KREDIT und KAPITAL - Heft 4/2004


Inhalt


Abhandlungen

Altunbas, Yener und de Bondt, Gabe und Marqués-Ibánez, David
Bank Capital, Bank Lending, and Monetary Policy in the Euro Area

Kapapoulos, Panayotis und Paleologos, John
The Saving Retention Coefficient After the Advent of Euro

Nehls, Hiltrud und Schmidt, Thorsten
Credit Crunch in Germany?

Flögel, Volker und Kesy, Christoph
Organisation des Sekundärhandels von Bundeswertpapieren: Historisch gewachsen! Ökonomisch begründbar?

Schöning, Stephan
Der Grundsatz II der BaFin - eine kritische Beurteilung (Teil II)


Berichte

Tillmann, Peter
Konstanz Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy 2004


Buchbesprechungen

Fritz, Barbara
Entwicklung durch wechselkurs-basierte Stabilisierung? Der Fall Brasilien
(Martina Metzger)

Rehkugler, Heinz (Hrsg.)
Die Immobilien-AG, Bewertung und Marktattraktivität
(Markus Spiwoks)

Frowen, Stephen F.
Economists in Discussion. The Correspondence between G.L.S. Shackle and Stephen F. Frowen, 1951-1992
(Norbert Kloten)


Zusammenfassungen

Altunbas, Yener und de Bondt, Gabe und Marqués-Ibánez, David
"Bankkapital, Bankdarlehen und Geldpolitik im Euro-Raum"

Dieser Artikel enthält Argumente und Beweise zur Stützung der Hypothese, dass das Bankkapital für die Reaktion von Banken im EU-Raum auf geldpolitische Veränderungen bei der Darlehensgewährung von Bedeutung ist. Die Datenschätzungen eines Bankenausschusses für den Zeitraum von 1991 bis 1999 zeigen, dass das Verhalten der weniger kapitalstarken Banken in Frankreich und Italien bei der Darlehensgewährung bei geldpolitischen Veränderungen reagibler ist als das von mit Kapital besser ausgestatteten Banken. Der Grad der Kapitalisierung spielt auch eine Rolle für die geldpolitischen Auswirkungen auf das Verhalten der wichtigsten Akteure im deutschen und im Euro-Bankensystem bei der Darlehensgewährung. Diese Erkenntnisse legen den Schluss nahe, dass die neuen Baseler Eigenkapitalanforderungen die geldpolitischen Transmissionskanäle über das Bankkapital beeinträchtigen können.

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Kapapoulos, Panayotis und Paleologos, John
"Der Sparkoeffizient nach der Einführung des Euro"

Die Einführung des Euro stellt einen Meilenstein im Prozess der Integration der europäischen Finanzmärkte dar. Kapitalmobilität ist für die Bewältigung des Verlustes an fiskalpolitischen Instrumenten in der Europäischen Währungsunion hilfreich. Eine hohe Kapitalmobilität im Sinne von Feldstein und Horioka kann die negativen Konsequenzen von Schocks begrenzen, welche die Möglichkeit einer Volkswirtschaft der Euro-Zone zur Bildung von Ersparnissen beeinträchtigen. Dies bedeutet mit anderen Worten, dass, wenn die Kapitalmobilität so hoch ist, die Wachstumsaussichten eines Landes durch seine Möglichkeiten der Ersparnisbildung nicht beeinträchtigt werden. Dieser Beitrag beinhaltet eine empirische Untersuchung des Koeffizienten für die Ersparnisbildung in einer institutionell ausgerichteten Umgebung von fast perfekter Kapitalmobilität und Kapitalmarktintegration, d.h. in Ländern der Euro-Zone. Wir haben auch versucht zu klären, ob die Einführung des Euro und die zuvor vollendete Liberalisierung der Finanzmärkte den Gradienten der Ersparnisbildung verändert hat. Für diesen Zweck wurde die Vorgehensweise von Feldstein und Horioka erweitert und auf den neuesten Stand gebracht. Wir sind der Auffassung, dass der Koeffizient für die Ersparnisbildung während des gesamten EWS-Zeitraums relativ niedrig war, sich jedoch von Null signifikant unterscheidet. Auch stützen die empirischen Erkenntnisse ein neues Puzzlespiel. Innerhalb der EWU korreliert die Ersparnisbildung mit den Inlandsinvestitionen weniger als vor der Einführung des Euro. Dieses Ergebnis steht nicht im Einklang mit der Frankel-These (1922), dass die zwischen Ersparnisbildung und Investition beobachtete Korrelation zu einem Teil auf einen nicht Null betragenden Währungszuschlag (non-zero currency premium) zurückzuführen ist. Aber dieses Ergebnis dürfte als vorläufig gelten, da die Stichprobengröße nach der Einführung des Euro gering war.

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Nehls, Hiltrud und Schmidt, Thorsten
"Gibt es eine Kreditklemme in Deutschland?"

Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, ob die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2001 bis 2003 von einer Kreditklemme betroffen war, d.h. einer angebotsseitigen Beschränkung des Kreditmarktes, die nicht im Einklang steht mit der Höhe der Finanzierungskosten und der Rentabilität geplanter Investitionsprojekte. Dazu werden im Rahmen eines Ungleichgewichtsmodells des deutschen Kreditmarktes Angebots- und Nachfragefunktion für Kredite an Unternehmen und selbstständige Privatpersonen simultan geschätzt. Der Vergleich der geschätzten Werte für Angebot und Nachfrage zeigt sehr deutlich, dass der Kreditmarkt insbesondere Ende 2002 und in der ersten Hälfte 2003 durch die Angebotsseite beschränkt wird. Der Hauptgrund dürfte in dem starken Rückgang der Aktienkurse und seinen Folgen, auch für den Bankensektor, liegen. Ein Vergleich der deutschen Großbanken mit den übrigen Banken zeigt, dass die Grossbanken in besonderem Masse von dieser Entwicklung betroffen waren.

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Flögel, Volker und Kesy, Christoph
"Organisation des Sekundärhandels von Bundeswertpapieren: Historisch gewachsen! Ökonomisch begründbar?"

Dieser Beitrag untersucht erstmals für den Anleihenhandel das Phänomen der Koexistenz mehrerer Handelswege. Wir beobachten im Handel von Bundeswertpapieren über Jahrzehnte gewachsene, börsliche und außerbörsliche Organisationsstrukturen und werfen die Frage auf, ob diese ökonomisch gerechtfertigt werden können. Die drei parallel existierenden Transaktionswege - der Handel über die Präsenzbörsen, der außerbörsliche bilaterale Handel und der außerbörsliche Handel mittels Freimakler - weisen erhebliche Unterschiede hinsichtlich des Preisbildungsmechanismus und der Anonymität der Kontrahenten auf. Wir konnten signifikante empirische Ergebnisse erzielen, die darauf hinweisen, dass die drei Handelsmöglichkeiten von einigen Marktakteuren tatsächlich nicht als austauschbare Transaktionskanäle gesehen werden, sondern jedes Sekundärmarktsegment spezielle Transaktionsbedürfnisse der Marktteilnehmer befriedigen kann. (JEL G 10, G 14)

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Schöning, Stephan
"Der Grundsatz II der BaFin - eine kritische Beurteilung (Teil II)"

In diesem Beitrag werden aufbauend auf dem Teil I, in dem die Grundstruktur und die Inhalte des neu gefassten Grundsatzes der BaFin für die Begrenzung von Liquiditätsrisiken bei Kreditinstituten dargestellt wurden, die Neuregelungen kritisch gewürdigt. Zuerst wird herausgestellt, dass der Grundsatz nunmehr auf den kurzfristigen Bereich fokussiert ist und Kreditinstitute zu einem Mindestmass an verfügbarer Liquidität zur Abdeckung von Liquiditätsabflüssen zwingt. Diese Grundkonstruktion entspricht internationalen Standards und wird deshalb als sinnvoll angesehen, weil Möglichkeiten zur kurzfristigen Beschaffung von Liquidität eingeschränkt sein können und ohne einen Liquiditätspuffer die Zahlungsunfähigkeit droht. Gleichwohl bieten sowohl die Grundstruktur als auch die Detailregelungen Anlass zur Kritik. So führt die Vernachlässigung des mittel- und langfristigen Bereichs dazu, dass Anreize zur Ausweitung der Fristentransformation und zum Eingehen von Zinsänderungsrisiken geschaffen werden. Zu bemängeln bleibt zudem, dass auch weiterhin bedeutende Risiken (z.B. aus Großeinlagen und Währungspositionen) nicht berücksichtigt werden und dass wesentliche Zahlungsströme, vor allem aus den Derivatgeschäften und der Erfolgsrechnung, nur unzureichend erfasst werden. Angeregt wird in diesem Zusammenhang, die bestehenden bankinternen Risikomanagementsysteme bankaufsichtlich zu überwachen und damit auch in diesem Bereich eine qualitative Beaufsichtigung einzuführen. Nach einer Kritik an einigen Detailregelungen zieht der Beitrag gerade vor dem Hintergrund der Erfahrungen des 11.9.2001 in Zweifel, ob der Liquiditätsgrundsatz in seiner aktuellen Form geeignet ist, auftretende Krisensituationen handhaben zu können. Verwiesen wird in diesem Zusammenhang darauf, dass die Regelungen wenig sachgerecht von uneingeschränkt funktionierenden Märkten ausgehen und überdies die Funktionsfähigkeit des zur Krisenbewältigung wichtigen Geldmarktes beschneiden. Hieraus abgeleitet ergibt sich die Forderung nach einer gründlichen Reform der Liquiditätsbestimmungen. (JEL G 18, G 21, G 28)

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