KREDIT und KAPITAL - Heft 4/2007


Inhalt


Abhandlungen

Bethge, Jan-Alexander, and Ohr, Renate
Current-Account Matters on the Way to EMU: The Transfer Problem Re-revisited

Güttler, André, and Liedtke, Helge G.
Calibration of Internal Rating Systems: The Case of Dependent Default Events

Mußhoff, Jörg, Jahns, Christopher, und Schiereck, Dirk Wertschaffung durch feindliche M&A-Transaktionen in der europäischen Bankenindustrie? –
Das Beispiel BNP und Paribas - (Teil II)

Schröder, David
The Implied Equity Risk Premium – An Evaluation of Empirical Methods


Berichte

Fries, Oliver, Junker, Simon, und Tillmann, Peter
38. Konstanzer Seminar zur Geldtheorie und Geldpolitik 2007



Buchbesprechungen

De Grauwe, Paul (ed.)
Exchange Rate Economics: Where Do We Stand? (Michael Frömmel)


Zusammenfassungen

Bethge, Jan-Alexander, und Ohr, Renate
„Die Bedeutung der Leistungsbilanz auf dem Weg zur EWU: Das Transferproblem aus heutiger Sicht“

Der vorliegende Beitrag befasst sich mit möglichen Kriterien für das Timing der Euro-Einführung in den osteuropäischen Beitrittsstaaten der EU, speziell in den Visegrad-Staaten. Vor dem Hintergrund hoher Leistungsbilanzdefizite in diesen Ländern zeigt sich ein möglicher trade-off zwischen realer und nominaler Konver­genz, der auch als modernes Transferproblem klassifiziert werden kann. Es wird gezeigt, dass die Nachhaltigkeit der Leistungsbilanz als ein komplementärer Ansatz zur Bestimmung des gleichgewichtigen Wechselkurses (und damit auch des Zeitpunktes eines Beitritts zur Währungsunion) angesehen werden kann. Die tra­ditionellen Kriterien eines optimalen Währungsraums werden hierdurch um inter­temporale Kosten-Nutzen-Überlegungen erweitert. Für das optimale Timing der Euro-Einführung müssten daher zum einen numerische Nachhaltigkeits-Bench­marks für die Leistungsbilanz bestimmt werden, zum anderen aber auch die kon­kreten Ursachen und Auswirkungen der aktuellen Leistungsbilanzdefizite mit ein­bezogen werden.

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Güttler, André, und Liedtke, Helge G.
„Kalibrierung interner Ratingsysteme bei korrelierten Ausfallereignissen“

In dieser Arbeit vergleichen wir vier verschiedene Testverfahren für die Qualität der Kalibrierung interner Ratingsysteme bei korrelierten Ausfallereignissen. Zwei der Ansätze sind approximativer Natur und die anderen zwei stellen Simulations­ansätze auf Basis von Einfaktoren- bzw. Mehrfaktorenmodellen dar. Wir finden, dass die Mehrfaktorenmodelle präzisere Ergebnisse in Form niedrigerer, oberer Grenzen der Ausfallraten und engerer Konfidenzintervalle liefern. Für ein Konfi­denzniveau von 95 % überschätzen die approximativen Ansätze die oberen Gren­zen der Ausfallraten. Für niedrige Assetkorrelationen, vor allem für solche unter 0,5%, liefert der Granularitätsansatz keine belastbaren Ergebnisse. Für kleine Portfoliogrößen überschätzen die approximativen Ansätze zudem die oberen Gren­zen der Ausfallraten deutlich. Bei einer Anwendung empirischer Faktorkorrelatio­nen finden wir außerdem, dass die Konfidenzintervalle eines Zweifaktorenmodells im Vergleich zum Einfaktorenmodell erkennbar enger sind.

