KREDIT und KAPITAL - Heft 4/2005


Inhalt


Abhandlungen

Carr, Jack, und Chu, Kam Hon
"Inflation, Entwicklung des Finanzsektors und Einkommensungleichheiten"

Knell, Markus, und Stix, Helmut
"Wie robust sind Geldnachfrageschätzungen? Eine meta-analytische Zusammenfassung von Ergebnissen bezüglich der Einkommens-elastizität"

Breuer, Wolfgang, und Gürtler, Marc
"Direkte Aktienengagements von Investoren und Performancemessung für Investmentfonds"

Bigus, Jochen, Langer, Thomas, und Schiereck, Dirk
"Warum gibt es Kreditsicherheiten?"


Berichte

Peter Tillmann
Konstanz Seminar on Monetary Theory and Monetary Policy 2005


Buchbesprechungen

Verein für Kreditmanagement, Schneider-Maessen, Jan, und Weiß, Bernd (Hrsg.)
Management in a European Context (Dietmar Grichnik)

Freire, Mila, Petersen, John, Huertas, Marcela, and Valadez, Miguel (eds.)
Subnational Capital Markets in Developing Countries - From Theory to Practice (Daniela Beckmann)


Zusammenfassungen

Carr, Jack, und Chu, Kam Hon
"Inflation, Entwicklung des Finanzsektors und Einkommensungleichheiten"

Im Gegensatz zu den meisten traditionellen Untersuchungen, die auf die Verteilungswirkungen von Inflation gerichtet sind, enthält dieser Beitrag eine theoretische Untersuchung, warum die Einkommensverteilung eine Determinante von Inflation sein kann. Unter Verwendung eines Modells sich überlappender Generationen zeigt dieses Papier, dass im steady state die Inflation bei einer "Unterentwicklung" des Finanzsektors, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Reichen und die Armen Geld nachfragen, höher ist als im Falle einer "Unterentwicklung", bei der nur die Armen Geld nachfragen. Ferner wird die Inflation dann höher sein, wenn das Einkommen der Armen im Alter niedriger ist. Somit kann eine ungleiche Einkommensverteilung im steady state zu höherer Inflation führen. Der Grund dafür ist, dass die Regierung mehr Inflationssteuern erheben kann, deren Inzidenz für die Reichen geringer ist als die Inzidenz einer progressiven Einkommensteuer. Dies mag erklären, warum insbesondere nicht demokratische Länder im politischen Prozess eher dazu neigen, eine höhere Inflation zuzulassen, als eine Steuerreform durchzuführen. Wir haben im Zeitraum von 1950 bis 1992 sowohl OLS- als auch GIVE-Schätztechniken auf die für 90 Länder erhobenen Daten angewandt. Unsere Hypothese wird von den Ergebnissen einer Stichprobe für 56 nicht demokratische Länder gestützt. Diese zeigt, dass Inflation positiv mit dem Geldmengenwachstum und dem Gini-Koeffizienten, jedoch negativ mit dem Niveau der Entwicklung des Finanzsektors korreliert.

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Knell, Markus, und Stix, Helmut
"Wie robust sind Geldnachfrageschätzungen? Eine meta-analytische Zusammenfassung von Ergebnissen bezüglich der Einkommens-elastizität"

In diesem Artikel führen wir eine Meta-Analyse empirischer Geldnachfragestudien durch, die auf fast 500 einzelnen Schätzungen beruht. Wir untersuchen, ob die große Bandbreite der Ergebnisse durch verschiedene Charakteristika der einzelnen Spezifikationen bzw. durch die Schätzgenauigkeit erklärt werden kann. Es zeigt sich, dass die Schätzungen der Einkommens-elastizität in systematischer Weise von bestimmten Spezifikations-merkmalen abhängen (z.B. vom Typ des verwendeten Geldmengen-aggregats und von der Einbeziehungen von Variablen für Finanzinnovationen bzw. für Vermögen). Dennoch kann aber ein maßgeblicher Teil der beobachtbaren Variation durch diese Variablen alleine nicht erklärt werden.

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Breuer, Wolfgang, und Gürtler, Marc
"Direkte Aktienengagements von Investoren und Performancemessung für Investmentfonds"

Performancemaße werden von Investoren insbesondere als Mittel zur Selektion von Investmentfonds im Rahmen von Ex-ante-Optimierungen verwandt. Unglücklicherweise existieren verschiedene Performancemaße für unterschiedliche Entscheidungsprobleme. Da ein Anleger im Unklaren darüber sein mag, welches Entscheidungsproblem am besten seine persönliche Situation beschreibt, drängt sich die Frage auf, in welchem Ausmaß Fondsrankings auf einen Wechsel des Performancemaßes reagieren. Präziser formuliert wird ein Investor mit µ-s-Präferenzen betrachtet, der versucht, den besten Fonds f* aus einer Menge von F zur Auswahl stehenden zu bestimmen und diesen in optimaler Weise mit dem direkten Halten eines breit diversifizierten (Referenz-)Portfolios P aus Aktien sowie risikoloser Anlage bzw. Verschuldung zu kombinieren. Aus Sicht eines Investors, der gerade beginnt, seine Mittel in riskanten Aktiva anzulegen, können alle Anteile der verschiedenen Aktivaklassen an seinem Gesamtvermögen als variabel aufgefasst werden, während auch Anleger mit bereits vor Fondsselektion gegebenem positiven Aktienmanagement existieren mögen, das nicht ohne weiteres geändert werden kann oder soll. Für beide Situationen wurden geeignete Performancemaße vorgeschlagen, und zwar von Breuer/ Gürtler (1999, 2000) und Scholz/ Wilkens (2003). Mögliche Unterschiede in den jeweiligen Fondsreihungen für die beiden genannten Entscheidungssituationen werden theoretisch wie empirisch untersucht. Während sich nur lockere theoretische Zusammenhänge belegen lassen, weist der empirische Befund auf tatsächlich fast identische Reihungen hin. Als Konsequenz hieraus müssen sich potenzielle Anleger nicht allzu viele Gedanken darüber machen, ob ihre Situation besser durch ein fixes oder ein variables Aktienengagement beschrieben wird. Ferner führen traditionelle Performancemaße wie die Sharpe-Ratio oder die Treynor-Ratio in beiden Entscheidungssituationen zu akzeptablen Reihungen.

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Bigus, Jochen, Langer, Thomas, und Schiereck, Dirk
"Warum gibt es Kreditsicherheiten?"

Dieser Betrag gibt einen Überblick über die theoretische Forschung zur Kreditbesicherung. Das Schrifttum stellt vor allem zwei Vorteile von Kreditsicherheiten heraus. Erstens kann es gelingen, gute von schlechten Kreditnehmern zu unterscheiden (Sortierungs- oder Trennfunktion). Zweitens setzen Kreditsicherheiten Anreize für den Schuldner, sich nach Vertragsabschluss nicht gläubigerschädigend zu verhalten (Anreizsteuerungsfunktion). Die Argumente gelten vornehmlich für (unternehmens-)externe Sicherheiten mit Zugriffsrechten auf Haftungsmassen außerhalb des Unternehmens. Die Existenz interner Sicherheiten kann man weniger mit Informations- oder Anreizproblemen in der Gläubiger-Schuldner-Beziehung, sondern eher mit Interessenkonflikten zwischen den Gläubigern begründen. Hierzu gibt es aber bisher wenige theoretische Arbeiten. Wenig erforscht ist auch, welche Rolle Kreditsicherheiten zukommt, wenn man von der gängigen Prämisse uneingeschränkt rationalen Verhaltens abrückt. (JEL G21, G32, G33)

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