KREDIT und KAPITAL - Heft 2/2007


Inhalt


Policy Issues

Kotz, Hans-Helmut, and Weber, Martin
Increasing Financial Literacy: A Public Policy Challenge


Abhandlungen

Schütz, Tobias, und Schwaiger, Manfred
Der Einfluss der Unternehmensreputation auf Entscheidungen privater Anleger

Bikker, Jacob A., and Metzemakers, Paul A. J.
Is Bank Capital Procyclical? A Cross-Country Analysis

Horsch, Andreas, und Sturm, Stefan
Disintermediation durch Mikroanleihen

Stotz, Olaf
Regression Betas and Implied Betas: Their Respective Implications for the Equity Risk Premium


Buchbesprechungen

El-Gamal, Mahmoud A.
Islamic Finance, Law, Economics and Practice (Thomas Schmidinger)


Zusammenfassungen

Kotz, Hans-Helmut, und Weber, Martin
„Stärkung der finanziellen Allgemeinbildung: Eine Herausforderung für die Politik“

Die insbesondere während des vergangenen Jahrzehnts auf den Weg gebrachten Reformen unterstellen, dass private Haushalte immer stärker eigenständig Vorsorge gegen Unwägbarkeiten und Gefahren treffen. Das gilt mindestens in einem ergänzenden Sinne für die Altersvorsorge. Gleichzeitig fehlt allerdings häufig das finanzielle Verständnis, um derartigen Anforderungen zu entsprechen. Es wird deshalb zu Recht als eine wichtige öffentliche Aufgabe angesehen, die Voraussetzungen für finanzielle Allgemeinbildung zu schaffen. Das Ziel des Beitrags ist es, knapp zu zeigen, wie die moderne Finanzwissenschaft, sowohl in ihrer angewandten als auch ihrer verhaltenswissenschaftlichen Ausrichtung, auf nützliche Weise zu der Problemlösung beitragen kann. 

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Schütz, Tobias, und Schwaiger, Manfred
"Der Einfluss der Unternehmensreputation auf Entscheidungen privater Anleger"

Zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen kommen – ebenso wie praxisorientierte Arbeiten - zu dem Schluss, dass die Unternehmensreputation als ein Treiber des Unternehmenserfolgs anzusehen ist. Der vorliegende Beitrag analysiert unter Rückgriff auf ein validiertes Messinstrument, ob die Unternehmensreputation Entscheidungen nicht-institutioneller Anleger beeinflusst. Ein spezielles Experimentaldesign liefert die Daten zur Überprüfung der aus dem Behavioral Finance abgeleiteten Hypothesen.

Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass eine positive Veränderung der Reputation eines Unternehmens dessen Aktien für private Investoren attraktiver macht und zu Portfolioumschichtungen führt. Investitionen in das Reputationsmanagement sind damit auch aus Sicht der Investor Relations lohnenswert. (JEL C91, G11, M14)

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Bikker, Jacob A., und Metzemakers, Paul A. J.
„Wirkt Bankenkapital prozyklisch? - Eine länderübergreifende Untersuchung“

In diesem Artikel werden die Bestimmungsfaktoren für die internen Eigenkapitalziele von Geschäftsbanken sowie die potenzielle Sensitivität der unterschiedlichen Kapitalhöhen im Konjunkturzyklus untersucht. Weltweit erhobene Daten zeigen klar, dass das Eigenrisiko der Banken nur geringfügig vom Konjunkturzyklus beeinflusst wird. Die Banken neigen dazu, über das für die Unterlegung mit Eigenmitteln erforderliche Mindestkapital hinaus weiteres Pufferkapital in substanzieller Höhe zu halten, woraus hervorgeht, dass sie Kapital auch für Zwecke halten, die nicht ausschließlich der strengen Einhaltung der Bestimmungen über die Unterlegung mit Eigenmitteln dienen. Diese Daten legen die Vermutung nahe, dass die derzeitigen Kapitalhöhen gemäß dem neuen risikosensitiven Basel-II-Regime nicht wesentlich stärker prozyklisch wirken dürfen. Jedoch kombiniert eine Reihe von insbesondere kleineren Banken relativ stark risikobehaftete Portfolios mit Pufferkapital in begrenzter Höhe. Ein stärker risikosensitives Regime für die Unterlegung von Krediten mit Eigenmitteln könnte diese Banken dazu zwingen, höhere Eigenmittel vorzusehen, wodurch deren Wirkung stärker prozyklisch sein würde.

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Horsch, Andreas, und Sturm, Stefan
„Disintermediation durch Mikroanleihen“

Unternehmen, die als Kapitalmarktneulinge liquide Mittel mithilfe von Mikroanleihen mobili­sieren wollen, treffen im traditionell durch Bankenintermediation geprägten Finanzsystem Deutschlands auf erhebliche Marktwiderstände. Ob es so zur Disintermediation kommt, hängt von der Reputation des Emittenten sowie dem zielführenden Einsatz des Finanzmarketing-Mix ab. Aktuelle Mikroanleiheemissionen zeigen dabei eine auf den Nominalzins fokussierte Produkt- und Preispolitik. Ihr vordergründig attraktiver Zins ist ein Kapitalnehmerentgelt für erhebliche Unsicherheiten, die sich weniger auf den Ausfall des Emittenten als auf die geringe Marktfähigkeit und die Kündbarkeit der Teilschuldverschreibungen beziehen. Gerade der ent­sprechende Callability Spread erklärt bei Rückgriff auf Bewertungsmodelle für Bermudan Options große Teile des Spreads von Mikroanleihen gegenüber dem Marktzins. Die verblei­bende Lücke kann sowohl durch emittentenseitige Reputationsnachteile als auch Überschät­zung der Marktwiderstände (Miscalculation Spread) begründet werden. Für das gleichwohl bestehende Potenzial der Disintermediation durch Mikroanleihen sprechen nicht nur bisherige Platzierungserfolge, sondern auch die zur Abrundung untersuchten Ansätze innovativer Preis­politik in Form produktbasierter Zinsauslieferungen. (JEL G20, G32, L14, M31)

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Stotz, Olaf
„Regressionsbetas, implizite Betas und ihre Implikationen für die Aktienrisikoprämie“

In diesem Beitrag wird eine alternative Methode zur Schätzung des CAPM-Betafaktors vorgestellt. Aus einem Residual- Income- Modell werden implizite Betafaktoren abgeleitet, die mit den Schätzungen auf Basis üblicher Regressionsmethoden (OLS) verglichen werden. Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass implizite Betafaktoren realisierte Querschnittsrenditen von Aktien besser erklären können als Regressionsbetas. Implizite Betafaktoren führen am deutschen Aktienmarkt zu einer positiven Marktrisikoprämie von ca. 4%, während Regressionsbetas zu keiner positiven bzw. negativen Marktrisikoprämie führen.

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