der Untersuchung sind folgende: Der VaR ist eine relativ einfache und leicht kommunizierbare Risikokennziffer. Problematisch ist aber, dass der VaR nur auf Basis der Anzahl der zu erwartenden Überschreitungen ermittelt wird, die Verlusthöhe jedoch keinen Einfluss auf den Risikowert hat. Nachteilig ist zudem, dass der VaR nur einen einzigen Punkt der Wahrscheinlichkeitsverteilungen der Marktwertänderungen beschreibt. Die Halteperiode sollte bei der Risikoberechnung mit dem langen Anlagehorizont im Kapitalanlagebereich übereinstimmen, damit eine kurzfristige, möglicherweise kontraproduktive Risikopolitik vermieden wird. Des Weiteren sollte eine einheitliche Haltedauer für die VaR-Berechnung und das Backtesting gewählt werden. Grundsätzlich ist ein geringeres Konfidenzniveau einem höheren vorzuziehen, da dann der VaR genauer geschätzt werden kann. Der historische Betrachtungszeitraum von mindestens einem Jahr muss ferner für den Kapitalanlagebereich als zu kurz angesehen werden. In Beispielrechnungen wird gezeigt, dass der VaR für lange Halteperioden über verschiedene Approximationsgleichungen zwar zum Teil erheblich überschätzt wird, dass aber dadurch eine bessere Abdeckung der tatsächlichen Verluste resultiert. Schließlich konnte gezeigt werden, dass die KAGen nach den Vorgaben der DerivateV in erheblichem Umfang in Optionen investieren können, bei bestimmten Marktkonstellationen sogar das gesamte Sondervermögen. Somit lässt sich das Fazit ziehen, dass der VaR-Ansatz auch für die Zwecke im Kapitalanlagebereich und der DerivateV grundsätzlich sinnvoll eingesetzt werden kann. Da auch jedes andere eindimensionale Risikomesssystem von vergleichbaren Defiziten betroffen ist, besteht die Aufgabe darin, diese Defizite aufzudecken und gegebenenfalls durch begleitende Regeln aufzufangen, beispielsweise durch die Anforderung zur Durchführung von Stresstests.

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