KREDIT und KAPITAL - Heft 3/2007


Inhalt


Policy Issues

Schnabel, Isabel, und Hakenes, Hendrik
Regionale Banken in einer globalisierten Welt


Abhandlungen

Heid, Frank, Nestmann, Thorsten, Weder, Beatrice, and von Westernhagen, Natalja
German Bank Lending during Emerging Market Crises: A Bank Level Analysis

Mußhoff, Jörg, Jahns, Christopher, und Schiereck, Dirk
Wertschaffung durch feindliche M&A-Transaktionen in der europäischen Bankenindustrie? - Das Beispiel BNP und Paribas - (Teil I)

Rathgeber, Andreas
Optionsbewertung unter Lévy-Prozessen – Eine Analyse für den deutschen Aktienindex


Buchbesprechungen

Hölscher, Jens (Hrsg.)
Germany’s Economic Performance. From Unification to Euroization (Leo Schuster)


Zusammenfassungen

Schnabel, Isabel, und Hakenes, Hendrik
„Regionale Banken in einer globalisierten Welt“

In diesem Aufsatz gehen wir der Frage nach, welche Rolle regionale Banken in einer globalisierten Welt spielen können. Wir argumentieren, dass regionale Banken aufgrund einer stärkeren Kundenbindung und flacher Hierarchien Wettbewerbsvorteile realisieren können. Kostennachteile aufgrund der geringen Größe lassen sich möglicherweise durch das Outsourcing von Aktivitäten, z. B. innerhalb eines Bankenverbunds, ausgleichen. Am Beispiel Deutschlands wird gezeigt, dass Regionalbanken auch in Zeiten globalen Wettbewerbs profitabel sein können. Eine Verdrängung regionaler Banken ist daher nicht zu erwarten. (JEL G21, G28)

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Heid, Frank, Nestmann, Thorsten, Weder, Beatrice, und von Westernhagen, Natalja
„Die Kreditvergabe deutscher Banken während Emerging-Markets-Krisen: Eine Analyse auf Einzelbankebene“

Dieser Artikel untersucht die Kreditvergabe von Banken in Zeiten erhöhter Risikoaversion. Wir untersuchen die Reaktionen deutscher Banken während der Asien- und der Russlandkrise unter Verwendung von Einzelbankdaten der Deutschen Bundesbank. Eine Untersuchung dieser Frage kann Aufschluss darüber geben, welche Rolle Banken allgemein in der Übertragung von Währungs- und Wirtschaftskrisen in Schwellenländern spielen. Die empirischen Resultate zeigen, dass die deutschen Kreditinstitute auf die Asienkrise vorwiegend mit Portfolioumschichtungen innerhalb ihres Kreditportfolios aufstrebender Schwellenländer antworteten. Dabei zeigt sich, dass die privaten Kreditbanken stärker reagierten als die Landesbanken. Im Gegensatz dazu war das Verhalten der Banken während der Russlandkrise stark durch einen generellen Rückzug aus allen Schwellenländern gekennzeichnet, wobei Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Bankengruppen weniger deutlich als während der Asienkrise zutage traten.

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Mußhoff, Jörg, Jahns, Christopher, und Schiereck, Dirk
„Wertschaffung durch feindliche M&A-Transaktionen in der europäischen Bankenindustrie? – Das Beispiel BNP und Paribas – “ (Teil I)

Wird durch M&A-Transaktionen in der europäischen Bankenindustrie Shareholder Value generiert? Vor dem Hintergrund des beschriebenen scheinbaren Widerspruchs zwischen starker und jüngst erneut zunehmender M&A-Tätigkeit in der Bankenindustrie einerseits und der auf Basis der Forschung dokumentierten mangelnden Wertschaffung der Transaktionen (insbesondere für die jeweiligen Käuferbanken) andererseits wird in der Literatur vermehrt auf die Notwendigkeit einer differenzierteren Individualbetrachtungsweise in Form von Fallstudien (Case Studies) hingewiesen, die über die bisherigen Forschungsansätze hinausgeht und den Spezifika der einzelnen Transaktionen Rechnung trägt. Im Fokus dieses Beitrags steht daher die Analyse der Wertschaffung bzw. Wertvernichtung durch den Zusammenschluss von BNP und Paribas – als einem der wichtigsten nationalen Konsolidierungsschritte in der europäischen Bankenindustrie in den letzten Jahren – mithilfe des Fallstudienansatzes. Ziel ist es, hierbei auf inhaltlicher Ebene die bisher sehr geringe empirische Evidenz in Bezug auf europäische Bankentransaktionen zu ergänzen und zur Auflösung des zuvor genannten scheinbaren Widerspruchs beizutragen. Gleichzeitig soll auf methodischer Ebene die Eignung des Fallstudienansatzes für die Analyse des Erfolgs von Bankentransaktionen betrachtet werden.