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Mußhoff, Jörg, Jahns, Christopher, und Schiereck, Dirk
„Wertschaffung durch feindliche M&A-Transaktionen in der europäischen Bankenindustrie? - Das Beispiel BNP und Paribas -“ (Teil II)

Wird durch M&A-Transaktionen in der europäischen Bankenindustrie Sharehol­der Value generiert? Vor dem Hintergrund des scheinbaren Widerspruchs zwischen starker und jüngst erneut zunehmender M&A-Tätigkeit in der Bankenindustrie einerseits und der auf Basis der Forschung dokumentierten mangelnden Wert­schaffung der Transaktionen (insbesondere für die jeweiligen Käuferbanken) andererseits wird in der Literatur vermehrt auf die Notwendigkeit einer diffe­renzierteren Individualbetrachtungsweise in Form von Fallstudien (Case Studies) hingewiesen, die über die bisherigen Forschungsansätze hinausgeht und den Spe­zifika der einzelnen Transaktionen Rechnung trägt. Im Fokus dieses Beitrags steht daher die Analyse der Wertschaffung bzw. Wertvernichtung durch den Zusammen­schluss von BNP und Paribas - als einem der wichtigsten nationalen Konsolidie­rungsschritte in der europäischen Bankenindustrie in den letzten Jahren - mithilfe des Fallstudienansatzes. Die Analyse basiert auf einer detaillierten Betrachtung des Bieterwettstreits, der Ableitung der M&A-Strategie sowie der Beschreibung des Integrationsprozesses (im Teil I des Beitrags). Dieser Fokus sowohl auf die Hintergründe der Transaktion und die Durchführung des Integrationsprozesses als auch auf die realisierte Wertschaffung des Zusammenschlusses vermittelt einen Uberblick über die Komplexität einer solchen Transaktion und erlaubt die Ablei­tung wichtiger Implikationen und Erfolgsfaktoren für die erwartete künftige Kon­solidierung der Bankenindustrie (gerade in Form feindlicher Transaktionen). Neben diesen inhaltlichen Aspekten wird auf der methodischen Ebene (in Teil I) die Eignung des Fallstudienansatzes für die betrachtete Forschungsfrage heraus­gearbeitet: Die Vielzahl der dokumentierten Einzelerkenntnisse auf Basis der Ana­lyse des Transaktionsprozesses über mehrere Jahre zeigt (im kritischen Vergleich mit den klassischen Ansätzen) die Vorteilhaftigkeit des Einsatzes von Fallstudien als ergänzende Methodik für die Betrachtung von Bankentransaktionen neben den bisher verwendeten Querschnittsbetrachtungen der Ereignis- and Performancestu­dien. (JEL G14, G21, G34)

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Schröder, David
„Die Implizite Risikoprämie - Ein Vergleich Empirischer Methoden“

Die implizite Risikoprämie ist ein neuartiges Konzept, um eine erwartete Markt­risikoprämie zu schätzen. Hierbei wird die zukünftige Risikoprämie mittels Bar­wertformeln aus erwarteten Aktienerträgen errechnet. Die vorliegende Arbeit ver­gleicht unterschiedliche Barwertverfahren zur Berechnung der impliziten Risiko­prämie und untersucht die den jeweiligen Risikoprämien zugrunde liegenden geschätzten Kapitalkosten einzelner Unternehmen. Es wird gezeigt, dass aus­gewählte Varianten sogenannter „Dividend Discount"-Modelle und „Residual Income"-Modelle zu vergleichbaren erwarteten Marktrisikoprämien führen. Aller­dings deuten Querschnittsregressionen der unternehmensspezifischen Kapitalkos­ten auf qualitative Unterschiede zwischen beiden Verfahren hin. Kapitalkosten, die aus „Dividend Discount" -Modellen ermittelt werden, stehen mehr im Einklang mit gängigen Kapitalmarktgleichgewichtsmodellen und prognostizieren zukünftige Aktienrenditen besser als Kapitalkosten, die auf „Residual Income"-Modellen ba­sieren.

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