KREDIT und KAPITAL - Heft 3/2004


Inhalt


Abhandlungen

Schertler, Andrea
Explaining Cross-Country Variations in Venture Capital Investments: Theory and Empirical Evidence

Weill, Laurent
On the Relationship Between Competition and Efficiency in the EU Banking Sectors

Schiereck, Dirk and Stienemann, Marc
Wertsteigerung durch Desinvestitionen bei großen deutschen Konzernen

Schöning, Stephan
Der Grundsatz II der BaFin - eine kritische Beurteilung (Teil I)


Berichte

Geigant, Friedrich
Das Wunder der Rentenmark


Buchbesprechungen

Jennes, Barbara
Die Wirkung der Geldpolitik in Deutschland (Michael Frömmel)

Frowen, Stephan F. and Mc Hugh, Francis (ed.)
Financial Competition, Risk and Accountability - British and German Experiences (Anton Burger and Philipp Ulbrich)


Zusammenfassungen

Schertler, Andrea
"Zur Klärung von Länderunterschieden in den Venture-Capital-Investitionen: Theorie und empirische Evidenz"

Dieser Artikel untersucht Unterschiede in den Venture-Capital-Investitionen zwischen Ländern. Innerhalb eines allgemeinen Gleichgewichtsmodells zeige ich zunächst, dass die Entwicklung der Finanzierungsform Venture Capital von der Dominanz des Bankensektors abhängt, da Kreditfinanzierung die Basis der Kapitalkosten aus Unternehmenssicht festlegt. Darüber hinaus zeigt das Modell, dass das Niveau der Venture-Capital-Investitionen von den Kosten der Managementunterstützung durch den Venture-Capital-Geber bestimmt wird. Unter Verwendung eines dynamischen Panelschätzers und eines Datensatzes bestehend aus 16 europäischen Ländern überprüfe ich die Implikationen des Modells. Ich finde unter anderem Evidenz, dass die Venture-Capital-Investitionen positiv vom Darlehenszinssatz abhängen.

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Weill, Laurent
"Zu den Beziehungen zwischen Wettbewerb und Effizienz in den Bankensektoren der EU"

Es gibt nur wenige Beweise dafür, dass sich Wettbewerb auf die Effizienz im Bankwesen auswirkt, obwohl sie für die Bewertung des Nutzens eines verstärkten Wettbewerbs im Bankensektor von außerordentlicher Relevanz sind. In dieser Arbeit werden auf der Grundlage einer in 12 EU-Ländern durchgeführten Stichprobe die Wechselwirkungen zwischen Wettbewerb und Effizienz im Bankensektor im Zeitraum 1994-1999 untersucht. Die Wettbewerbsmessungen erfolgen mithilfe der H-Statistik nach Ross-Panzar, während bei den Effizienzschätzungen stochastisch vorgegangen wird. Wir schließen uns der Ansicht an, dass es im Bankensektor zwischen Wettbewerb und Effizienz keine Wechselwirkungen gibt, sodass der intuitiv unterstellte Einfluss von Wettbewerb auf die Effizienz nicht erhärtet wird.

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Schiereck, Dirk und Stienemann, Marc
"Wertsteigerung durch Desinvestitionen bei großen deutschen Konzernen"

Bei der hohen Aufmerksamkeit, die Fusionen und Akquisitionen in den letzten Jahren auf sich gezogen haben, blieb der Blick Wissenschaft meist auf die Sicht des Käufers, dessen Synergiepotenziale und die Kapitalmarktreaktionen bei der Aktie des Akquisiteurs gerichtet. Die Perspektive der Gegenseite, des Verkäufers, ist hingegen in Deutschland bislang kaum betrachtet worden. Neben den Verkauf von Einheiten im Rahmen eines Sell-offs bieten sich in diesem Kontext insbesondere die Instrumente Carve-out und Spin-off.