Der erste Teil des Beitrags zeigt vor diesem Hintergrund auf Basis eines kritischen Vergleichs des Fallstudienansatzes mit den bisherigen Ansätzen zur Erfolgsmessung von Bankentransaktionen dessen grundsätzliche Eignung für die betrachtete Forschungsfrage und die hieraus folgende Notwendigkeit einer fallstudienbasierten Ergänzung der bisherigen Ergebnisse zum Erfolg von Bankentransaktionen. Im Anschluss daran erfolgt ein Überblick über die im Fokus des Beitrags stehende Transaktion zwischen BNP und Paribas. Hierzu werden zunächst die beiden Transaktionspartner dargestellt und ein Überblick über die relevanten Aspekte der Transaktion gegeben. Der Fokus liegt hierbei auf einer detaillierten Beschreibung des Bieterwettstreits. Danach erfolgt ein Überblick über die Hintergründe der Transaktion (einschließlich der Transaktionsmotive und der von BNP verfolgten M&A-Strategie) sowie eine Darstellung des mit großem Nachdruck vorangetriebenen Integrationsprozesses. Diese Ausführungen bilden die Grundlage für die Analyse der Wertschaffung und die Ableitung der Erfolgsfaktoren der Transaktion, die im Teil II dieses Beitrags erfolgen wird. (JEL G14, G21, G34)

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Rathgeber, Andreas
„Optionsbewertung unter Lévy-Prozessen. Eine Analyse für den deutschen Aktienindex“

Zahlreiche empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass Verteilungen von Aktienkursren­diten nur unzureichend durch die Normalverteilung abgebildet werden können. Zur Approxi­mation der Verteilung erwiesen sich in der Literatur und erweisen sich meist die nichtnorma­len stabilen Verteilungen als besser geeignet.

Diese Verteilungsklasse hat aber den Nachteil, dass die für die klassische Optionswertberech­nung nötigen Exponentialmomente nur selten endlich sind. Erweitert man den Verteilungstyp und betrachtet ein Aggregat mehrerer voneinander unabhängiger Zufallsvariablen samt Ver­teilungsfunktionen, erzeugt man einen stochastischen Prozess, den Lévy-Prozess, für den ei­nige Vertreter gefunden werden können, die endliche Exponentialmomente besitzen.

Auf Basis dieser die empirischen Daten besser abbildenden Prozesstypen kann dann eine Op­tionsbewertung vorgenommen werden. Allerdings kann diese Optionsbewertung nur teilweise analog zur klassischen Vorgehensweise bei Black/Scholes und Merton erfolgen. Die Bewer­tung findet zwar auf Basis der Arbitragefreiheitsannahmen statt. Allerdings ist der Markt meist nicht vollständig, sodass keine Duplikation stattfinden und kein eindeutiges äquivalen­tes Martingalmaß abgeleitet werden kann.

Um ein eindeutiges Wahrscheinlichkeitsmaß zu erzeugen, müssen zusätzliche Annahmen ge­troffen werden, wie etwa das Einführen einer Nutzenfunktion, das Aufsuchen einer risikomi­nimalen Strategie oder das einfache ex ante Festlegen einer Maßwechselfunktion. Im Beitrag wird die Esscher-Transformation als Maßwechselfunktion festgelegt.

Auf Basis des dann eindeutigen Martingalmaßes kann ein Optionspreis abgeleitet werden. Wendet man diese Vorgehensweise auf europäische Kaufoptionen auf den DAX an, stellt man deutliche Abweichungen zu den Preisen nach Black/Scholes und Merton fest. Ermittelt man aus den so bestimmten Preisen für europäische Kaufoptionen die impliziten Volatilitäten, zeigt sich der charakteristische in vielen Studien beobachtete Smile-Effekt. (JEL G13, C22)

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