KREDIT und KAPITAL - Heft 4/2006


Inhalt


Policy Issues

Koetter, Michael und Nestmann, Thorsten und Stolz, Stéphanie und Wedow, Michael
Still Overbanked and Unprofitable? Two Decades of German Banking


Abhandlungen

Behr, Patrick und Sebastian, Steffen
Risikoexposure deutscher Universal- und Hypothekenbanken gegenüber makroökonomischen Schocks

Kempa, Bernd und Holtrup, Hans-Jürgen und Hendricks, Torben
A Differential View on the Credit Channel of Monetary Policy Transmission

Meincke, Sven und Nekat, Kai und Nippel, Peter
Aktienrückkauf, Kapitalverwässerung und die Bedeutung von Transferable Put Rights

Thießen, Friedrich
Entscheidungsprobleme bei Kleinkrediten am Beispiel des Pfandkredits


Bericht

Tillmann, Peter
Konstanz Seminar on Monetary Theory and Policy 2006


Buchbesprechungen

Bernholz, Peter
Monetary Regimes and Inflation: History, Economic and Political Relationships (Hans-Hermann Francke)

Dichtl, Hubert und Kleeberg, Jochen M. und Schlenger, Christian
Handbuch Hedge Funds - Chancen, Risiken und Einsatz in der Asset Allocation (Roland Füss)

Bessler, Wolfgang (Hrsg.)
Börsen, Banken und Kapitalmärkte - Festschrift für Hartmut Schmidt (Martin Wallmeier)


Zusammenfassungen

Koetter, Michael und Nestmann, Thorsten und Stolz, Stéphanie und Wedow, Michael
“Immer noch zu viele Banken mit zu geringem Ertrag? - Zwei Jahrzehnte deutsches Bankwesen”

Anhand deskriptiver Evidenz untersuchen wir die Behauptung, dass in Deutschland im internationalen Vergleich zu viele Banken zu viele geringe Erträge erwirtschaften. Wir stellen fest, dass es trotz der Übernahmewelle in Deutschland im Vergleich zu Frankreich, Italien und den USA immer noch viele Banken gibt. Ferner hat sich die Profitabilität deutscher Banken (gemessen durch die Aufwand-Ertrag-Relation, die Provisions- und Handelserträge und die Erträge bezogen auf die Bilanzsumme) nicht zuletzt aufgrund des konjunkturellen Abschwungs Anfang dieser Dekade über die Zeit noch verschlechtert. Das unterdurchschnittliche Abschneiden im internationalen Vergleich ist nicht auf eine einzelne Säule des deutschen Bankensystems zurückzuführen. Vielmehr erwirtschaften trotz ihrer sehr unterschiedlichen Geschäftsmodelle sowohl Geschäftsbanken als auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken (und deren jeweilige Untergruppen) geringe Gewinne.

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Behr, Patrick und Sebastian, Steffen
„Risikoexposure deutscher Universal- und Hypothekenbanken gegenüber makroökonomischen Schocks“

Die vorliegende Studie untersucht für den Zeitraum Februar 1973 bis Dezember 2003 den Einfluss sechs makroökonomischer Variablen auf die Risikoprämien von Bankaktien in Deutschland. besondere Bedeutung kommt der getrennten Analyse von Universal- und Hypothekenbanken zu. Die Untersuchungsergebnisse bestätigen die Eingangshypothese, dass die Renditen der Aktien von Universalbanken anderen Einflussfaktoren als die von Hypothekenbanken unterliegen. Durch die Verwendung eines dynamischen Regressionsmodells konnten zudem erhebliche Schwankungen des Einflusses der makroökonomischen Faktoren im Zeitablauf festgestellt werden. Dabei kann in nahezu allen Variationen die Varianz der Risikoprämien durch die makroökonomischen Faktoren soweit erklärt werden, dass auch die Erweiterung um den Marktfaktor keine Verbesserung des Modells mehr erzielt. (JEL C32, C52, G12, G21)