Die Desinvestitionshäufigkeit ist im Laufe der 90er Jahre deutlich angestiegen. Da auch in den schlechten Börsenjahren 2000 und 2001 viele Desinvestitionen stattgefunden haben, handelt es sich nicht nur um "Modeerscheinungen" infolge eines Börsenbooms. Sehr wenige Studien haben bisher versucht, mögliche Wertsteigerungen durch diese Desinvestitionen zu identifizieren und zu erklären. Hier setzt diese Analyse an.

Wir zeigen, dass Aktienkursreaktionen auf Desinvestitionsankündigungen eindeutig positive abnormale Renditen ergeben. Desinvestitionen sind- zumindest bezüglich des Ankündigungseffektes - wertschaffend. Dies gilt insbesondere für Carve-outs, aber auch für Sell-outs, wenn auch in signifikant niedriger Höhe. Eine Clusterung der Aktienkursreaktionen nach Branchen oder Zeiträumen konnte nicht festgestellt werden. (JEL G 32, G 34)

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Schöning, Stephan
"Der Grundsatz II der BaFin - eine kritische Beurteilung (Teil I)"

In diesem Beitrag wird ausgehend von einer Systematisierung der Liquiditätsrisiken bei Kreditinstituten deren aktuelle bankaufsichtliche Behandlung im Rahmen des Grundsatzes II der BaFin dargestellt. Es wird gezeigt, dass verglichen mit den bisherigen Liquiditätsgrundsätzen II und III der Aufbau des aktuellen Grundsatzes II grundsätzlich geändert worden ist. Der Fokus liegt nunmehr auf dem kurzfristigen Bereich bis zu einem Jahr, für den eine Unterteilung in 4 Laufzeitbänder vorgesehen ist. Die Zahlungsmittelbestände und die im Wesentlichen aus Vermögensbeständen abgeleiteten Zahlungsmittelzuflüsse sind dabei ins Verhältnis zu den Zahlungsverpflichtungen zu setzen. Dabei werden Zahlungen von hoher Liquiditätswirksamkeit direkt im 1. Laufzeitband berücksichtigt und die übrigen entsprechend der Restlaufzeit den Laufzeitbändern zugeordnet. Die Einhaltung des Grundsatzes wird ausschließlich anhand der 1-Monats-Kennziffer beurteilt, wohingegen die für die übrigen Laufzeitbänder zu bildenden Beobachtungskennziffern nur nachrichtlichen Zwecken dienen. In Teilbereichen ist eine von der Bilanzierung abweichende, näher an den Liquiditätseffekten orientierte Erfassung von Geschäften vorgeschrieben. Im Zuge der Ausweitung des Geltungsbereichs der Liquiditätsgrundsätze auf Finanzdienstleistungsinstitute wurde eine Reihe von Ausnahmeregelungen notwendig, um Instituten mit abweichenden Geschäftsstrukturen eine Einhaltung der Grundsätze zu ermöglichen. (JEL G 18, G 21, G 28)

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Berichte

Geigant, Friedrich
"Das Wunder der Rentenmark"

Eine Mixtur aus faulem Zauber und Rückbesinnung auf Grundsätze monetärer Disziplin war das Erfolgsrezept der Schöpfer des neuen Geldes, dass dem Spuk der Großen Inflation nach dem Ersten Weltkrieg ein Ende setzte. Das Flair der Rentenmark war, dass sie knapp gehalten wurde und daraus statisch ihre Kaufkraft und dynamisch ihre Stabilität bezog. Dabei rückte sie nie zum Rang einer Währung auf, und sie übte mit ihren Banknoten nie die Funktion eines gesetzlichen Zahlungsmittels aus; im Auslandsgeschäft war sie sogar im Devisenrecht mit Bann belegt. Die rechtliche Klammer zwischen den Rentenbankscheinen einerseits und den auf Goldmark lautenden Rentenbriefen sowie Grundschulden andererseits wurde frühzeitig als massenpsychologisches Brimborium gewertet. Nichtsdestoweniger lieh die Rentenmark ihre Glaubwürdigkeit der desavouierten Mark für deren letzte Monate, und sie wahrte ihre Position gegenüber der Reichsmark lange über die Grabgesänge hinaus, die ihr diverse Gesetze darbrachten. (JEL E 42, E 52, E 58)

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