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Kempa, Bernd und Holtrup, Hans-Jürgen und Hendricks, Torben
„Ein alternativer Ansatz zur Identifikation des Kreditkanals der monetären Transmission“

In diesem Aufsatz wird der Kreditkanal der monetären Transmission auf der Basis eines Markov-Switching-Modells anhand von Risikoprämien von US-amerikanischen Unternehmensanleihen analysiert. Es zeigt sich, dass die Wirksamkeit des Kreditkanals nicht nur durch die Ausrichtung der Geldpolitik sowie die jeweilige Konjunkturlage, sondern zusätzlich durch einen latenten Faktor bestimmt wird, der die Situation auf den amerikanischen Finanzmärkten widerspiegelt. Der Kreditkanal tritt dabei in Phasen turbulenter Finanzmärkte wie der lateinamerikanischen Verschuldungskrise der frühen 1980er- Jahre, der amerikanischen Sparkassenkrise (Savings & Loan) sowie in letzter Zeit im Gefolge der Terrorattacken sowie der Bilanzskandale verstärkt in den Vordergrund.

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Meincke, Sven und Nekat, Kai and Nippel, Peter
„Aktienrückkauf, Kapitalverwässerung und die Bedeutung von Transferable Put Rights “

Wir betrachten Transferable Put Rights (TPRs), die im Rahmen eines Aktienrückkaufs per Tender-Offer den Aktionären gewährt werden können und als das spiegelbildliche Äquivalent zu den in Deutschland traditionell bei Kapitalerhöhungen ausgegebenen Bezugsrechten anzusehen sind. Zunächst stellen wir die Bewertung von TPRs und deren Bedeutung für die Vermögenspositionen der Anteilseigner bei einem Aktienrückkauf per Tender-Offer allgemeingültig und parallel zum Fall einer Kapitalerhöhung (mit Bezugsrechten) dar. Darüber hinaus zeigen wir, dass insbesondere unter den Bedingungen des deutschen Steuersystems die Ausgabe von TPRs stets zu einer Pareto-Verbesserung für die Aktionäre gegenüber einer einfachen Fixed-Price-Tender-Offer führt. Aktiengesellschaften, die einen Rückkauf eigener Anteile durchführen möchten, wobei dieser nicht über die Börse erfolgen soll oder kann, sollten daher die Ausgabe von TPRs ernsthaft erwägen. (JEL G32, G35)

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Thießen, Friedrich
„Entscheidungsprobleme bei Kleinkrediten am Beispiel des Pfandkredits - Sollten Kleinkredite aus den Verbraucherkreditschutzbestimmungen ausgenommen werden? Die besondere Entscheidungslogik von Kleinkrediten am Beispiel des Pfandkredits“

Mit der Neuordnung der Verbraucherkreditregulierung durch die EU (Verbraucherkreditrichtlinie) und einer Zunahme von Armutskrediten („sub prime lending“) in einigen Industrieländern ist die Frage aufgetaucht, welche Kalküle bei Entscheidungen über Kleinkredite zum Tragen kommen. In vielen Ländern gibt es eine Tradition, Kleinkredite von Verbraucherkreditregulierungen auszunehmen, u.a. weil die Risiken für „überschaubar“ und die Pflichten für „einschätzbar“ gehalten werden. Empirisch zeigt sich, dass Kleinkreditnehmer häufig Entscheidungen treffen, die mit - relativ und absolut - sehr hohen finanziellen Belastungen verbunden sind. Am Beispiel des Pfandkredits kann gezeigt werden, welches Ausmaß diese Kosten annehmen können und wie die Entscheidungskalküle beschaffen sind. Es ergibt sich, dass der Pfandkredit Eigenschaften von schwierig zu beurteilenden Derivaten (Optionen) besitzt. In Verbindung mit bekannten Verhaltensanomalien aus der Behavioural- Finance- Lehre können die zu beobachtenden Verhaltensweisen der Kreditnehmer erklärt werden. Die Überlegungen können auf andere Kredittypen übertragen werden. (JEL D14, G21, I39)

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